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15. August 2011, 05:58 Uhr

Boetticher gibt wegen Liebesaffäre auf

Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig Holstein tritt CDU-Spitzenkandidat Boetticher zurück - wegen einer Affäre mit einer 16-Jährigen. Er sagt: "Es war Liebe."

Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig- Holstein ist CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher wegen einer privaten Affäre zurückgetreten - auch als Landesvorsitzender. Er stürzt die Partei damit in eine massive Führungskrise.

Der 40-Jährige, der auch die Landtagsfraktion in Kiel führt, gab seine Entscheidung am Sonntagabend in Kiel bekannt - mit stockender Stimme und den Tränen nahe. Von Boetticher zog die Konsequenz aus einem inzwischen beendeten Verhältnis: Der seinerzeit unverheiratete Politiker hatte Anfang vergangenen Jahres eine Liebesbeziehung mit einer damals 16-Jährigen.

"Es war schlichtweg Liebe"

Der Politiker bekannte sich vor der Presse zu der - rechtlich nicht zu beanstandenden - Beziehung, allerdings ohne das genaue Alter der Jugendlichen zu nennen. "Ja, es ist wahr, ich hatte mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mit ihr mehrere Monate zusammen gewesen", sagte von Boetticher. Das war lange vor seiner Vornominierung zum Spitzenkandidaten.

"Diese sehr ungewöhnliche Liebe ist auch von unserem Umfeld akzeptiert und auch unterstützt worden", sagte von Boetticher weiter. "Es war schlichtweg Liebe." Eine solche Beziehung sei zwar rechtlich legal, treffe aber bei vielen Menschen auf verständliche moralische Vorbehalte. Er habe den politischen Fehler gemacht, die Bedeutung einer solchen Beziehung für eine möglicherweise anstehende Spitzenkandidatur nicht bedacht zu haben.

Als die Beziehung in der Partei bekannt wurde, waren in den vergangenen Tagen immer mehr Unmut und Unverständnis aufgekommen. Am Samstag und Sonntag wuchs der Druck auf von Boetticher, seine Spitzenämter niederzulegen. Ministerpräsident Carstensen hatte von Boetticher darauf hingewiesen, der Vorgang habe "mehr als eine nur rechtliche Dimension". Im Gespräch mit der Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag" äußerte Carstensen auch die Erwartung, dass von Boetticher "die richtigen Schlüsse daraus zieht". Über seine Zukunft als Chef der Landtagsfraktion wird in deren Sitzung am Dienstag entschieden.

Harter Schlag wenige Monate vor der Wahl

Für die gemeinsam mit der FDP in Kiel regierende Nord-CDU ist die Entwicklung ein Dreivierteljahr vor der Wahl ein harter Schlag. Zwar gab es parteiintern immer wieder auch Kritik an von Boettichers Führungsstil, aber mit seiner Kür zum Spitzenkandidaten Anfang Mai (87 Prozent) schien für ihn alles klar zu sein.

Der 64-jährige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte auf eine weitere Bewerbung verzichtet, von Boetticher sollte am 4. November in Lübeck als Spitzenkandidat offiziell gewählt werden. Einflussreiche Christdemokraten sahen in ihm aber nie den aussichtsreichsten CDU-Kandidaten für die Landtagswahl.

Vor allem Wirtschaftsminister Jost de Jager (46) war im Gespräch als möglicher Alternativkandidat, aber auch Landtagspräsident Torsten Geerdts (48). Möglicherweise rückt jetzt auch der frühere Landes- und Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul (48), derzeit Bundestagsabgeordneter, wieder ins Visier.

SPD-Kandidat Albig gibt sich zurückhaltend

Der Rücktritt trifft die Nord-CDU in einer Situation, in der keine Stimme zu verschenken ist. Eine Umfrage im Mai sah die Partei nur noch knapp mit 33 zu 31 Prozent vor der SPD, die mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig als Spitzenkandidat die Wahl ansteuert. Albig setzt auf ein Bündnis mit den Grünen, wofür die Chancen nach derzeitigem Stand gut erscheinen.

Der SPD-Kandidat will aus dem Skandal um seinen Konkurrenten keinen politischen Vorteil ziehen. "Mir steht es nicht zu, das Privatleben von Herrn Boetticher zu beurteilen", sagte er dem "Handelsblatt". "Uns als SPD geht es darum, die nächste Landtagswahl zu gewinnen. Wir gewinnen, wenn wir uns gut aufstellen."

Der geschäftsführende Landesvorstand der CDU Schleswig-Holstein nahm die Entscheidung in einer Erklärung "mit Respekt zur Kenntnis". Von Boetticher habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat". Die Konsequenzen dienten "vor allem dem Schutz seiner Privatsphäre". FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Die CDU muss den Vorfall intern klären und schnell eine Lösung finden." Dann werde auch die FDP reagieren.

lk/DPA
 
 
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