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7. Januar 2008, 18:23 Uhr

Die Bayrischen Löwen miauen

Die CSU-Parlamentarier haben sich zur Klausurtagung in Wildbad Kreuth versammelt. Der Himmel ist grau, die Themenlage auch: Ein Jahr nach dem Sturz Stoibers fehlt es an echten Knüllern. Es bleibt nur der Neid auf Roland Kochs Ausländer-Gewalt-Stammtisch-Kampagne. Von Lutz Kinkel, Wildbad Kreuth

Erwin Huber und Peter Ramsauer bei der CSU-Klausurtagung© Alexandra Beier/Reuters

Januar 2007: Das waren noch Zeiten! Damals bebte Wildbad Kreuth, als ein Häufchen Verschwörer den Thron des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit der Axt zerlegte. Ein Jahr später sind die Nachfolger im Amt, es wäre für die CSU höchste Zeit, sich wieder mit Themen zu profilieren. Doch die CSU lässt ihre Tagung in Wildbad Kreuth ruhig angehen. Zu ruhig vielleicht. Die Eröffnungsansprache halten Landesgruppenchef Peter Ramsauer und Parteichef Erwin Huber. Sie versichern sich wechselseitig, wie hervorragend ihre Zusammenarbeit sei - sagen das aber so häufig, dass jeder ahnt, dass die Realität anders aussieht. Die Themen, die sie präsentieren, sind weder neu noch überraschend: Entlastung der Familien, Senkung der Lohnnebenkosten, innere Sicherheit. Als er gefragt wird, was die größten Erfolge seiner bisherigen Amtszeit waren, verweist Huber auf die Festschreibung des Betreuungsgeldes im CDU-Programm. Das Betreuungsgeld soll, wenn es jemals gesetzlich verankert wird, 2013 ausbezahlt werden. Handfeste Erfolge fühlen sich handfester an.

"SPD ist Sicherheitsrisiko" So richtig zur Form laufen Ramsauer und Huber nur in Sachen Ausländerkriminalität auf. Ramsauer erinnert an den brutalen Überfall auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn. Man müsse die Ausländerkriminalität mit einem Bündel von Maßnahmen eindämmen. Wenn sich die SPD weigere, dabei mitzutun, "dann macht sie sich selbst zu einem Sicherheitsrisiko". Man könne nicht nur gegen Gewalt von rechts protestieren wie damals unter Kanzler Gerhard Schröder. "Es muss auch hier zu einem Aufstand der Anständigen kommen." Huber, dem Ramsauers Gabe zur Polemik abgeht, fordert ebenfalls einen "besseren Schutz" vor ausländischen Gewalttätern. "Der geltende Gesetzesrahmen reicht nicht aus." Doch die SPD stelle sich auf diesem Gebiet "schwerhörig". Treuherzig versichert der CSU-Chef zum Schluss, das Thema Ausländerkriminalität sei aus seiner Sicht kein Instrument, "um Stimmung im Wahlkampf zu machen." Tatsächlich hat Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch genau dies bereits getan - und die CSU scheint zu grummeln, dass sie nicht selbst darauf gekommen ist. Der Überfall, der die Debatte aufflammen ließ, fand schließlich in München statt. Nicht in Frankfurt. Stoiber hat sich angesagt Doch das alles ist politischer Kleinkram - im Vergleich zur Entthronung Stoibers 2007. Dieses Ereignis jährt sich nun auf pikante Weise: Stoiber, mittlerweile zum Ehrenvorsitzenden der Partei weggelobt, hat sich in Wildbad Kreuth angesagt. Ramsauer lässt ihm in seiner Ansprache eine kurze Solidaritätsadresse zukommen: "Das [Stoibers Sturz, Red.] war vielleicht hier, aber nicht in der CSU-Landesgruppe." Ramsauer wäscht seine Hände also in Unschuld, zeigt aber mit einem imaginären Finger auf den Mann neben sich: Parteichef Erwin Huber, der sich damals gemeinsam mit Günther Beckstein Stoibers Ämter unter den Nagel riss. Rangeleien und Themenmangel: Die CSU, so scheint es, ist noch nicht in der Nach-Stoiber-Ära angekommen.

Von Lutz Kinkel, Wildbad Kreuth
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Freigeist5 (08.01.2008, 18:33 Uhr)
innovativ ...
Ich hätte da für die CSU eine innovative Endlösung für alle kriminellen Elemente wie Terroristen, Jugendliche, alte, Türken usw..
Ab sofort wird die Jugend unter Androhung und Vollzug der Todesstrafe verboten...
Und liebe CSU-Freunde - Ihr seit dann die ersten Politiker die ein Versprechen halten könntet....
"In 100 Jahren ist innere Sicherheit kein Thema mehr" Wer samma - Mir samma..CSU
h-p-t (08.01.2008, 11:11 Uhr)
was soll das? Stern ? " Ausländer-Gewalt-Stammtisch-Kampagne" ??
na ja, " der stern ein abkömmling der ultra linken alt 68er...."?
muss dieses wertende in der berichterstaattung sein.
auch ich mag die csu nicht, aber eure berichte in letzter zeit sind genauso "unproffesionell" wie mein erster satz....
ihr seid zur neutralen berichterstattung da...eine meinung sollte sich jeder selber bilden können, ohne die hilfe eurer "linksgerichteten" kommentare...
Muri_Eren (08.01.2008, 01:27 Uhr)
Mangelnde Zivilcourage, Wegschauen und "Feigheit vor dem Feind" begünstigen rechte Phrasendrescher a la Koch
Ich musste laecheln, als ich über die gewaltsame Auseinandersetzung in der Frankfurter U-Bahn und die anschliessende Verwurstung dieses Ereignisses für den rassenideologisch geführten Wahlkampf des rechtspopulisten Roland Koch erfahren habe. Ich, als Ex-Frankfurter, habe in meinen 32 Jahren als Frankfurter S-,U-und Strassenbahnbenutzer, immer die mangelnde Zivilcourage meiner Mitfahrer und Mitfahrerinnen kritisiert. Erst mein energisches Einschreiten in diese oder jene gewalttaetige Auseinandersetzung und die Benachrichtigung der ominösen "Hilfssherriffs", die selbst zum grössten Teil einen kriminellen Hintergrund zu haben scheinen, taten zur Auflösung von Streitigkeiten in der Öffentlichkeit bei. Leider ist die "Feigheit vor dem gemeinsamen Feind" und damit meine ich die Feigheit sowohl vor jugendlichen als auch erwachsenen Gewalttaetern in der Öffentlichkeit, die grösste unter den kleinen Feigheiten, die die Deutschen, sowohl einheimische als auch eingebürgerte, von einem couragierten Einschreiten fernhalten. Hier in der Türkei werden teilweise Kriminelle vom aufgebrachten Mob nahezu gelyncht, was wiederum das andere Extrem ist. Da muss die Polizei, mittels Warnschüssen, den Taeter vor der Bevölkerung schützen. Herr Koch hat seine Rolle und auch die Verantwortung die er für alle (!) Menschen in Hessen traegt, nicht verstanden. Mit diesem populistisch-rassistischen Paradebeispiel hat er ein für alle mal bewiesen, dass man mit verbalen Pogromen auf Minderheiten in Deutschland immer wieder punkten kann. Dass Hessen aber eklatant wichtigere Probleme, wie die fulminant mangelhafte Besetzung von Lehrerstellen durch paedagogisch unqualifiziertes Personal (sog. "Unterrichtsgarantie Plus") oder auch die Substitution von Polizeikraeften durch "Hilfspolizisten" resp. "Hilfssherriffs" zu bewaeltigen hat, laesst der vermeintliche Landesvater Koch aus seinem Fokus. Zu recht kann man behaupten, dass seine Landespolitik keine "Arbeit aus einem Guss" ist, sondern eher nach hilfloser Flickschusterei ausschaut. Mein Fazit lautet daher, dass es an der Zeit für Herrn Koch ist, zu gehen, damit Hessen wieder auf die Beine kommt.
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