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23. März 2011, 06:34 Uhr

Hobbyflieger in Turbulenzen

Er galt als Hoffnungsträger der Südwest-CDU, als junger Franz-Josef-Strauß. Doch nach der abrupten Kehrtwende in der Atopmpolitik kämpft Stefan Mappus vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg um seine Glaubwürdigkeit.

Stefan Mappus galt nei seinem Amtsantritt im Februar 2010 als Hoffnungsträger der Südwest-CDU. Zupackend und entscheidungsfreudig löste der damals 43-Jährige als bundesweit jüngster Ministerpräsident Günter Oettinger ab. Inzwischen ist der Hobbyflieger wegen seiner oft polarisierenden Art aber in einige Turbulenzen geraten. Vor allem die drohende Atomkatastrophe in Japan macht dem bisherigen entschiedenen Akw-Befürworter schwer zu schaffen. Schwarz-Gelb liegt zurück und Mappus muss bei der Landtagswahl am Sonntag darum kämpfen, nicht als Ministerpräsident mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte einzugehen.

Parteifreunde und Gegner vergleichen Mappus wegen seines Machtinstinkts und seiner Impulsivität gerne mit dem jungen Franz-Josef Strauß. Der Pforzheimer Diplom-Ökonom aus einfachen Verhältnissen lehnt den Vergleich aber ab. Vorbild sei ihm vielmehr sein Vor-Vorgänger Erwin Teufel, der den damals 32-jährigen Mappus 1998 als Verkehrsstaatssekretär in die Regierung geholt hatte. Doch wie der einstige bayerische Ministerpräsident Strauß trägt auch Mappus sein Herz oftmals auf der Zunge und musste bereits im Landtag, wo er von 2005 bis 2010 Fraktionsvorsitzender war, die Folgen dessen ausbaden, was seine Landsleute "Maul auf, Wort fort" nennen.

Jüngstes Beispiel ist die auch von Parteifreunden als Skandal empfundene Demontage des Stuttgarter CDU-Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster, dem eine verfehlte Informationspolitik zum heftig umstrittenen Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" vorgehalten wurde: Mappus senkte Anfang März den Daumen und gab kund, dass Schuster bei den OB-Wahlen Ende 2012 nicht mehr anzutreten habe und er die Suche nach einem anderen Kandidaten zur Chefsache machen würde. Dass sich Mappus hinterher bei Schuster dafür entschuldigen musste, wird auch von CDU-Anhängern als Schwächung der Partei im Wahlkampf verstanden.

Um Schadensbegrenzung nach plötzlichem Meinungswandel war Mappus während seiner bislang kurzen Amtszeit immer wieder bemüht. Den Auftakt machte im März 2010 das Hin und Her über den von Mappus dann doch verweigerten Ankauf einer CD mit den Daten von Steuerbetrügern, obwohl sich sein damaliger Finanzminister Willi Stächele (CDU) dafür ausgesprochen hatte.

Ähnlich lavierte Mappus im Streit um das Milliardenprojekt "Stuttgart 21". Nachdem zuerst nichts von ihm zu den Bürgerprotesten zu hören war, setzte er dann auf einen harten Konfrontationskurs. Als aber im September hunderte Menschen bei Protesten von Wasserwerfern teils erheblich verletzt wurden und selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Opfern "gute Genesung" wünschte, ändert Mappus erneut seinen Kurs und wurde zum Verfechter von Bürgerdialog und Schlichtung.

Das größte "Glaubwürdigkeitsproblem" hat Mappus nach Ansicht seines SPD-Herausforderers Nils Schmid aber seit dem atomaren Desaster in Japan und seiner Kehrtwende in Sachen Atomstrom. Mappus galt zuvor als einer der glühendsten Atom-Lobbyisten seiner Partei und muss nun erklären, warum er vom Saulus zum Paulus wurde und das von Merkel angeordnete Abschalten der Atommeiler Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 in Baden-Württemberg gut findet. Ob die Bürger ihm diesen Kurswechsel abnehmen, wird sich zeigen.

Bis dahin will Mappus im Wahlkampf auch mit dem Einsatz seiner Frau Susanne Verweyen-Mappus punkten. Die 48-jährige frühere CDU-Landesgeschäftsführerin und laut Partei "starke Frau" an Mappus' Seite ging im Wahlkampf nicht nur mit einer Videobotschaft des Staatsministeriums zum Weltfrauentag an die Öffentlichkeit. Sie tingelte zu medienwirksamen Kaffeekränzchen durch die Provinz, um Wählerinnen und Wählern sich und die Politik ihres Mannes "in ungezwungener Atmosphäre" nahezubringen. Ein Novum, bislang wagte sich keine "First Lady" im Ländle so weit in die Öffentlichkeit.

cjf/AFP
 
 
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