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6. April 2010, 07:07 Uhr

Politik nimmt Ausrüstung unter die Lupe

Erneuter tödlicher Zwischenfall in Afghanistan: Nato-Truppen haben versehentlich vier Zivilisten getötet. Die Rufe nach einer besseren Ausrüstung der Bundeswehr werden lauter. Der Auswärtige Ausschuss will nun den Vorwürfen nachgehen.

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Bundeswehrsoldaten während einer Patrouille: "Auf Urteil des Miltärs verlassen"© Michael Kappeler/ddp

Bei einem Luftangriff der Nato sind im Süden Afghanistans erneut vier Zivilisten ums Leben gekommen. Wie die Internationale Schutztruppe Isaf am Dienstag mitteilte, beschossen Kampfflugzeuge in der Provinz Helmand ein Gehöft, in dem sich radikal-islamische Taliban verschanzt hatten. Als Bodentruppen anschließend in die Gebäude vorgedrungen seien, hätten sie neben vier getöteten Aufständischen auch vier tote Zivilisten entdeckt, darunter zwei Frauen und ein Kind. Den Einheiten sei nicht bewusst gewesen, dass sich Zivilisten in dem Gebäude aufhielten, als sie den Luftangriff angefordert hätten, hieß es. Bei dem Angriff wurden den Angaben zufolge auch vier mutmaßliche Rebellen getötet. Der Vorfall werde untersucht, so die Isaf.

Bereits am Montag hatte die Nato die Verantwortung für den Tod von fünf Zivilisten eingestanden, darunter auch drei Frauen. Die Zivilisten seien bereits Mitte Februar bei einem Einsatz in der Provinz Paktia getötet worden.

"Man kann sich nicht als einzelnes Land davonmachen"

In Deutschland ist unterdessen eine Diskussion über Mängel in der Ausbildung und Ausrüstung der Bundeswehr entbrannt. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, will Vorwürfen nachgehen, wonach die Bundeswehr im Einsatz unter Ausrüstungsmängeln leidet. Der CDU-Politiker sagte am Dienstag, als "militärische Laien" müssten sich Politiker allerdings auf das Urteil des Militärs verlassen. Trotz des jüngsten tödlichen Anschlags auf die Bundeswehr bei Kundus hält Polenz an dem internationalen Einsatz in Afghanistan fest. Man könne "sich nicht einfach als einzelnes Land davonmachen".

Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD) hatte der "Bild"-Zeitung nach dem schweren Gefecht am Karfreitag gesagt, ihn hätten Soldaten darauf hingewiesen, dass es Defizite bei der Ausbildung gebe. Er habe dies auch bei der Vorstellung seines Jahresberichts Mitte März angesprochen.

Polenz sagte im ZDF-Morgenmagazin, er gehe grundsätzlich davon aus, dass die Bundeswehr-Soldaten im Einsatz gut ausgebildet und gut ausgerüstet seien: "Und ich finde, die Politik ist auch gut beraten, wenn sie sich jetzt nicht hier als Ersatz-Feldherr aufspielt, sondern sich auf das Urteil und natürlich auch auf die Forderungen der Militärs verlässt." Ihm sei nicht bekannt, dass konkrete Forderungen der Bundeswehr nach Ausrüstung bislang nicht berücksichtigt worden seien. Entsprechender Kritik ehemaliger Soldaten werde man "sicherlich nachgehen".

Den Einsatz am Hindukusch verteidigte Polenz: "Es geht in Afghanistan letztlich um die internationale Sicherheit und damit auch um die deutsche Sicherheit." Man wisse durch die Anschläge in London und Madrid, dass Al-Kaida Afghanistan zur Vorbereitung und "als Ruheraum für terroristische Anschläge weltweit genutzt hat".

"Es geht nicht um Brunnen bohren"

Beim Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan sind seit 2002 bislang 39 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Der Parlamentarische Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) räumte ein, Politik und Öffentlichkeit hätten sich in den ersten Jahren des Einsatzes "etwas vorgemacht". Es sei "beschönigt worden, dass es in Afghanistan gewalttätige bewaffnete Auseinandersetzungen mit Toten und Gefallenen gibt", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir führen eine kriegerische Auseinandersetzung. Es geht nicht nur um Brunnen bohren." Zuvor hatte auch Verteidigungsminister Guttenberg gesagt, man könne in Afghanistan "umgangssprachlich" von Krieg sprechen.

Der Hinterhalt gegen die deutschen Soldaten sei von langer Hand geplant worden, sagte Schmidt. Er betonte mit Blick auf den Einsatz am Hindukusch: "Wir wollen diese Auseinandersetzung so bald wie möglich beenden, das heißt, so bald es die Chance zur Übergabe der Verantwortung an die Afghanen gibt." Derzeit setzt die Bundeswehr bis zu 5350 Soldaten in Afghanistan ein.

Zivile Opfer bei Einsätzen der internationalen Truppen sind in Afghanistan ein hochsensibles Thema. Vor allem zwischen Washington und Kabul kommt es deshalb immer wieder zu Spannungen. Der Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, hatte im vergangenen Jahr versprochen, mehr für den Schutz der Zivilisten zu tun.

"Aus dem Aufstand würde Widerstand"

Für die umstrittene Rede des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai äußerte Polenz Verständnis. Sie sei "per se nicht problematisch gewesen". Man müsse sehen, dass Karsai innenpolitisch "unter sehr starkem Druck" stehe - durch den Vorwurf der Wahlfälschung und durch die wachsende Stärke der Taliban. Polenz befand es für "schon richtig", dass Karsai sich darum bemühe, vor einer größeren Nato-Operation in Kandahar die Zustimmung der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen.

Karsai wurde von einem afghanischen Abgeordneten mit den Worten zitiert, "wenn ich unter ausländischen Druck komme, könnte ich mich den Taliban anschließen". Er habe gesagt, "aus dem Aufstand würde dann Widerstand".

AFP/DPA/APN/ott
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
mantrid (07.04.2010, 12:54 Uhr)
Was ist die Aufgabe der Bundeswehr?
Bei meiner letzten Reserve-Übung mussten wir erst einmal Teil von zwei anderen LKW abbauen, damit wir einen einigermaßen verkehrstüchtigen LKW hatten. Mit der Ausrüstung scheint es leider in Afghanistan nicht gut bestellt zu sein. Beruflich habe ich oft mit Soldaten zu tun, die in Afghanistan Dienst taten bzw. da hin sollen und mir diese Meinung bestätigen.

Nach dem Ende des kalten Krieges hat man es versäumt, den BW-Auftrag neu zu definieren. Inzwischen sind wir von Freunden umzingelt. Nur noch die Schweiz ist nicht mit uns in einem Bündis.

Was soll unsere Bundeswehr denn eigentlich können und leisten? Eine schnelle Eingreiftruppe bräuchte verlastbare Waffen und das entsprechende Transportgerät. Der Leo ist viel zu schwer und Transportgerät ist entweder völlig veraltet (Transall, Hubschrauber) oder die Neuanschaffungen sind noch nicht verfügbar oder sind fehlerbehaftet oder gleich beides, wie bei Militär-Airbus mit seinen technischen Problemen und der mickrigen Ladekapazität.

Es fehlt eine Grundssatzdiskussion, was die Bundeswehr eigentlich soll. Für Aufbauhilfe haben wir das THW. Polizeiausbldung kann auch bei uns stattfinden. Was soll also die Aufgabe der Bundeswehr sein?

Papayu (07.04.2010, 08:14 Uhr)
Afghanistan
Alle, die sich hier aeussern, sollten sich das Ganze unter dem Aspekt Afghane ansehen. Es ist deren Heimat und seit Jahrhunderten herrscht dort eine Politik, die kein Wessi- versteht.
Und je laenger die Besatzungstruppen dort bleiben, so groesser wird der Hass auf diese und die Taliban habe auch dazu gelernt, wie man diese Besatzer verunsichert. Partisanen koennen nicht " gefasst und erschossen" werden, denn sie haben die Bevoelkerung hinter sich.

Meiner Meinung nach sie diese
Taliban sehr klug geworden und locken die Besatzer in weit geoeffnete Fallen ( KUNDUS)!!!!!
Da werden 2 Tanklaster geklaut und auf eine Sandbank gefahren.
Dann verschwinden die Taliban und die Bevoelkerung hat eine Nebeneinnahme entdeckt. Dann werden sie entdeckt und ein "eingesperrter Oberst" gibt den Befehl zwei Bomben - haette nicht Bordfeuer ausgereicht?- zu werfen.
Danach dauert es eine Weile, bis sich die BW aus der Deckung traut, und stellt dann fest, dass dort nur Zivilisten getoetet wurden, die Leichen verschwanden, kein Gewehr oder Taliban gefunden.
Und dann die Schande, die muss unbedingt verschwiegen werden, denn Rest kennen wir ja.
Durch diese sinnlose Toetung haben die Taliban noch mehr Unterstuetzung bei der Bevoelkerung gefunden. Und dann tritt der Held der Worte auf, weiss angeblich nicht richtig bescheid, muss aber droehnen.
kriegsaehnliche Zustande, was ist das eigentlich und dann " umgangssprachlich " Krieg!!"
Die Franzosen sind seit vielen, vielen Jahren schlauer, sie haben die Fremdenlegion.
Noch etwas: jeder tote deutsche Soldat ist kein Rentenzahler mehr.
( IRONIE)
Uebrigens stand bald nach dem 2WK in der amerikanischen Besatzungszone an vielen Hauswaenden AMI GO HOME,
meistens in Bayern.
b747f (06.04.2010, 20:53 Uhr)
Die Gutmenschen der SPD und Grünen
haben doch mit Hilfe der UN beschlossen, Afghanistan zu #befrieden'. Nur haben sich diese Politiker gedacht, die Taliban würden dort mit Kartoffeln werfen. Deshalb kommt jetzt die Lupe. Wie lange hat es gedauert, bis die Politik begriffen hat, es handelt sich hier um einen Krieg. Es ist beschämend, wie unsere Jungs von ihrem Dienstherren für diesen Einsatz ausgerüstet werden! Dazu kommt noch die recht fragwürdige Rechtslage in der Heimat, wo der Soldat, der sein Leben für die Ideen der Politik eingesetzt hat, noch mit einem Strafverfahren rechnen muß. Dass es auch anders geht, zeigen ja Merkels Vorbild, die USA. Diese reden schon seit Langem von Krieg in Afghanistan schützen ihre Soldaten und bereiten diese auf den lebensgefährlichen Einsatz vor. Die deutsche Politik meint bis auf zu Gttenberg, hier wird lediglich Räuber und Gendarm gespielt. Hoffentlich findet nun ganz schnell in Sachen Bewaffnung ein Umdenken statt. Das ist die deutsche Regierung den bisher Gefallenen schuldig!
Prologo (06.04.2010, 19:41 Uhr)
@Tempelhofer, Karsai benutzt die Nato Soldaten nur zur Bewachung der Opiumfelder, .....

......damit die Taliban diese nicht abbrennen können! Das haben sie ja vorher gemacht. Moslems ist Rauschgift verboten.

Unter dem Schutz der Nato und den deutschen Soldaten hat Afghanistan den Opiumhandel auf 90 % des Welthandels aufgebaut. Siehe Spiegel.

Nachdem das unsere Politiker noch immer nicht geschnallt haben, ist es kein Wunder, dass Sie das auch noch nicht kapiert haben.

MfG,
T.
Benkku (06.04.2010, 18:40 Uhr)
Zum Verzweifeln diese Uneinsichtigkeit.
Mit einer wirksameren Ausrüstung der Bundeswehr wird die Spirale in der falschen Richtung immer weitergedreht. Die Sache mit der Rechtfertigung auf dem extra dafür eröffneten Nebenschauplatz hat Methode, aber einen Schönheitsfehler:

Es gibt aus gutem Grund von deutscher Seite keine unterstützende Mehrheit für das Abenteuer, eine total fremdartige Kultur samt ihrer Tradition einfach mir nichts dir nichts in eine für die Menschen dort völlig ungeeignete zu verwandeln. Meiner Meinung kommt das, was die unbefugten Deutschen dort betreiben, einer Vergewaltigung der Nation gleich, was aber auch die Gegenseite so stark macht.

Ausgerechnet jetzt fordern die in fremdes Staatsgebiet Eingefallenen Beifall. Wofür eigentlich? Sie verlangen Zustimmung zu ihrer hartnäckigen Suggestion eines erdachten Endsieges, obwohl sie jetzt schon längst an bedeutend schlechter Ausgerüsteten gescheitert sind.

Ein Trauerspiel unter der Mitwirkung des Vertreters einer vergangenen Kaste mit Manieren, die nichts als Unheil über diese Welt erbrachte. Der besagte Herr betreibt dafür ein durchsichtiges Verwirrspiel mit Worten und falschen Begriffen, das ihn eigentlich schon längst um seinen Posten gebracht haben sollte. Noch ist es nicht soweit. Aber es reicht allmählich!!!
undueberhaupt (06.04.2010, 16:33 Uhr)
@ganzbaf
Du hast recht!
Als der Russe in Afghanistan saß, hat der Westen, vornehmlich die USA, die Taliban mit Waffen ausgerüstet.
Tempelhofer (06.04.2010, 16:05 Uhr)
@ Prologo
Zum wie vielten mal haben Sie jetzt den bereits gleichen Textbaustein einkopiert ? 10 x ? 20 x ? Ich habe da schon aufgehört, zu zählen.

Die NATO-Streitkräfte werden aus guten Gründen im Land bleiben. Alles andere wäre unverantwortlich den Menschen in Afghanistan gegenüber.
audio001 (06.04.2010, 16:02 Uhr)
Unglaublich...
"als "militärische Laien" müssten sich Politiker allerdings auf das Urteil des Militärs verlassen".- Die Politik stiehlt sich schamlos aus der Verantwortung....
Prologo (06.04.2010, 15:24 Uhr)
Das ist ein Partisanenkrieg !

Jeder Taliban ist dafür besser ausgebildet als die deutschen Soldaten. Eine bessere Ausrüstung bietet nur ein wenig mehr Schutz.
Unsere Soldaten brauchen eine Partisanen-Kriegsausbildung, ansonsten sind sie verloren. Der Misserfolg ist deshalb unabwendbar.

Alle Vorteile liegen beiden Taliban. Gelände, Tarnung, Bewaffnung. Unsere Soldaten haben einen unsichtbaren Gegner. Und wenn man den Krieg nicht gewinnen kann, dann soll man nach Hause gehen. Endlich!!

Unsere Politiker müssten Tag und Nacht nur darüber brüten, wie sie unsere Soldaten wieder nach Hause bringen.

Aber auch dafür fehlt ihnen das, was man braucht, Weitsicht, Klarsicht, Übersicht.

Deshalb sind für jeden toten Soldaten unsere Politiker verantwortlich.

MfG,
T.
ganzbaf (06.04.2010, 15:13 Uhr)
Doch...
genau so ist es, butcher.

Wer jedem Gangster ein Sturmgewehr in die Hand drückt und selbst in Krisenregionen Waffenexporte aller Art unternimmt, darf sich nicht beschweren, wenn er selbst damit angegriffen wird.
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