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Mission weltweit

In Särgen kehren sie erst heim, seit der Kalte Krieg zu Ende ist: Deutsche Soldaten lebten nie so gefährlich wie heute. Immer mehr sollen ins Ausland abkommandiert werden. Aber die Truppe ist dafür nicht gerüstet.

Schwer verletzt kann alles heißen. Kann heißen Bein ab, Arm ab, im Koma oder dass er es gar nicht überlebt. Was also heißt schwer verletzt? Bis eben hatte sie gehofft, es stünde nicht zu schlimm um ihren Sohn. Und nun? Neben ihr im Krankenhaus steht ein Seelsorger. Sie denkt, Trost brauche ich jetzt nicht. Sie muss stark sein, nur Mutter sein, den Jungen beschützen, der schon lange nicht mehr beschützt werden wollte, ein 25-jähriger Riesenkerl, 1,92 Meter groß und 127 Kilo schwer, als sie ihn zuletzt sah.

Anderthalb Tage Ungewissheit

Es ist Sonntag, der 8. Juni, gut 35 Stunden nach dem Sprengstoffanschlag auf einen Bus voll deutscher Soldaten in Kabul. Ludmila Schmidt ist im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz angelangt, endlich, nach anderthalb Tagen der Ungewissheit. Sie hatte vom Anschlag im Radio gehört. Und dann nur noch telefoniert, ohne Pause, mühsam die spärlichen Erkenntnisse erhascht. Sie flog von Berlin nach Frankfurt, holte ihren Ex-Mann ab, den Vater des Sohnes. Jetzt Koblenz, die Gedanken jagen. Wie sieht Aleksej aus? Ihr Sohn liegt verwundet hinter einer der Türen, aber sie darf noch nicht hinein. Sie soll vorbereitet werden von den Ärzten, "auf den Anblick". Für die Mutter zählt: Einer der vier Toten ist Aleksej nicht.

Der Tod in der Fremde. Seit dem Zweiten Weltkrieg kein Thema mehr für deutsche Soldaten. Die Abschreckung mit dem atomaren Overkill funktionierte so furchtbar gut, dass Frieden in die Kasernen einzog. Särge kommen erst nach Hause, seitdem der Kalte Krieg aus ist. 53 Männer haben im Einsatz ihr Leben verloren, seit 1993 in Kambodscha ein 26-jähriger Sanitätsfeldwebel erschossen worden ist.

Einsätze kann man befehlen. Aber nicht, wie mit Angst vorm Sterben umzugehen ist. Man versucht es zu üben. Im Arbeitspapier "Umgang mit Verwundung und Tod im Einsatz" zitiert das Zentrum für Innere Führung in Koblenz aus dem Buch "Wir zogen ins Feld" Berichte von Wehrmachtssoldaten. Von aufgerissenen Brustkörben geht die Rede oder dem Gesichtsausdruck eines Gefallenen an der Ostfront. Lange her, dass es ernst war. "Nicht verdrängen!", wird im Koblenzer Kursus darum beschworen. Es könne, steht im Papier, "sogar drillmäßig eingeübt werden, ...Gefühle erleben zu lassen". Der deutsche Soldat 2003 hat zu weinen, wenn ihm danach ist. Auch das Überbringen von Todesnachrichten bei Angehörigen wird gelehrt: "Manche lächeln unbewusst? Das unterläuft Ihnen nicht, wenn sie sich dessen bewusst sind."

In die afghanischen Berge

Sie haben Mandate des Bundestages für Einsätze, die "Kfor", "Sfor", "Isaf" heißen, oder immer währende Freiheit, "Enduring Freedom". Man schickt ABC-Spürtrupps in die Wüste Kuwaits und den geheim operierenden KSK-Trupp in die afghanischen Berge auf Jagd nach Osama bin Laden. "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." Das sagt der sozialdemokratische Bundesverteidigungsminister Peter Struck.

Hätte Hardliner Franz Josef Strauß in den fünfziger Jahren den Satz in den Mund genommen, er wäre wohl für verrückt erklärt worden. Noch unter dem CDU-Minister Volker Rühe wäre ein Aufschrei durch das Land gegangen. Jetzt gibt es keinen Widerspruch mehr, wenn Struck in seinen "Verteidigungspolitischen Richtlinien" verkündet: "Verteidigung lässt sich geografisch nicht mehr begrenzen."

Immer weiter, immer schneller. Bisher musste der ganze Bundestag über einen Auslandseinsatz abstimmen. Nun hätte Struck gern einen eigenen Ausschuss, der im Eilverfahren darüber entscheiden kann.

Gestalten in der Dämmerung

Angst, sagt Aleksej Schmidt, habe er in Kabul nicht gehabt, nein, na ja: Einmal, da sahen sie in der Dämmerung Gestalten am Ende eines Weges. Die kamen näher, wurden schneller, man konnte nichts genau erkennen. Der Trupp kletterte eilig auf die Wagen zurück, nervös, angespannt. Dann begriffen sie: Es waren bloß Hunde, streunende, große, schwarze.

Aleksej hat nur seine Erinnerung an das Vierteljahr in Kabul. Die Fotos waren alle auf seinem Notebook gespeichert, das beim Anschlag zerstört wurde. Fast scheint ihn das mehr zu kümmern als das andere. Dass er dabei sein rechtes Auge verloren hat.

Das heißt schwer verletzt: dass Aleksej halb blind ist, dass seine rechte Gesichtshälfte von Splitter- und Brandwunden vernarbt ist und Adern dort dunkel hervortreten, besonders bei fahlem Licht. Sein rechter Arm war aufgerissen und heilte nur mit einem Gewebegitter aus Oberschenkelhaut, und das Trommelfell des linken Ohres ist jetzt ein künstliches. Aleksej sagt: "Ich hab Schwein gehabt." Die vier, die ums Leben kamen, saßen vor und hinter ihm im Bus. Sie wollten alle nach Hause. Da jagte ein Selbstmordattentäter sein Taxi voller Sprengstoff neben dem Bus in die Luft.

Zu Hause das Personal verwaltet

Am Heimatstandort Frankenberg in Hessen hatte der Oberstabsgefreite Aleksej Schmidt das Personal verwaltet, das hieß, er saß am Computer. In Kabul aber schützte er, das Gewehr in der Hand, den Aufklärungstrupp. Das war es, was er wollte: herauskommen, etwas Neues, ganz Anderes sehen. Und nebenbei Geld verdienen, 92 Euro am Tag, und abnehmen, denn er war zu schwer geworden zu Hause, schlecht für einen Volleyballer.

Vier Monate nach dem Anschlag ist er beinahe der alte, will nichts als schnell wieder arbeiten in der Kaserne. Nur die Müdigkeit macht ihm zu schaffen, die schon nachmittags kommt.

8000 PS fauchen. Die Rotoren lassen den Metallkoloss vibrieren. Dann hebt sich der CH-53-Helikopter mit der dunklen Tarnfarbe von der Piste des schwer bewachten Kabul International Airport, neigt sich nach vorne und schießt wie eine gewaltige Hornisse im Tiefflug über zerschossene Häuser, ausgedörrte Felder und eine Straße, die sich zwischen den endlosen braunen Bergen verliert.

Auftrag "Erkundungsmission"

"Erkundungsmission" heißt der Auftrag für die deutschen Heeresflieger. Während ein Mann das Maschinengewehr in einer Luke im Anschlag hält, peilen zwei "Observer" durch die geöffnete Heckklappe nach unten: Gibt es da irgendwo Straßensperren, wo Warlords die hoch bepackten Trucks abkassieren? Verdächtige Menschenansammlungen? Auffällige Änderungen in dem Gelände, in dem die internationale Schutztruppe untergebracht ist?

"Camp Warehouse" liegt am Rande Kabuls in einem ehemaligen Industriegebiet, in dem fast nur noch Mauerreste stehen. Eine Stadt aus Containern, Zelten und Bunkern, die aus dem Staub gestampft wurde und von Wachtürmen und Barrieren aus Schotter und Stacheldraht umgeben ist. Ein Hochsicherheits-trakt für Soldaten aus 16 Nationen, darunter 1200 Deutsche, die von hier aus jeden Tag auf Patrouille gehen.

"Dingo"-Transporter und ein "Fuchs"-Radpanzer ziehen an Ziegenherden und Kamelen vorbei zu einem Lager ehemaliger Mudschaheddinkämpfer, deren schwarzbärtiger Kommandant den deutschen Leutnant im Zelt empfängt: "Gesprächsaufklärung" bei Tee und Rosinenreis über Raketen, die kürzlich in der Nähe einschlugen. Im nächsten Dorf dann Kartierung von Minen, die immer noch auf den Feldern liegen. Und manchmal auch auf Wegen, die längst als geräumt gelten. Vor wenigen Wochen rollte ein "Wolf"-Geländewagen bei einer Erkundungsfahrt auf einen Zünder, der Beifahrer starb.

Oberleutnant Stefan Meyer fährt ständig in so einem ungepanzerten "Wolf" durch die Drei-Millionen-Stadt. Er hilft mit seinen Kameraden, Schulen und Brunnen zu bauen. "Es gibt Momente", sagt er, "wo man sich fragt: Was machst du da eigentlich? Aber wenn man in die Augen der Kinder sieht, die uns zuwinken, dann weiß man, warum man hier ist."

"Am Anschlag"

280 000 Soldaten hat die Bundeswehr. Die größte Armee der Europäischen Union läuft aber laut Heeresinspekteur Gert Gudera schon "am Anschlag", wenn sie die 8000 Uniformierten stellen soll, die jetzt für die Auslandseinsätze nötig sind. Auf einen Mann draußen, sagen die Militärs, kommen vier an der Heimatfront, weil der nach sechs Monaten in der Fremde für zwei Jahre geschont werden soll. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit sind die Strukturen der Armee so veraltet wie ihre Lkws, die im Schnitt schon 16 Jahre vor sich hin rosten und mehr stehen als fahren. Jetzt soll sich die Truppe bewegen. "Das Heer befindet sich im größten Umbau seiner Geschichte", sagt Gudera. Bloß leider ist dafür kein Geld da in Zeiten knapper Kassen.

Zwar hat Verteidigungsminister Peter Struck noch im Mai die vorzeitige Stilllegung von Kampfjets, Schnellbooten und Panzern verfügt. Aber durch schon beschlossene Rüstungsprojekte wie die 180 "Eurofighter", die mindestens 18 Milliarden Euro verschlingen und zurzeit nicht mal in der Luft betankt werden können, werden die Mittel für neue Investitionen blockiert. Deswegen verspricht Struck jetzt "Klasse statt Masse": Bis zum Jahr 2010 will er die Truppe auf 250 000 Mann reduzieren. Die grüne Verteidigungsexpertin Angelika Beer will sogar nur noch 200 000 Soldaten und "raus aus der Wehrpflicht". Experten sprechen schon "vom Tag X", an dem es eine noch kleinere Berufsarmee von High-Tech-Soldaten geben soll.

Für Bernhard Gertz ist die Bundeswehr eine Baustelle: "Eigentlich gehört sie wegen Umbaus geschlossen." Oberst Gertz, Vorsitzender des Bundeswehrverbands, 226 000 Mitglieder, klagt: "Schon der liebe Rudolf Scharping hat seine Reform nicht seriös finanziert. Jetzt leben wir von der Hand in den Mund." Beispiele? "Für den Dienst in heißen Gefilden haben wir nicht mal genügend dünne Tarnfleckanzüge, die Hubschrauber sind Uraltvögel, die Phantom-Jets sind so betagt, dass auf eine Stunde Flugzeit 100 Stunden Wartung kommen. Aber dafür leisten wir uns über 120 000 Zivilangestellte - ein ultimatives Problem."

"Betriebswirtschaftlicher Wahnsinn"

Das will Peter Struck jetzt ultimativ lösen - und die Zivilen auf 75 000 reduzieren. Um Geld zu sparen, werden auch die Hawk- und Roland-Raketen ausgemustert. Bleiben noch genügend Altlasten, die den Umbau "Standortentscheidungen, die ein betriebswirt-schaftlicher Wahnsinn waren." "Eine Papierflut, die die Truppe überrollt hat." "Der Mangel an modernen Transportflugzeugen und minensicheren Fahrzeugen." Gertz feuert eine Granate nach der anderen. Und ärgert sich darüber, dass die Soldaten in der Ferne sozial nur schäbig abgesichert sind.

Für die Wehrbürokratie war es ein "Verkehrsunfall", als ein Truppenarzt im Kosovo in einem "Fuchs"-Transporter von einer maroden Brücke in den Tod stürzte. Schwer verletzte Zeitsoldaten werden bisweilen aus dem Dienst entlassen. "Die Bundesrepublik schickt junge Leute in gefährliche Gebiete. Wenn die dann dort zerlegt werden, ist der Dank des Vaterlandes, dass man sie aussortiert", schimpft Gertz. Und verlangt eine Gesetzesänderung, die rückwirkend für die Opfer von Kabul gilt.

"Leuchttürme setzen"

Und nun also Kundus. Der Bundestag soll darüber entscheiden, ob in die afghanische Provinz weitere 230 Soldaten geschickt werden. Was er tun wird, denn es heißt, damit kaufe sich die Bundesregierung von einem Einsatz im Irak frei. Generalleutnant Friedrich Riechmann, ein kleiner, zurückhaltender Mann mit rotem Gesicht, lächelt fein auf den Vorhalt. Er nennt es "Leuchttürme setzen", mit wenig Aufwand viel bewirken in Afghanistan. Riechmann ist Chef des Einsatzführungskommandos und damit Herr über alle Auslandseinsätze. Wo es wirklich gefährlich sei, in den umkämpften Provinzen an der pakistanischen Grenze, sagt er, "braucht man die Power der Amerikaner". Kundus ist einigermaßen friedlich und liegt günstig zu den Versorgungslinien der Deutschen, ein neues - teures - Feldlager ist nicht nötig. Das ist Riechmanns Job: herausfinden, wie das geht, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen. Und was das kostet.

Bevor ein deutscher Soldat ins Ausland geht, lernt er, in islamischen Ländern keine Frauen anzubaggern, wann er in welchen Situationen schießen darf und dass es ihm widerfahren kann, in einem Dorf übel zugerichtete Leichen zu finden. "Verhaltenssicherheit geben" heißt das. Die Szenarien sind teilweise so drastisch, dass sich Soldaten beschwerten, sie kämen "total aufgeputscht" zum Beispiel nach Bosnien - und fänden dort eine Art Urlaubsregion vor.

Damit es ihnen da an nichts fehlt, simulieren Soldaten in einer Kaserne bei Bremen, wie der Nachschub an Lebensmitteln und Technik für das Feldlager im Kosovo abläuft. Ein paar Wochen später werden sie selbst dort sein. Allein drei Tonnen Essen täglich braucht das Lager in Prizren. Kommandeur Ulrich Gudat schult die Einheit und verbirgt nicht seinen Stolz über die neue Containerlogistik. "Noch 1989", sagt er, "hat keiner geahnt, dass man 5000 Kilometer luftbeweglich sein muss. Und 1992, vor Somalia, wurden wir von der Politik gefragt: Warum habt ihr nicht längst darüber nachgedacht?" Heute sind 3000 Fahrzeuge und Schiffe der Bundeswehr auf vier Kontinenten in elf Ländern und zehn Zeitzonen unterwegs. An vieles wird gedacht. Zurzeit schreibt man in Berlin an einem Befehl, in dem stehen soll, dass in allen Feldlagern ein bestimmter Satz Sportgeräte zur Verfügung zu stehen hat.

Deutsche Gemütlichkeit gibt es schon in Kabul. Ein Feldpostamt mit gelbem Briefkasten. Internet und Schumi im Satellitenfernsehen. Den "PX"-Laden mit Barbie-Puppen und steuerfreien Zigaretten, 50 Cent die Packung. Die "Wolfshöhle" mit dem "Weißwurst-Essen" und die "Feuchte Patrone", wo man zur Bierdose "Risiko" spielt.

Dschibuti, Ostafrika

Fregattenkapitän Michael Koch sagt, er sei, so seltsam das klinge, "das erste Mal stolz, deutscher Soldat zu sein". Koch lächelt und schwitzt, das liegt an der Luft in Dschibuti, Ostafrika. Sie hat 38 Grad und ist so feucht, dass sie sich wie ein nasser Lappen auf die Lungen legt. Immer habe er ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Job gehabt: In Dänemark, erzählt Koch, brach einmal ein alter Mann in Tränen aus, als er sie, die deutschen Marinesoldaten, sah - weil Deutsche 1944 seine Mutter verschleppt hatten. In Portugal habe man ihn mal als Nazi beschimpft und vor ihm ausgespuckt. Hier aber, am Horn von Afrika, würden Deutsche als Helfer, ja Freunde wahrgenommen.

Gegenüber dem Jemen kämpfen Deutsche auf hoher See friedlich für "Enduring Freedom" und gegen den Terror, gegen einen Feind, den Militärs "asymmetrisch" nennen, weil sie nicht wissen, was er tut und wo er steckt.

Am "Tor der Tränen" vor Dschibuti steckt er offenbar nicht. In dieser Meerenge zwischen Rotem Meer und dem Golf von Aden führte eine Task Force aus Amerikanern, Italienern, Spaniern, Franzosen und Deutschen in den vergangenen 15 Monaten 15 000 "Abfragen" bei Handelsschiffen per Funk durch und ging 26-mal sogar an Bord, um Frachtpapiere zu kontrollieren. Eine Rasterfahndung auf See.

Sie ergab seit Mai 2001: nichts, keine Waffen, keine Güter für ein geheimes Al-Qaeda-Lager oder was immer man auf Geheiß der Amerikaner suchte. Rund 60 Schiffe passieren täglich. Dass sie nichts zu verbergen hatten, sagt Vizeadmiral Wolfgang Nolting, Befehlshaber der Flotte, "liegt sicher an unserer Präsenz hier".

Die Admiräle orakeln

Würden die Helfer aber heiße Ware auf fremden Schiffen wittern, wären ihnen die Hände gebunden. Ihre "rules of engagement", die Einsatzregeln sehen nur vor, ein verdächtiges Schiff in einen Hafen umzuleiten. Dort würden andere, zum Beispiel Amerikaner, die Ladung prüfen. Mehr gibt das deutsche Recht nicht her. Noch nicht. Aber, so orakeln die Admiräle, Recht sei immer in Bewegung. Koch findet: "Wir hätten schon längst ein Interesse gehabt, als Deutsche hier zur See zu fahren. Das ist einer der wichtigsten Handelswege nach Europa."

Den wahren Feind in Dschibuti hat man unterschätzt: die Hitze. 35 Grad Wasser- und 40 Grad Lufttemperatur brachten die Klimaanlagen der Fregatten, Schnellboote und des Versorgungsschiffes "Frankfurt am Main" an ihre Grenzen. Die deutsche Flotte, gewöhnt an Nord- und Ostsee und höchstens noch die Adria, kam ins Schwitzen. Techniker mussten bei laufendem Betrieb und 60 Grad im Maschinenraum die Kühlung ausbessern. Bei der Gelegenheit stellte man fest, dass es an Spezialisten mangelt. Ende September zog die Bundeswehr 400 Soldaten aus Afrika ab. Noch 300 statt der anfänglich 1500 Männer und Frauen bleiben. Man müsse, sagt Einsatzchef Riechmann, die "Durchhaltefähigkeit" der Truppe gewährleisten.

Ein Hort für hochfliegende Visionen

Die Zukunftsschmiede des deutschen Militärs hat Tradition. Das wuchtige Gebäude in Waldbröl war einst ein Irrenhaus. Wurde dann mit einer gewaltigen Freitreppe und monumentalen Mosaiken zum "Kraft durch Freude"-Hotel umgebaut, wo ausgewählte Urlauber unter NS-Aufsicht neue Energie tanken sollten. Diente in den achtziger Jahren als "Schule für psychologische Verteidigung" gegen den Osten. Jetzt ist das "Zentrum für Analysen und Studien der Bundeswehr" ein Hort für hochfliegende Visionen: 240 Uniformierte und Zivile wollen in der kleinen Stadt im Bergischen Land die "Mutter aller Schlachten" gewinnen, wie Kommandant Ralph Thiele das nennt - die "Wissensüberlegenheit".

Für den Oberst geht es längst nicht mehr darum, "einen alten Panzer durch einen neuen zu ersetzen". IT soll der "Winner" werden: Informationstechnologien, die das Wissen von Datenbanken in aller Welt nutzen, und Kommunikationssysteme, die High-Tech-Krieger vernetzen. Thiele will dazu "die Interaktion mit der Industrie dramatisch verbessern". Holt "Player" wie Siemens, SAP oder Daimler-Chrysler ins Haus. Sucht sich "Sparringspartner" von der Humboldt-Universität oder der Fraunhofer-Gesellschaft, um die Frage zu diskutieren: Wie sieht die Welt im Jahr 2030 aus?

Wenn dann Offiziere und externe Wissenschaftler in Workshops brüten, werden Szenarien durchgespielt, die von einem Krieg um Wasser, über Seuchen und Flüchtlingsströme bis zu einem Meteoriteneinschlag reichen. Werden "Wildcards" eingemischt, die "Kollaps der Weltwirtschaft" oder "Cyber-Terrorismus" heißen, und "nichtstaatliche Akteure" wie Warlords, Schmugglerbanden oder Drogenkartelle ins Visier genommen. Das Ergebnis: "unsere Sahnehaube", wie Thiele sagt. Die 2,5 Kilo schwere Studie "SFT 21", was für "Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologie im 21.Jahrhundert" steht. 850 Seiten. Noch geheim. "Wir geben nur Empfehlungen - zum Beispiel, die Entwicklungs- und Beschaffungsprozesse zu verkürzen", sagt Thiele ganz bescheiden. Und reicht den Schwarzen Peter an die Politik zurück.

Meist bewußtlos gewesen

Zwei Monate lang hatte Ludmila Schmidt ihren Sohn gepflegt. Lange bestand Hoffnung, Berliner Ärzte könnten das Auge retten. Vergebens. "Ich hoffe, er nimmt es wirklich so cool, wie er tut", sagt sie. Ende Juli waren Mutter und Sohn im Harz auf einem "Reintegrationsseminar" mit Psychologen der Bundeswehr. Jedes Anschlagsopfer erzählte, woran es sich erinnern konnte. Aleksej war meist bewusstlos gewesen und sagte wenig. Die leicht Verletzten wussten viel, vielleicht zu viel. Hatten klaffende Wunden, zerrissene Körper gesehen. Kann sein, dass ihre Seelen schwer verletzt sind. Doch diese Wunden spüren Soldaten oft erst Monate später.

Aleksej hat abgenommen, ja, er fährt wieder Auto und will bald Volleyball spielen. Sonne, die er immer mochte, muss er meiden, wegen der Narben. Er will vom Leben nichts Großes, arbeiten, eine Frau finden. Ja, sagt er knapp, könne schon sein, dass das schwerer werde mit dem Aussehen. "Man muss mich eben nehmen, wie ich bin."

Aleksej hat Vermessungstechnik gelernt. Als Einäugiger kann er damit wenig anfangen. Die Bundeswehr will ihm helfen, eine Umschulung zu finden, etwas mit Computern, das liege ihm. Er vertraut darauf und pfiff seine Mutter zurück, als sie sich dafür ins Zeug legte, dass seine Berufsunfähigkeitsversicherung auch zahlt. Aleksej will keinen Ärger. Er will funktionieren. Bis Juni 2004 ist er Soldat. Dann läuft die Verpflichtung aus. Er würde, sagt er, sofort wieder in den Einsatz gehen. Aber er darf nicht. Mit nur einem Auge gilt Aleksej als nicht mehr "verwendungsfähig".

Dorit Kowitz und Wolfgang Metzner

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