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Junge Anwältin, die Job bei AfD-Politiker ablehnte, meldet sich zu Wort

Diese Entscheidung hatte nicht nur Schauspieler Christian Ulmen Respekt abgenötigt. Eine junge Anwältin lehnt trotz schlechter Note ein Job-Angebot ab, weil ihr möglicher Arbeitgeber für die AfD kandidiert. Nun hat die junge Frau via Facebook selbst Stellung bezogen. Der Anwalt weist die Vorwürfe zurück.

Christian Ulmen auf Twitter

Christian Ulmen machte den Fall der angehenden Anwältin, die nicht für einen AfD-Politiker arbeiten wollte, weithin bekannt. Jetzt hat sich die junge Frau zu Wort gemeldet.

Als Schauspieler auf seinem Twitterkanal einer jungen Rechtsanwaltsanfängerin vor einigen Tagen Respekt zollte, weil sie trotz schlechter Note einen Job in der Kanzlei eines AfD-Politikers ablehnte, war die Sache öffentlich. Mit dem Anwalt Markus Roscher lieferte sich Ulmen einen Twitter-Streit. Roscher hatte sein Unverständnis für die Entscheidung der jungen Frau geäußert. Die meldet sich nun selbst zu Wort - und schildert via Facebook jenen Moment, in dem sich die Sache für sie entschieden hat.

"Heute möchte ich der Berufsanfängerin, Note: 4+, ein Gesicht geben", leitet Anna Krzyzowski, so ihr Name, ihr Statement ein. Sie wolle nicht länger von einem Twitter-Post oder einer Abschlussnote eingeschüchtert werden. Und daher sei es wichtig, "zu solch' schwierigen Zeiten Gesicht zu zeigen", beweist sie ein weiteres Mal Mut.

Termin beim AfD-Mann: Freude überwog Skepsis

Nach dieser Einleitung schildert sie, dass sie schon immer Strafverteidigerin werden wollte und daher sehr froh war, das zweite juristische Examen bestanden zu haben - wenn auch mit einer eher schwachen Note. Trotz der schlechten Voraussetzung habe sie sich mit Enthusiasmus daran gemacht, sich zu bewerben. Erwartungsgemäß taten sich kaum Chancen auf, umso größer war die Freude, dass der Anwalt Markus Roscher-Meinel aus Bad Lippspringe sie zu einem Vorstellungstermin in seine Berliner Kanzlei bat und ihr offenkundig eine Chance geben wollte. Bei der Vorbereitung auf das Gespräch sei sie zwar über die Politikkarriere Roschers "gestolpert", schreibt Anna, doch die Freude über die Einladung habe schlicht überwogen.

In dem zunächst angenehmen Gespräch habe es dann diesen einen Moment gegeben, der sie zweifeln ließ. Ihre Eltern stammen aus Polen, wie sie schreibt, und das war dann auch Thema des Gesprächs. Laut Anna Krzyzowski habe Roscher-Meinel gesagt, er sei zwar traurig, "dass ehemalige Teile Deutschlands nun zu Polen gehören, er aber jetzt seinen Frieden damit gefunden hat".

"Hat er das wirklich gesagt?"

"Hat er das gerade wirklich gesagt?", beschreibt die angehende Anwältin ihre erste Reaktion. Und dieser Moment arbeitete offensichtlich in ihr weiter. "Ziemlich enttäuscht kam ich nach dem Termin nach Hause und dachte nach", schreibt Anna weiter. Sie fragte sich: "Muss ich mit einem Menschen, der so eine Aussage gegenüber mir geäußert hat, zusammenarbeiten? Ist es die Sache wert? Kann ich das moralisch vertreten?" Und ihre Antwort war schließlich klar: "Nein!"

Es gehe letztlich immer um die Menschen, die hinter einer Sache stehen, betont Anna Krzyzowski zum Schluss. Ein Kennenlerngespräch mit Roscher-Meinel habe ihr gereicht, um sich zu fragen: "Wie erstklassig kann bitte eine Partei sein, wenn die Anhänger - (...) - selbst keine Klasse besitzen?"

Roscher-Meinel weist Darstellung zurück

Anwalt Markus Roscher-Meinel, der im Kreis Paderborn für die AfD für den Bundestag kandidiert, reagierte über seinen Twitter-Kanal rasch und warf der Bewerberin vor, "die jetzt entstandene Popularität in den, der AfD nicht gerade positiv gegenüber stehenden, Medien dazu zu nutzen, um mit Hilfe der durch meinen Tweet ausgelösten Diskussion einen guten Job zu erhalten." Das sei zwar verständlich, aber die Art und Weise nicht tolerabel. Anders als von der angehenden Anwältin geschildert, habe er sich besonders wohlwollend über Polen geäußert ("Ein wunderbares Land mit tollen Menschen"), wegen ihrer Verbindung dorthin sei sie sogar eine besonders interessante Bewerberin gewesen. Er habe mit ihr die Hoffnung verbunden, mehr berufliche Kontakte nach Polen aufbauen zu können, beteuert Roscher-Meinel in seinem Tweet.


Mit diesem Posting reagierte der Anwalt auch auf der Facebook-Seite von Christian Ulmen auf die Stellungnahme der Bewerberin. Der Schauspieler hatte den Text der jungen Anwältin auf seinem Profil gepostet, nachdem er das Thema ins Rollen gebracht hatte. Auf Ulmens Seite ist die Diskussion in vollem Gang. Während Markus Roscher-Meinel aus dem Vorfall eine "Stigmatisierung" der AfD ableiten will, erhält Anna Krzyzowski viel Zuspruch für ihre Entscheidung, sie habe Rückgrat gezeigt. "Ganz groß, liebe Anna", schreibt eine Userin, "Und der richtige Job kommt auch noch!"

dho

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