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Hetzer verschickt Fake-Brief im Namen von Claudia Roth

Krasse Verunglimpfung der ehemaligen Grünen-Parteichefin Roth: Ein Unbekannter verschickt in ihrem Namen einen Fake-Brief, der Frauen dazu auffordert, sich mit sexuell "bedürftigen" Flüchtlingen einzulassen. Das Büro Roth hat Anzeige erstattet.

Fake-Brief im Namen von Claudia Roth

Anzeige wegen Dokumentenfälschung: Fake-Brief im Namen von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth

Wie abgeschmackt ist das: Im Namen von Claudia Roth verschickt ein Unbekannter ein offiziell anmutendes Schreiben, in dem sich die Vizepräsidentin des Bundestages angeblich zum Thema "Sex im Asyl" äußert - und Frauen auffordert, sich im Rahmen der "Willkommenskultur" mit sexuell ausgehungerten Flüchtlingen einzulassen.

Garniert ist der Brief mit einer Zeichnung, die Claudia Roth mit Kopftuch zeigt, Roths Unterschrift ist schlicht gefälscht*. Das Fake-Schreiben zirkuliert seit Ende Dezember 2015, seit der Kölner Silvesternacht läuft nach Angaben von Roths Büro eine zweite Versandwelle. Adressaten sind Medien, Parteiorganisationen, Verbände und Agenturen. Ein Exemplar ging auch an den stern. Das Büro Roth hat gegen den anonymen Absender Anzeige erstellt - wegen Dokumentenfälschung.

Claudia Roth engagiert sich seit Jahrzehnten für eine humanitäre Flüchtlingspolitik und ist deswegen schon häufig Ziel rechter und rassistischer Hetzer gewesen. Seit Köln sei die Zahl der Schmähungen, Verunglimpfungen und Drohungen jedoch noch einmal drastisch angestiegen, ist aus ihrem Büro zu hören. Außerdem werden erfundene, vermeintliche Zitate von ihr gestreut. So soll sie aktuell gesagt haben "Wir müssen uns stärker an islamischen Werten orientieren" - wobei das Foto mit dem eingespiegelten "Zitat" den klein gedruckten Hinweis "Satire" enthält, der allerdings nicht bei jedem Bildzuschnitt zu erkennen ist. In diese Kategorie der Fälschungen - also Internet-Hoaxes - fällt auch das Fake-Schreiben.

Claudia Roth selbst wollte sich zu dem Schreiben nicht äußern - sehr wohl aber zum allgemeinen Zustand der Debatte. Dem stern sagte sie:

"Die Debatte im Netz war schon immer von viel Hass und Pauschalisierung geprägt. Aber was seit den furchtbaren Ereignissen in Köln in den sozialen Netzwerken los ist, hat mit einem zivilisierten demokratischen Diskurs absolut nichts mehr zu tun. Wir erleben eine Verrohung, eine Hysterie und eine Gewaltverherrlichung, die ich so in unserem Land nicht für möglich gehalten habe. Auch, oder gerade weil dieser Hass, dieser Sexismus und Rassismus uns Sorgen machen muss, dürfen wir uns dem nicht ergeben. Alle Menschen mit Herz und Hirn, die weiter in einem demokratischen und liberalen Land leben wollen, müssen sich dieser Entgrenzung jetzt laut und deutlich entgegenstellen – gerade im Netz."


*In der Erstfassung des Artikels stand dass die Unterschrift "offenkundig aus einem anderen Dokument hinein kopiert" sei. Das ist aber nicht der Fall. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Red.

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