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8. September 2008, 08:46 Uhr

Der Beckstein und die Frauen

Heimchen am Herd oder Heldin der Arbeit - die CSU tut sich schwer mit ihrem Frauenbild: Beim Sommerempfang der Frauenunion waren Emanzen-Töne Tabu. Dafür durfte sich Ministerpräsident Günther Beckstein als echter Schwiegersohn-Typ präsentieren. Von Christian Eckl

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein spricht auf der Veranstaltung "60 Jahre Frauen Union" der CSU© Clemens Bilan/DDP

"Kann denn Liebe Sünde sein?", trällert die Sängerin des kleinen Orchesters heiter vor sich hin, während konservative Frauen aus ganz Bayern beim Sommerfest der Frauenunion behaglich Kuchen essen oder an Kanapees kauen. Natürlich gibt es San Benedetto-Wasser, schließlich wohnt der Bruder des Papstes in Regensburg. Pummelige junge Frauen verteilen Prospekte der Frauenunion in trendigen Farben - lila-gelb auf Hochglanz, die Silhouette einer schlanken jungen Frau ziert das Cover. Auf der ersten Seite steht gleich, was Frauen wollen: Netzwerke und Einfluss. Eine hübsche Frau Mitte 30 mit einem kleinen Kind prangt über den Schlagworten. Es bringt das CSU-Weltbild auf den Punkt: Wer Frau sagt, muss auch Familie sagen.

"Starke Frauen, starkes Bayern" überschrieb die Vorsitzende der Frauenunion ihr Sommerfest. Wirtschaftsministerin Emilia Müller hat Sozialministerin Christa Stewens, Generalsekretärin Christine Haderthauer und Justizministerin Beate Merk im Schlepptau. Die Frauenunion, bayernweit mit 21.000 Mitgliedern eine wichtige CSU-Bastion, lud ins Schloss St. Emmeram in Regensburg ein, von wo aus einst Überlandesvater Franz Josef Strauß zu seiner letzten Jagd aufbrach.

Gegen Pille und Kondome

Hausherrin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ("Der Schwarze schnackselt halt so gern"), Mutter des jüngsten Milliardärs auf der Forbes-Liste der Superreichen, spricht im kurzen Rock und Schlabber-T-Shirt ein paar Worte zu den anwesenden Damen - Worte, die es in sich haben. "Vielen Dank, dass sie in diesen Elitären Kreis gekommen sind", beginnt sie ihre kleine Rede. Eine Ortsverbands-Vorsitzende aus Fürstenfeldbruck räuspert sich betreten. Gloria kramt tief im katholischen Fundus: "Es kann nicht sein, dass es in Deutschland Arztpraxen gibt, wo noch im neunten Monat abgetrieben wird", schimpft die Fürstin. Der Assistent von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) "hat mir gesagt, dass man sich nicht an die Spätabtreibungen heran traut, weil dann der ganze Paragraph 218 in Frage stehen würde. Was bei uns in den Arztpraxen mit ungeborenem Leben geschieht, das lässt man in den Tierheimen mit Tieren nicht zu", schimpft Gloria. Erst kürzlich hat die erzkatholische Fürstin ein Buch mit Kardinal Joachim Meisner geschrieben. Sie stellt es am Dienstag bei Maischberger im Ersten vor - und spricht sich dabei wieder einmal gegen die Pille und gegen Kondome aus.

Dann kommen Marga und Günther Beckstein im Beckstein-Bus an. Marga hat gerade gewisse Spannungen mit der Frauenunion: Die CSU-Frauen bestehen darauf, dass die Landesmutter zum Wies'n-Bieranstich ein Dirndl trägt. Marga Beckstein aber mag keine Tracht. "Mir hat man gesagt, dass ich kein Dirndl im Wahlkampf anziehen soll, weil das zu bieder und altbacken wirkt", sagt eine zweite Bürgermeisterin aus der Hallertau. Die Wahl hat sie trotz Dirndl-Verzicht gegen einen Mann verloren.

Die Domspatzen und die Schwangeren-Beratung

Derweil steht Emilia Müller wieder am Mikrofon- und skizziert die Rolle der Frau in Bayern. "In Wirtschaft und Handwerk, in der Landwirtschaft oder in der Familie brauchen wir starke Frauen", sagt Frau Müller. Dann lobt sie noch die CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn aus Regensburg - die am Vortag für einen Eklat gesorgt hat. Der weltberühmte Chor der Regensburger Domspatzen sollte eigentlich für sie zum 60. Geburtstag singen - dumm nur, dass sie statt Geschenke lieber zu Spenden für Donum Vitae aufrief. Donum Vitae - das ist ein Verein von katholischen Laien, die entgegen der Weisungen des Papstes Frauen in Konfliktsituationen beraten - und eben auch einen Schein ausstellen, der Voraussetzung für eine Abtreibung ist. "Gut, dass Du Dich so einsetzt, wir finden Dein Engagement bei Donum Vitae toll", sagt Emilia Müller - alle klatschen, nur Gloria nicht. Die Domspatzen haben das Ständchen für Eichhorn abgesagt - denn für Donum Vitae singt der Lieblingschor des Papstes natürlich nicht.

Günther Beckstein zeigt sich dann von seiner charmantesten Seite. Barbara Dickmann, Mona Lisa-Chefredakteurin und erste weibliche Moderatorin der Tagesthemen, fasst Beckstein mit Gazé-Handschuhen an. "Herr Beckstein, von der kritischen Presse werden Sie nicht immer schmeichelhaft beschrieben. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren", fragt die Moderatorin und klimpert kokett mit den Wimpern. "Ich bin ehrlich, berechenbar und zuverlässig", sagt Beckstein und lächelt verschmitzt. Erleichterung im Auditorium - Zuverlässigkeit schätzen CSU-Frauen eben an Männern. Als ein Journalist kritisiert, dass man Beckstein keine einzige Frage zur Frauenpolitik stellt, wird eine Ortsverbandsvorsitzende zickig: "Wir wollen das nicht, dass wir Frauen thematisiert werden, wir wollen integriert sein. Dann muss man gar nicht mehr über solche Themen sprechen", sagt sie aufgebracht. Das ist Emanzipation auf bayerisch.

"Familie und Kinder bedeuten Freude, Glück und Zusammenhalt"

"Ehe und Familie sind Keimzellen menschlichen Zusammenhalts", heißt es im Grundsatzprogramm der CSU. "In der Familie suchen und finden Menschen Liebe, Geborgenheit und gegenseitige Hilfe. Familie und Kinder bedeuten Freude, Glück und Zusammenhalt". Das Papier, verabschiedet vor fast genau einem Jahr, war ein Kompromiss - kein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben, aber auch keine Verurteilung. Auch die rechtskonservativen Kräfte in der CSU haben akzeptiert, dass man an der gesellschaftlichen Realität nicht vorbei kommt. In Bayern leben immerhin 361.000 alleinerziehende Frauen - eine Realität, die kaum mehr jemand in der Partei wegleugnen will.

Doch Realität hin oder her - das Wort alleinerziehend fällt beim Sommerfest der Frauenunion nicht. Dafür beweist Landesvater Günther Beckstein echte Schwiegersohn-Qualitäten.

Von Christian Eckl
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Ermatrans (09.09.2008, 08:03 Uhr)
Beckstein und die Liebfrauen-Union
Die Selbstbeweihräucherung von Beckstein "Ich bin ehrlich, berechenbar und zuverlässig" muss man nur ins Gegenteil verkehren, um die Realität wieder herzustellen. Derzeit täuscht er zusammen mit Kumpan Huber und dem Rest der CSU die kinderfreundlichen Spendablen und Steuersenker vor. Bezüglich der Pendlerpauschale heuchelt die CSU die Anwälte des kleinen Mannes vor, um die Heuchelei bis zur Landtagswahl in Wählerstimmen umzumünzen. Dass es sich um reine Heuchelei handelt, ist bereits erwiesen. Hätte die CSU nämlich wirklich ein Interesse die alte Pendlerpauschale wieder einzuführen, hätte sie längst damit Druck machen müssen, dass Abgeordnete eine jährliche, priviligierte und steuerfreie Pendlerpauschale in Höhe von 45384 € erhalten. Ein Finanzrichter sagte dazu, die Abgeordneten führen sich auf wie die Sonnenkönige. Statt dauf den diskriminierenden Mißstand hinzuweisen, reist der verheuchelte Beckstein lieber zu Rüttgers, blitz dort ab, informiert die Medien, um so zu tun, als hätte er sich für eine Rückkehr zur alten Pendlerpauschale eingesetzt. Sein verheuchelter Kumpan, der sich als Abgeordneter ebenfalls zusätzlich 45384 €/Jahr in die eigenen Tasche steckt, wird sich ebenfalls hüten, auf den Mißstand hinzuweisen, denn er würde sich dabei in die eigene Tasche greifen. Huber lässt lieber Unterschriften "Rückkehr zur alten Pendlerpauschale" sammeln, die er dann verheuchelt bei Merkel vorlegen will, um dieser fehlende Volksnähe und sich selbst und Beckstein als die Volksnahen darzustellen. Westerwelle warf der CSU vor, Unterschriften gegen sich selbst zu sammeln. Es ist immer das Gleiche: die CSU fordert Populistisches, satt ernsthafter Durchsetzung wird dann nur der Anwalt des kleinen Mannes vorgeheuchelt, der politische Gegner dabei als Behinderer bzw. Verhinderer von volksnaher Politik hingestellt, die CSU scheitert und versucht dann das Scheitern der CSu-Forderungen dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben. Die politischen Fliegengewichtler Beckstein und Huber haben bisher nur Blamagen eingefahren. Hier noch eine Blamage Becksteins, der nicht umsonst als "Waschlappen" bezeichnet wird. Er blieb Pauli die Erklärung "Rufschädigung" schuldig und versank sprachlos, handlungsunfähig und total verfeigt als "überführter Schmutzfink" in Peinlichkeit.
www.youtube.com/watch?v=iCQtWMCyJUY
Nicht besser ist die Liebfrauen-Union der CSU, bekannt durch die "Billigsdorfer Intrige".
Die Intrige zeigt beispielhaft das anti-vorbildliche, schändliche Verhalten von CSU-Frauen, die wie ihre männlichen Vorbilder von der CSU-Altherrenriege das Entschuldigen längst verlernt haben.
Das hat Gabi Pauli wirklich gesagt: "Ich denke, ich wäre eher zu einem Gesprächstermin mit Stoiber gekommen, wenn er nicht manchmal ein Problem hätte, mit Frauen in der Politik umzugehen". Das sehe man auch an seinem Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Männer, die noch ein klassisches Rollenbild haben, können oft nicht verstehen, dass Frauen auf gleicher Ebene mit gleicher Kompetenz mitreden". Nachzulesen auch hier:
www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/984/96888/
Aus meiner Sicht eine absolut sachliche und sogar gnädig ausgedrückte Kritik, denn Stoiber hatte Pauli mit “So wichtig sind Sie nicht” und “Wem ich einen Termin gebe, bestimme ich” hocharrogant ein Gespräch verweigert und mit Massenverdummungssprüchen angegriffen.
Mit folgendem auf Rufschädigung abzielenden Brief ist die CSU-Liebfrauen-Union unter der Leitung von Emilia Müller und Christa Stewens ihrer Kollegin Gabriele Pauli in den Rücken gefallen, natürlich auch um gleichzeitig Punkte bei Stoiber zu sammeln:
www.handwerkermarkt.de/nachrichten/themen-fur-handwerker/meisterfrauen-pinboard/csu-frauen-stutzen-steuber
Paulis gnädige Kritik an Stoiber wird darin als “Kampagne”, “unsachliche Vorwürfe”, “blosse Behauptungen” und “an der Realität vorbei”. Barbara Stamm hat sich als einzige geweigert, diesen Brief zu unterschreiben und alle anderen mitläuferisch unterschreibenden CSU-Liebfrauen, darunter auch Justizministerin Beate Merk und Christine Haderthauer, haben den “Liebfrauen-Brief” unterschrieben und damit dem Ansehen von Frauen in der Politik schwer geschadet. Mit dem Brief sollte Pauli in den Rücken gefallen werden und gleichzeitig bei Stoiber Punkte für den Aufstieg gesammelt werden – die CSU-Liebfrauen betrieben eine Rufschädigungs-Kampagne gegen Pauli und um die Öffentlichkeit besser täuschen zu können, wurde der Brief gemeinsam von 10 CSU-Liebfrauen unterschrieben. Es handelt sich dabei von der Vorgehensweise um das sog. Lügenbeteiligungsmodell – eine legt die Lüge auf und die anderen beteiligen sich per Unterschrift daran, was einer Ausbaustufe der CSU-Fehlerverneinungs-Grundregeln “auf keinen Fall einen Fehler zugeben” und jeder deckt jeden” entspricht. Wenn die Täuschungs- bzw. Lügenfähigkeiten einen einzelnen CSUlers nicht mehr ausreichen, wird halt zur vermeintlichen Erhöhung der Glaubwürdigkeit im Kollektiv gelogen, um die Öffentlichkeit besser täuschen zu können. Unübersehbar ist jedenfalls im Liebfrauen-Brief, dass sich die unterschreibenden Frauen als kompetent betrachten und für eine Führungsposition anbieten wollten, insbesondere Emilia Müller. Als Stoiber dann genau 14 Tage später von den Hinterzimmer-Putschisten Beckstein und Huber aus den Ämtern gedrängt wurde, waren sämtliche Liebfrauen so stumm wie Tiefseefische. Die Liebfrauen switchten lediglich in ihren Köpfen von “vor Stoiber duckmäusern” auf “vor Beckstein und Huber duckmäusern” um – das Stützen von Stoiber war also nur vorgeheuchelt.
Das Fehlverhalten bzw. die Heuchelei der CSU-Liebfrauen hat sich ausgezahlt. Christa Stewens ist stellvertretende Ministerpräsidentin, Emilia Müller ist Wirtschaftsministerin, Christine Haderthauer CSU-Generalsekretärin und Merk hat ihre Position als Justizministerin durch die “Billigsdorfer Intrige” gegen Pauli gefestigt.
ganzbaf (08.09.2008, 12:05 Uhr)
Wohl eher "Schwieger-Opa Typ"... ;-Pp

(O;
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