Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Bloß keine Steuererhöhungen

Die Sondierungsgespräche für eine Große Koalition verlaufen ruppig. Strittig sind der Mindestlohn und Steuererhöhungen. Ein Interview mit MIT-Chef Linnemann.

  Er ist der neue Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union: Carsten Linnemann, 36.

Er ist der neue Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union: Carsten Linnemann, 36.

Was erwarten Sie, Herr Linnemann, von einer Großen Koalition?
Zunächst sollten wir die Sondierungsgespräche auswerten. Frau Merkel wird dann dem CDU-Bundesvorstand einen Vorschlag unterbreiten, mit wem sie konkret in Koalitionsverhandlungen gehen will.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat mit Blick auf die Koalitionsgespräche bereits gesagt: "Ich bin überzeugt, dass eine Große Koalition Sinn macht."


Objektiv gesehen ist die Schnittmenge mit den Grünen tatsächlich kleiner. Ich denke zum Beispiel an das Thema Energiewende. Die Mittelstandvereinigung ist der Ansicht, dass wir hier mit dem derzeitigen System nicht weiterkommen. Wir brauchen mehr Marktwirtschaft bei der Energiewende. Das wollen die Grünen offenbar nicht. Damit fänden wir schon bei einem der wichtigsten Zukunftsthemen keinen gemeinsamen Nenner.

Sie haben unlängst gesagt: "Wir müssen den Heißhunger auf mehr Steuern stoppen."
Genau. Der Staat muss lernen, mit seinen Einnahmen auszukommen.

Sind Sie wirklich davon überzeugt, dass dies eine Große Koalition tun wird?


Ich bin fest davon überzeugt, dass es in einer Großen Koalition nicht zu Steuererhöhungen kommt.

Kommen darf?


Genau! Da müssen wir als CDU/CSU Wort halten. Das war die große, fette Überschrift über unserem Wahlprogramm. Hier geht es also auch um unsere Glaubwürdigkeit.

Arbeitgeberpräsident Hundt hat auch gesagt, neue soziale Wohltaten wären ebenfalls Gift für das Wachstum. Sind Sie damit ein verstanden?


Jeder hat seine Art, die Dinge beim Namen zu nennen. Mir ist folgendes wichtig: Jede soziale Wohltat muss gegenfinanziert werden. Ansonsten generieren wir Wachstum ausschließlich auf Kosten nachfolgender Generationen.

Bedauert die Mittelstandvereinigung das parlamentarische Ableben der FDP?
Mit dem Ausscheiden der FDP verliert das Parlament ein marktwirtschaftliches Korrektiv. Umso mehr wird es jetzt auf einen starken Wirtschaftsflügel in der Union ankommen. Die Bündelung der Wirtschaftskompetenz liegt jetzt beim Parlamentskreis Mittelstand und der Mittelstandsvereinigung. Beide gemeinsam müssen jetzt dafür sorgen, dass die wirtschaftliche Vernunft eine gewichtige Stimme bekommt.

Was sagt die "wirtschaftliche Vernunft" zum Mindestlohn, der für die SPD sehr wichtig ist?


Was gar nicht geht, sind Löhne, die politisch vom Parlament festgelegt werden. Sonst droht uns in jedem Wahlkampf ein Überbietungswettbewerb. Es darf nicht sein, dass derjenige gewählt wird, der den höchsten Mindestlohn verspricht. Ziel muss es vielmehr sein, die Tarifpartnerschaft zu stärken, anstatt sie zu schwächen.

Diskutiert wird auch noch eine Reform des Rentenversicherungssystems.


Ich warne vor zu viel Übermut beim Thema Lebensleistungsrente oder Solidarrente, wie die SPD es nennt. Erstens ist die Finanzierungsfrage nicht geklärt. Und zweitens verstößt ein solcher Vorschlag gegen das Leistungsprinzip in unserem Rentensystem, wonach derjenige, der mehr Beiträge entrichtet hat, am Ende auch entsprechend mehr Rente bekommt als derjenige, der weniger entrichtet hat.

Noch zwei persönliche Fragen: Sie haben einmal gesagt, der 100-Meter-Lauf sei Ihre größte Stärke. Was laufen sie denn da?
Früher bin ich die 100-Meter unter 12 Sekunden gelaufen. Heute schaffe ich die Zeit bestimmt nicht mehr. Mich trifft man heute eher beim Joggen im Berliner Tiergarten.

Wie lautet Ihr politisches Lebensmotto?


Oft kommen die Dinge anders als erwartet. Und meine Großmutter hat immer dazu gesagt: Wer weiß, wozu das gut ist.

Interview: Hans Peter Schütz
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools