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26. Februar 2007, 21:21 Uhr

Debil ja, gefährlich nein

Noch sitzt Christian Klar im Knast und konnte auf baldige Begnadigung hoffen. Damit dürfte es seit seinen verwirrten Ausführungen über den bösen Kapitalismus vorbei sein. Dabei zeigen die eigentlich nur, wie erschreckend debil der Ex-RAF-Terrorist geworden ist. Ein Kommentar von Niels Kruse

So weit, so unbedeutend: Klar wird wohl seine Haft bis zum Ende verbüßen müssen© Norbert Försterling/DPA

Lateinamerika sieht rot, und dass nicht nur politisch: In Venezuela hat sich der linkspopulistische Staatspräsident Hugo Chavez Anfang Februar mit derartig weit reichenden Sondervollmachten ausgestattet, die denen eines Diktators in nichts nachstehen. Auch so geht man mit den Rechten der Massen in Lateinamerika um.

Christian Klar, seit rund einem Vierteljahrhundert inhaftierter Ex-RAF-Terrorist, beurteilt die Situation dort etwas anders: Nämlich, dass "den Rechten der Massen" in Südamerika endlich wieder Geltung verschafft werde. So schrieb er es jüngst in einem Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz. Es ist eine der harmloseren Passagen aus seiner so genannten Diktion an die marxistischen Genossen. Die anderen, gerichtet gegen "imperialistische Bündnisse" und "chauvinistische Retter", versetzen nun viele in Empörung.

Abstruse Gedanken über die Weltlage

Dabei hat Christian Klar, der rätselhafte Eigenbrötler, lediglich ein paar abstruse Gedanken über die Weltlage geäußert. Gehalten im typisch verquasten Links-Deutsch. Gerichtet an, wenn überhaupt, ein paar Tausend Wirrköpfe, die in geistiger Klausur regelmäßig über den bösen Kapitalismus dozieren und sich der selbstgerechten Revolutionsonanie hingeben. Nur: Die Massen konnten und wollten den weltfremden Argumenten noch nie folgen. So weit, so unbedeutend.

Wäre Christian Klar also nicht immer noch die RAF-Symbolfigur, der bekannte Staatsfeind, ein verurteilter Mörder, dessen Gesicht in den 70ern jedes Kind kannte - niemand hätte Notiz von seinem Schreiben genommen. In Freiheit wäre er ein Spinner, ein harmloser Theoretiker, einer unter ein paar wenigen. Dorthin sollte ihn ein Gnadenakt von Bundespräsident Horst Köhler bringen. Und bislang sahen seine Zukunftsprognosen gut aus. Bis jetzt.

Nun hat sich das Ex-RAF-Mitglied selbst ins Abseits befördert. Seine Äußerungen mögen manchem nicht gefallen. Aber in Deutschland darf noch immer jeder jeden Blödsinn denken und fast auch jeden sagen. Das gilt natürlich ebenso für Christian Klar. Zumal er Gewalt offenbar nicht mehr als angemessenes Mittel betrachtet. Doch sein hanebüchenes Grußwort ist ein Wolkenbruch auf all die Mühlen derer, die von ihm fordern, dass er vor seiner Begnadigung gefälligst Reue zeigen solle. Und auf die Mühlen derer, die schon immer gewusst haben wollen, dass sich der Ex-Terrorist nie von seiner kruden Ideologie verabschiedet hat.

Von ihm geht keine Gefahr mehr aus

Klar hätte das wissen können. Zumindest aber erahnen. Oder andere fragen sollen. Dass er das nicht getan hat, belegt vor allem seinen desolaten Geisteszustand. Zwar braucht er nun nicht mehr darauf zu hoffen, dass Köhler Gnade vor Recht ergehen lassen wird. Wenn aber doch, macht es auch nichts. Von diesem Christian Klar geht ganz sicher keine Gefahr mehr aus.

Ein Kommentar von Niels Kruse
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Riotstarter (28.02.2007, 15:54 Uhr)
Ist das noch Journalismus oder schon Propaganda?
wenn man bedenkt, dass manche Menschen dafür studieren, um später korrekte Berichtserstattung zu betreiben, ist dieses "Kommentar" ein schlechter Akt eines noch schlechteren Schauspiels. Traurig!
Aber fangen wir mal ganz von vorne an: debil = Bezeichnung für eine Geisteskrankheit... So bezeichnen Sie, Herr Niels Kruse, die Meinungsfreiheit? Als geisteskrank? Was ist mit der Ideologie der rechten Parteien (NPD, DVU usw.), die für so viel Schreken und Grauen gesorgt hat? Dass diese Menschen nichts von der deutschen Vergangenheit halten und diese am liebsten verneinen oder sogar verfälschen wird heutzutage nicht als "debil" bezeichnet, sondern ist das Ergebnis unserer Demokratie und Meinungsfreiheit.
Bevor der Eindruck entsteht, ich schweife von dem Thema ab, möchte ich betonen, dass ich hier einen einzelnen Menschen, der seine Ziele durch Gewalt durchsetzen wollte mit denen gleich setze, die für Fast-Vernichtung eines Volkes verantwortlich sind und deren Ideologie immer noch in unserer Gesellschaft exestiert. Aber hat man sowas schon mal als debil bezeichnet?
Nun gut, debil sind wohl für Sie, Herr Kruse, doch nur die Menschen, die das Wort Anti-Kapitalismus öffentlich aussprechen.
Desweiteren versuchen Sie den Anschein erwecken, dass unsere Gesellschaft fast nur aus solchen Personen besteht, wie Sie einer sind ("Gerichtet an, wenn überhaupt, ein paar Tausend Wirrköpfe..."). Den Verweis auf die Gruppen wie die "Antifa", die "junge linke.pds", "´solid", WASG, PDS usw. kann ich mir eigentlich ersparen, den diese Tatsache haben sie wohl einfach ignoriert.
Ein weiteres Wort, über welches Sie sich bestimmt nach alter BILD-Zeitungs-Art gefreut haben, ist "Revolutionsonanie". Ich würde zu gerne wissen, was Sie unter "Onanie" verstehen, aber normalerweise ist es "die manuelle Stimulation der Geschlechtsorgane". Mit dem Wort "Revolution" davor klingt es irgendwie komisch, finden Sie nicht Herr Kruse? "Umwälzung der manuellen Stimulation der Geschlechtsorgane"... Klingt spanned, aber ergibt trotzdem keinen Sinn!
Ich frage mich die ganze Zeit, woher dieser Hass kommt? Und dann noch von einem, der früher selbst linksradikal war? Und schwups, endecke ich auf Ihrer Internetpräsenz, dass Sie auch für die BILD-Zeitung Artikel schreiben. Da setzt sich plötlich alles zusammen, wie ein Puzzle. Die BILD-Zeitung macht keinen Hehl daraus, was sie von den Linken und linksgerichteten hält. Die BILD-Zeitung, die sozusagen als Representant Nr. 1 des Kapitalismus des Profitgewinns, der Menschenverachtung und -verhöhnung dasteht hat Ihnen wohl eine Gehirnwäsche verpasst, so dass sie bei dem Wort "RAF" gleich ausrasten!
Darf ich Sie, Herr Niels Kruse, in dem Fall als "debil" bezeichnen?
sechzigsechzig (28.02.2007, 11:18 Uhr)
Entschuldigung, Herr Kruse.
Es ist sicherlich so, Herr Kruse, dass Sie - als verständiger und durchblickender Zeitgenosse des deutschen Herbst - etwas darüber enttäuscht sind, dass der Herr Klar nicht weinend und buckelnd zu Kreuze kriecht und sich für seine Taten bei ihnen persönlich entschuldigt; für das was er in den grauen Vorzeiten unserer göttlichen Gesellschaft verbrochen hat. Zum Glück hat unser Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit ja das seinige getan und Menschen wie Herrn Klar problemlos aus dem Verkehr gezogen, damit Menschen wie Sie sicher und der Gesellschaft dienlich ihrer Arbeit nachgehen können und sich angemessen über Verfehlungen anderer selbstgerecht auslassen können.
Und wirre Ideen, wie die Aufteilung der Welt in zwei drittel Bettelarme und ein drittel debiler Turbokapitalisten, die erstere mit Heilsversprechungen oder Granaten still halten, sind auf jeden fall bessere Ideen für eine bessere Gesellschaft, in der Sie es sich ja, Herr Kruse, gemütlich gemacht zu haben scheinen. Wenn es Ihnen besser geht, dann möchte ich mich - als Gesellschaft - bei Ihnen für das entschuldigen, was Herr Klar verbockt hat und meine Möglichkeiten als Souverän ausschöpfen und sagen, dass ich es - als Gesellschaft - durchaus verkrafte, Herrn Klar, nach mehr als zwei Dekaden Haft, wieder auf mich loszulassen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass es ihm mit den üppigen Geldern, die er als HartzVierEmpfänger dann bekommt, nicht gelingen wird, in den Besitz von Streubomben, Kalaschnikows oder sonstigen gesellschaftskritischen Ausdrucksformen zu kommen.
Und was da in Venezuela abgeht, ja, Herr Kruse, das ist aber auch wirklich empörent: da versuchen Menschen etwas anders zu machen - dabei predigen Leute wie Sie doch unentwegt, dass es keine andere Möglichkeiten für das tolle Leben gibt als die Segnungen des Wettbewerbs.
Verdammt. Was machen wir denn jetzt? Bomben?
Toll jedenfalls, dass Diktaturen immer nur Personengebunden sind und nicht etwa auch, sagen wir mal, kapitalistischer Natur sein könnten.
Danke für diesen kleinen Einsteigerkurs in Staatstherorie.
Ich - als Gesellschaft - fühlte mich auf unterhaltsamste belehrt.
Bluessen (27.02.2007, 22:31 Uhr)
du liebe Güte @Delta-OWL
Aus welcher Altstalinistischen Kaderschmiede sind Sie denn entlaufen! Christian Klar hat mehrere Menschen ermorden lassen! Deswegen sitzt er zurcht im Gefängnis. Was er da von sich gibt ist egal. NUR: Bei der Betrachtung ob er Gnade verdient, von unserem System, ( eine Gnade, die Klar keinem seiner Opfer zukommen ließ) ist die akutuelle Einstellung ´von entscheidener Bedeutung! Allein schon um Wiederholungstaten auszuschließen. und das geht am besten, wenn der da bleibt wo er ist, nämlich im Gefängnis. Wir reden hier über einen Kaltblütigen MÖRDER und über nichts anderes,
Alle reden nur von Bubak, Ponto, Schleyer, was ist denn mit 22!! Fahrern, Sicherehitsbeamten, Personal, etc, die rücksichtslos ermordet wurden?? Kollateralschäden die nowendig waren.???? oder was sagt die altstalinistische Propaganda dazu?
Flinkbaum (27.02.2007, 17:23 Uhr)
Meinungsfreiheit
Jeder kann in diesem Staat seine Meinung äussern, das ist richtig, er muss aber auch dann mit den entsprechenden Reaktionen rechnen, die ja auch prompt gekommen sind (übertrieben oder nicht)
Ich halte eine Begnadigung persönlich für falsch (nicht nur bei Herrn Klar), lebenslänglich sollte auch lebenslänglich bleiben.
@Delta-Owl
Deshalb hatte die RAF das Recht Herrn Schleyer zu töten?
Delta-Owl (27.02.2007, 16:07 Uhr)
Antikapitalismus
Warum ist die Kritik am neoliberalen Kapitalismus "debil"? Warum, wenn in Deutschland wirklich Meinungsfreiheit herrscht, setzt die Union, die sich hier mal wieder als ultra-rechts offenbart, Himmel und Hölle in Bewegung, ass jemand wegen einer simplen Kritik am Kapitalismus als Staatsfeind behandelt werden soll und für den Rest seines Lebens im Kerker schmoren muss??
Ist doch klar: Christian Klar sitzt nicht nur wegen den Gewalttaten der RAF, sondern wegen der Kritik am kapitalistischen System, das von der Union mit dem Staat gleichgesetzt wird (icht zu unrecht). Nazimörder wurden von der Bundesrepublik in den 50ern sofort integriert und nicht wenige wurden hohe Richter, Minister und andere hohe Beamte der Bundesrepublik. Aber wenn jemand das kapitalistische System kritisiert, dann kennt BRD und Union keine Gnade, denn das ist ja "was anderes....".
P.S.: Hans Martin Schleyer war übrigens auch SS-Mann im 3. Reich gewesen, also auch nicht nur armes Opfer, sondern Täter: Er war als SS-Untersturmführer zuständig für die "Arisierung" von jüdischem Eigentum!!
Flugor (27.02.2007, 11:54 Uhr)
Aber in Deutschland darf noch immer jeder jeden Blödsinn denken
Warum dieser Hass?
Der Artikel erinnert stark an den "verschwurbelten" Text eines Cristian Klar.
Allerdings diesmal nicht in der alten RAF-Sprache, sondern eindeutig rechtslastig.
Auch ist die stimmungsmachende Schreibweise unverkennbar. Mehr als klassisches Stammtischniveau ist es jedenfalls nicht.
Dafür braucht es keinen Journalisten, dies schafft so ziemlich jeder ungebildete Depp mit Montagskater...
Wogegen wendet sich der Autor?
Offensichtlich offen gegen das Recht der freien Meinungsäußerung. Nichts anderes drückt "Aber in Deutschland darf noch immer jeder jeden Blödsinn denken" doch aus.
Er erwähnt Chavez, vergleicht ihn mit einem Diktator, lässt aber einen Vergleich mit den Möglichkeiten einer Präsidialdemokratie (wie z.B. den USA) fehlen.
Das z.B. GWB auch zeitweise "diktatorisch" (d.h. unwidersprochen) agieren konnte, bleibt unerwähnt.
Klar ist sicherlich ein Wirrkopf, aber das sind all jene, die nicht über den Tellerrand blicken können schließlich auch.
Die Nachrichten sind jeden Tag voll von ihren Ergüssen.
Klar ist da nur eine unbedeutende Stimme.
A.
Djonzo (27.02.2007, 11:02 Uhr)
Kritiker der Elche
Herr Kruse schreibt offensichtlich in einem Anfall von Selbsthass. Stammt er doch aus den linksalternativen Zusammenhängen des Radio FSK und hat dann als Redakteur des erfolglosen New-Economy-Blättchens "net-business" die Seiten gewechselt und ist zum Turbokapitalismus konvertiert. So einer hört natürlich Kritik am System, von dem er profitiert, nicht gern.
Robert Gernhardt wusste es schon: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.
thomas_m (27.02.2007, 09:10 Uhr)
Weltfremd und krank?
Vielleicht moechte Klar ja gar nicht um jeden Preis begnadigt werden, schonmal daran gedacht, Herr Kruse?
Ich frage mich ausserdem am Rande: wie bescheuert muss jemand sein, um von einem 11fachen Moerder eine Grussbotschaft fuer einen Kongress anzufordern (?) und zu verlesen?
lolasplace (27.02.2007, 08:58 Uhr)
Betonköpfe!
Zu Ihrem Kommentar fällt mir nur nur ein Statement der RAF von 1972 ein: " es nutzt nicht den falschen leuten das richtige erklären zu wollen." lepouse
Meridian (27.02.2007, 07:37 Uhr)
Meinungsmache?
Dieser Kommentar ist wohl einer der (pardon) irrsinnigsten Texte die ich jemals beim Stern gelesen habe. Kruse hätte das wissen können. Zumindest aber erahnen. Oder andere fragen sollen. Aber nach Klar´s Äußerungen ist jetzt die Gelegenheit für ein wenig Meinungsmache. Nicht wahr Hr. Kruse?
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