Startseite

Ludwig Erhard war nie CDU-Mitglied

Ludwig Erhard gilt als Vater des deutschen Wirtschaftswunders und Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft. Als Bundeswirtschaftsminister und Kanzler war er eine der prägenden Figuren der CDU - einer Partei, der er nie angehörte, wie jetzt der stern herausgefunden hat.

Von Hans Ulrich Jörges und Walter Wüllenweber

  • Walter Wüllenweber

Ludwig Erhard, Vater des deutschen Wirtschaftswunders und Schöpfer der Sozialen Marktwirtschaft, war nie Mitglied der CDU. Dies enthüllt 30 Jahre nach dem Tod des Ex-Kanzlers Horst Friedrich Wünsche, Geschäftsführer der Bonner Ludwig-Erhard-Stiftung und letzter wissenschaftlicher Mitarbeiter des Politikers, im stern. "Er war nie Mitglied der CDU", sagte Wünsche im stern-Interview. "Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich hauptberuflich mit Ludwig Erhard, und ich sage Ihnen: Erhard ist niemals einer Partei beigetreten." Günter Buchstab, der als Leiter des wissenschaftlichen Dienstes der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung das Parteiarchiv der CDU verwaltet, bestätigte dem stern: "Die Mitgliedschaft lässt sich aktenmäßig nicht nachvollziehen." Seines Wissens habe Erhard an die CDU auch "keine Beiträge gezahlt".

Ludwig Erhard, neben Konrad Adenauer die zweite große Symbolfigur der CDU in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik, saß 28 Jahre für die Christdemokraten im Bundestag. In acht Bundestagswahlkämpfen warb er für die Partei. Von 1949 bis 1963 war er für die CDU Wirtschaftsminister, von 1963 bis 1966 Bundeskanzler und von 1966 bis 1967 sogar CDU-Vorsitzender, danach bis zu seinem Tod 1977 Ehrenvorsitzender der Partei. Bislang wurde davon ausgegangen, dass Erhard zwar spät, dann aber doch noch der Partei beigetreten ist. In Personenarchiven, wie etwa dem Munzinger-Archiv, aber auch in deutschen Medien fand die Version Aufnahme, Erhard sei anlässlich seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden am 23. März 1966 in die CDU eingetreten, wobei der offizielle Beitritt um drei Jahre auf 1963 rückdatiert worden sei.

"Wir haben keinen Aufnahmeantrag gefunden"

Diese Version wird nun von Wünsche und Buchstab dementiert. Der Wissenschaftler der Adenauer-Stiftung sagte dem stern: "Ich glaube, das kann man so nicht mehr stehen lassen." Befragt nach einem Aufnahmeantrag, der nach den Parteistatuten unverzichtbar ist, antwortete Buchstab: "Da haben wir nichts gefunden." Der Geschäftsführer der Erhard-Stiftung erklärte: "Sie haben ihm wohl mal ein Mitgliedsbuch zugeschickt, unaufgefordert, aber das hat er nie unterschrieben."

Im Archiv der Erhard-Stiftung befindet sich eine vom CDU-Kreisverband Ulm ausgestellte "Mitgliedskarte" Ludwig Erhards mit der Nummer "03-18-100", die aber erst am 2. August 1968 ausgestellt und auf den 1. März 1949 rückdatiert worden war. Die Felder für die Beitragsmarken sind nicht beklebt. Mit dieser Karte, die Erhard erst nach seiner Amtszeit als Parteivorsitzender zugeschickt worden war und die dem stern in Kopie vorliegt, sollte offenbar nachträglich eine Legende für seine durchgängige Parteizugehörigkeit geschaffen werden. 1971 folgte noch, ebenso unaufgefordert zugeschickt, ein Mitgliedsbuch Erhards.

Beitrittserklärung "handschriftlich mit Tinte"

Klaus Scheufelen, von 1958 bis 1971 CDU-Vorsitzender in Erhards Landesverband Nord-Württemberg, sagte, der damalige Ulmer CDU-Chef Franz Wiedemeier habe ungefähr im Jahre 1963 im Landesvorstand einen Zettel vorgezeigt, auf dem Erhard im Sommer 1949 "handschriftlich mit Tinte" seinen Beitritt zur CDU erklärt habe. Diesen Zettel habe Wiedemeier aber nicht zu den Parteiakten, sondern mit nach Hause genommen. Nach Wiedemeiers Tod im Jahre 1970 habe man ihn vergeblich gesucht, er sei verschollen. Zwei andere noch lebende Mitglieder des damaligen CDU-Landesvorstands könnten sich allerdings nicht daran erinnern, diesen Zettel je gesehen zu haben, sagte Scheufelen.

print

Kommentare (0)

    Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

    Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
    Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
    Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
    Klar
    Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

    Partner-Tools