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12. Dezember 2009, 15:11 Uhr

Länder warnen vor Extrawurst

Schleswig-Holsteins Regierungschef Peter Harry Carstensen hat im Steuerstreit mit Angela Merkel einen Kompromissvorschlag gemacht. Gelöst ist der Streit damit aber noch lange nicht. Ein Spitzengespräch im Kanzleramt soll den Durchbruch bringen.

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Muss am Sonntag ins Kanzleramt zu Angela Merkel (r.): Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen (l.)© Nigel Treblin/DDP

Vor dem Krisentreffen am Sonntag im Kanzleramt hat Schleswig-Holstein konkrete Vorschläge gemacht, wie die Länder für die Steuerausfälle durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz entschädigt werden könnten. Die Mindereinnahmen bei der Unternehmenssteuer könnten demnach durch "Anhebung des Anteils der Länder am Umsatzsteueraufkommen erfolgen", heißt es in einem Schreiben an die CDU-Finanzminister der Länder, aus dem die "Welt am Sonntag" zitierte.

Das Kieler Finanzministerium schlägt zudem vor, die Erbschaftssteuer möglicherweise ganz abzuschaffen. Es sollte geprüft werden, "ob die Erbschaftssteuer in ihrer jetzigen Form den gestellten Anforderungen genügt oder ihr Aufkommen gegebenenfalls im Zuge einer Steuerstrukturreform auf andere Weise gesichert werden kann". Die im Steuerpaket vorgesehene Ausnahme bei der Mehrwertsteuer für das Hotelgewerbe sollte zunächst zurückgestellt und erst im Zuge einer großen Steuerreform geregelt werden.

Damit kommt zumindest etwas Bewegung in den Streit um das so genannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz, über das in der kommenden Woche im Bundesrat abgestimmt werden soll.

Länderchefs lehnen "Lex Carstensen" ab

Gesichert ist die Mehrheit in der Länderkammer aber noch nicht: Sachsen-Anhalts Regierungschef Wolfgang Böhmer (CDU) hält es ebenfalls für offen, wie sein Land abstimmen wird. "Ich bin sehr zurückhaltend und skeptisch", sagte er in Magdeburg. "Eine Vereinbarung mit nur einem einzigen Bundesland würde das Problem und die Verärgerung bei anderen Bundesländern nur noch vergrößern." Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lehnte eine "Lex Carstensen" strikt ab. "Ich bin mir sicher, dass die Spielräume für weitere Steuersenkungen gering sein werden", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" zudem.

Weitere Ländervertreter sollen nicht am Tisch sitzen, wenn Merkel an diesem Sonntag mit Schleswig-Holsteins Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU), FDP-Chef Guido Westerwelle und dem Kieler FDP-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kubicki einen Ausweg sucht. "Das Treffen am Sonntag wird mehr als ein Adventskaffee sein", sagte dennoch der schleswig-holsteinische FDP-Chef Jürgen Koppelin der "Frankfurter Rundschau".

Die Koalition will Finanz-Zusagen vermeiden. "Es bleibt dabei: Es wird kein Land herausgekauft", sagte Unions Fraktionschef Volker Kauder der "Berliner Zeitung". Es werde darüber hinaus auch keinerlei konkrete Finanzzusagen geben. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in der "B.Z." zusätzliche Gelder für Bildung an. "Ich stelle allerdings die Verbindung zur Bundesratsentscheidung nicht her, wenn sie aber von anderen so hergestellt wird, ist das deren Sache."

"Eine Orgie der Klientelpolitik"

Die FDP zeigt sich trotz allem zuversichtlich. Parteichef Guido Westerwelle sagte der "Welt am Sonntag", er gehe davon aus, dass die Bundesregierung die Länder mit guten Argumenten überzeuge. Bayerns FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil warnte im "Tagesspiegel": "Wenn das Paket aufgeschnürt wird, wird es keine Zustimmung Bayerns geben." Er habe kein Verständnis für die Haltung Schleswig-Holsteins. Sein niedersächsischer FDP-Kollege Jörg Bode (FDP) sagte, "dass Schleswig- Holstein bei der Konsolidierung seines Haushalts noch Potenzial hat".

Das hoch verschuldete Schleswig-Holstein fürchtet Ausfälle von 70 Millionen Euro für das Land und 60 Millionen für die Kommunen durch das Gesetz. Die Bundesregierung steht unter großem Zeitdruck, da es bereits zum 1. Januar in Kraft treten soll. Städtetags-Präsidentin Petra Roth (CDU) forderte in der "Leipziger Volkszeitung": "Es darf keine Lösung geben, die nur den Ländern hilft. Die Kommunen brauchen auch einen Ausgleich."

Brüderle verteidigte die geplanten Steuersenkungen und kündigte an, dass die Regierung später Ausgaben senken werde, um den Haushalt zu sanieren. "Das wird natürlich noch Heulen und Zähneklappern geben", sagte er dem "Spiegel". "Schließlich senken wir die Steuern, weil wir einen schlankeren Staat wollen."

Die Opposition erneuerte ihre Kritik am Steuerkurs der Regierung. "Schwarz-Gelb feiert eine Orgie der Klientelpolitik", sagte der SPD- Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier der "Rheinischen Post". Das geplante Gesetz sei schädlich, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit der dpa. "Es ist eine Frage von Stärke, wenn man es zurückziehen würde." Ähnlich äußerten sich die Linken.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
lediable (13.12.2009, 22:13 Uhr)
carstensen vs öttinger
während harry carstensen zunächst mal lauthals " ihr habt sie doch nich alle " plärrte, auf oposition machte
um dann das maximum für sein marodes ländle herauszuschinden, hat öttinger die pläne der merkel zwar auch nicht begrüßt , will sie aber "aus solidarität" mittragen. Mit Blick auf sein nächstes, wohldotiertes Pöstlein als EU
Schwätzer von Merkels Gnaden wagt er keinen wirklichen Widerspruch. Wer hat nun mehr für sein Ländle rausgeholt?
Helmers (13.12.2009, 13:43 Uhr)
Wo ist den die Kohle geblieben?
Hallo Herr Carstensen und Herr Kubicki, falls sie ihr Geld suchen, es befindet sich in den Taschen eines gewissen Herrn Nonnenmacher dem Oberbankster der HSH-Nordbank.
Hallo Herr Seehofer, für ihre Geldspenden bedanken sich das Konsortium der Hypo-Alpe-Adria, nebst postum Haider und Konsorten und die Absahner der BayernLB.
Weitere gesuchte Gelder haben, WestLB, KfW, IKB, Commerzbank, Quelle-Druckerei und ehemalige Manager. Was hat sich bisher geändert? Nichts!
jps-mm (13.12.2009, 12:12 Uhr)
Mit der Merkel werden Menschenrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt
Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto "Mehr Freiheit wagen". Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
- die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
- die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
- mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
- das BKA eigenmächtig - ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
- die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
- das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
- die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

Die Merkel hat den Begriff "Freiheit" damit vollständig entkernt. Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat.
SethusCalvisius (12.12.2009, 21:18 Uhr)
@Wittigofranko
Wie weit soll denn die Umverteilung von unten nach oben noch gehen? Die Senkung der Einkommenssteuer nützt vor allem den Besserverdienenden, eine MwSt-Erhöhung belastet wiederum die unteren Einkommensschichten überproportional. Letzlich führt eine Erhöhung der MwSt dazu, dass weniger konsumiert wird, da man sein Geld schließlich nur einmal ausgeben kann. Die Binnennachfrage ist aber jetzt schon unser größtes Problem.
Wittigofranko (12.12.2009, 20:52 Uhr)
MwSt EU-weit auf 25% harmonisieren!
Schon zur Finanzierung der deutschen Einheit hätte die MwSt schrittweise erhöht werden müssen. So wurde diese seinerzeit von Schwarz-Gelb durch Steuergeschenke und höhere Sozialbeiträge finanziert und damit der Faktor ARBEIT unnütz verteuert bei gleichzeitigen Haushaltslöchern!

Seit 1992 haben wir den sogenannten EU-Binnenmarkt und leider noch immer keine Harmonisierung bei der MwSt. Eine EU-weite Harmonisierung der MwSt ist dringend geboten! Weshalb das die Europaabgeordneten aus Deutschland nicht fordern ist mir schlicht ein Rätsel.

Die MwSt zu harmonisieren wäre die "Mutter aller Reformen".

Bislang hatten lediglich Dänemark und Schweden den EU-MwSt-Höchstsatz von 25% - zeitweise auch Ungarn.

Ungarn hat die MwSt zeitweise auf 20% gesenkt und jetzt zum 01. 07. 2009 auf einem Schlag wieder auf 25% erhöht. Im Gegenzug wurde der gesamte Einkommenssteuertarif um 2 Prozentpunkte gesenkt und die Sozialbeiträge sogar um 6 Prozentpunkte.

Eine Folge davon ist, dass die in Ungarn hergestellten Motoren der Volkswagengruppe billiger nach Deutschland "exportiert" werden können.

Wir dagegen exportieren Arbeitsplätze in die USA (aktuelles Beispiel ist die Mercedes-Benz C-Klasse), weil in den Nettoexportpreisen zu hohe Beiträge für die Sozialkassen enthalten sind, die die US-Amerikaner nicht bereit sind zu zahlen.

Großbritannien hat jüngst die MwSt gesenkt und sich damit handlungsunfähig gemacht.

Spaniens Haushaltslöcher sind riesig. Dort leistet man sich noch den Luxus von 16% MwSt anstatt diese schrittweise auf EU-konforme 25% zu erhöhen.

In Italien ist es die MwSt, die funktioniert. Auch dort müsste sie auf EU-konforme 25% erhöht werden.

Griechenland ist praktisch pleite. Auch dort wehrt man sich gegen eine höhere MwSt.

Frankreich müsste die MwSt dringend erhöhen wie auch Deutschland, um den im Gang befindlichen Strukturwandel hin zur nachindustriellen Gesellschaft harmonisch zu gestalten.

Ein Trost bleibt mir: War es doch Schwarz-Gelb die damals nach der deutschen Wiedervereinigung die falsche Weichenstellung in der Steuerpolitik stellten. Heute wird Schwarz-Gelb von diesen kapitalen Strukturfehlern einfach eingeholt. Insofern gibt es doch eine ausgleichende Gerechtigkeit, obwohl das Volk unnütz darunter leiden muss.

Maeus (12.12.2009, 17:21 Uhr)
"Carsten und Merkel im Steuerstreit:"
ham wa da leitendes Personal aus dem Norden übersehen - oder wer ist dieser Carsten?
Fehln strn.d heut en par Bchstabn?
Oder ein bisschen die Sorgfalt?
jomimo (12.12.2009, 16:48 Uhr)
Das alles ...
klingt nur nach Wahnwitz.
Ist es mit der Klientelpolitik wirklich schon sooo weit?

Wenn ja, haben wir keine Bundesregierung.


Isabel1974 (12.12.2009, 16:04 Uhr)
Psssst
Die Bilderberger-Konferenz ist wohl die einzige Konferenz, die ihr Stattfinden erst nach ihrem Abschluss ankündigt: »Das Bilderberger Meeting wird vom 14. bis 17. Mai 2009 in Vouliagmeni, Griechenland, stattfinden«, heißt es mit Datum vom 17. Mai 2009 in der offiziellen Pressemitteilung. Vielleicht haben andere das Fax »schon« am 17. Mai bekommen, bei mir traf die Ankündigung der abgehaltenen Konferenz erst am heutigen 19. Mai ein. Das offizielle Fax der »Bilderberger Meetings« bestätigt: Die Konferenz hat vom 14. bis 17. Mai 2009 in Vouliagmeni, Griechenland, stattgefunden. Aus Deutschland u.a. mit dabei: Josef Ackermann, Roland Koch und Peter Löscher (Siemens). ...


http://info.kopp-verlag.de/news/pressemitteilung-zur-bilderberg-konferenz.html
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