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9. November 2008, 14:28 Uhr

Demonstranten entern die Gleise

Gorleben erlebt die größte Anti-Atomkraft-Demonstration seit langem. Nicht immer geht es dabei friedlich zu. Wegen einer mehrstündigen Blockade des Zuges mit dem Atommüll entwickeln sich die Proteste mehr und mehr zum Geduldsspiel für alle Beteiligten.

Polizisten kontrollieren bei Hitzacker die Schienen, um weitere Sabotageakte gegen den Castor-Transport zu verhindern© Joerg Sarbach/AP

Manche schlottern nach einer Nacht auf der Straße am ganzen Körper, wollen sich aber auch vom einsetzenden Regen am Sonntag nicht abschrecken lassen. Die Atomkraftgegner in Gorleben haben sich in goldene Wärmefolien eingewickelt, sie liegen auf Strohsäcken und teils unter Planen zum Schutz vor dem Regen. "Wir haben schon bei Minusgraden und trotz Wasserwerfern ausgeharrt", sagt Katja Tempel, die seit 27 Jahren gegen Atommüll-Transporte nach Gorleben protestiert. Bei einer Sitzblockade mit hunderten anderen Demonstranten will sie die Zufahrt zum Zwischenlager versperren - dort wo die Behälter mit dem stark strahlenden Müll nach rund 1000 Kilometern Fahrt gelagert werden.

Einige Kilometer entfernt mitten im Wald geht es nicht mehr friedlich zu. Stunden vor dem erwarteten Eintreffen des Atommüll- Zuges aus Frankreich im Wendland kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Rund 700 Atomkraftgegner haben sich trotz eines Versammlungsverbotes an mehreren Stellen auf Feldwegen bis zu den Bahngleisen durchgeschlagen. Zwischen Dahlenburg und Dannenberg (Niedersachsen) blockieren sie mir brennenden Strohballen und Baumstämmen die Bahnstrecke. Einige versuchten auch, die Bahnschienen zu beschädigen. Polizisten seien mit Silvesterknallern und -raketen beschossen worden, daraufhin seien Schlagstöcke eingesetzt worden, erklärte die Polizei. Nach Angaben der Demonstranten gab es dabei mehrere Verletzte. Wasserwerfer sind im Einsatz, um Feuer auf den Schienen zu löschen.

Die Einsatzkräfte - in Niedersachsen sind es insgesamt mehr als 10.000 während des Atommüll-Transportes - sind noch auf weitere solcher Störaktionen eingestellt. Die heiße Phase der Proteste steht traditionell dann bevor, wenn der Zug die Verladestation in Dannenberg erreicht hat und für die Weiterfahrt auf der Straße bis nach Gorleben vorbereitet wird.

Auch Demonstranten haben das Aufeinandertreffen mit den Einsatzkräften in Trainingskursen vorher durchgespielt. "Man lernt, wie man ohne blaue Flecken auskommt", sagt ein junger Mann, der auf einem Strohballen vor dem Zwischenlager in dem kleinen Dorf Gorleben auf der Straße sitzt. Wie die meisten will er den Platz nicht freiwillig räumen und sich notfalls von der Polizei wegtragen lassen. Auch vier Mitglieder der Umweltschutzorganisation Robin Wood, die sich in luftiger Höhe an einem Seil über der Zufahrtsstraße zum Zwischenlager befestigt haben, wollen Durchhaltewillen zeigen.

Einige Polizisten werden ungeduldig

Wann sich der Transport seinem Ziel im Wendland nähert, bleibt zunächst ungewiss - vor allem wegen einer etwa zwölfstündigen Verzögerung nach einer Gleisblockade in der Südpfalz. Mancher der Polizisten, die zur Sicherung der Strecke überall postiert sind, wird da ein wenig ungeduldig und hofft auf ein schnelles Ende des Einsatzes am Montag. "Ich will am Dienstag zum Laternenumzug mit meinen Kindern", sagt ein Beamter ein wenig genervt.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
hamburg123 (10.11.2008, 06:19 Uhr)
Unfassbar
Vegefranz und co. wollen also, dass es alles hier in Deutschland gelagert wir. Wieso wollen sie das? Keine Ahnung, da muss wohl in der Kindheit etwas falsch gelaufen sein. Vielleicht ein traumatisches Erlebnis? Vielleicht wurde er von seinen Eltern geschlagen? Das würde es erklären, warum er hier solche Sachen postet! Sie sind zu faul, um etwas zu denken. Sie sind ein Loser, also eignen sie sich etwas Bildung an, sie Nichtssnutz.
SethusCalvisius (09.11.2008, 23:59 Uhr)
Faszinierend,
dass die Menschen unserer Zeit zwar in der Lage sind, Dinge zu erforschen, die vor Millionen Jahren geschehen sind, aber nicht mal ansatzweise darüber nachdenken, was in den Generationen nach uns passiert. Ist es denn so schwer zuverstehen, dass es Menschen gibt, die bei der Vorstellung, dass unser radioaktiver Müll noch in Hunderten oder Tausenden von Jahren Menschen in Krankheit und Tod treibt, nicht ruhig bleiben können? Natürlich ist Atomstrom der derzeit billigste, aber nur, weil das Problem und die Kosten der Entsorgung den nachfolgenden Generationen überlassen wird. Ich bin sicher, dass dann die Demonstranten von Gorleben nachträglich als Helden gefeiert werden, wenn sie auch gegen die Abgestumpftheit ihrer Mitmenschen nichts haben ausrichten können.
UR63 (09.11.2008, 17:59 Uhr)
Neoliberale,....
das sind doch diejenigen, deren Daseinszweck darin besteht, Arbeitsplätze zu vernichten, Löhne zu drücken und kleine Kinder zu fressen. Was der DDR früher der Klassenfeind ist dem sozial Empfindsamen heute der Neoliberale. Das Wort ist ein politischer Kampfbegriff, er dient vor allem der Diffamierung des politischen Gegners, gleichgültig ob innerhalb oder außerhalb der eigenen Partei.
Das gilt SPD-Vizin Andrea Nahles und deren ehemaligen Parteigenossen und jetzigen Oberlinken Oskar Lafontaine.
Necro (09.11.2008, 17:37 Uhr)
Und das Problem mit den nuetzlichen Nachplappern von Neoliberalen ist...
...das Sie unsachlich werden, wenn Ihnen die Argumente ausgehen.
Aber immer schoen dran denken : "Nichts wird geraten, mit Christdemokraten"
Moegen doch die Befuerworter ins Endlager ziehen.
Pamela_1971 (09.11.2008, 17:27 Uhr)
chrgue
"Sie arbeiten nichts, leben vom Staat" => woher wollen Sie das denn wissen? Haben Sie irgendwelche nachprüfbaren Beweise/Belege für diese (unsinnige) Aussage??
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"wollen diesen aber in seiner Entscheidungsfindung beeinträchtigen" => Hier ist es doch wohl eher genau umgekehrt: der Staat will die demonstrierenden Menschen in ihrer Entscheidungsfindung beeinträchtigen, entscheidet rücksichtslos über deren Köpfe hinweg, und bevormundet sie in allen möglichen sie unmittelbar betreffenden Fragen, von ihrer grundgesetzlich garantierten Versammlungsfreiheit (Versammlungsverbote) bis hin zur Lagerung von hochgefährlichem Müll in ihrer direkten Nachbarschaft. Würde ich da wohnen, würde ich mich auch an allen möglichen Formen zivilen Ungehorsams beteiligen... und ich lebe weder vom Staat, noch bin ich arbeitslos.
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"Nein, Leute, solche Gewalttäter brauchen wir nicht" => Die Menschen da vor Ort brauchen vor allem keine GewalttäterInnen in Uniform, die die Grundrechte der Bevölkerung vor Ort völlig ignorieren, und Jahr um Jahr mit nackter Gewalt hochgefährlichen Atommüll in deren Wohnort durchprügeln!
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"und der Paragraph des Landfriedensbruchs sollte von unserer laschen Justiz endlich mal auch gebraucht werden." => Und Sie glauben, dieser Paragraph wird in Deutschland bislang nicht angewendet? Schauen Sie vielleicht erst mal in den einschlägigen Statistiken nach...
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"Leid tun mir immer die Polizisten!" => Mir nicht. Niemand hat sie dazu gezwungen, so einen Job zu machen - die Menschen in Gorleben werden aber von diesen "armen PolizistInnen" mit roher Gewalt dazu gezwungen, eine potenzielle Gefahr für Leib und Leben hinzunehmen. DIE tun MIR leid!
kldrkur (09.11.2008, 17:20 Uhr)
Wer ist Demonstrant?
Nur wer friedlich bleibt, kann das Recht der Versammlungsfreiheit in Anpruch nehmen. Auch ist Demonstrant nach dem Grundgesetz und dem Versammlungsgesetz nur wer friedlich ist, obwohl laut Presse jeder Randalierer ein Demonstrant ist, wie leider der Artikel wieder einmal belegt. Kann man sich eigentlich bei Dummheit auf Pressefreiheit berufen?
knilch_59 (09.11.2008, 17:17 Uhr)
Jetzt wäre @ganzbaf an der Reihe
Aus guten Gründen scheuen unsere Politiker seit 40 Jahren die Volksabstimmung zur friedlichen Nutzung der Atomenergie. Wer sie nicht will, wird gezwungen, das ganze grüne Gesamtpaket zu wählen, die anderen Parteien lügen sich grausam einen in die Tasche nach dem Motto „Atomstrom ja, aber die Reaktoren ganz weit weg und die Lagerung noch viel weiter“ – Musterbeispiel die CSU, die für Bayern neue AKW prüfen will, aber die Endlagerung bei sich kategorisch ausschließt.
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Zum Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wurde hier schon viel gesagt. Die Väter des Grundgesetzes haben sich etwas dabei gedacht, dieses Grundrecht höher zu hängen als „freie Fahrt für freie Bürger“, das Recht auf Urlaubsreisen oder Wohlstand. Von daher gebührt denjenigen, die von einem demokratischen Grundrecht Gebrauch machen, zunächst einmal Respekt. Bis zum Beweis des Gegenteils muss man unterstellen, dass denen, die sich jetzt bei Sch…-Wetter an der A… der Welt begeben, um ihren Rechten nachzukommen, auch Angenehmeres eingefallen wäre, aber Demo ist ihnen wichtig.
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Bei jeder Jahreshauptversammlung des Kleintierzüchtervereins biedern sich die Politiker an ihre Aufwartung machen zu dürfen – warum sind Herr Wulff, Herr Gabriel und Frau Merkel nicht vor Ort, wenn doch ihre Bürger dort sind? Abendessen mit Ackermann, Mehdorn oder dem stellvertretenden Reservehilfsbotschafter von Timbuktu sind wohl „wichtiger“?
UR63 (09.11.2008, 16:42 Uhr)
Solange sich die Demonstranten..
nicht von Links bzw.Öko Faschisten distanzieren,werden kaum Menschen in Deutschland diese Demos gut finden!
Außer Holgi natürlich!
@Vegefranz Viel Feind viel Ehr!
inselkarl (09.11.2008, 16:35 Uhr)
Sachlich bleiben
Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Das sollte allen Bürgern zustehen, nicht nur den sich selbst ernannten Progressiven. Wer gegen Atomkraftwerke ist, sollte friedlich demonstrieren. Dass sich unter die friedlichen Demonstranten immer einige gewaltbereite Provokateure mischen ist nichts Neues( Siehe G8 Gipfel. Aber das ehrliche Anliegen von 95 % wird durch die schwarzen Anarchisten mit Lust am Zündeln und Prügeln stark in Frage gestellt. Eine klare Angrenzung gegen diesen Mob vermisse ich von Ströbele Roth und den zahlreichen Grünen. Dass auch die Linke noch dieses emotimale Thema für sich ausschlachtet, ist nur ein Nebeneffekt und dient zum Frustabbau, wegen der gescheiterten rot rot grünen Träume.
chrgue (09.11.2008, 16:16 Uhr)
Miese Typen!
Wer braucht heutzutage noch solche so genannten Demonstranten? Sie arbeiten nichts, leben vom Staat, wollen diesen aber in seiner Entscheidungsfindung beeinträchtigen. Nein, Leute, solche Gewalttäter brauchen wir nicht und der Paragraph des Landfriedensbruchs sollte von unserer laschen Justiz endlich mal auch gebraucht werden. Hinter Gittern können sie dann in Gedanken nachhängen, diese Brüder und Schwestern mit ihren lilafarbenen Schals. Leid tun mir immer die Polizisten!
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