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Schwule Eltern? Natürlich!

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer ersten Anhörung erkennen lassen, dass es das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare verbessern wird. Die CDU sollte sich schämen.

Von Hans Peter Schütz

Ungleichheit für Homo-Paare vor dem Gesetz: Das Bundesverfassungsgericht sieht in der die bislang geltenden rechtlichen Regelung einen Verfassungsbruch.

Ungleichheit für Homo-Paare vor dem Gesetz: Das Bundesverfassungsgericht sieht in der die bislang geltenden rechtlichen Regelung einen Verfassungsbruch.

In welchem Jahrhundert lebt eigentlich die Bundesrepublik? Im 17. oder im 21.? Oder genauer gefragt: Wieso findet die Gedankenwelt einiger verantwortlicher Politiker keinen Anschluss an die Moderne? Ist da zu viel Altbackenes, Vorgestriges, Zurückgebliebenes? Es scheint so. Sonst hätte sich das Bundesverfassungsgericht jetzt nicht mit der Frage befassen müssen, ob eine Anpassung des Adoptionsrechts für Homosexuelle notwendig ist.

Die Frage, die sich dem BVG stellt: Sollen Lesben und Schwule, die in einer festen, eingetragenen Partnerschaft leben, das Kind adoptieren dürfen, das ihr Gefährte schon in einer früheren Beziehung adoptiert hatte? Wer einen konservativen Normalbürger mit dieser Frage konfrontiert, wird nur Gestotter hören. Weil er sich einer offenen und ehrlichen Antwort schämt. Denn die müsste lauten: Das Leben mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar schade seiner Ansicht nach dem Kind.

Von wem die Fürsorge kommt, ist dem Kind egal

Diesen Unsinn aber kann niemand ernsthaft behaupten. Wer es doch tut, möge sich mal in deutschen Kinderheimen umsehen, in die viele Kinder aus "ordentlichen Ehen" gesteckt werden müssen, um sie vor weiterem Unheil zu bewahren. Es sind Kinder, die von ihren Eltern, von Mama und Papa, misshandelt, geschlagen, vergewaltigt oder vernachlässigt worden sind. Schützt also die vermeintlich "richtige", heterosexuelle Kombination der Erziehungsberechtigten die Kinder vor irgendetwas? Mitnichten.

Was ein Kind braucht, ist Liebe und Fürsorge. Ob ihm diese Gefühle von zwei Männern, zwei Frauen oder von einer Patchwork-Kommune entgegengebracht werden, ist dem Kind egal. Gerade Kinder, die schon einmal eine Trennung ihrer Eltern verkraften mussten und von einem Elternteil adoptiert wurden, brauchen diese Zuneigung. Sie benötigen einen geschützten Raum, in dem sich stabilisieren und ihre Identität herausbilden können.

Die derzeit geltende rechtliche Regelung, die Kindern genau diese Schutzzonen verweigert, ist grotesk. Sie schadet ihrem Wohlergehen, weil einige Erwachsene meinen, gleichgeschlechtliche Verbindungen seien Teufelszeug, ein nicht zu tolerierender Verstoß gegen religiöse und moralische Normen. Die Schlechterstellung dieser Paare, wie es Konservative wollen, hat auch etwas von einer - geradezu alttestamentarisch anmutenden - Bestrafung. Weil die nicht so sind wie wir, sollen sie sie auch nicht dasselbe dürfen. Kind hin oder her.

Noch schöner, die "Abweichler" zu privilegieren

Diese Haltung verbietet eigentlich schon unser Grundgesetz, in dem es heißt, alle Menschen seien vor dem Gesetz gleich. Sind sie jedoch nicht, wie zuletzt auf dem CDU-Parteitag in Hannover zu erleben war. Dort wurde die steuerrechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe unter Aufbietung vieler erhobener moralischer Zeigefinger abgelehnt. Wäre ja noch schöner, so die Mehrheitsmeinung, wenn diese "Abweichler" ebenso privilegiert wären wie die "Normalos". Das perfide, oft benutzte Argument: Homosexuelle würden ja nicht auf eine Familiengründung zielen, diese sei aber wichtig für den Erhalt des Staates. Dass dies auch viele heterosexuelle Paare nicht tun, schien die Delegierten kaum zu interessieren. Ebenso wenig wie der Fakt, dass es für Homosexuelle schlicht unmöglich ist, eine Familie zu gründen, wenn sie kein Adoptionsrecht haben. Die Leidtragenden sind, wie so oft, die Kinder.

Es ist gut, dass das Verfassungsgericht in der erste Anhörung nun erkennen ließ, dass es den Strukturkonservativen der CDU nicht folgen und das Kindeswohl an erste Stelle rücken wird. Dass die Vertreter des Deutschen Familienverbandes sich dem Gericht entgegen warfen, wird viele Eltern dazu motivieren, den Austritt aus dieser Organisation zu erwägen. Die CDU wird einstweilen bei ihrer Meinung bleiben können, denn sie wird sie nach dem endgültigen Urteil Anfang kommenden Jahres wieder ändern. Ändern müssen.

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