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2. Oktober 2008, 08:13 Uhr

Stoiber gibt sich unschuldig

Für die geschassten CSU-Größen Günther Beckstein und Erwin Huber ist die Sache klar: Ihr Vorgänger Edmund Stoiber ist für die herbe Wahlniederlage maßgeblich mitverantwortlich. Stoiber selbst will davon nichts wissen - und wehrt sich gegen die Kritik.

Edmund Stoiber gibt sich von der Kritik an seiner Person unbeeindruckt© Tim Brakemeier/DPA

Edmund Stoiber hat Kritik der abgetretenen CSU-Spitze an seiner Person zurückgewiesen. "Ich glaube, dass es nicht weiterhilft, Schuldzuweisungen vorzunehmen", sagte der ehemalige bayerische Regierungschef am Donnerstag in Berlin. Die CSU müsse nun ihre Kräfte bündeln.

Der bis 2007 amtierende Ministerpräsident zeigte keine Präferenz für eine Doppelspitze oder die Vereinigung beider Ämter in einer Hand. "Es gibt für beide Lösungen Vor- und Nachteile", sagte Stoiber. "Ich war selbst Teil einer Doppelspitze mit (Theo) Waigel, und ich war auch die Spitze alleine." Die CSU-Landtagsfraktion in Bayern müsse nun entscheiden. "Da braucht’s Zeit. Bis Mittwoch wird das klar sein."

Zuvor hatten der scheidende Ministerpräsident Günther Beckstein und Noch-Parteichef Erwin Huber deutliche Kritik an ihm geübt.

Beckstein sagte der "Passauer Neuen Presse", es sei der größte Fehler seiner Amtszeit gewesen, sich nicht genügend von seinem Vorgänger abgesetzt zu haben. "Ich hätte die massiven politischen Korrekturen, die ich gegenüber meinem Vorgänger gemacht habe, deutlicher kennzeichnen müssen." Darüber hinaus übte er Kritik daran, dass Stoiber im vergangenen Jahr zwischen Rücktrittsankündigung und Rückzug zu viel Zeit habe verstreichen lassen. "Der neunmonatige Übergang, diese Wartezeit, war ausnehmend schwierig", sagte Beckstein.

Nach dem Wahldesaster für die CSU am Sonntag war der Druck auf Beckstein hauptsächlich aus Oberbayern gekommen. Als einer der Strippenzieher gilt Stoiber, der 2007 von Beckstein und dem nun ebenfalls scheidenden CSU-Vorsitzenden Huber gestürzt worden war.

Huber sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Natürlich hat uns das Schwanken von Stoiber zwischen Berlin und München zwei Jahre lang eine Diskussion gebracht, die die politischen Inhalte überdeckt hat." Zugleich betonte er aber: "Ich bin nicht der Sündenbock, und ich werde auch niemand anderes zum Sündenbock machen." Die Reformpolitik der CSU seit dem Jahr 2003 sei "im Rückblick eine gewaltige Leistung, aber auch eine Belastung", sagte Huber. "Wir haben sie zu wenig verständlich machen können und dort, wo sie über das Ziel hinausgeschossen ist, nicht rechtzeitig geändert."

Beckstein will Landtagsmandat annehmen

Beckstein kündigte an, er werde sein Landtagsmandat annehmen. "Ich habe meinen Stimmkreis in Nürnberg gewonnen. Wenn ich das Mandat nicht annehmen würde, dann wäre das meinen Wählern und Wahlkampfhelfern gegenüber nicht gerecht." Ein Posten im neuen Kabinett schloss er aber aus.

Der scheidende Regierungschef deutete an, dass letztlich massiver Druck aus der CSU-Landesgruppe in Berlin die Revolte gegen ihn ausgelöst habe. "Erst kamen aus Berlin massive Rücktrittsforderungen, dann aus Parteiverbänden. Da war mir klar, dass das knapp wird." Im Laufe der Nacht zum Mittwoch habe er dann auch noch von mehreren CSU-Bezirken gehört, dass sie einen radikalen Neuanfang wünschten. "Damit war mir klar, dass ich zurücktreten werde."

Am Mittwoch war nach dem Rücktritt Becksteins ein offener Machtkampf um dessen Nachfolge ausgebrochen. Der designierte CSU-Chef Horst Seehofer will als Reservekandidat antreten, wenn sich seine drei Konkurrenten aus der Landespolitik nicht einigen können. Ihren Anspruch auf das Amt des Regierungschefs haben auch Innenminister Joachim Herrmann, Landtagsfraktionschef Georg Schmid und Wissenschaftsminister Thomas Goppel angemeldet. Die Entscheidung soll bis zur nächsten Fraktionssitzung am Mittwoch kommender Woche fallen.

Bayerns Europaminister Markus Söder sagte dem ZDF auf die Frage, ob der 59 Jahre alte Seehofer einen Neuanfang der CSU symbolisieren könne, die Partei müsse insgesamt einen Neuanfang machen. "Das geht nicht durch eine einzige Person." Die CSU müsse künftig mehr auf Bürgerrechte achten und sich stärker für Freiheitsthemen öffnen. Söder war zwischenzeitlich auch als Bewerber für das Ministerpräsidentenamt im Gespräch. Er hatte aber erklärt, für ihn sei es zu früh für eine Kandidatur.

Der Berliner Landesgruppenchef Peter Ramsauer sprach sich unterdessen dafür aus, dass Seehofer in Berlin bleibt, um nach dem Wahldebakel in Bayern den bundespolitischen Einfluss der Partei zu sichern. Viele junge CSU-Bundestagsabgeordnete ebenso wie viele Christsoziale im einflussreichen oberbayerischen Bezirksverband machten dagegen Stimmung für Seehofer auch als Ministerpräsident.

DPA/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Prato61 (02.10.2008, 17:15 Uhr)
Typisch
Über Jahrzehnte haben sich sogenannte anständige CSU-Mitglieder hinter den Lichtgestalten Strauss und Stoiber versteckt und konnten sich so ein schönes und bequemes Politikerleben einrichten. Solange man schön sein Maul hielt, zu allem was die Halbgötter vorbeteten Ja und Amen sagte und vor allem wenn man bei der Ausübung seines Amtes sein Gehirn total abschaltete, hatte man in Bayern ein nahezu sorgenfreies Politkerleben. Nun ist alles vorbei und es passiert, was in diesen Situationen immer passieren muss: Die größten Arschkriecher wie Seehofer, Goppel und Hermann kriechen aus der Gosse und melden Machtansprüche an. Pfui Teufel.
Der einzige der möglichen Nachfolger Becksteins, die noch so einen Hauch von Rückgrat hat ist Georg Schmid. Der darf allerdings nicht, weil er ja dieses vermaledeite Rauchverbot durchgesetzt hat. Wenn das ein Grund sein soll, dass einer kein Ministerpräsident werden darf, dann Gute Nacht Bayern.
mutti1 (02.10.2008, 14:16 Uhr)
auwaaaa
die csu ist ja ziemlich rechtsnational, deren rechte randpartei kam ja nicht rein, es stinkt an vielen ecken nach vetternwirtschaft, hauptsache die posten sind besetzt, wo man gut geschäfte machen kann. das geheule in den zeitungen, das die csu stimmen verlor, sagt aus, wenn es die spd oder linke/ wasg gewesen wäre, würde man es totschweigen, in brandenburg u. sachsen regieren die rechten ja schon mit. das ist nicht aufregend, nur das die bayern die volle einflussnahme verlieren, das ist schlüümmmm.
wenn man sich die münchner + berliner pleitiers ansieht, das wird auch tot geschwiegen. protzen, aber nichts in den kassen.
die strenge trennung von kirche u. staat ist gestzl. festgelegt, aber die werden staatl. bezahlt u. regieren mit, einfach mal alles lesen , nicht nur das die csu ihren dämpfer bekam. dazu noch den artikel lesen, 100.000 flüchtlinge leben langzeit in lagern. in bestimmten bundesländern hat das eine bestimmten sinn+ methode. kapito, verwirrter?
matbln (02.10.2008, 12:08 Uhr)
@mutti
sie haben mich verwirrt. was hat die bayern wahl und das debakel mit der csu mit den rechten in brandenburg zu tun? und das mit der kirche muessen sie auch mal erklaeren.
seelenflieger (02.10.2008, 12:03 Uhr)
Die CSU offenbart ihr wahres Gesicht
Die Schlammschlacht, die jetzt einsetzt, offenbart das wahre Gesicht der CSU: Die CSU ist eine Partei, denen Personen und persönliche Macht wichtiger sind als Themen, eine Partei, denen "offene Rechnungen" wichtiger sind als das Wohl des Landes, eine Partei, die immer noch in solch hinterwälderischen Kategorien wie "Oberbayern", "Schwaben" und "Franken" denkt, und schließlich eine Partei, die partout nicht einsehen will, dass der einzige Grund, warum sie solch Stimmenverluste hinnehmen musste, der ist, dass sie in den vergangenen Jahren kollektiv, d.h. alle zusammen, eine s***** Politik gemacht haben.
.
Glauben die ernsthaft, nachdem meine Kinder durch das neue G8 hoffnungslos überfordert werden, ich eine Zeitlang Büchergeld für sie zahlen musste, meine Tochter jetzt Studiengebühren bezahlen muss, gleichzeitig ich sehen muss, wie ein paar hundert Millionen in der Landesbank versenkt werden ohne personelle Konsequenzen usw. usw., dass es mir einen s***** interessiert, ob der Ministerpräsident Beckstein, Stoiber oder ein Schimpanse namens Charly heißt?
Malt (02.10.2008, 11:38 Uhr)
@kaisergarten
Er hat aber auch einen gepanzerten 7er BMW!
llechwedd (02.10.2008, 11:24 Uhr)
Also, dieses Duo als gefallene ...
... "Helden" zu bezeichnen, hat was. Ich weiß bloß nicht genau, was ;-))
kaisergarten (02.10.2008, 11:04 Uhr)
@sausewindxxl
Ich glaube sie kriegen nix mit. Kleines Bsp. Herr Beckstein fährt U-Bahn ohne Personenschützer. Aber gut das wenigstens sie voll im Bild sind.
StillerBeobachter (02.10.2008, 11:01 Uhr)
Es ist schon interessant zu sehen,
wie die einst so starke und selbstbewusste CSU sich selbst zerfleischt. Ich hab mich ohnehin gefragt, warum man vor nem guten Jahr Huber und Beckstein zum Parteichef und Ministerpräsidenten gewählt hat. Beide sind in ihren rhetorischen Fähigkeiten äußerst bescheiden. Huber verfällt mit zunehmender Dauer seiner rede immer mehr ins Lallen und beim alten Zausel Beckstein hört sich das auch alles sehr gekünstelt an, wenn er die Leistung der CSU für Bayern herausheben will.
Die CSU hat einfach keine gestandenen charismatischen populären Führungsfiguren.Thomas Goppel und Joachim Herrmann wirken beide recht kühl und arrogant und sind sicher keine großen Sympathieträger (könnte man auch über Stoiber sagen) und Georg Schmid hat auch sehr viel Kredit verspielt mit dem strengsten Rauchverbot aller Länder, für das er mitverantwortlich ist.
Vielleicht macht Seehofer auch den MP.
sausewindxxl (02.10.2008, 10:45 Uhr)
Gott, was für zwei peinliche Verlierer!
Ich finde es wirklich nur peinlich, was Huber und Beckstein nach ihrem Wahldebakel nun noch von sich geben. Stoiber soll jetzt also der Schuldige sein? Der Stoiber, der für seine Partei zuletzt locker 60% der abgegebenen Stimmen an Land ziehen konnte? Ich denke, Bayern und besonders die CSU können froh sein, diese beiden "Experten" in die Wüste geschickt zu haben! Möglicherweise hätte man den Feldzug gegen die "bösen Computerspiele" etwas zurückstellen sollen und sich mal lieber wichtigen Themen wie der immer weiter steigende Steuer und Abgabenlast zuwenden sollen! Aber von diesen Problemen bekommt man aus seiner gepanzerten Limousine wohl nicht besonders viel mit, oder Herr Beckstein?
AchazIII. (02.10.2008, 10:45 Uhr)
Die CSU wird in die Opposition gehen
...und sich dort regenerieren.
Was Besseres kann ihr jetzt gar nicht passieren.
Nach fünf Jahren wird sie wieder auferstehen.
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