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3. Dezember 2007, 14:00 Uhr

Merkel geißelt Linksdrall der SPD

Angela Merkel hat ihrer Partei in Hannover deren künftigen inhaltlichen Kurs vorgegeben. Dabei umriss die Kanzlerin, wie die CDU die Mitte besetzen und beherrschen will. Den neu entdeckten Sozialismus der SPD watschte sie ab.

CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel während ihrer Rede auf dem Parteitag in Hannover© AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die CDU auf ihrem Parteitag als Garant für den Aufschwung klar gegen den Koalitionspartner SPD abgegrenzt. Die CDU-Chefin reklamierte Erfolge wie die gute Konjunktur und das Gewicht Deutschlands in der Außenpolitik in ihrer Grundsatzrede am Montag für die Union. "Mehr denn je kommt es dabei auf uns an", unterstrich sie vor den rund 1000 Delegierten in Hannover. Die Arbeitsplätze der Zukunft seien der Union zu verdanken. Starken Applaus erntete sie für ihre Angriffe auf die SPD und Altkanzler Gerhard Schröder. Sie warf den Sozialdemokraten vor, notwendige Reformen zurückdrehen zu wollen und stattdessen wieder auf Sozialismus zu setzen. Hart ging sie auch mit überzogenen Gehältern und Abfindungen für Spitzenmanager ins Gericht.

Kein Wettbewerb ohne faire Mindeststandards

In ihrer gut einstündigen Rede schwor die Parteichefin ihre CDU auf Koalitionskurs ein und zeigte sich abermals offen für die umstrittenen Mindestlöhne in weiteren Wirtschaftszweigen. Wenn nach den Briefzustellern und Gebäudereinigern auch andere Branchen in das Entsendegesetz aufgenommen werden wollten, werde die Regierung dies prüfen. "Denn ohne Mindeststandards kann fairer Wettbewerb nicht stattfinden." Sie erneuerte aber ihre Absage an flächendeckende Mindestlöhne.

Die Menschen sollten in zwei Jahren sagen können: "2009 geht es uns noch besser als 2007", rief Merkel. "Das Gebot der Stunde kann deshalb nur heißen: Kurs halten!" Niemand verstehe, warum die SPD nichts mehr mit den Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Vorgängerregierung zu tun haben wolle. Die SPD habe die politische Mitte aufgegeben und sei nach links gerückt. "Hier in der Mitte sind wir - und nur wir", sagte Merkel.

Schelte für Altkanzler Schröder

In ihre Schelte für Spitzenmanager mit Millionenabfindungen bezog sie auch Altkanzler Schröder ein und kritisierte seine Tätigkeit für ein russisches Pipeline-Konsortium. Den Unionsstreit um das Betreuungsgeld für Kindererziehung zu Hause versuchte sie zu entschärfen. Merkel nannte es in einem Atemzug mit dem Ausbau der Krippenplätze bis zum Jahr 2013. Es war in letzter Minute in das neue Grundsatzprogramm aufgenommen worden, das am Abend verabschiedet werden soll. Merkel hatte dem Betreuungsgeld bisher einen nachrangigen Stellenwert eingeräumt.

Außerdem bekräftigte sie konservative Unions-Positionen wie das Bekenntnis zu einer "Leitkultur", zu Regelungen gegen Spätabtreibungen und aktive Sterbehilfe sowie zur Begrenzung der Forschung mit embryonalen Stammzellen und das Nein zu einem EU-Beitritt der Türkei. Sie verteidigte zugleich aber auch die Öffnung des traditionellen Familienbilds im CDU-Programm.

Der Parteitag solle der CDU für die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen im Januar und in Hamburg Ende Februar einen Schub geben, rief Merkel, die mit fast achtminütigem Beifall bejubelt wurde. "Wir empfinden Rückenwind durch die Politik in Berlin", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
ganzbaf (04.12.2007, 10:04 Uhr)
Besser Linksdrall als der Rechtsdrall der Konservennaiven... ;-)
Die CDU steht für Elitewahn, Zwangsselektion und den naiven Glauben an das bedingungslos Gute in der Wirtschaft.
Das nenne ich rechtes Gedankengut.
erichmonika (03.12.2007, 17:38 Uhr)
Toll, dass sich die SPD durchgesetzt hat
Das war endlich mal wieder eine soziale Tat der SPD, dass sie sich bei Frau Merkel mit den Midestlöhnen für Brieftrager durchgesetzt hat. Wenn Frau M. weiterhin gegen die Mindestlöhne ist und sie als "sozialistisch" verteufelt, obwohl sie sogar in den USA eingeführt sind (da sieht man was für einen Quatsch die erzählt), dann kann man sie mit Fug und Recht
Hungerlöhne - Kanzlerin
nennen.
Schwarzenegger (03.12.2007, 15:33 Uhr)
Was meint sie nur
Wo bitte soll die SPD links sein? Und was ist bitteschön "sozialistisch" an der Politik der SPD? Das wir als letztes EU-Land ausser Zypern noch keinen Mindestlohn haben und die SPD nun einen solchen will? Muß ich das verstehen? Muß ich überhaupt eine Frau verstehen, die sich selbst so hervorragend mit Bush versteht, mit der wir im Irak wären, die bis 2005 ausschließlich mit hetzpetz-Reden gegen Rot-Grün genervt hat, statt Politik zu machen? Scheinbar hat sie damals als FDJ-Funktionärin nicht wirklich aufgepasst, sonst wüßte sie, was Sozialismus ist. Oder andersrum: Kein Wunder dass die DDR untergehen mußte, wenn solche Pfeiffen wie Merkel die Jugend für die Politik gewinnen sollten.
Erek (03.12.2007, 15:27 Uhr)
Überwiegend irrt BK Merkel
In Sachen SPD hat die CDU-Chefin insoweit recht, als die SPD zuviel mit dem Begriff Sozialismus hantiert,
obwohl die SPD-Papiere eigentlich weitgehend "zahm" sind.
Fakt ist aber, dass es weitverbreitete "Hungerlöhne" gibt. Die sehr geschwächten Gewerkschaften können in wichtigen Bereichen nur wenig durchsetzen. In Teilen des Handwerks, Beachungsgewerbe, HOGA-Sektor, gibt es in gewisser Weise Unterbezahlung.
Meine Meinung ist die: Betriebe, die pro Mitarbeiterstunde keine 6 EURO erwirtschaften können, sollten sich und ihre Konzeption sehr kritisch überprüfen. Ich möchte es bewußt sehr milde formulieren! Der Eiertanz der Union in dieser Frage, wie auch beim Türkeibeitritt zur EU, zur Leitkultur ( allen das Christentum aufpfropfen, obwohl hierzulande 31 % konfessionslos sind), die freiheitsfeindlichen Bestrebungen Schäubles, die extreme Ungleichbehandlung ( Bauern hochsubventioniert; Bergbau Geld-Hahn abgedreht ), die vielen ungerechtfertigten Privilegien usw, usf - all das hat nichts mit einer Politik der Mitte zu tun. Sie ist schon sehr deutlich "rechtsdrehend". Auch der verderbliche Einfluß der Vertriebenverbände darf nicht übersehen werden.
ganzbaf (03.12.2007, 15:26 Uhr)
Die SPD ist glücklicherweise ein bisschen auf dem Weg zum "Demokratischen Sozialismus" Willy Brandts"!
Und Atze Schröder gehört eh enteignet, exkommuniziert UND entpensioniert....;-Pp
Punito (03.12.2007, 15:03 Uhr)
Kohls "Mädchen"...

hat doch ein wenig floskelhaftes
von ihrem "Ziehvater" übernommen .
Sprach der Altkanzler von "blühenden
Landschaften" in den neuen Bundesländern , redet Angela Merkel
vom Aufschwung , der bei den Menschen
unter ihrer Regierung angekommen ist.
Die Schelte gegen den Regierungspartner SPD nach links abzudriften , die Anbindung der konservativen Kreise des Wahlvolks,
verkleidet mit dem Begriff "Leitkultur" lenkt auch nicht von
den tatsächlich exestierenden Problemen in Deutschland ab .
Die Verheißung auf eine Besserung der
Zustände für das Jahr 2009 macht
den Kohl auch nicht fett .Außer den
Kohljüngern in eigenen Reihen .
Für mich ist die Rede der "Regentin "
der Startschuß zum Wahlkampfjahr 2008.
H.P. (03.12.2007, 14:58 Uhr)
Werte
Keiner ist besser, jeder versucht den anderen auszuspielen anstatt ehrliche Politik zu betreiben. Wo sind all Werte, die ein Menschen und Gesellschaft dringend benötigt um zu bestehen.
Dudu (03.12.2007, 14:37 Uhr)
@Kilchberger
Ging es wirklich nur um einige Spendenquittungen? Oder doch um wesentlich mehr? Schließlich tauchten ja auch ganz andere Umstände in Erscheinung, die nur deshalb nicht aufgeklärt werden konnten, weil Aktenberge vernichtet und Amts-PC flächendeckend gelöscht wurden
Kilchberger (03.12.2007, 14:32 Uhr)
@ Dudu:
Sich mit Haut und Haar an eine fremde Macht zu verkaufen ist auch sehr viel schlimmer als ein paar verschwundene Spendenquittungen. Diese Macht, die einen bezahlt, dann auch noch schamlos als demokratisch zu bezeichnen setzt dem ganzen die Krone auf.
Dudu (03.12.2007, 14:26 Uhr)
Schelte für Altkanzler Schröder
Jedenfalls stellt Schröder sein Ehrenwort nicht über das Gesetz und verteitigt schwarze Parteikassen, wie manch andere alt Politfunktionäre.
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