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Das bizarre Doppelleben des Soldaten, der sich als Flüchtling ausgab

Ein deutscher Bundeswehrsoldat führte mehr als ein Jahr lang ein Doppelleben als vermeintlich syrischer Flüchtling. Die Ermittler gehen davon aus, dass er einen Terroranschlag unter falsche Flagge plante. Ein kurioser Fall.

Ein Soldat der Bundeswehr auf einem Truppenübungsplatz (Symbolfoto)

Ein Soldat der Bundeswehr führte ein Doppelleben als Flüchtling - offenbar, um einen Anschlag zu begehen (Symbolfoto)

Ein deutscher Bundeswehrsoldat führte offenbar ein als syrischer Flüchtling und plante einen Terroranschlag unter falscher Flagge. Die Ermittler haben den Verdacht, dass der 28-Jährige seine Tarnidentität als Syrer für eine "schwere staatsgefährdende Straftat" nutzen wollte. Sein Motiv dafür sieht die Staatsanwaltschaft Frankfurt in Fremdenhass. Der Mann und sein 24-jähriger mutmaßlicher Komplize, wohl ein alter Freund des Soldaten aus Offenbach, sitzen in Untersuchungshaft.

Augenscheinlich plante der Oberleutnant der seine mögliche Tat lange und ausführlich. Bereits Dezember 2015 soll er sich als vermeintlich syrischer Flüchtling im hessischem Gießen gemeldet haben. Er gab sich als Christ aus Damaskus aus. Da er kein arabisch sprach, verständigte er sich auf französisch. Syrien stand nach dem Ersten Weltkrieg eine Zeit lang unter französischer Herrschaft. Der Verdächtige gab demnach an, aus einer französischen Enklave in Damaskus zu stammen. Anfang 2016 wurde er dann der Erstaufnahmeeinrichtung im bayerischen  zugeteilt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt dem stern bestätigte.

Später soll er auch in einer Unterkunft in Erding gelebt haben. Er beantragte Asyl und erhielt den sogenannten subsidiären Schutz, auch die monatlichen Bezüge soll er erhalten haben. In der Regel erfolge dies in bar vor Ort, erklärte ein Sprecher des bayerischen Sozialministerium. Während der Unterbringung habe er sich "unauffällig" verhalten. Er sei erreichbar gewesen und habe Behördentermine wahrgenommen. Wie das mit seinen Dienstzeiten als Soldat vereinbar sei, wisse das Ministerium nicht. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft hielt er sich "nur sporadisch" in der ihm zugeteilten Flüchtlingsunterkunft auf. Hauptsächlich lebte er in seiner Kaserne im französischen Illkirch.

Scharfe Waffe auf Flughafenklo versteckt

Anfang 2017 geriet er dann ins Visier der Ermittler - zunächst in Österreich. Am Flughafen Wien wurde im Putzschacht einer Toilette eine geladene Pistole gefunden. Die Ermittler stellten eine Falle, um denjenigen zu fassen, der sie dort platziert hatte. Als der Soldat die Waffe abholen wollte, schlugen sie zu. Nach Informationen von "Welt" und "Spiegel" gab er dort - wie auch später in Vernehmungen durch den Militärischen Abschirmdienst - an, die Waffe gefunden zu haben. Für einen Haftbefehl reichte der Fund nicht aus. Aber die Österreicher informierten ihre deutschen Kollegen.

Die Fingerabdrücke des Mannes führten zu keinem Ergebnis in den deutschen Verbrecherkarteien - allerdings stimmten sie mit dem syrischen Flüchtling überein, der Ende 2015 im hessischem Gießen registriert worden war. So geriet der Soldat ins Visier der Ermittler. Medienberichten zufolge ließen sie ihn allerdings zunächst weiter bei der Bundeswehr arbeiten, um ihn weiter observieren und Beweise sammeln zu können. Am Mittwoch dann wurde er festgenommen, auch sein mutmaßlicher Komplize aus sitzt seit Donnerstag in Haft. Beide machen keine Angaben zu den Vorwürfen.

Mögliches Motiv: Fremdenhass

Die mögliche Motivlage ist noch nicht ganz klar. Auswertungen aus Sprachnachrichten, die die beiden sich zuschickten, legen nach Informationen des aber eine rechtsextreme und ausländerfeindliche Gesinnung nahe. In der Wohnung des 24-Jährigen fanden die Ermittler zudem Patronen für Schusswaffen und auch Sprengstoff, von dem noch nicht klar ist, ob dieser unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt.

Der Fall wirkt bizarr und vieles ist noch offen. Wollte der Soldat einen Anschlag verüben und die Ermittler mit seinen Fingerabdrücken auf eine falsche Fährte führen? Falls ja, warum wartete er über ein Jahr damit und riskierte, entdeckt zu werden? Konkrete Anschlagspläne könne man den beiden nicht nachweisen, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Für zwei Haftbefehle reichen die Ergebnisse der Ermittlungen aber aus.

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