. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. November 2009, 11:53 Uhr

Im Krieg - auch mit der Wahrheit

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat es erstmals ausgesprochen: In Afghanistan herrschen "kriegsähnliche Zustände". Jetzt muss die Schizophrenie der Afghanistanpolitik ein Ende haben. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Afghanistan, Krieg, Bundeswehr, Einsatz, Verteidigungsminister, Karl, Theodor, Guttenberg, CSU, Bayern, Polizei, Peter, Struck, Franz, Josef, Jung, Rudolf, Scharping, CDU, SPD, Terrorismus, Angela, Merkel, Kanzlerin, USA, Truppen, Aufstockung, Erhöhung, Beitrag, kriegsähnliche Zustände, Ausbildung, Sicherheitskräfte

"Kriegsähnliche Zustände": Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg© Oliver Berg/EPA

Die Bundeswehr darf sich freuen: Endlich ein Verteidigungsminister, der wenigstens halbwegs zu sagen wagt, was in Afghanistan Sache ist. Die ungeschminkte Wahrheit traut er sich allerdings auch noch nicht zu. Immerhin, so Karl-Theodor zu Guttenberg, verstehe er jeden, "der sagt, in Afghanistan ist Krieg". Leider ist das nur ein verbaler Fortschritt. Redete sein Vorgänger im Amt noch von "Kampfeinsatz", bemüht er jetzt die Worte "kriegsähnliche Zustände".

Zu Guttenberg ist ein Politiker, der sich glänzend darauf versteht, schwierige Sachverhalte politisch für sein Prestige gewinnbringend zu verkaufen. Als es um die Rettung von Opel ging, ist er im Kabinett eindeutig gescheitert. Doch die Niederlage vermarktete er meisterhaft für sein Image. Beim Thema Afghanistan sollte er indes dergleichen nicht noch einmal versuchen.

Die deutsche Politik, und auch der Verteidigungsminister, befinden sich beim Thema Afghanistan im Krieg - vor allem mit der Wahrheit. Was dort stattfindet ist Krieg. Wir müssen leider sagen: Krieg in Reinkultur. Und in einer Form, bei der unser Grundgesetz eindeutige Voraussetzungen für eine Beteiligung daran vorschreibt. Doch dieses Verfassungsproblem haben die Verteidigungsminister Scharping, Struck und Jung schlicht verdrängt. Und vorerst tut dies auch die wiedergewählte Kanzlerin Merkel mit ihrem Verteidigungsminister zu Guttenberg.

Schizophrene Afghanistan-Politik

Der Krieg in Afghanistan ist gegen jedes Völkerrecht. Wenn die Bundesregierung am Hindukusch sich angeblich gegen den Terrorismus verteidigt, dann muss sie sich auch die Frage gefallen lassen, weshalb Kanzlerin Merkel denn gerade einem US-Präsidenten die Aufwartung macht, ohne ihn zu fragen, weshalb der Obama-Vorgänger George W. Bush die Taliban mit Millionen Dollar einst eigentlich waffentechnisch aufgepäppelt hat. Man darf die Bundesregierung auch fragen, weshalb sie Leib und Leben deutscher Soldaten in einem Krieg riskiert und verliert für ein Regime, das sich soeben nur dank massivem Wahlbetrugs "demokratisch" an der Macht halten konnte.

Und, ganz am Rande, muss sich der CSU-Politiker zu Guttenberg auch fragen lassen, weshalb das von seiner Partei regierte Land Bayern, sich bisher hartnäckig geweigert hat, Polizisten nach Afghanistan zur Schulung der dortigen Sicherheitskräfte schicken. Laut hat diese CSU bejubelt, dass auf diesem Wege ein deutscher Beitrag zur inneren rechtsstaatlichen und demokratischen Stabilisierung Afghanistans stattfinde. Danach hat sie sich rigoros vor dieser Aufgabe gedrückt.

Was wird der Bundeswehr noch zugemutet?

Die deutsche Verwicklung in den Afghanistan-Konflikt ist rundum eingewickelt in ein Lügengespinst. Alle Parteien im Bundestag wissen es. Aber nur die Linkspartei zieht daraus bisher konsequente politische Forderungen und drängt auf Abzug. Die anderen müssten endlich die Frage offen beantworten, was auf die Bundesrepublik denn noch zukommt. Die USA gehen davon aus, dass für den "Frieden" in Afghanistan weitere 40.000 Soldaten notwendig sind. Das läuft darauf hinaus, dass auch die Deutschen ihr Kontingent erhöhen müssten, da andere europäische Verbündete ihre Truppen bereits abbauen.

Wann die seit langem überfällige Afghanistan-Konferenz endlich stattfindet, weiß niemand. Aber die Soldaten der Bundeswehr haben Anspruch darauf, dass endlich in allen Konsequenzen, auch den finanziellen, von der Politik akzeptiert wird, dass man sie in einen Krieg schickt. Selbst der wortgewandte Verteidigungsminister sollte daher endlich "Krieg" sagen und nicht von "kriegsähnlichen Zuständen" reden.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
"Krieg in Afghanistan" Bundeswehrverband lobt Guttenbergs klare Worte

Sein Vorgänger mied das Wort wie der Teufel das Weihwasser, doch der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht es aus: Er verstehe jeden Soldaten, der sage, in Afghanistan sei Krieg - und rennt damit beim Bundeswehrverband offene Türen ein. mehr...

Afghanistan Hamid Karsai - Präsident ohne Volk

Hamid Karsai ist und bleibt der Präsident Afghanistans, doch seine Legitimität ist gründlich ruiniert. Und der Westen steht vor den Trümmern seiner Aufbauhilfe. mehr...

Leser-Kommentar Unverantwortlicher Umgang mit Soldaten

Nach den Meldungen, dass Kampfeinsätze Soldaten vermehrt traumatisieren, ist eine Diskussion unter den Usern ausgebrochen: Wie muss man mit rückkehrenden Soldaten umgehen? stern.de-User Volker Rockel sagt: "Was man mit diesen deutschen SoldatenInnen in Afghanistan macht, ist unverantwortlich!" Wir stellen seine Meinung vor. mehr...

Angriff auf Tanklaster Nato-Bericht sieht Fehlverhalten bei Bundeswehr-Oberst

Der NatoBericht zu dem umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus hat offenbar klare Fehler der Bundeswehr ausgemacht. Die Bundesregierung soll zuvor versucht haben, das Ergebnis zu beeinflussen. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston