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Der neue Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder da. In Kanada wagt er sich am Abend zurück auf die Bühne - und ist nicht mehr der Alte. Die Operation Comeback ist angelaufen.

Von Katharina Miklis

Er ist wieder da. Der gefallene Politstar. Und er kommt in Halifax/Kanada ganz neu daher, ist kaum wiederzuerkennen. Kommt ohne Brille, ohne Gel. Es scheint fast so, als habe sich Karl-Theodor zu Guttenberg nach dem Skandal des Jahres häuten wollen.

Es ist erst ein paar Wochen her, da hatte der Ex-Verteidigungsminister angekündigt, eine Auszeit nehmen zu wollen. Zwei Jahre sollte sie dauern, so erzählte es der gestrauchelte Politiker Vertrauten und machte sich samt Familie auf den Weg nach Amerika. Das politische Sabbatical im beschaulichen Greenwich scheint die Kreativität des angeschlagenen Politstars zu fördern: In der neuen Heimat der Familie Guttenberg, einem Drei-Millionen-Dollar-Haus im US-Staat Connecticut, hat er sich nicht nur auf seine heutige Rückkehr auf die internationale Bühne vorbereitet. Er soll sogar an einer neuen Doktorarbeit schreiben. Einer eigenen.

Erst einmal wird er aber am Samstag im fernen Kanada auf einer Sicherheitskonferenz einen Vortrag halten. Der Medienrummel beim International Security Forum in Halifax ist riesig - zumindest von deutscher Seite: Die großen Tageszeitungen und Magazine haben ihre Korrespondenten zu dem Auftritt des einstigen Medienlieblings geschickt. Doch der schirmt sich - entgegen früherer Gewohnheiten - ab, will nicht mit Journalisten reden.

"Herausragender Staatsmann" referiert zur Wirtschaftskrise

Guttenberg befindet sich in Halifax in bester Gesellschaft. Bei der Konferenz sind Wissenschaftler, Militärs und ranghohe Politiker dabei, darunter US-Verteidigungsminister Leon Panetta und sein israelischer Kollege Ehud Barak. Auch der US-Senator und frühere Präsidentschaftsbewerber John McCain steht auf der Rednerliste. 75 Minuten lang soll der Freiherr über die weltweite Wirtschaftskrise referieren. Als "herausragender Staatsmann" firmiert der prominente Redner im Programm des Forums. Seine pikante jüngere Vergangenheit wird nicht erwähnt. Man freut sich auf den "ehrenhaften" Spitzenpolitiker, der "zahlreiche Artikel in nationalen und internationalen Zeitschriften über die Sicherheits-, Auslands- und Wirtschaftspolitik" veröffentlicht habe.

Ein "herausragender Staatsmann" war Karl-Theodor zu Guttenberg nicht mehr, als er Deutschland den Rücken kehrte. Hierzulande wird noch immer wegen Verletzung des Urheberrechts in betrügerischer Absicht in seiner Doktorarbeit gegen ihn ermittelt. Die Staatsanwaltschaft will sich zu dem Verfahren nicht äußern, noch steht sie Entscheidung der Behörde aus, ob sie Anklage gegen den Plagiator, dem die Universität Bayreuth Anfang des Jahres den Doktortitel aberkannt hatte, erheben will.

Wie die Mitteldeutsche Zeitung aus führenden Unionskreisen erfahren haben will, schreibt der frühere Hoffnungsträger der Union vermutlich an einer neuen Doktorarbeit. Die Tätigkeit des Ex-Ministers bei der US-Denkschmiede "Center for Strategic and International Studies" sei ja offensichtlich nur ehrenamtlicher Art, verlautet aus den Kreisen. Zugleich ergebe sich daraus aber die Gelegenheit zu einer Promotion. "Es wäre kein Fehler, wenn er eine neue Doktorarbeit schriebe", sagte ein CSU-Bundestagsabgeordneter. "Wir wollen ja alle, dass er sich rehabilitiert."

Vorbereitungen für das große Comeback

Zudem schreibt das Blatt aus Halle, Enoch zu Guttenberg habe seinen Sohn schon vor Monaten aufgefordert, die Familienehre wieder herzustellen – ein neuer Doktortitel käme dem entgegen. Eine gültige Dissertation könnte den Baron rehabilitieren. Dafür müsste er sich auch zu seiner Plagiatsaffäre äußern, zu der Guttenberg junior noch immer schweigt. Dem Vernehmen will sich der 39-Jährige dazu öffentlich äußern, sobald das Verfahren gegen ihn wegen einer möglichen Verletzung des Urheberrechts abgeschlossen ist. In wenigen Wochen soll dies der Fall sein. Ein Interview mit einer großen deutschen Wochenzeitung für die Zeit nach der Entscheidung sei bereits fest vereinbart, heißt es in Medienkreisen.

Steht sogar das politische Comeback bevor? Der CSU-Kreisvorsitzende Henry Schramm aus Kulmbach will laut "Mitteldeutscher Zeitung" keine Diskussion darüber, welcher CSU-Politiker im Herbst 2013 für den Bundestag kandidiert, "um Guttenberg eine Tür offen zu halten".

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