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29. Mai 2009, 12:27 Uhr

"SPD verhält sich verantwortungslos"

Wie geht es mit Opel weiter? Kurz vor der Entscheidung im Kanzleramt geht CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt mit der SPD-Führung hart ins Gericht. Im stern.de-Interview sagt er, Geld der Steuerzahler konzeptlosen Investoren hinterherwerfen zu wollen, sei verantwortungslos.

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Alexander Dobrindt: "Die SPD hat schon bei der Holzmann-Rettung alles falsch gemacht"© Gero Breloer/DPA

Heute morgen hat die CDU/CSU-Fraktion in einer Sondersitzung noch einmal über die Opel-Rettung diskutiert. Welche Botschaft geht für Sie von dieser Diskussion aus?

Es herrscht erhebliche Enttäuschung, was von Seiten des Mutterkonzerns General Motors in den letzten Tagen vorgelegt worden ist. In den Verhandlungen mit der Bundesregierung wurde nicht mit offenen Karten gespielt. Plötzlich haben sie ein zusätzliches Finanzloch von 350 Millionen Euro nachgeschoben. Das ist verantwortungslos gegenüber den Opel-Mitarbeitern und zweitens ist das genau diese Zockermentalität, die letztlich in diese Krise geführt hat. Es wird nicht mit offenen Karten gespielt. Den Partnern, die man braucht, um das Überleben des Konzerns zu sichern, nicht alle notwendigen Informationen zu geben, ist keine akzeptierbare Methode. Darüber gibt es in der CDU/CSU erhebliche Verärgerung. Übrigens auch über das US-Finanzministerium, die uns leider auch Auskünfte versagen.

Ist es denn vor diesem Hintergrund denkbar, dass es keine Bürgschaft der Bundesregierung für Opel gibt?

Jetzt ist nicht absehbar, wie die Verhandlungen ausgehen. Wichtig ist, dass es nicht geht, noch mehr Geld der Steuerzahler zu verbrennen. Es wäre falsch, dem schlechten Geld, das bei Opel schon kaputt gegangen ist, noch Geld der Steuerzahler hinterher zu werfen. Ein möglicher Investor muss ein Konzept vorlegen, das sowohl etwas über den Erhalt der Arbeitsplätze sagt als auch über die zukünftigen Kosten, die auf die Allgemeinheit hinzukommen. Ein Treuhandmodell, mit dem wir weiter kommen, ist derzeit das bessere Modell.

Der CSU-Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg hat eine Rettung durch Insolvenzlösung nie ausgeschlossen. Ist dieser Weg immer noch im Gespräch?

Es ist vernünftig, die Insolvenzlösung nicht auszuschließen. Wir müssen alle Varianten, wie es mit Opel weitergeht in Betracht ziehen. Am Ende kann möglicherweise dann auch eine Insolvenzlösung stehen.

Steht zu Guttenberg zu dieser letzten Option immer noch aufrecht? Notfalls auch mit dem Gedanken an einen Amtsverzicht, wenn er zu einer Lösung gezwungen wird, die er für falsch hält?

Karl-Theodor macht auch in der Frage der Opel-Rettung einen erstklassigen Job, ich würde sagen den besten von allen Beteiligten. Er arbeitet im besten Sinne für die Opel-Arbeitnehmer und diejenigen, die es am Schluss bezahlen sollen, die Steuerzahler. Deswegen bin ich mir ganz sicher, dass er mit seiner ordnungspolitischen Kraft aufrecht stehen bleibt. Er wird sich von niemand im Amt des Wirtschaftsministers zu etwas zwingen lassen, das nicht mit der Ordnungspolitik zu vereinbaren ist. Er ist erkennbar der Aktivposten in der Bundesregierung, der Handlungsfähigkeit zeigt. Das, was die SPD-Bundesminister an dieser Stelle zeigen...

... die sagen, der Gedanke an eine Insolvenzlösung ist unsinnig und unsozial...

... die SPD und ihre Minister verhalten sich verantwortungslos, weil sie vorschnell das Geld der Steuerzahler irgendwelchen Investoren ohne feste Konzepte hinterher werfen wollen. Diese SPD handelt offensichtlich nicht im Sinne des Unternehmens und der Arbeitnehmer. Man muss ja auch mal nachfragen, welche Rolle eigentlich der Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Hintergrund spielt, der offenbar bei der SPD ganz kräftig mitmischt.

Glauben Sie im Ernst, dass Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück sich von Schröder dirigieren lassen. Die beiden sind doch die Stones der SPD.

Aus den ehemaligen Stones der SPD sind inzwischen zwei Randsteine geworden. Ihre Politische Schlagkraft liegt weit hinter der von zu Guttenberg zurück.

Ihr Unionsfreund Kampeter warnt: Bei der 1,5 Milliarden Bürgschaft sei das Ausfallrisiko 100 Prozent. Da sei Insolvenz zu bevorzugen. Hat er nicht Recht?

Er sagt die richtigen Worte für den Fall, dass wir keine vernünftigen Investoren finden. Ist das Ausfallrisiko zu hoch, ist es den Steuerzahlern nicht zuzumuten, dann ist die Insolvenzlösung der bessere Weg. Wenn wir jetzt nicht schnell klare Auskünfte von den Amerikanern und den interessierten Investoren bekommen, dann darf der Bund auch nicht bereit sein, zusätzliches Geld bereit zu stellen.

Heißt das: Die geforderten 350 Millionen Euro können nicht gegeben werden?

Sie können nicht gegeben werden, wenn weiterhin mit Zockermentalität und Undurchsichtigkeit getrickst wird. Wir wollen endlich Klarheit, wie die finanzielle Situation von Opel und General Motors ist. Und unter welchen Bedingungen das Unternehmen weiter geführt werden kann.

Müsste die Opel-Rettung nicht konsequent aus dem Parteienstreit und dem Wahlkampf heraus gehalten werden?

Es wäre sehr zu wünschen, dass etwas mehr Vernunft bei der SPD anstelle ihrer Wahlkampfrhetorik rückt. Ich bin entsetzt darüber, wie schnell die SPD bereit ist, Geld der Steuerzahler auszugeben, ohne darüber nachzudenken, was man damit retten kann. Im Fall Holzmann hat die SPD mit Gerhard Schröder schon einmal bewiesen, wie man alles falsch macht. Da waren am Ende Arbeitsplätze weg und das Geld der Steuerzahler auch. Das darf hier nicht mehr passieren.

Sie sind Generalsekretär der CSU. Somit ergeht eine Warnung des Automobilexperten Willi Dietz auch an sie. Er warnt die Politik vor leeren Versprechungen. Wer sage, er garantiere die Arbeitsplätze für die nächsten Jahre, sei nicht seriös.

Die Frage ist in der Tat, ob der Staat der bessere Unternehmer ist. Wir sagen Nein. Und deswegen ist es richtig, dass man einen privaten Investor sucht, der sich dann sachkundig um die Zukunft des Konzerns kümmern muss. Wir wollen daher nur hilfreich sein, wenn uns das Konzept sinnvoll erscheint.

Wie geht es denn weiter? Opel braucht Geld, die Kaufhauskette Arcandor will welches, auch das Unternehmen Heideldruck und der Chiphersteller Infineon. Alle pumpen den Staat an. Wie soll das gut gehen?

Die wirtschafts- und ordnungspolitischen Grundsätze müssen unbedingt erhalten bleiben. Es geht jetzt nicht nur um Großkonzerne, die jetzt in Schwierigkeiten sind. Es geht auch um viele kleine Unternehmer und Mittelständler, die Probleme haben. Es darf keinen Unterschied machen, ob es um 5000 Arbeitsplätze geht oder um 500 oder um fünf. Wir müssen bei allen prüfen: Sind sie wegen der Krise in Schwierigkeiten gekommen? Haben Sie ein Konzept, um überzeugend das Überleben des Unternehmens zu sichern, wenn man mit Finanzierungshilfen des Staates aushilft? Dafür haben wir im Konjunkturpaket II 100 Milliarden zur Verfügung gestellt. Es ist nicht Aufgabe des Staates, jeden Arbeitsplatz zu garantieren. Das führte nur dazu, dass schlechte Unternehmen länger bleiben als es gut ist und gute Unternehmen in Probleme kommen.

Interview: Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Oetker333 (30.05.2009, 18:34 Uhr)
@Roth
Bei Holzmann gebe ich ihnen Recht. Aber Schröder hat als niedersächsischer Ministerpräsident auch Salzgitter gerettet. Und siehe da das Unternehmen ist kerngesund. In dem Fall hat sich der Einstieg für den Staat sogar gelohnt (konnten ihre Anteile zu einem höheren Preis verkaufen). Also Staatseinstieg ist nicht immer schlecht man muss es nur abwägen.
@logisch
Das amit Bayern ist so eine Sache. Das dass Saarland geschlafen hat bestreite ich nicht. Aber es ist viel einfacher von einer reinen Bayernpartei regiert zu werden mit enormen Einfluss auf die Union. Dadurch floss bei schwarz-gelben Koalitionen auf Bundesebene immer etwas mehr Geld nach Bayern als woanders hin. Habt ihr die Forderung der CSU vergessen als sie mehr Geld für die bayerischem Krankenkassen forderten.
Und nicht alle SPD-regierten Länder haben geschlafen z.b. Hessen (damals). Und Rheinland-Pfalz geht es auch nicht so schlecht. Bayern ist auch eine hübsche Region. Seen und Berge liegen wie die Metropole München nicht weit voneinander entfernt. Das lockt Firmen an imgegensatz zum verdreckten Ruhrpott (möchte niemanden beleidigen). Deswegen erklärt sich auch warum der Norden Bayerns nicht gut entwickelt ist. Oder wie es Christian Ude sagt:"Dass München vor wunderschönen Bergen und Seen liegt, ist gottgegeben, das kommt nicht von der SPD." Und auch nicht von der CSU.
ganzbaf (29.05.2009, 23:27 Uhr)
Dafür hat die CDU...

alles bei der Abkackprämie und der Bankensubventionierung alles falsch gemacht
JohannRoth (29.05.2009, 21:30 Uhr)
Holzmann / BayernLB / HRE
"Im Fall Holzmann hat die SPD mit Gerhard Schröder schon einmal bewiesen, wie man alles falsch macht. Da waren am Ende Arbeitsplätze weg und das Geld der Steuerzahler auch. Das darf hier nicht mehr passieren."
Ich bin nicht SPD-Wähler. Der Ordnung halber muß aber gesagt werden: Im Fall Holzmann ging es um eine Staatsbürgschaft in Höhe von 100 Millionen DM. Diese Bürgschaft wurde nie in Anspruch genommen.
Bei der BayernLb handelt es sich um 10 Mrd. Euro, die bereits in den Staatshaushalt als Schulden übernommen werden mussten, sowie 20 Mrd. Euro als Bürgschaft.
Bei der HRE, München, wird inzwischen für über 100 Mrd. Euro gebürgt.
Das ist das 1000-fache der Holzmann Bürgschaft.
Man kann sich bei Wahlen auch eine "Fahrkarte" schiessen.
utospatz (29.05.2009, 20:31 Uhr)
Wem hat eigentlich dießer christliche
Depp etwas hinterher geworfen?
Ehne, mehne Muh,Strauß-Dynastie bist Du? Den Weisswurst-Äquator verschoben? Honnecker hätte beinahe sich dank Strauss 20 Jahre früher totgelacht!(so als Finanzminister)
Wenn sogenannte Christen sich aufschwingen, ein Land auf Vordermann zu bringen, fangen selbst die Regenwürmer im Zwiebelbeet an zu singen!
Aquarius2 (29.05.2009, 20:22 Uhr)
Der Vorwurf an die SPD stimmt,
das bestätige ich, obwohl ich eigentlich (Restpuls) links ticke.
Verhandlungen in dieser Dimension mit internationalen Partnern sind knallhart zu führen. Da muss auch jederzeit ein Ende im Raum stehen.
Wenn die aufgeregte SPD im Rahmen ihres Wahlkampfs das Ergebnis schon vorgibt, dann ist es logisch, dass die Verhandlungspartner dies für eine preiswerte Lösung bzw. einen Nachschlag nutzen.
Es mehren sich nach der katastrophalen Schröder-Ära weiter die Zweifel, ob man der SPD die Verantwortung für das Land übertragen kann.
Steinbrück scheint in dieser Truppe der Einzige zu sein, der noch einen klaren Kopf behält.
Vielleicht wäre er der bessere Kanzlerkandidat.
Das Duo Münte/Steinmeier wird es wohl nicht bringen.
logisch_konsequent (29.05.2009, 19:57 Uhr)
@ HaHa!
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Seid doch froh, dass die CSU/CDU aus dem Süden Deutschland eine der erfolgreichsten Wirtschaftsregionen Europas gemacht haben, denn vom Finanzausgleich aús dem Süden leben viele SPD Länder, die mit Subventionen ihre alten Strukturen behalten haben und jetzt nicht alleine lebensfähig sind.
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Bei Siemens (Hauptsitz München) gab es in den letzten 10 Jahren extreme Umstrukturierungen und nun stehen viele leere Gebäude auf dem Firmengelände
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Im Unterschied zu SPD Ländern haben die Bayern den Strukturwandel gefördert und neue Investoren freundlich behandelt, so dass die meisten wieder in Lohn und Brot sind.
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Lafontaine im Saarland hat dagegen alte Industrien mit Subventionen aufrecht erhalten (was natürlich nie Sinn macht) und schimpft zugleich auf die Investoren, so dass dort auch keiner Lust hatte, in neue Arbeitsplätze zu investieren. Deswegen sieht's auch nicht sehr rosig aus im Saarland.
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Oetker333 (29.05.2009, 16:54 Uhr)
Haha!
Typisch CSU. Man kümmert sich halt nur um Bayern. Der Rest Deutschlands ist denen egal! Kann sein das Opel kein ordentliches Konzept hat. Aber deswegen würde die CSU auch nicht anders reagieren wie Steinmeier wenn Opel einen Standort in Bayern hätte. Wenn BMW vor der Insolvenz wäre würde die CSU auch denen das Geld hinterher werfen auch wenn sie kein Konzept haben. Die CSU ist eine Gefahr für Restdeutschland dank seines Einflusses in der Union. Sie agieren nach dem Motto: Alles für Bayern und sparen beim Rest Deutschlands.
auwei (29.05.2009, 16:01 Uhr)
Langsam langweilig
Wahlkampf, wohin man schaut. Dobrindt macht nix anders - und die Kommentatoren hier auch nicht. Liebe Linkenhasser - lehnt euch zurück, trinkt etwas schwarzen (!) Tee und überlegt euch etwas Neues. Das Repro-Geseiher von Pijey & Co. ist langsam langweilig. Weder die Roten noch die Schwarzen tun etwas anderes, als die Opel-Krise für sich zu nutzen - aber die Schwarzen (-Fans) brüllen derzeit etwas unappetitlicher.
Ermatrans (29.05.2009, 15:43 Uhr)
Dobindt heuchelt den Anwalt des kleinen Mannes vor
und er versucht dabei in typischer CSU-Manier den politischen Gegner zu bewerfen.
Aus meiner Sicht sind sowohl Steinbrück als auch Koch und Guttenberg Garanten dafür, dass Opel mit möglichst grossem Schaden fü den Steuerzahler versenkt wird. Die von GM dürften sich, wir lassen diesen deutschen Witzfiguren die Opel-Retter vorheucheln und kassieren dafür kräftig ab.
covy111 (29.05.2009, 14:12 Uhr)
Wieder....
mal recht unterhaltsam diese Sozi-Kommentare.
Kennt ihr eigentlich Heil??
Ich glaube, da habt ihr genug vor der eigen (Sozi) Haustür zu kehren!
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