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20. Oktober 2009, 12:42 Uhr

Regierung verteidigt Hartz IV als ausreichend

"Plausibel" und "auf neuen wissenschaftlichen Methoden basierend": Die Bundesregierung hat zum Auftakt des Hartz-IV-Prozesses in Karlsruhe die Regelsätze verteidigt. Die Verfassungsrichter machten deutlich, in dem Verfahren gehe es nicht nur um die Belange der Kinder.

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Protest in Karlsruhe: Mit einem riesigen Banner sorgten Unterstützer der Kläger für Aufregung© Uli Deck/DPA

Die Bundesregierung hat vor dem Bundesverfassungsgericht die Hartz-IV-Sätze für etwa 1,7 Millionen Kinder verteidigt. Die Höhe der Leistungen sei auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Methoden festgesetzt worden, sagte Sozial-Staatssekretär Detlef Scheele in einer Anhörung am Dienstag in Karlsruhe. Zugleich wies er darauf hin, dass nicht allein der Bund, sondern auch Länder und Kommunen für die soziale Absicherung Bedürftiger zuständig seien.

Berechnung "plausibel und sachgerecht"

Auch das Bundesarbeitsministerium hält die Hartz-IV-Leistungen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene für "ausreichend". Mit diesen Unterstützungsleistungen würden die Betroffenen "so gestellt wie Personen im Niedrigeinkommensbereich, also wie etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung in Deutschland", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums zu dem Prozess. Die Berechnung dieser Leistungen erfolge "plausibel und sachgerecht".

"Ausreichend" seien die Regelsätze deshalb, weil die Grundsicherung nicht nur auf das Ziel der Existenzsicherung ausgerichtet sei, sondern auch darauf, Menschen in Arbeit zu bringen. So liege die Armutsrisikoquote der Kinder in Haushalten, in denen kein Elternteil erwerbstätig ist, bei 48 Prozent. "Ist nur ein Elternteil in Vollzeit erwerbstätig, verringert sich die Armutsgefährdung der Kinder auf 8 Prozent."

Auch Hartz-IV für Erwachsene auf dem Prüfstand

Das Gericht in Karlsruhe verhandelt über die Frage, ob die Leistungen zwischen 215 und 250 Euro für Kinder unter 14 Jahren deren tatsächlichen Bedarf abdecken. Weil die Sätze lediglich durch einen pauschalen Abschlag auf die Hartz-IV-Beträge für Erwachsene festgelegt worden sind, halten das Bundessozialgericht und das Hessische Sozialgericht die Regeln für verfassungswidrig. Geklagt haben drei Familien aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Ein Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet.

Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier machte zum Prozessauftakt deutlich, dass neben dem Geld für die Kinder auch der zugrunde liegende Regelsatz von derzeit 359 Euro bei alleinstehenden Erwachsenen und 323 Euro bei Partnern Gegenstand des Gerichtsverfahrens sind. Im Zentrum des Verfahrens stehe das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums, das sich aus der Garantie der Menschenwürde und dem Sozialstaatsprinzip ergebe. Inhalt und Grenzen dieses Grundrechts seien vom Gericht bisher noch nicht abschließend geklärt. Dabei gehe es auch um die Frage, welchen Gestaltungsspielraum der Gesetzgeber hier habe.

Abstimmung

Muss der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder erhöht werden?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 72)
 
Arioffz (21.10.2009, 07:50 Uhr)
@jomimo

Diese Lektüren sind nicht ausschließlich
Science-Fiction, sondern bittere Realität über das Vollversagen unserer Politik, aber diese wird wie vieles unter den Teppich gekehrt.
Es werden wenige tun, aber ich schäme mich für uns. Eine Schande, aber wie viele hiewr posten sind sie auch nicht weit von dem entfernt was unsere Politikere tun, an sich selbst denken und eines nicht vegessen, wir nennen uns Sozialstaat! Wem es nicht passt, das der eine für den anderen aufkommt, wäre in einer Diktatur besser aufgehoben.
jomimo (20.10.2009, 19:43 Uhr)
@arioffz
... bin beim Kopp - Verlag gelandet, habe auch ein wenig gestöbert, wirklich nur ein wenig, und mein Puls ging hoch und beruhigt sich nicht.
Frage mich, wo ich lebe und wer uns mittlerweile wirklich regiert und warum etc. etc
Liebe Foristen, wenn Sie ein wenig Zeit haben, gehen Sie einfach mal auf diese Seite .
Kann nicht alles Verschwörungstheorie sein,
ein wenig Wahrheit ist immer dran.
Gehe jetzt erstmal an die frische Luft ...
utospatz (20.10.2009, 19:18 Uhr)
Eine Regierung verteitigt! Was denn?
Eine 50jährige Schuldenanhäufung zu Gunsten Ihrer Klientel? Selbst 80 millionen Hartz-Puff-Empfängern wäre es nicht gelungen einen derartigen Schuldenberg aufzutürmen! Dies war nur Regierungs-Parteien der vergangenen 50 Jahre möglich! Jetzt fangen sie an sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Dies zeugt nicht nur von wenig Hirn, sondern auch von mangelndem Charakter!
Xennia (20.10.2009, 18:54 Uhr)
Konkurrenz für eigenen Nachwuchs ausschalten
@ Prologo
Sie haben den wahren Grund genannt, warum die finanziell Priviligierten dieses Landes das Leid der armen Kinder wollen, statt die Kinderarmut komplett abzuschaffen, wie es in einem so reichen Land gehört. Es geht darum, Konkurrenz auszuschalten, für den eigenen Nachwuchs, das ist ein ungeheurer Skandal und eines demokratischen Landes unwürdig. Wer arm aufwächst, hat in Deutschland kaum Chancen, die Nachteile in der sozialen Herkunft, auszugleichen, zumal auch das Schulsystem sehr sozial ungerecht ist und den Benachteiligten noch mal einen drauf gibt!
Arme Kinder spüren dazu noch die soziale Ächtung und soziale Ausgrenzung, häufig auch innerhalb der Gleichaltrigen. Empathie und Solidarität erfahren die von Armut betroffenen Kinder hierzulande in einem eher geringeren Maße, als dies dort (in sogenannten armen Ländern) der
Fall ist, wo kaum jemand ein großes
(Geld)Vermögen besitzt. Zur Ausgrenzung der Kinder trägt nicht zuletzt das Vorurteil zahlreicher Mitbürger bei, dass es sich bei der Armut in einem reichen Land letzten
Endes nur um eine Chimäre handeln könne.
Arioffz (20.10.2009, 17:54 Uhr)
Blindgänger in D
@@Sononja
google mal unter : cia bericht soziale unruhen in d und Vergleiche BKA Berichte wo die sozialen Brennpunkte in D sind in der sich die Polzei schon in die Hose .....
rockyciano (20.10.2009, 17:42 Uhr)
Liebe MITLESER
es hat doch schon immer Transferleistungen an Arbeitslose siehe Arbeitslosengeld-Arbeitslosenhilfe- und an Hilfebedürftige siehe Sozialhilfe- gegeben.Aber ich habe noch nie so eine AUFREGUNG erfahren, wie jetzt bei der Umbenennung in Hartz IV. Sicherlich gibt es auch einen Leistungsmißbrauch- aber dafür gibt es doch Gesetze - und die sollten dann umgesetzt werden oder???
svepet (20.10.2009, 17:35 Uhr)
@Prologo
Wie schreib es Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten und in seinen Büchern so treffend.
" Eine mittelmäßige Elite, die sich immer wieder selbst bestätigt"
Gruß
Svepet
auwei (20.10.2009, 17:32 Uhr)
@prologo
Die große Verschwörung der Neo-Feudalisten? Spaß hin oder her - manchmal bin ich geneigt, auch an sowas zu glauben. Es wäre doch schon mal ein Anfang, wenn Kinder vermögender Eltern tatsächlich anhand ihrer Fähigkeiten geschult und ausgebildet werden - und nicht, weil Pappi viieeele Spenden an die Schule gibt. Oder besser noch: gleich das Privatgymnasium mitfinanziert. Ein sozial durchlässiges System hat aber eine Bedingung: Bildung darf nicht am Geld hängen. Und da steuern wir gerade volle Lotte in die andere Richtung. Stipendien, wie sie aktuell angedacht werden, sind bestenfalls gutgemeinter Blödsinn, schlechtestenfalls blanker Zynismus.
juergenfrm (20.10.2009, 17:27 Uhr)
Staatssekretär Detlef Scheele
Staatssekretär Besoldungsgruppe B7 - B11 oder auch 8058,08? ohne Zulagen bis 10004,02? ohne Zulagen
Prologo (20.10.2009, 17:20 Uhr)
Nachgelegt. Hartz IV eliminiert talentierte Kinder.
Hinter diesem niedrigen Hartz IV Kindersatz steckt doch eine ganz andere, subtile und latente Absicht.

Dieser niedrigst angesetzte Hartz IV Kindersatz grenzt unsere Hartz IV Kibder nicht nur aus der Gesellschaft aus!

Nein, der Kindersatz ist deshalb so niedrig, um die talentierten Kinder aus sozial schwachen Hartz IV Familien von Anfang an als Konkurrenten für eine gehobene Laufbahn auszuschalten.

Ja, als Konkurrenten für die untalentierten Kinder, aber aus wohlsituierten Familien, wie Ärzte, Beamte, Politiker, und Manager.

Diese Methode wurde ja schon vor Hartz IV praktiziert, aber auf eine andere Weise.
Hartz IV ist nur eine Steigerung dazu.
Deshalb haben wir ja jetzt so ein schwaches Management. Es besteht aus geförderten Untalentierten, und Wohlsituierten.

Der Weg eines Hartz IV Kindes ist wohl schon steiniger, das Abitur zu schaffen, und einen Studienplatz zu ergattern, als der Weg eines Kindes von Frau Hohlmeier aus Bayern.
Mfg,
Tobi
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