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18. Juni 2008, 11:09 Uhr

Lafontaine weist Gesine Schwan ab

Die SPD gerät bei der Wahl des Bundespräsidenten massiv unter Druck. Linken-Chef Oskar Lafontaine kündigte im stern.de-Interview an, seine Partei werde die Kandidatur von Gesine Schwan nicht unterstützen. Stattdessen denkt er über einen eigenen Kandidaten nach. Von Hans Peter Schütz

Will aus der Opposition heraus regieren: Oskar Lafontaine, Bundesvorsitzender der Linken, während seiner Rede auf Bundesparteitag© Michael Kappeler/DDP

Die SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan kann sich keine Hoffnung machen, bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr Stimmen der Linkspartei zu bekommen. Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Partei Die Linke, sagte im Café-Einstein-Interview: "Im Moment spricht nichts für die Wahl von Frau Schwan." Deshalb prüfe seine Partei im Augenblick auch, eine eigene Kandidatin oder Kandidaten aufzustellen. Endgültig entschieden werde über die eigene Kandidatin nach der Landtagswahl in Bayern im September.

Gesine Schwan ist nicht Gustav Heinemann

Seine Absage an Gesine Schwan begründete Lafontaine mit zwei Argumenten. Erstens werde mit Frau Schwan keine "neue Koalitionsperspektive" verbunden, wie dies zum Beispiel bei der Wahl von Gustav Heinemann einmal der Fall gewesen wäre. Doch die SPD habe erklärt, "sie möchte mit uns nichts zu tun haben." Zweitens könne die Linkspartei Frau Schwan nur wählen, "wenn sie in inhaltlichen Fragen sehr überzeugende Antworten hätte, denen wir zustimmen können, also etwa in der Sozialpolitik." Dies sei nicht der Fall. Lafontaine: "Insofern gibt es für uns keine Gründe diese Kandidatin zu unterstützen." Falsch sei auch ihr Vorwurf an die Linkspartei, "wir hätten keine Antworten für die Zukunft." Das zeige, dass sie die politische Diskussion nicht richtig verfolge.

Rot-rot-grün im Bund schon Morgen möglich

Der Linkspartei-Vorsitzende erklärte in dem Gespräche weiter sein Interesse, 2009 eine rot-rot-grüne Koalition zu schließen. "Wir wären interessiert, eine rot-rot-grüne Politik zu machen." Er fügte hinzu: "Also wenn es gelänge eine andere Rentenformel herzustellen, wenn es gelänge Hartz IV aufzuheben, wenn es gelänge, den gesetzlichen Mindestlohn wirklich einzuführen und die Truppen aus Afghanistan abzuziehen, dann bilden wir sofort eine Regierung. Das könnte Herr Beck ja schon morgen Abend."

Scharfe Kritik an Agenda 2010

Lafontaine zeigte sich erfreut, dass sich immer mehr seine Behauptung realisiere, dass die Linkspartei "aus der Opposition heraus regiert." Auch wenn die SPD die Vorschläge seiner Partei zur Altersteilzeit nicht deckungsgleich übernommen habe, begrüße er das Projekt der SPD, "denn wir waren immer der Meinung, dass des eine Reihe von Berufen gibt, wo die Menschen sich wirklich abgearbeitet haben und früher in den Ruhestand gehen wollen und dass es richtig ist, diese Möglichkeit weiterhin offen zu halten."

Dennoch halte er den Kurs der SPD auf der Basis der Agenda 2010 von Gerhard Schröder weiterhin grundsätzlich für falsch. "Die These ist, wenn man soziale Leistungen kürzt, dann blüht die Wirtschaft. Wenn das richtig wäre, würde wir ja auch sagen: dann lasst uns doch weiter kürzen und dann haben wir immer bessere wirtschaftliche Verhältnisse." Die These sei jedoch völlig falsch. Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland sei jetzt im Niedriglohnbereich beschäftigt, das sei die höchste Zahl aller Industriestaaten. Jeder vierte Arbeitnehmer müsse inzwischen von 15 000 Euro Jahreseinkommen leben, ein Einkommen mit dem man in Städten kaum noch zurecht komme.

Lafontaine bekräftigte seine Absicht, Ministerpräsident im Saarland zu werden. Das sei kein Rückzug aus der Bundespolitik. Vielmehr könne er dann über den Bundesrat jederzeit in die Bundespolitik hineinwirken.

Anmerkung der Redaktion: Bei der Transkription des Interviews ist an einer Stelle ein wörtliches Zitat unvollständig wiedergegeben worden. Der Satz von Herrn Lafontaine "Nichts spricht für die Wahl von Frau Schwan" wurde ersetzt durch "Im Moment spricht nichts für die Wahl von Frau Schwan".

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
starmax (19.06.2008, 13:16 Uhr)
Danke, neoba
spart mir die Antwort auf schlotti. Mich ärger sehr die Populidmuslüge gegen Lafontaine. Hier ist nämlich alles klar deutlich und verständlich geschrieben:
http://www.oskarlafontaine.de/politiklafontaine.pdf
Ich behaupte mal, wer das nicht unterschreibt, ist kein humanistischer Demokrat!
NeoBa (19.06.2008, 12:25 Uhr)
@schlottzi
Lafontaine und die Linke haben schon mehrmals gesagt, wie die Regenschirme finanzierbar werden. Wahrscheinlich haben Sie nicht genau hingehört, vielleicht auch weil der Regen zu laut auf ihren Schirm pladdert. Im Gegensatz zu vielen anderen scheinen sie ja einen Regenschirm zu haben.
Ich möchte noch darauf aufmerksam machen, dass viele Forderungen der Linken z.B. bezüglich Altersteilzeit, Pendlerpauschale ... von unseren anderen Parteien bereits übernommen wurden. Haben die auch kein Regenschirmfinanzierungsplan???
NeoBa (19.06.2008, 12:15 Uhr)
Lafontaine
Lafontaine pfeift aus allen Löchern. Aber ich bin mir absoulut sicher, wenn es die Linke nicht gäbe wären Altersteilzeit, Pendlerpauschale und Mindestlohn kein Thema in der Politik der CDU/SPD.
Taurusfunk (19.06.2008, 05:46 Uhr)
Normal
ist es doch wohl in einer Demokratie das es ein Angebot gibt,
schön wenn die Linke auch noch Kandidaten benennt.
Davon abgesehen zeigt die Vergangenheit
das keine Partei die Befähigung hat Deutschland zu regieren.
Preussin (19.06.2008, 05:31 Uhr)
Lafo
Recht hat er . Da ich so vorzüglich blitze , glaubt ihr dass ich nicht Donnern könnt. Ihr irrt denn ich besitze , gleichfalls fürs Donnern ein Talent . Wie für Lafo gemacht , frei aus dem Gedächtnis , von Heine.
ganzbaf (19.06.2008, 00:26 Uhr)
Zahlen müssen natürlich...

die Reichen.
Und das sagt auch Lafontaine. Da gibt es einiges zu holen...;-p
schlotti (19.06.2008, 00:06 Uhr)
@starmax
Würde Herr Lafontaine nur sagen, dass es regnet wenn es regnet, wäre ja alles in Ordnung.
Aber Herr Lafontaine sagt im Prinzip etwas ganz anderes: "Wählt mich, und ich werde euch trocken halten!"
Er sagt aber nicht, wie er die Regenschirme bezahlen will.
Das ist Populismus.
Ich mag so was nicht.
MfG,
Schlotti
starmax (18.06.2008, 22:16 Uhr)
Ernst der Lage - nicht erkannt!
Immer die braune Keule, mehr fällt Ihnen nicht ein? Weil jemand (Stalin, Hitler, PolPot, egal) bei Regen sagt, daß es regnet, sagen Sie dann; "Die Sonne scheint", nur wegen der besseren Gesellschaft?. Sie sollten wirklich mal hinterfragen, welchen Effekt es noch hat, daß wir wählen gehen, Stimmvieh spielen dürfen; Das ist eine Feigenblattdemokratie hier, mein Lieber, nada mas -oder eben eine "Plutokratie".
Ernst_Derlage (18.06.2008, 19:48 Uhr)
@starmax
Lieber starmax, in einer Plutokratie dürften arme Rentner, Hauptschulabbrecher und rote Laternen wie Sie vermutlich gar keinen Wahlzettel erhalten.
Laut Wickipedia war Plutokratie übrigens ein Kampfbegriff der Nationalsozialisten, insbesondere von Joseph Goebbels. Feine Gesellschaft, in der Sie sich da bewegen.
starmax (18.06.2008, 19:11 Uhr)
Botschaft also angekommen
aber entweder haben Sie nichts verstanden, loyal, oder Sie ersuchen sich mit Sarkasmus aus Ihrer Sackgasse zu ziehen. Interessant sind vor allem die Argumente meines Statements, auf die Sie nicht eingehen, nicht wahr? Ihren Solidarzuschlag können Sie sich an den Hut stecken, das hat mit der gesicherten Finanzierung der sozialen Forderungen durch genau die Plutokraten, die ich meine (ist Ihr Wikipedia ein anderes als meines?), nichts zu tun. Wir werden die dort exakt Definierten noch jaulen hören,wenn sie zur Kasse gebeten werden, hoffe ich.
Für Sie ein kleiner Lichtblick: Eine Frau Nahles ist ebenfalls nicht mein Geschmack, ihre Partei auch nicht.
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