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7. Juli 2008, 14:19 Uhr

Deutschland - Paradies für Spritfresser

Die Umweltpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel stößt bei den Grünen auf scharfe Kritik. Die Kanzlerin diene vor allem den Interessen der Autoindustrie, sagt der Kandidat für den Grünen-Vorsitz Volker Ratzmann im "Café Einstein"-Interview.

Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, hält die Kernkraftpolitik der Union für rückwärtsgewandt© Berthold Stadler/DDP

Durch den G-8-Gipfel der größten Industrieländer in Japan und durch Äußerungen des SPD-Politikers Erhard Eppler ist jetzt die Debatte über die hohen Energiepreise sowie die weitere Nutzung der Kernkraft massiv intensiviert worden. Außer der Bundesrepublik befürworten jetzt alle G-8-Länder wieder den Ausbau der Kernenergie. Eppler hat vorgeschlagen, die Laufzeit der existierenden Kernkraftwerke zu verlängern, aber im Grundgesetz den Bau neuer KKW's zu verbieten.

Absage an Koalition im Bund

Schärfste Kritik an diesen Positionen kommt von der grünen Partei. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin lehnte den Eppler-Vorschlag strikt ab. Verbal noch härter kritisierte der grüne Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, Eppler. Was der vorschlage, "halte ich für naiv", sagte er bei stern.de in der Sendung "Café Einstein." Ratzmann: "Entweder man rennt in die Sackgasse Atomenergie mit begrenzter Menge Uran und mit der ungelösten Endlagerproblematik...oder wir fangen an wirklich umzudenken und setzen auf Großtechnologien, die auch erneuerbare Energien wirksam werden lassen."

Die Tatsache, dass die CDU/CSU jetzt programmatisch wieder voll auf den Ausbau der Kernenergie setzt, um die Energiepreise zu drücken, macht für die Grünen nach Ansicht von Ratzmann eine Koalition mit Angela Merkel unmöglich. "Wer wie die CDU eine Rolle rückwärts ins atomare Zeitalter macht, kann auf die Grünen nicht setzen."

"Zu viel Viagra auf den Straßen"

In Japan wird zurzeit auch über die globale Nahrungsmittelkrise diskutiert, die zu teilweise dramatisch gestiegenen Preisen für Lebensmittel geführt hat. Dieser Anstieg wird laut einem jetzt bekannt gewordenen Gutachten der Weltbank durch die wachsende Produktion von Biosprit verursacht. Ratzmann warnte davor, dieses Problem vom Tisch zu wischen. "Es bleibt weiterhin richtig: Mais gehört auf den Teller und nicht in den Tank." Es sei nicht akzeptabel, wenn in globalen Ausmaßen Ackerfläche für Spritpflanzen verwendet würden.

Scharfe Kritik übte Ratzmann, der im November in einer Kampfkandidatur gegen Cem Özdemir grüner Parteivorsitzender werden will, auch an der Autopolitik Merkels. Diese "Auto-Kanzlerin hat nichts anderes im Sinn, als die Interessen der deutschen Automobilindustrie zu schützen." Die Bundesrepublik sei dank dieser Politik ein "Schonerparadies für Spritschlucker." Ratzmann lobt den Vorschlag von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, im Dienstwagenbereich einen Teil der steuerlichen Privilegien zu streichen. Die Autoindustrie solle endlich energiesparende Autos auf den Markt bringen.

Gabriel hatte vor allem kritisiert, dass viel zu viele Geländewagen mit hohem Spritverbrauch und hohem CO2-Ausstoß als Dienstwagen benutzt werden. Gabriel: "Es ist zu viel Viagra auf unseren Straßen unterwegs."

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
utospatz (09.07.2008, 12:56 Uhr)
Sicherheitshalber hab ich mir
aus Bundeswehrbeständen zum Einkaufen einen ausgemusterten LeopardII bestellt!
UThome (08.07.2008, 15:33 Uhr)
"Es ist zu viel Viagra auf unseren Straßen unterwegs."
Richtig und das werden die Einzigen sein die in naher Zukunft noch auf unseren Straßen fahren. Wer solche Autos fährt der fährt die auch bei 5 € den Liter und Otto-Normalverbraucher meldet sich Arbeitslos weil die Kosten für Fahrten zur Arbeit seinen Lohn übersteigen.
guzziman (08.07.2008, 10:09 Uhr)
Die Grünen
müssen gerade das Maul aufreissen. Die wollten doch (1998) einen Spritpreis von 2,50€. Und jetzt sehen sie mal, wie die Wirtschaft bei 1,60€ in die Knie geht.
Und als die an der Regierung waren, was haben die dazu beigetragen, das die Autoindustrie sparsamere Fahrzeuge baut? NIX! Was haben die Grünen dazu beigetragen, das der Güterverkehr auf die Schiene kommt? NIX! Aber jetzt mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen und die anderen tadeln, das können sie. Und wer legt eigentlich noch Wert auf die unsägliche Meinung eines abgehalfterten Trittin? das ist ja wohl der mieseste aller Grünen Möchtegern-Politiker! Die kotzen mich an!
P.S.: Warum schaffen es denn die Franzosen und die Japaner, spritsparendere Autos zu bauen?
Ausserdem kriegt man die Strompreise nur runter, wenn die Energiekonzerne wieder verstaatlicht werden (jaja, da schreien die Ossis wieder) und der Strom wie früher in den 70er und 80er von den Stadtwerken zu günstigen Preisen verkauft wird. Es ging damals und es ginge heute auch wieder.
tricky_dude (07.07.2008, 19:39 Uhr)
@Eisenbaer
Wenn die Karre ihren eigenen Generatot mitbringt, eben das Prinzip das GM mit dem Chevy Volt auf den Markt bringen will, dann sind mehr als 3000 km möglich. Nämlich dann wenn die Batterieleistung besser und der eingebaute Generator nochmal verbessert werden kann. Strom können wir hier im Haus genug selber erzeugen. Kraftwerke haben wir hier in München Stadt und Umgebung auch genug.
Eisenbaer (07.07.2008, 18:59 Uhr)
@undjetztnochder
Nur nebenbei: Alles menschliche Leben dieser Welt stammt aus Afrika.
Aber die Sahara ist auch nicht sicher genug. Nirgendwo auf der Erde gibt es ein "vernünftiges" Plätzchen zum endlagern des "Abfalls". Und selbst der Mond ist nicht sicher genug, weil sich dieser im Schwerefeld der Erde bewegt und ein den Mond "unglücklich" treffender Meteor hierzuerden die größten Beunruhigungen auslösen muss.
Als Zwischenlager könnten allenfalls Mars oder Venus dienen. Und jetzt bitte nicht den Witz bringen, dass "Mars verbrauchte Energie sofort zurückbringt", denn verbraucht ist diese Energie wirklich erst in ein paar Millionen Jahren.
Und dann gibt es vermutlich auch keine Menschen mehr auf der Erde...
Eisenbaer (07.07.2008, 18:50 Uhr)
@tricky_dude
Elektroautos sind keine Alternative, sondern nur eine Problemverlagerung. Denn irgendwie muss dieser Strom erst einmal produziert und dann genauso zum Endverbraucher transportiert werden. Mit einem heutigen Elektroauto ist im Vergleich zu einem Auto mit optimierten Brennstoffmotor kein Staat zu machen. Der neue Weltrekord letzterer beträgt übrigens knapp 3000 km mit einem Liter Benzin!! Da kommt kein Stromer auch nur annähernd heran...

Also mal hübsch auf dem Teppich bleiben.
tricky_dude (07.07.2008, 18:33 Uhr)
@chrgue
Naja, die Grünen wähle ich auch nicht, aber meine Migrantenfreunde mit deutschem Paß auch nicht. :-)
Die haben sich zur etablierten Abzockerpartei entwickelt!
Ich bin sicher das irgendeiner eine bezahlbare und attraktive "Ökokarre" auf den Markt bringen wird. Ich will Strom, damit geht ein Burnout an der Ampel 10x besser. Volle Power von unten rauf, yeah!!
Spaß beiseite: wir können nur hoffen daß die Ölkrise die Industrie entsprechend motiviert, alternative Antrieb so bald wie möglich auf die Straße zu bringen. Ich persönlich hätte genug Beziehungen um meinen Mittelklassekombi entsprechend und günstig umbauen zu lassen. Das Problem ist, das meine Jahresfahrleistung unter 2000km liegt. Ich brauch ihn eigentlich gar nicht.
chrgue (07.07.2008, 18:04 Uhr)
@tricky_dude
Ich hatte nie etwas von schicken, schnellen Autos geschrieben; ich schrieb auch nicht davon, dass regenarative Energie nicht wünschenswert wäre. Ich habe nur etwas gegen diese Grünen, die meinen, sie seien die Weltversteher an sich, sie hätten die Wahrheit - in allen Lebenslagen gepachtet. Sie zielen auf ein bestimmtes Klientel, das sich rekrutiert aus jungen, politisch eher desinteressierten und ausländischen Menschen, die sie nun wahrlich in ihrer Regierungszeit geholfen haben, dass wir armen, steuerzahlenden - weil arbeitenden - deutschen Michel nicht mehr wohl im eigenen Land fühlen können.
tricky_dude (07.07.2008, 17:51 Uhr)
@chrgue
Hey ich mag auch gern schnelle, schicke Autos, aber das geht auch ohne Spritfresser. Seit ich mal einen Prototyp für einen Elektro-Sportler selber erlebt habe, juckt mich kein Porsche mehr. Auch SUVs mit Elektroantrieb werden bal kommen. Und der Strom läßt sich auch ohne Kernkraft oder Kohler erzeugen. Wenn ich das Geld für einen Spotrwagen oder SUV habe, dann ist die Solaranlage auf dem Dach kein Problem mehr. Und es gibt jetzt schon Möglichkeiten eine zusätzliche Stromerzeugung in ein Elektroauto einzubauen, siehe Chevy Volt. Ein kleiner Generator an Bord, der um einiges weniger an Sprit verbraucht als ein herkömmlicher Verbrennungsmotor, schon macht das ganze Sinn. Von mir aus kann man den noch mit Erdgas oder Biogas betreiben.
Ich sehe die Ölkrise eher als Chance das Ruder rumzureissen und so mancher bisher verschmähte Erfinder wird vielleicht doch noch seinen wohlverdienten Erfolg haben.
staranwalt (07.07.2008, 17:48 Uhr)
Solarzellen...
werden in Dubai produziert, also werden wir die Scheichs so schnell nicht los! So lange wir nicht alle beim Autohändler nach 2-3 l Autos (Spritverbrauch, nicht Hubraum) fragen, wird er auch keine im Verkaufsraum stehen haben! Und wenn dann kommen Sie nicht aus D!
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