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7. Februar 2009, 16:33 Uhr

Glos bietet seinen Rücktritt an

Paukenschlag im politischen Berlin: Michael Glos will als Bundeswirtschaftsminister zurücktreten. Der CSU-Minister schrieb seinem Parteivorsitzenden Horst Seehofer in einem Brief: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden." Kanzlerin Angela Merkel ist bereits unterrichtet.

Will zurücktreten: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos© Sean Gallup/Getty Images

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat überraschend seinen Rücktritt angeboten. Ministeriumssprecher Steffen Moritz bestätigte der Nachrichtenagentur AP auf Nachfrage einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag". Demnach schrieb der 64-jährige Glos an den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in einem Brief: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden."

Glos fühlt sich zu alt

Den Grund für seinen Schritt nenne der Minister ebenfalls in seinem Brief, schreibt die "Bild am Sonntag". Die bayerische Landtagswahl habe gezeigt, "dass Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt sind. Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen. Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören." Deshalb wolle er von seinem Amt entbunden werden.

Allerdings soll es nach Angaben aus Regierungskreisen in den letzen Wochen auch immer mehr Spannungen zwischen Glos und dem neuen CSU-Chef Seehofer gegeben haben. Seehofer habe Glos wiederholt gedrängt, innerhalb der Regierungsmannschaft schärfer auf Konfrontationskurs zu gehen, um die Handschrift der Christsozialen erkennbarer zu machen.

Wie die Nachrichtenagentur DPA berichtet, soll Seehofer selbst entscheiden, ob er Glos sofort durch einen anderen Politiker seiner Partei ersetzt oder ihn noch bis zur Bundestagswahl im Amt hält - was aber als unwahrscheinlich gilt. Seehofer lehnte am Rande der Sicherheitskonferenz in München jegliche Stellungnahme zu dem Bericht ab. Glos habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag von seiner Entscheidung telefonisch unterrichtet, berichtet die "Bild am Sonntag".

"Der Höhepunkt meines politischen Lebens"

In dem Brief mache der als Minister immer wieder in die Kritik geratene Glos auch deutlich, dass er ohne Groll gehe: "Die Arbeit als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ist der Höhepunkt meines politischen Lebens, und ich bin dankbar, dass ich die Weichen stellen konnte. Vor allen Dingen war es mir wichtig, in der Finanz- und Wirtschaftskrise wirkungsvolle Maßnahmen, die auch meine Handschrift tragen, rasch durch- und umzusetzen."

Seehofer und CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wollten auf der Münchner Sicherheitskonferenz zunächst keinen Kommentar zu den Berichten abgeben. Auch aus dem Kanzleramt sowie von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab es auf Nachfrage keine Stellungnahme.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast erklärte in Berlin, Merkel müsse den Rücktritt sofort annehmen. Es sei schädlich für Deutschland, einen Wirtschaftsminister zu halten, "der selber meint: 'Holt mich hier raus.'" Gerade in diesen Zeiten sei jemand nötig, "der mit Energie arbeitet, statt am Amt zu leiden".

Überraschender Wechsel nach Berlin

Glos war nach den Wahlen 2005 auch für ihn selbst überraschend als Wirtschaftsminister der Großen Koalition ins Kabinett berufen worden. Die Bestellung des langjährigen CSU-Landesgruppenchefs zum Wirtschaftsminister kam zustande, weil der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl kurzfristig von seinem Vorhaben abgerückt war, als Minister ins Bundeskabinett einzusteigen. Glos selbst hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass diese Entwicklung auch für ihn selbst nicht vorhersehbar gewesen war und er sich ihr eher aus Verpflichtung gegenüber seiner Partei denn aus Neigung gefügt habe.

Er gilt als Vertreter einer konservativ ausgerichteten Wirtschaftspolitik, der aber in der Großen Koalition nur wenige Akzente setzte. Zu inhaltlichen Auseinandersetzungen kam es häufig mit seinem Amtskollegen Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Vor seiner Tätigkeit als Minister war Glos lange Jahre Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

chs/Reuters/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
Louyi (07.02.2009, 20:07 Uhr)
Glos -was machte der eigentlich auf diesem Posten ?
Wer hat in der CDU oder CSU Glos eigentlich den Posten als Wirtschaftsminister zugeschachert ?
Dieser Mann war nicht einmal zu alt das schiebt er jetzt zu seinem Schutz nur vor - (es gibt auch bekanntlich Alterweisheit),
sondern inkompetent und überfordert.
Was er lt. div. eigenem Statement alleine schon in div. Talkshow`s über Wirtschaftsthemen /bzw. Arbeitsberdingungen in Deutschland sagte - Zitat; ich habe noch nie im Lidl eingekauft, keine Ahnung was da los ist, ich nehme aber mal an da ist alles in Ordnung" - der hat wirklich NULL -komma NULL Ahnung von seinem Job. Wer den in seiner Minister - Arbeit Kompetenz bescheinigte, der hat auch den Beruf verfehlt. Und er selbst wahrscheinlich nur von irgendeinem
Wirtschafts- Lobbyisten Portfolio
abgelesen. Allerdings- davon gibt es in Deutschland noch ein paar mehr.
Wieso G. Westerwelle sich darüber noch freuen kann wie es in Turbo -Kapitalismus -Deutschland ausieht -
(jeder 5. Haushalt an der Absturzgrenze)ist mir ebenfalls unbegreiflich. Bei Glos und Co. auch allerdings auch kein Wunder.

Sternchen2020 (07.02.2009, 19:37 Uhr)
Wie alt er ist,
hat Glos ja gewusst, als er das Amt übernommen hat. Es gibt ausreichend Gründe, warum er so plötzlich gehen will. Einer davon ist, dass er nicht ernst genommen wurde, besonders auch nicht von Merkel.
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Zusätzlich erschwert die Geschichte mit dem überfahrenen Fuß eines Beamten sicher auch seine Postion, auch wenn darüber nach außen nicht viel geredet wird.
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Dass man seinen Rücktritt nicht annimmt, liegt einzig daran, dass so kurz vor Bundestagswahlen keine Unruhe eintreten soll und vor allem gibt es niemanden, der jetzt für nur sechs Monate frisch in ein Minister- Amt geht. Was ab September ist, weiß ja niemand. In sechs Monaten kann man sich nicht einmal einarbeiten, insofern ist es schon richtig, so ein Gesuch zu diesem Zeitpunkt abzulehnen.
stwberlin (07.02.2009, 19:25 Uhr)
Zu späte Einsicht
Ich begrüsse den Vorschlag von Herrn Glos ausdrücklich, ihn endlich aus dem Amt zu entfernen, das er niemals ausfüllen konnte. Dass er dieses trostlose Gewurstel selbst als "Höhepunkt seines politischen Lebens" beschreibt, zeigt, dass er wirklich umgehend in Pension gehen sollte.
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Nur wird keiner den Platz haben wollen, weil dieser nach der Bundestagswahl ohnehin von einem Liberalen besetzt werden wird.
Hochbahnopfer.de (07.02.2009, 19:09 Uhr)
Kein Bock
aber bitte weiter machen. Denn solche Posten werden nach Partei und nicht nach Kompetenz vergeben. Wie alle anderen Ministerien auch. Ob Pfütze, Schmidt, Steini, Scholz, Minister von Parteis gnaden ohne sachliche und fachliche Befähigungen aber mit viel Pattex an den Sesseln! Und wer will denn schon WM sein, der Ramsauer Peter muß nach Anfrage wahrscheinlich erst mal wieder eingefangen werden!
Gewissen (07.02.2009, 18:47 Uhr)
Was soll das denn?
Verstehe ich nicht. Zurücktreten mit 64 Jahren. Der Kerl muss noch 3 Jahre schuften. Verlangt der doch von uns Untergebenen auch. Vor 67 kann hier keiner Rente kriegen, das gilt ja auch wohl für unsere Beamten und Politiker. Das wäreja noch schöner.
you_me_2 (07.02.2009, 18:30 Uhr)
Hä?
"Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden.", schreibt er an seinen Parteivorsitzenden.
Haben jetzt die Parteivorsitzenden hier im Land das Sagen und können Minister entlassen?
ganzbaf (07.02.2009, 18:29 Uhr)
Wer lügt...

Polizisten anfahren läßt und dabei Fahrerflucht begeht, muß als Minister auch zurücktreten.
O.Bi (07.02.2009, 18:26 Uhr)
Für den Anschlag
Für den Anschlag auf einen Polizisten hätte der in seinem Vorbild-Bruderland in der Todeszelle landen können. :-)
Ernst_Derlage (07.02.2009, 18:19 Uhr)
lame duck
Glos brachte das Kunststück fertig, vom ersten Tag seiner "Regierungszeit" an eine lahme Ente zu sein.
Jetzt zeigt sich: er schläft sogar beim eigenen Rücktritt ein, und bittet einen Parteifreund, die Sache für ihne zu erledigen, schnarch.

Glos weg: endlich Schluss mit Fremdschämen.
gelegenheitsposter (07.02.2009, 18:16 Uhr)
Wadenbeisser

Hi,
der Wadenbeisser von Stoiber bekam siene Chance und das Ergebnis war vorhersehbar ...
Ohne Verantwortung kann man laut und gern bellen, sobald diese Wadenbeisser selbst handeln müssen bleiben sie stumm, unsichtbar und pöbeln Polizisten an weil sie sich selbst überschätzen.
Er wird keine Lücke hinterlassen, ER IST DIE LÜCKE !!
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