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12. Januar 2008, 17:23 Uhr

Dämpfer für Schäubles Abschusspläne

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ist in seinen Sicherheitsplänen überraschend gestoppt worde. Der Präsident des Verfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier hat sich dagegen ausgesprochen, den Abschuss gekaperter Passagierflugzeuge zu gestatten.

Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, erteilt Wolfgang Schäuble und seinen Abschussplänen einen Dämpfer© Uli Deck/DPA

Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat Bestrebungen einen Dämpfer erteilt, den Abschuss gekaperter Passagierflugzeuge per Grundgesetzänderung doch noch zu ermöglichen. Die Menschenwürdegarantie könne selbst durch eine Verfassungsänderung nicht eingeschränkt werden, sagte Papier dem "Spiegel" nach einem Vorabbericht vom Samstag. Der oberste deutsche Richter wandte sich damit gegen Bestrebungen von Innenminister Wolfgang Schäuble, per Grundgesetzänderung einen "Angriff auf das Gemeinwesen" zu definieren und auf diesem Wege den Abschuss gekaperter Passagierflugzeuge zu gestatten.

Papier sagte, das Verfassungsgericht habe in seinem Urteil zum Luftsicherheitsgesetz zwar offen gelassen, ob im Falle eines Angriffs, der "auf die Beseitigung des Gemeinwesens und der freiheitlichen Rechtsordnung" gerichtet sei, von den Bürgern verlangt werden könne, ihr Leben zu opfern. Der Abschuss einer Passagiermaschine, die von Terroristen als Tatwaffe benutzt werde, sei aber kein solcher Fall, bekräftigte Papier.

Das Verfassungsgericht hatte 2006 das noch unter der rot-grünen Regierung verabschiedete Luftsicherheitsgesetz gekippt, das unter dem Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001 entstanden war und den Abschuss gekaperter Maschinen ermöglichte. Seither haben sich Union und SPD nicht auf ein neues Gesetz einigen können.

Papier wandte sich zugleich gegen Überlegungen Schäubles, Terroristen als Feinde der Rechtsordnung teilweise rechtlos zu stellen. Er halte die ganze Diskussion über einen rechtsfreien Status und eine Feindstellung von Personen für völlig unangebracht, sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Die Terrorlisten der UN und der EU nannte er ein heikles ungelöstes Problem. Wer auf den Listen als Terrorverdächtiger geführt werde, könne "im Grund gar nichts mehr machen". Dabei würden die Betroffenen nicht vorher angehört, ihnen würden keine Beweise mitgeteilt und sie hätten keinen effektiven Rechtsschutz.

Ausdrücklich wies Papier darauf hin, dass das Verfassungsgericht entschieden habe, sich beim Grundrechtsschutz gegenüber EG-Recht nur so lange zurückzuhalten, wie auf europäischer Ebene gleichwertiger Rechtsschutz gewährleistet sei. Das setze in der Regel Individualrechtsschutz durch unabhängige Gerichte voraus. "Daran fehlt es hier", bemängelte Papier.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
atride (14.01.2008, 07:57 Uhr)
dieser schäuble
erscheint mir in seiner ganzen überspanntheit immer mehr wie der bösewicht in einem zweitklassigen überwachungssttat-thriller. das es realität und bitter ernst ist, was dieser kranke mann verzapft, erfüllt mich nur noch mit Verzweiflung. es kann doch nicht angehen, dass dass bundesverfassungegericht den dt. verfassungsminister nach seinen politischen amokläufen ständig zurückpfeifen muss...
tripex (13.01.2008, 18:49 Uhr)
Scheindiskussion
Es wird noch eine Weile dauern bis die Mehrheit "des Poebels" erkennt, dass saemtliche in letzter Zeit angestrebten und teilweise schon durchgesetzten Gesetzesaenderungen zur besseren Ueberwachung und haerteren Bestrafung (siehe Koch) nur dazu dienen, "den Poebel" an der Leine zur halten um immer mehr Reformen durchzusetzen, die "dem Poebel" noch mehr Geld kosten. Es ist schon fast anbetungswuerdig, wie klug und schleichend dieses Projekt "Versklavung" angegangen wird. Moege es noch lange Richter geben, die den Rechtsstaat ehrenhaft Paroli bieten.
Was fuer eine bloede Argumentation der Verantwortungsfrage fuer ein Stadionabsturz ist das von einigen Leuten? Erstens ist es die alleinige Verantwortung des/der Terroristen und zweitens kann man es eh nicht sinnvoll verhindern. Wir steuern (sofern wir uns mehr und mehr an Kriegstreibereien fuer die fuel hungrige USA beteiligen) einem Denken entgegen, wo es ein betraechtliches Risiko darstellt, sich in der Naehe von Menschenansammlungen jeglicher Art aufzuhalten.
SeUlBr (13.01.2008, 15:23 Uhr)
Eigentlich ist doch alles klar...
... wir haben eine Verfassung, da stehen grundwerte drin, die auch aus gutem Grund drinstehen, und wenn ein Minister oder eine Regierung ein Problem mit diesen Grundwerten hat und meint, einen rechtsfreien Überwachungsstaat aufzubauen, dann gibt es nur eins:
Zurücktreten und auswandern!!!
Vor allem, die Herren Innenminister, sollten sie die Maßnahmen, die Ihnen und Ihrer Polizei jetzt schon zur Verfügung stehen, mal effektiv ausnutzen und nicht immer neue Maßnahmen fordern. Ich verweise hier mal auf die Jugendstrafrecht-Debatte, die zwar hier nicht das Thema ist, aber die politischen Verhaltensprobleme genau zeigt!
Und dann wünsch ich allen einen schönen, vom Staat überwachten, Sonntag noch...
Midnight_74 (13.01.2008, 15:10 Uhr)
Vielleicht mal darüber nachdenken!
Also, der Mindest-Seitenabstand im Luftverkehr zu Atomkraftwerken beträgt, glaube ich, irgendwas bei 1,5 Kilometer. Wir haben einen sehr dichten Luftverkehr. Bis die Absicht auf dem Radarschirm erkennbar ist, bleibt keine Zeit mehr für die Alarmrotte aufzusteigen und abzufangen. Es geht nicht! Dies ist eine typische Politiker-Scheindiskussion. Praktikable Lösungen wären eine technische Maßnahme in Flugzeugen, um diese dann durch ein vom Boden gegebenes Signal "auf Ewig" kreisen zu lassen oder wirklich eine 100% Kontrolle am Boden, so daß jegliche Gefahr herauskontrolliert wurde. Zudem eine bombensichere Cockpittür. Diese Diskussion soll nur die Bevölkerung verunsichern, damit sie nach härteren Maßnahmen und eine Lockerung der Gesetze/Grundrechte schreit.
bernie-abg (13.01.2008, 13:16 Uhr)
Was macht die CDU...
...wenn, sagen wir mal, eine Schwangere im sechsten Monat im Flugzeug sitzt?
Darf das Flugzeug dann abgeballert werden oder ist das eine illegale Abtreibung?
Nur mal so als Beispiel um die absurde Denkweise dieser sogenannten christliche Partei darzustellen!
felixhoffmeyer (13.01.2008, 12:48 Uhr)
Ich möchte denjenigen
sehen, der die Verantwortung auf sich nimmt, wenn nachweislich ein flugzeug in ein sTadion abzustürzen droht! Es muss möglich sein ein FLugzeug im letzten Augenblick abzuschießen.
Auch unsere Verfassung kennt solche Tatbestände, z.B. den übergesetzlichen Notstand, bei dem Leben gegen Leben abgewogen werden darf!! (Arzt kann nur einem von zwei Menschen retten)!
Dies sollte auch hier gelten!
Midnight_74 (13.01.2008, 05:19 Uhr)
Den Metzger zum Bäcker machen...
Unwidersprüchlich geht es darum, die Bundeswehr im Innern einzusetzen. Dies kann aber nur bedeuten, dass die Freiräume geschaffen werden sollen, um sie gegen das eigene Volk, oder bestimmte Teile/Gruppierungen davon, einzusetzen. Weshalb? Wissen unsere konservativen Politiker jetzt schon etwa auf wieviel Ablehnung ihre politischen Ableger in der Zukunft stossen werden? Sind dann Revolten wahrscheinlich? Vielleicht werden wir eine Zukunft haben, in der pro Quadratmeter nur noch X Liter Heizöl zugeteilt werden und wer, ausser die Reichen, kann sich dann noch Heizöl oder einen Wärmedämmungsumbau leisten? Und wenn man sich das leistet, bleibt nix mehr für die Altersvorsorge... Es wird viel Konfliktstoff geben in der Zukunft. Die Chancenlosen, die Verlierer des staatlichen Schulsystems [billige Arbeitsknechte] und die Privilegierten, die schon zu Lebzeiten ausgesorgt haben. Die politische/wirtschaftliche Klasse zeugt sich selbst nach, d.h. deren Söhne und Töchter werden zum gezielten Machterhalt positioniert. Kürzlich habe ich eine Zeitschrift entdeckt (deutschsprachig), die sich "homelandsecurity" nennt. Auf den ersten Blick bemerkte ich gleich die Anzeigen typischer Rüstungsfirmen wie Kärcher, EADS usw. Eigentlich soll das Magazin über den Katastrophenschutz handeln, doch das wesentliche Stichwort ist "ZMZ", die Zivil-Militärische Zusammenarbeit. Schleichend, und mit einem langen Gewöhnungsprozeß soll die Bundeswehr über ZMZ salonfähig gemacht werden. Die Ausrüstung bei Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz vergammelt und Fahrzeuge mit Alter 30+ sind keine Seltenheit, während der milliardenschwere Etat der BW jedes erdenkliche Wunschgerät ermöglicht. Momentan läuft die Beschaffung der Panzerhaubitze 2000, ein Waffensystem welches im Kalten Krieg konzipiert wurde. Fünf PZH 2000 ergeben den Betrag, welchen die Bundesrepublik Deutschland im Jahr für Katastrophenschutz ausgibt. Wenn die Bundeswehr zu überdimensioniert ist, muss man sie eben verkleinern und nicht nach neuen Aufgaben suchen oder die Wehrpflicht abschaffen, die 35% des Personals der Bundeswehr bindet. Katastrophenschutz ist heute immer noch eine Sache des Ehrenamts, d.h. billiger geht es gar nicht, weil der Staat so erstens keine Personalkosten hat und zweitens von den Berufserfahrungen/-ausbildungen der Leute profitiert. Bildlich gesprochen: wenn ich Brötchen möchte, gehe ich zum Bäcker. Nun glaubt der Metzger bessere Brötchen backen zu können als der Bäcker und will dafür auch noch mehr Geld. Wenn wir aber bessere Brötchen haben möchten, müssten wir dann nicht an den Bäcker denken? Diese Thematik sollte der Stern mal genauer betrachten...
adi35 (12.01.2008, 22:47 Uhr)
Gilt der Abschuss in jedem Fall?
"im Falle eines Angriffs, der "auf die Beseitigung des Gemeinwesens und der freiheitlichen Rechtsordnung" heisst es doch so schön
Wenn also unser Innenminister Schäuble- Mielke (Doppelnamen sind ja in der Politik so schön trendy)in seinem Privatjet über die Bundesrepublik jetet ist das schon als Angriff zu werten? Weil wer Grundrechte beschneidet bzw. abschafft, das Volk bespitzelt und unter Generalverdacht stellt , der genau greift unserer Rechtsordnung an! Ich hoffe das es noch lange genug Richter in unserem Land gibt die solche Angriffe auf das Grundgesetz verhindern. Da war ja die Stasi ein Kindergarten dagegen!
JoDo (12.01.2008, 20:29 Uhr)
Die Gesetze waren bekannt..
..seit den 70ern stand es fest. Trotzdem versucht der Amts Paranoiiker Schäuble Piloten zum Todschlag zu zwingen. Wohl wissend das nicht er, sondern der Pilot zu Verantwortung gezogen wird. Dann zynisch vom "Wohl des Volkes" zu sprechen mag seine definition sein, für mich nennt sich sowas prämidedierter Mord!
kralli19 (12.01.2008, 20:28 Uhr)
Aber aber...
es geht doch nicht um Terrorabwehr....etlichen Herren da oben ist einfach unser Grundgesetz im Wege, mehr nicht.
Die würden auch ganz andere Gründe finden, um Grundrechte abzuschaffen, sie es Kinderpornographie oder sonstwas.
Insgeheim beneiden sie Diktatoren oder andere autoritäre Regime, wo man mit Kritikern nicht diskutieren muss, sondern sie einfach verschwinden lassen kann.
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