Ein hoher Manager der Investmentbank Morgan Stanley arbeitete im Wahlkampf bei der CDU als Spendensammler. Alles rein privat. Zugleich gibt es Vorwürfe wegen Aufträgen der Deutschen Bahn an Morgan Stanley. Von Hans-Martin Tillack

Das Headquarter von Morgan Stanley in New York. Der deutsche Bankmanager Dirk Notheis sammelte Spenden für die CDU.© Mark Lennihan/AP
Eigentlich hat Dirk Notheis einen Job, der vollen Einsatz verlangt. Der 37-Jährige Manager ist ein führender Mann bei der Frankfurter Tochter der großen amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. Seit Oktober leitet er zusammen mit einem Kollegen das gesamte deutsche Investment-Geschäft der Bank.
Trotzdem genehmigte sich Notheis in diesem Sommer gleich mehrere Wochen Auszeit - ohne das an die große Glocke zu hängen. Mehr als einen Monat lang ließ er seinen gutdotierten Bankiersvertrag als Vize-Präsident ruhen und bezog ein Büro im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU. Der damalige CDU-Generalsekretär Volker Kauder hatte seinen baden-württembergischen Landsmann in's Haus geholt. Der Banker sollte Kauder - der für Kanzlerin Angela Merkel heute die CDU/CSU-Fraktion führt - in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs helfen.
Notheis, früher Junge-Union-Chef im Südwesten, ließ seine Beziehungen in die Wirtschaft spielen und versuchte Firmen als Parteispender für die CDU zu gewinnen. Gehalt von der Partei verlangte er nicht. Er bezahlte offenbar sogar seine Sozialversicherungsbeiträge selbst. Auch Morgan Stanley stoppte die Gehaltszahlungen an den Manager – freilich blieb der Arbeitsvertrag in Kraft. Notheis ließ seinen Bank-Job lediglich ruhen.
Nichts daran scheint illegal. Wenn sich Mitglieder wie Notheis ehrenamtlich engagierten, sei das "nicht spendenrechtlich relevant", heißt es in der CDU-Zentrale. Notheis selbst, der als baden-württembergischer CDU-Landesvorständler normalerweise kein Blatt vor den Mund nimmt, will sich zu dem Thema nicht öffentlich äußern. Privatsache! Die Bank verteidigte sich gegen den möglichen Vorwurf eines Interessenkonflikts mit den Worten, man habe "vollstes Vertrauen" in das eigene "Konfliktmanagement".
In Berlin nehmen ihm das freilich nicht alle ab. Wenn ein leitender Mann einer führenden Bank der jetzt regierenden CDU solch einen Dienst leiste, habe das nicht ein Gschmäckle? Zumal John J. Mack, der Chef der weltweiten Morgan-Stanley-Gruppe, seinen Mitarbeiter offiziell predigt, dass die "einfache Beachtung der Gesetze" nicht genüge. Man erwarte nicht weniger als den "höchsten Grad an Ethik, Ehrlichkeit und Fairness" in allen Unternehmungen.
Notheis' stiller Freundschaftsdienst für Volker Kauder provoziert allein deshalb Fragen, weil sich Morgan Stanley aktiv um Aufträge der Bundesregierung und von Bundesunternehmen bemüht. Zum Beispiel hofft die Bank auf den lukrativen Auftrag, die Deutsche Bahn an die Börse zu bringen. Ab 2007 könnte es so weit sein.