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17. März 2009, 17:08 Uhr

Dieter Althaus, das Phantom

Er kam nicht zur Gerichtsverhandlung , er kam nicht zum Parteitag. Aber er gab der "Bild"-Zeitung ein ausführliches Interview. Das hat Dieter Althaus Sympathien gekostet, auch unter seinen Parteifreunden. Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz

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Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus hat sich nach seinem Skiunfall via Bild-Interview zurückgemeldet© Michael Gottschalk/ddp

Peinlicher konnte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus seine Rückkehr in die politische Arena nicht gestalten. Vor dem Hintergrund eines Todesfalls, für den er die Verantwortung trägt, hätte er sich auf keinen Fall seiner Partei so präsentieren dürfen, wie dies in den vergangenen Tagen geschehen ist. Diese Inszenierung einer politischen Wiedergeburt trug alle Züge eines publizistischen Jahrmarkts.

Ein überdimensionales Interview im Blatt mit den größten Buchstaben der Republik, in dem er allerdings nichts über konkrete politische Ziele oder Inhalte zu sagen wusste. Man kann gut verstehen, dass diesen Mann erhebliche belastende Gefühle umtreiben. Aber muss er sie und sich derart aufdringlich vermarkten? Für diesen Auftritt ließ er sich allseitig knipsen, für die Delegierten des Parteitags reichte es nicht einmal zu einer Videobotschaft. Wenn er schon wieder so gut joggt, wie seine Frau berichtet, wenn er so markig dem interviewenden Chefredakteur die Hand schütteln kann - da hätte es für ein Video zum Parteitag reichen müssen und nicht nur für eine Botschaft, die verlesen werden musste. Und wer weiß schon, wessen Finger die längere SMS getippt haben, mit der er sich für seine Wahl zum Spitzenkandidaten bedenkt hat? Althaus hat sich persönlich präsentiert, als trete er fortan in einer Daily Soap auf, politisch letztlich als Phantom.

Schonfrist vorbei

Nach diesem Auftritt kann er nicht länger öffentlich Rücksicht fordern. Er selbst hat seine Schonfrist aufgehoben. Gleichgültig wie zuverlässig die jüngste ärztlich Prognose ist, er muss ab jetzt wieder schonungsloses mediales Interesse an sich zulassen.

Leicht möglich, dass damit die Probleme des Politikers Althaus erst beginnen. Denn seine politische Stärke besteht vor allem in der personellen Schwäche der thüringischen CDU. Es gibt derzeit keine Alternative zu ihm. Ein wenigstens halbwegs qualitativ gleichwertiger Politiker ist nicht einmal in Ansätzen zu sehen. Jene, die theoretisch als Alternative zu Althaus überhaupt in Frage kommen, überzeugen nicht durch politisches Potential. Zugleich blockieren sie sich gegenseitig. Diese Einsicht eint die Partei, ließ es die Delegierten sinnvoll erscheinen, einen Mann mit 95 Prozent zum Spitzenkandidaten zu küren, von dessen seelischer wie körperlicher Verfassung sie letztlich nichts wissen. Den sie seit Monaten nicht mehr gesehen, von ihm kein persönliches Wort mehr gehört haben. Niemand sollte indes das hohe Ergebnis als Zustimmung zum Gesamtverhalten von Althaus missverstehen. Es ist viel weiter von den 100 Prozent entfernt, mit denen er beim letzten Mal an die Spitze gewählt worden ist, als die Ziffern signalisieren. Einen Besseren haben sie eben nicht in Thüringen.

Schuld und Gesetz

Im Interview verkündet hat Althaus, er habe politische Ziele. Welche, dazu hat er nichts gesagt. Verkündet hat Althaus, er sei wieder fit für den politischen Stress im Wahlkampf. Wie fit, weiß er vermutlich selbst nicht genau. Dabei steht er vor einer Auseinandersetzung, in der ein Verlust der bisherigen absoluten Mehrheit überaus wahrscheinlich ist. In der er auf mildtätige Gefühle weder der SPD, schon gar nicht der Linkspartei hoffen darf. Dass Angela Merkel ihn als pflegeleichten Ministerpräsidenten mag, wird ihm nicht helfen. Dass der von ihm verursachte Todesfall überhaupt keine Rolle mehr spielen wird, darauf kann er sich nicht verlassen.

Und schon gar nicht sollte er darüber schwadronieren, dass "Schuld" nicht die "richtige Kategorie sei, um ein solches Unglück zu bewerten". Er ist schuldig gesprochen worden. Nach Recht und Gesetz.

Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz
 
 
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