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22. November 2011, 16:55 Uhr

Rasanter Guttenberg blitzt beim Volk ab

Vom Interview zum Buch in nur vier Wochen: Karl-Theodor zu Guttenberg macht Druck beim medialen Comeback. Dabei ist das Volk offenbar noch gar nicht bereit für seine Rückkehr. Von Niels Kruse

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Schnell weg vom Fenster, schnell wieder da: Läutet zu Guttenberg sein Comeback ein?© Sandor Fizli/Reuters

Sein Abgang war spektakulär, sein Comeback, wenn es denn schon eines ist, wird es nicht minder: Acht Monate, nachdem sich Karl-Theodor zu Guttenberg als Bundesverteidigungsminister unehrenhaft selbst entlassen hat, meldet er sich zurück. Zunächst ohne Brille und mit kürzeren Haaren im kanadischen Halifax, und kurz darauf mit der Ankündigung eines Buches. Doch ist das Land, das er mit seiner abgeschriebenen Doktorarbeit ratlos zurückgelassen hat, schon wieder bereit für den Politiker Guttenberg?

Geht es nach den stern.de-Lesern, fällt die Antwort eindeutig aus. "Brauchen wir diesen Mann?" hatten wir per Voting gefragt. Nicht einmal ein Viertel antwortet mit Ja. Fünf Prozent ist die Zukunft des Mannes egal, aber deutliche 71 Prozent können sich eine Rückkehr des adligen Franken in die Politik nicht vorstellen.

Levitenlesen wie Helmut Schmidt

Dabei präsentierte sich KT bei der Sicherheitskonferenz in Kanada staatsmännisch in bester Helmut-Schmidt-Manier und las der Welt im Allgemeinen und der politischen Kaste im Speziellen die Leviten. Es hörte sich an wie die Zusammenfassung seines neuesten Streiches, einem Buch, das am 29. November erscheinen wird. Er hat es schreiben lassen, was in diesem Fall in Ordnung ist, denn es ist ein Interviewbuch - und schließlich tippt die zu Grunde liegenden Gespräche keiner der Gesprächspartner selbst ab.

"Vorerst gescheitert" lautet der Titel. Es sei ein Schlagabtausch zwischen ihm und "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, verkündet der Verlag vollmundig. In dem 208-Seiten-Werk unterhielten sich die beiden "offen und ausführlich über Guttenbergs aufsehenerregenden Fall und seine Zukunft".

Schnellschuss oder Großtat?

Der Titel ist ein schicker Name für ein 200-seitiges Bewerbungsschreiben. Es klingt nach Selbstkritik, nach Einsicht und uneitler Offenheit - also genau nach Guttenberg, dem Antipolitiker, der die Herzen der Deutschen im Sturm erobert hatte. Was genau darin steht, ist noch geheim, aber, und das ist schon jetzt sicher, es ist ein wahrer Schnellschuss zu Guttenbergs. Oder eine verlegerische Großtat, je nachdem.

Aus dem herausgebenden Herder-Verlag heißt es, die Gespräche hätten erst Ende Oktober stattgefunden, in einem Londoner Hotel. Mehrere Tage habe di Lorenzo mit dem ehemaligen Regierungsmitglied zusammengesessen und über ihn, die Welt und seine Zukunft gesprochen. Danach mussten die Bänder abgehört und abgeschrieben, das ganze sauber geordnet und in Reinform gebracht werden. Normalerweise kann so etwas mehrere Monaten dauern. Doch nicht so bei zu Guttenberg. "Der Lektor hat die eine oder andere Nachtschicht gemacht", sagt der Verlagsmitarbeiter.

Blitzcomeback nach Blitzbuch?

Dass es so schnell geklappt habe, verdanke Herder den Beziehungen zur Familie Guttenberg. Stefanie zu Guttenberg, Ehefrau des Polit-Exilanten, hat beim Kreuz-Verlag, einer Herder-Tochter, bereits vergangenes Jahr das Buch "Schaut nicht weg!" über sexuellen Missbrauch verfasst. Demnächst wird sie auf RTL2 die Sendung "Tatort Deutschland" moderieren - eine Art Aktenzeichen XY mit jungen Opfern.

Als der Herder-Verlag mit Frau zu Guttenberg zusammenarbeitete, sei man schon übereingekommen, auch mal etwas mit Gatte Karl-Theodor zu machen. Nun plötzlich war die Chance da, und en passant beschenkt sich Guttenberg damit auch selbst: Denn wenige Tage nach dem Erscheinen wird der Mann 40 Jahre alt. Und zufälligerweise soll zur gleichen Zeit das in Hof gegen ihn anhängige Ermittlungsverfahren in Sachen Doktorarbeit beendet werden. Zu Weihnachten jedenfalls wird die Katharsis des Freiherrn beendet sein. Auf das Blitzaus folgt nun also ein Blitzbuch - und anschließend das Blitzcomeback?

Von Niels Kruse
 
 
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