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20. August 2008, 09:12 Uhr

"Der Staat ist eine Datenkrake"

Alle Macht dem Verbraucher! Im Kampf gegen Datenklau ist vor allem der Kunde selbst gefordert, sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club im stern.de-Interview. Sie erklärt, warum der Bundesdatenschutzbeauftragte zu schwach ist und Datenschutz "sexy" werden muss.

Skandal um unerlaubten Datenhandel: "Der Staat muss die Bürger schützen"© Jens Ressing/dpa

Was für Möglichkeiten hat der Verbraucher, um sich vor Datenklau zu schützen?

Die einfachste Möglichkeit für den Verbraucher ist es, sparsam mit den eigenen Daten umzugehen. Das heißt, dass man bei Geschäften im Internet sowenig Daten wie möglich von sich preisgibt, bei jedem Vertrag tatsächlich auch das Kleingedruckte durchliest und als Verbraucher auch auf seinen Rechten besteht. Eigentlich gibt es in Deutschland in weiten Teilen eine gute Datenschutzgesetzgebung.

Was sind die häufigsten Fehler, die einen Datenmissbrauch erst ermöglichen?

Der Verbraucher hat oft gar nicht so einen großen Einfluss. Wenn er der Weitergabe seiner Daten mit der Annahme der Geschäftsbedingungen zugestimmt hat ist er eigentlich machtlos. Der eigentliche Handel von Daten findet dann in einem zweiten Schritt zwischen Dritten statt. Allerdings muss der Kunde der Weitergabe von Daten nicht zustimmen. Wenn Unternehmen trotz des Verbotes durch den Kunden mit personenbezogenen Daten handeln, machen sie sich strafbar und können dafür auch bestraft werden.

Was sind das für Verträge, die später zum Datenhandel führen?

Klassischerweise unterschreibt der Kunde bei einem Online-Shop, bei einer Versicherung oder einer Bank. Oft handelt es sich dabei nicht um deutsche Firmen, sondern um Unternehmen, die die Daten im Ausland weiterverarbeiten. Das ist insbesondere im Onlinebereich bei vielen Unternehmen absolut üblich. Manchmal wird aber auch überhaupt nicht nach einer Einwilligung des Kunden gefragt. So kann es vorkommen, dass ein Mensch sein Auto in eine Werkstatt zur Reparatur gibt, seine Adresse für die Erstellung der Rechnung hinterlässt und daraufhin plötzlich mit Werbung überschwemmt wird. Wenn der Kunde dann beispielsweise ein teures Auto fährt und gleichzeitig seine Bankdaten angegeben hat, können diese Angaben dann oft schon zum Datenmissbrauch führen.

Hat der Verbraucher die Möglichkeit, die Geschäftsbedingungen abzulehnen und dennoch Abschlüsse zu tätigen?

Das ist sehr unterschiedlich. Noch ist es in den meisten Fällen nicht möglich. Etwa dann, wenn ein Anbieter auf der Weitergabe von personenbezogenen Daten besteht um ein Geschäft im Internet abzuwickeln. Hier muss sich der Kunde endlich seiner Macht als Verbraucher bewusst werden. Die aktuellen Skandale zeigen deutlich, dass wir noch alle eine Menge lernen müssen. Der Verbraucher muss begreifen, dass er es ist, der das Geld ausgibt. Wir können von den Firmen verlangen, dass sie Datenschutz ernst nehmen und uns als gute Kunden behandeln. An der Stelle muss noch eine ganze Menge passieren, vor allem im Bewusstsein der Verbraucher. Der Verbraucher hat eine enorme Macht – er muss sie nur richtig anwenden.

Kalkulieren bestimmte Unternehmen die Weitergabe von Daten schon im Vorfeld in ihre Berechnungen mit ein?

Pauschal kann man das nicht sagen. Bei den aktuellen Vorfällen rund um die DAK sieht es so aus, als habe sich recht viel im illegalen Bereich abgespielt und die Genehmigung zum Datenhandel sei auf keinen Fall erteilt worden. Natürlich gibt es aber auch ganze Branchen, in denen der Adresshandel im Geschäftsmodell von vorneherein mit einkalkuliert ist. So ist bekannt, dass etwa die Post standardmäßig immer die Daten mitverkauft. Das ist zwar eine Sache, die man kritisieren kann; der Verbraucher hat aber keine Chance. Eine Postadresse hat schließlich jeder. Auch bei den großen Onlineversandhäusern wie ebay und amazon gehört der Adresshandel mit zum Geschäftsmodell, dem der einzelne Kunde standardmäßig zustimmen muss. In solchen Fällen werden die Daten oft schon von Subunternehmern, also Drittdienstleistern weiterverarbeitet. Grade in Deutschland, wo die Kunden sehr viel Kaufkraft haben, sind solche Daten ein finanzieller Mehrwert.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
mupfeline (21.08.2008, 09:53 Uhr)
Richtig, ihr Leute vom CCC
Aber ihr wart schon vor 15 Jahren auf der richtigen Linie :)
Der Staat sammelt, sammelt, wertet aus, sammelt, sammelt - ER macht uns zu gläsernen und unmündigen Bürgern. Aber natürlich liegt das im Interesse des Staates - ich schätze die Erfahrungen des Geheimdienstes sind zumindest in Sachen Datenerfassung dagegen Pipifax gewesen!
Shiro.Ookami (20.08.2008, 20:33 Uhr)
Meine Erfahrungen
Ich bin schon seit einigen Jahren bemüht, so wenig Daten wie möglich preis zu geben. Daher mach ich mir auch immer die Mühe nachzuforschen, wer meine Adresse verkauft hat, sollte ich ungewünschte Werbung erhalten. Leider sind auch scheinbar seriöse Firmen dick im Geschäft, z. B. der Spotlight Verlag (dessen Produkte ich eigentich schätze). Bei Abschluß des Abo's besagten die AGB, dass Daten nicht an 3. weitergeben werden. Umso empörter war ich, also ich erfahren mußte, dass dies doch passiert ist. In einem Telefonat mit Herr Stock (GF) äußerte sich dieser so: "... das machen doch alle, selbst die Telekom ..."
Klaus_P (20.08.2008, 20:12 Uhr)
@chrgue
"...Nein - noch - vertraue ich dem Staat..." Da werden sich die Politbonzen in Berlin freuen. Jemand bei dem die Hirnwäsche funktioniert hat...
Watschdog39 (20.08.2008, 19:04 Uhr)
Daten und Sicherheit.
Gehe auf die Zulassungsstelle und lasse ein Auto zu. Ohne Bankkarte geht nix.
Bankverbindung-Kennzeichen-Mautkameras.
Hast du ein Mitgliedskonto bei EBAY?
Willkommen in der Welt größter Datenbank für private Daten.*g*
Kaufgewohnheiten oder Interessen werden registriert, so erscheinen auf der Startseite von Ebay immer Artikel, für die man sich zuvor interessiert hat.
Hast du ein Girokonto?
Willkommen bei der Schufa!
Hier laufen eine Menge Auskünfte zusammen.
Und was ist sicher?
Seinen PC vom Netz nehmen, nur bar bezahlen, nur das kaufen wozu das Geld reicht, kein Auto auf sich zulassen, kein auf sich registriertes
Handy benutzen.Ich kaufe in Ebay immer gebrauchte Simkarten, nicht weil ich kriminell sondern weil ich gegen eine Personenüberwachung bin.
chrgue (20.08.2008, 19:01 Uhr)
Schäuble, der ewige Buhmann
Nein, Leute! So einfach kann man es sich nicht machen. Es geht doch darum, dass dem Staat gewisse Kontrollmechanismen zugesprochen werden müssen, um gerade diese im Interview angesprochenen Auswüchse, die Betrügereien, kontrollierbarer zu machen. Der "Staat" wird - denke ich - keine illegalen Abbuchungen deines Kontos vornehmen, der Betrüger hingegen schon. Der Pädophile kann doch staatlicherseits überwacht werden, was spricht denn dagegen. Nein - noch - vertraue ich dem Staat, wenn er auf der Höhe des edv-technischen Geschehens bleiben will, muß er so handeln wie es der Innenminister tut.
Sternobyl (20.08.2008, 18:52 Uhr)
Herr Schäuble,
... der Datensammelobermeister in Deutschland, der auch das Datentauschnetzwerk in Europa und mit den USA aufgebaut hat, hat zu dem ganzen Schlamassel noch gar nichts verlauten lassen.
Vermutlich tritt er erst wieder auf den Plan, wenn man in einer Garage wieder böses, böses Wasserstoffperoxid (medial aka "Sprengstoff") findet und dann endgültig alle Garagen videozwangsüberwacht werden müssen.
Ich freu' mich schon. *stöhn*
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