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8. Juni 2008, 14:53 Uhr

Steuerstreit statt Fußball und Weißbier

Eigentlich wollen sich CDU und CSU in Erding bei München treffen, um der CSU Rückenwind für die Bayern-Wahl zu verschaffen. Doch nun zoffen sich die beiden Schwesterparteien um die Steuerpolitik. Während Kanzlerin Merkel auf die Haushaltssanierung pocht, will die CSU die Bürger entlasten - und bekommt auch von CDU-Größen Unterstützung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hier bei einer CSU-Veranstaltung in München im Februar, hat die Etatsanierung Priorität© Philipp Guelland/ddp

Es hätten für die Kanzlerin beim Treffen der Spitzen von CDU und CSU in der altbayerischen Herzogstadt Erding gemütliche Stunden im Kreis von Freunden werden können. Am Sonntagabend wollten die rund 40 Mitglieder der Präsidien beider Parteien nach der ursprünglichen Planung erst ein wenig über Politik im Allgemeinen und die nahende bayerische Landtagswahl im Besonderen plaudern - um anschließend nahtlos zum Fußballgucken bei Weißbier überzugehen.

Am Termin vor dem Fernseher sollte zwar unbedingt festgehalten werden. Doch insgesamt dürfte die bis Montagmittag dauernde Zusammenkunft im rustikalen Ambiente eines bayerischen Gasthauses für die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel wenig entspannend verlaufen. Denn vor der Zusammenkunft war die Schar derer, die nun auch öffentlich mehr oder weniger deutlich Widerspruch gegen den Kurs der Kanzlerin in der Steuerpolitik artikulieren, weiter gewachsen. Mit Saarlands Ministerpräsident Peter Müller und dem Chef des Arbeitnehmerflügels Karl-Josef Laumann vertreten nun immerhin schon zwei Mitglieder der CDU-Führung die Position der CSU, die alte Pendlerpauschale möglichst rasch wieder einzuführen und damit auch die Haushalte wieder zu entlasten.

Kanzlerin steht unter Druck

Eine auf Profilschärfung bedachte CSU, Dissonanzen in der CDU - das alles erinnert ein wenig an die alten Kämpfe, die Merkel in der Union als Oppositionsführerin auszufechten hatte. Ein CDU- Vorstandsmitglied meint, dass Merkel in der Zeit ihrer Kanzlerschaft intern noch nie so unter Druck gestanden habe wie momentan. Selbst der Streit um die Ausdehnung des Arbeitslosengeldes I, der vor zwei Jahren von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) angezettelt worden war, habe "nicht diese Brisanz gehabt".

Als Zeichen, dass die Lage unübersichtlich ist, gilt auch, dass der stellvertretende Parteivorsitzende und niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sich derzeit bedeckt hält und von Rüttgers nicht gerade eindeutige Signale ausgehen. In Erding wird Merkel nun versuchen müssen, wenigstens die CDU wieder zu einen. Versuche, den Dissens mit der CSU zu überspielen, waren schon vorher gescheitert. Dies hatte die Kanzlerin aber auch von Anfang an nicht als tragisch angesehen, weil der bayerischen Schwester so die Möglichkeit gegeben wird, sich als "Motor der Union" darzustellen.

Merkel will verlässlich sein

CDU-intern ist die Debatte aber heikel, weil Merkel anders als bei der Auseinandersetzung um das Arbeitslosengeld diesmal hart bleiben will. Ihre Linie: Vor einer Entlastung der Bürger müssten erst Spielräume durch die Sanierung des Haushalts geschaffen werden. "Sobald die Haushaltssanierung weitere Spielräume schafft, können wir diese auch in den kommenden Jahren an die Bürger weitergeben."

Merkel geht dabei bewusst einen unpopulären Weg. Sie ist aber überzeugt, dass zunächst der Haushalt grundlegend in Ordnung gebracht werden muss, um dann den Bürgern spürbare Erleichterungen gewähren zu können. Auch meint sie, dass es strategisch verfehlt wäre, sich jetzt schon der Möglichkeit von Wahlkampfversprechen zu berauben. Vor allem aber ist die Kanzlerin - wie sie mehrfach anklingen ließ - der Überzeugung, letztlich würden die Bürger eine Politik nicht honorieren, die nur noch auf Stimmungen reagiert. Sie will verlässlich sein.

Nur: Werden das die Wähler auch so sehen? Sehr viele Unions- Politiker fürchten: Nein. Bislang habe die Union nicht von der Schwäche der SPD profitiert, sagt ein führender Unions-Mann. "Jetzt scheint es sogar anzufangen, dass wir runtergezogen werden", fügt er mit Blick auf die jüngsten schlechten Umfragewerte für die Union hinzu. "Da sagen natürlich einige: Es ist höchste Eisenbahn, dass wir etwas ändern."

Noch ist es ein Trend, noch hat Merkel in der CDU für ihren Kurs die Mehrheit. Sie wird aber überzeugen und für ihn kämpfen müssen. Der CSU kommt die Diskussion gelegen. Genüsslich verweisen ihre Oberen darauf, dass die Christsozialen als erste die Entlastung der Bürger gefordert und den Trend gesetzt haben. CSU-Chef Erwin Huber wurde am Wochenende mit der Bemerkung zitiert, er erwarte in Erding harte Diskussion über die Steuerpolitik. Da klang durch, dass es dem Gast aus Berlin in Erding nicht so einfach gemacht werden soll, auch wenn er Angela Merkel heißt.

Von Ulrich Scharlack und Christoph Trost, DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Blacky007 (08.06.2008, 17:55 Uhr)
@cybertanne
Und es gäbe noch weit mehr Sparpotential, auch beim Zusammenlegen von Ländern. 8 statt 16 Bundesländer wären völlig ausreichend. Reduzierung der gesetzlichen KKs, da würde im Grunde eine reichen - wir haben ja auch nur ein Finanzamt und das schafft es 82 Mio. Bürger zu erfassen und abzukassieren. Stopp der Subvention von Kohleababu - die Bergleute lieber bei vollen Lohnausgleich zu Hause lassen und Umschulen, würde über 50% der heutigen Bezuschussung einsparen und und und... Zudem hätten wir noch eine Menge Möglichkeiten mehr Einnahmen zu generieren, wie z.B. Einführung der Autobahn-Vignette, damit ALLE die unsere Strassen nutzen, auch Steuern dafür zahlen, wodurch man dt. Steuerzahler wieder entlasten könnte. In allen Ländern zahlen wir - nur in D sind Autobahnen für alle frei und wir dummen Steuerzahler dürfen für die Schäden gerade stehen. Man könnte noch stundenland Aufzählungen hinzufügen, aber solange unserer Politiker auf einem Planten leben, dessen Sprache wir anscheinend nicht sprechen, ist das alles für die Katz.
cybertanne (08.06.2008, 17:23 Uhr)
@Blacky007
Volle Zustimmung! Die Politik müsste einfach nur SPAREN - aber damit tut man ja diversen Lobbygruppen weh. Landwirte (eigentlich ja Selbständige) bekommen jährlich Milliarden (!) an Zuschuss für ihre Alterssicherung. Da könnte man mal 5% jährlich kürzen. Sportförderung, Filmförderung, Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung - auch hier kann man kräftig kürzen. Aber bereits bei diesen wenigen Themen dürfte das Geschrei groß sein. Die Bundesverwaltung baut seit Jahren Personal ab - eine Vorgabe des Bundestages. Dieser könnte auch mal über seine Verkleinerung nachdenken. Wie wäre es mit der Zusammenlegung von Bundesländern? Macht das Saarland, Bremen und Hamburg dicht! Da lassen sich DREI KOMPLETTE LANDESREGIERUNGEN einsparen! Die Wirtschaft entlasten? Gerne: Schafft die Diens- und Arbeitsbefreiung am Rosenmontag ab! Sollen sich die Jecken doch Urlaub nehmen. Alles nur leider sehr unpopulär :-)
Blacky007 (08.06.2008, 17:02 Uhr)
Genügend Spielraum für Steuersenkungen
wäre vorhanden, würden unsere unvermögenden Politiker nicht dauernd eine Neue Ausgabe planen, kaum dass ein paar Millionen mehr Steuergelder eingenommen werden. Dann noch die Ausgabenseite endlich reformieren (z.B. Wirtschaftshilfe für das Boomland China u.s.w.) und schon wäre genügend Spielraum für Entlastungen. Einen ausgeglichenen Haushalt wird unsere Regierung nie im Leben erreichen, denn immer dann, wenn Mehreinnahmen zu erwarten sind, erfindet man Neue Ausgaben, wie etwa das Klimaschutzpaket, das so sinnlos ist wie ein Kropf, aber D will ja mit aller Gewalt den Retter der Welt spielen. Dass rings um uns Länder einen Pfifferling auf das Klima geben und alles Maßnahmen in D zunichte machen, wollen oder können die Damen und Herrebn in Berlin einfach nicht sehen.
cybertanne (08.06.2008, 16:32 Uhr)
Entlastung
Die Entlastung der Bürger ist so einfach nicht. Geringverdiener zahlen keine Steuern, nicht alle Bürger zahlen Beiträge zur Sozialversicherung und viele haben kein Auto. Also: Welche Steuer oder Abgabe soll man senken?
Wittigofranko (08.06.2008, 16:19 Uhr)
Steuerentlastung durch Abschaffung der Kfz-Steuer
Die Kfz-Steuer ist vollkommen überholt und extrem verwaltungsaufwändig.
Leider scheiterten in den letzten 25 Jahren alle Versuche die Kfz-Steuer abzuschaffen daran, dass sie eine Ländersteuer ist. Der Bund muss hier endlich seine Kompetenzkompetenz wahrnehmen und die Kfz-Steuer zur Bundessache machen - und dann abschaffen. Das ersatzlose Streichen der Kfz-Steuer ein sinnvolles Steuersenkungsprogramm. Das Kfz-Steueraufkommen beträgt ca. 8 Milliarden im Jahr. Würde diese abgeschafft, ließen sich die Einnahmeausfälle verkraften: Arbeitnehmer und Rentner würden davon profitieren!

Fiskal- und Umweltpolitik sind miteinander im Widerstreit - zu Lasten der Umwelt. Drastisch formuliert könnte man sagen, dass der Staat durch Umweltverschmutzung sogar noch Geld einnimmt. Nur dieses Geld fehlt den BürgerInnen zum Ansparen für ein Sprit sparendes Ersatzfahrzeug.

Außerdem würde dadurch die Diskussion um die Pendlerpauschale entschärft. Ebenso die Diskussion über die Besteuerung von Dienstwägen. Durch die CO²-Abgabe wären die Unternehmen mittelbar gezwungen Dienstwägen mit Spritspartechnologie zu ordern. Zudem hätten weniger durstige Dienstwägen nach der Leasingzeit einen positiven Effekt für den Gebrauchtwagenbestand. Damit hätten wird strukturell auch einen Gebrauchtwagenmarkt mit Sprit sparenderen Autos.

An die Stelle der Kfz-Steuer sollte eine CO²-Abgabe treten, die zu Beginn das gleiche Aufkommen hat wie die bisherige Kfz-Steuer.

Die CO²-Abgabe würde auf jeden Liter Treibstoff aufgeschlagen und separat an der Zapfsäule und auf den Tankbelegen ausgewiesen. Die Höhe der CO²-Abgabe pro Liter Treibstoff würde anfänglich zwischen 15 und 20 Eurocent liegen.

Der doppelte Zweck der CO²-Abgabe liegt in der Begrenzung des CO²-Ausstosses und der Rückvergütung pro BundesbürgerIn zum Jahresende. Bei ca. 80 Mio. Menschen wären dies 100 € pro Kopf und Jahr. Für ein vierköpfige Familie wäre das immerhin ein Ökobonus von 400 € jährlich. Damit ließe sich u.a. der Kauf eines Autos ansparen, das weniger Treibstoff braucht.

Die CO²-Abgabe mit Ökobonus ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch öko-logisch! All das ist ein Impuls für eine öko-soziale Marktwirtschaft.

Ludwig Paul Häußner
Universität Karlsruhe (TH) – IEP
www.iep.uni-karlsruhe.de
seelenflieger (08.06.2008, 16:11 Uhr)
Bayerische Politik
Was dem Hesse seine kriminellen ausländischen Jugendliche sind, dass sind dem Bayer seine Steuererleichterungen - nach der Wahl ist vor der Wahl. Wer das nicht glaubt, der lebt noch nicht lange genug in Bayern (oder Hessen). Wer hat denn Büchergeld, Studiengebühren, G8 eingeführt, für den Transrapid votiert, auf Bundesebene für MwSt-Erhöhung, Tabaksteuererhöhung und Lkw-Maut gestimmt, Milliarden über die bay. Landesbank versenkt usw usw. Wenn ich CSU höre, soll ich an Steuersenkungspartei denken? - Das ich nicht lache. Gerade die Steuern (möglichst unauffällig) zu erhöhen, ist DAS politische Programm dieser Partei, der jegliches auch nur ansatzweise tragfähige Konzept für die Zukunft unseres (Bundes-)Landes fehlt.
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Und zu Frau Merkel möchte ich anmerken: Das Ziel, 2011 einen ausgeglichenen Haushalt anzustreben, darf nicht aufgegeben werden. Irre ich mich jetzt, oder hatte man das ursprünglich nicht schon für 2010 angepeilt?!
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