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1. Oktober 2008, 09:20 Uhr

Vier Erben für Beckstein

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Nach dem Rücktritt von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein gibt es jetzt eine steigende Zahl an Kandidaten für das Amt. Neben Parteivize Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann haben sich zwei weitere Kandidaten ins Spiel gebracht.

Nach dem Wahldebakel hat Günther Beckstein seinen Rücktritt erklärt. Für seinen Job gibt es vier Bewerber© Christof Stache/AP

In der CSU ist nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Günther Beckstein ein offener Machtkampf um dessen Nachfolge ausgebrochen. Beckstein gab am Mittwochvormittag nach tagelangem Trommelfeuer seiner parteiinternen Gegner auf und kündigte seinen Rückzug an. Anschließend meldeten sich bei der ersten Sitzung der neuen CSU-Landtagsfraktion gleich vier Bewerber zu Wort. Der designierte CSU-Chef Horst Seehofer will als Reservekandidat antreten, wenn sich seine drei Konkurrenten aus der bayerischen Landespolitik nicht einigen können: Innenminister Joachim Herrmann, Landtagsfraktionschef Georg Schmid und Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Die Entscheidung soll bis zur nächsten Fraktionssitzung am Mittwoch kommender Woche fallen.

Beckstein trat zurück, weil er dem Druck des oberbayerischen CSU-Bezirksverbands nicht mehr standhielt. Die Spitze des größten und mächtigsten CSU-Bezirksverbands hatte Beckstein nach der verheerenden CSU-Niederlage bei der Landtagswahl ultimativ aufgefordert, schnell zurückzutreten. In der Nacht zum Mittwoch forderten auch die niederbayerischen CSU-Landtagsabgeordneten Beckstein zum Abdanken auf. Er spüre, dass der Rückhalt in der Partei "insgesamt nicht groß genug" sei, um als Ministerpräsident die bevorstehenden schwierigen Aufgaben erfolgreich bestehen zu können, sagte Beckstein in seiner kurzen Ankündigung.

So kommt es nun zu einem in der Geschichte der CSU beispiellosen Wettlauf um die Macht im Freistaat. In den kommenden Tagen wollen die zehn CSU-Bezirksverbände sich auf ihre jeweiligen Favoriten festlegen. Bisher hat nach Einschätzung aus der Fraktion keiner der vier eine Mehrheit hinter sich.

Die Auseinandersetzungen der vergangenen Tage haben tiefe Gräben aufgerissen. Der Druck auf Beckstein kam hauptsächlich aus Oberbayern, der Heimat des 2007 von Beckstein und Huber gestürzten Edmund Stoiber. Der "CSU-Ehrenspielführer" hat sich aktiv in die Auseinandersetzungen eingeschaltet und ließ nach der Sitzung eine Präferenz für Seehofer durchblicken. Es sei "eine strategische Frage", ob man mit einer starken Person an der Spitze besser für das Wahljahr 2009 aufgestellt sei. Viele fränkische Abgeordnete waren gegen einen Sturz Becksteins.

Seehofer respektiere den Vorrang der Bewerber aus der Landtagsfraktion, betonte Huber. "Ich bin bereit, das Ministerpräsidenten-Amt zu übernehmen, wenn es sonst niemanden gibt, der eine breite Mehrheit hinter sich versammelt", sagte Seehofer nach Teilnehmerangaben in der Sitzung.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich überzeugt, eine Mehrheit organisieren zu können. "Sonst würde ich nicht antreten", sagte er nach dem Ende der knapp fünfstündigen Aussprache. "Ich bin überzeugt, dass eine Doppelspitze besser ist für die weitere Entwicklung der CSU." In der Partei herrscht nun die Hoffnung, dass die CSU ihre Geschlossenheit wiederfindet, sobald der Machtkampf abgeschlossen ist und sich die Basis um eine neue Spitze scharen kann. Die CSU sei in einer "sehr ernsten Situation", sagte Huber. Landtagsfraktionschef Schmid - einer der vier Bewerber - sagte: "Wir sind der Meinung, dass man bei einer so wichtigen Entscheidung für die Fraktion, für die Partei, für dieses Land keine Ad-hoc- Entscheidung treffen soll."

Zwischenzeitlich war auch Europaminister Markus Söder als Bewerber im Gespräch. "Für mich ist es jetzt zu früh", sagte Söder anschließend. Oberstes Ziel müsse sein, die Kräfte zu bündeln. Viele Abgeordnete erwarten nicht, dass alle Bewerber bis zum kommenden Mittwoch durchhalten. "Ich bin nicht sicher, ob nächste Woche auch noch vier Kandidaten übrig sind", sagte der Niederbayer Helmut Brunner. Die Aussprache verlief nach Teilnehmerangaben zwar aufregend, aber sachlich. "Es sind keine Scherben zerbrochen", kommentierte Stoiber anschließend.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Taurusfunk (02.10.2008, 14:07 Uhr)
Könner?
Nun zeichnet sich auch bei den Christsozialen ein Mangel an Könnern und Köpfen ab.
Die angepasste Nachwuchsriege taucht ab mangels Könnens und Charakter.
stbarryhotter (02.10.2008, 03:40 Uhr)
Günther, das trojanisch-fränkische Pferd
Wir Franken haben es geschafft! Mit einem genialen Plan hat die Elite der lange Zeit unterdrückten nördlichen Bewohner Bayerns die Armee (CSU), der bei den fränkischen Stämmmen ungeliebten Herrscher und Besatzer Frankens erheblich geschwächt und der Bevölkerung des totalitären Gottesstaates im Süden der BRD damit die Chance gegeben, sich in Zukunft freier entwickeln und entfalten zu können.
Eines Tages wird es für jeden Bürger möglich sein, den Weisswurst-Äquator ohne Visum zu überqueren und dann werde ich meinen Kindern und Enkeln die Geschichte erzählen, von der Prinzessin Pauli, die den Tyrannen Stoiber mit List und Tücke stürzte, um dann den Magier Beckstein auf den bayerischen Thron zu hiefen, welcher dem Spuk mit den mafiösen Strukturen innerhalb der Münchener Einheitspartei in kürzester Zeit ein Ende machte, indem er das Machtinstrument der Gotteskrieger - die Partei - einfach zerstörte.
Was für Helden - einerseits diese taffe rothaarige Hexe, die vor Stärke strotzend dasteht wie kaum einer der männlichen Polit-Krieger und andererseits dieser grandiose Schauspieler Beckstein, welcher sich gatzend und stammelnd, ständig nach Formulierungen ringend, die ein bayrischer Lehrer in der Förderschule gerade noch so durchgehen lassen würde, einfach nur etwas dumm stellte (war ja an der Seite vom Herrn Huber ein recht schwieriges Unterfangen, wirklich toppen konnte er dessen geistigen Durchfall sowieso nie). Keines dieser Weizenbiergesichter in der Hauptstadt Minga hat es gespannt, bis es zu spät war. Nix mehr Absolutismus! Am Ende hat der fränkische Special Agent ein trauriges Gesicht gemacht und sich davongeschlichen - Super Taktik!
Das werde ich den beiden Superhelden niemals vergessen, daß ich mit 50 Jahren noch erleben durfte, wie meine Heimat befreit wird. Ein aufrichtiges DANKESCHÖN bzw. VERGELTS GOTT (obwohl, der wird jetzt ja endlich nicht mehr gebraucht) von Barry Hotter an das Helden-Duo, möge es tausendfach in Bronze gegossen werden und überfrauundmannsgroße Statuen sämtliche Marktplätze in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und natürlich auch in den unbedeutenderen Orten außerhalb der Metropolregion zieren, die Frau Pauli ist ja eh recht hübsch anzuschauen und der Günther macht doch auch was her, solange er nicht den Mund aufmacht.
Mule (01.10.2008, 20:09 Uhr)
Das System Strauß
Die CSU hätte jetzt die einmalige Chance, das System Strauß mit den immer noch vorhandenen Amigos zu beenden. Es wäre gut, wenn sie diese Chance nutzen würde!!
Ich persönlich schätze Gerhard Polt sehr und gönne ihm den Sessel des Ministerpräsidenten - dann gäb´s wenigstens mal wieder was zu lachen!
tricky_dude (01.10.2008, 20:02 Uhr)
Ois Schmarrn
Nemen wir Günter Grünwald, der ist zwar Kein CSU-Mitglied, redet aber genauso viel Scheißdreck wie die gesamte Kasperlpartei. Nur daß er des besser und professioneller kann.
guenni22 (01.10.2008, 18:46 Uhr)
Respekt
knilch_59
Sie analysieren messerscharf. Damit sind Sie als Kandidat nicht geeignet. Schade
Zucker_Hut (01.10.2008, 18:37 Uhr)
Georg Schmid her!!
Allein wegen seiner Antiraucher-Politik würde ich mich über Georg Schmid freuen!
paulmaz (01.10.2008, 18:13 Uhr)
Haifischbecken
Na sowas. Bei der Partei der christ-
lichen Nächstenliebe und Brüderlich-
keit geht es zu wie in einem Hai-
fischbecken, in dem kein Futter mehr
ist. Den Huber haben sie schon aufge-
fressen, vom Beckstein sind nur noch
die Gräten übrig, nur die Haderthauer
ist noch unversehrt. Die besteht nur
aus Gräten und Stacheln und ist un-
verdaulich. Wenn sich der Letzte vom
Schwanz her selbst aufgefressen hat,
bleibt nichts anderes übrig als den
alten Mann aus Rom nach Bayern zu
holen. Der kann den Freistaat dann
gesund beten.
knilch_59 (01.10.2008, 17:29 Uhr)
So schnell kann’s gehen!
Eben noch in einem geordneten Rudel mit definierter Machtstruktur, dann selbst das Alphatier (Stoiber) weggebissen, provisorisch die Hierarchien neu festgelegt, aber vom Gegner (dem Wähler) besiegt worden, schon irrt das ganze Rudel blöd im Kreis rum – Verhaltensforschung live und auf allen Kanälen!
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Es hat bisher die C-Parteien gegenüber der SPD ausgezeichnet, für Kontinuität zu stehen. Auch im Falle eines Rückschlags hatte man es immer geschafft, der Außenwelt ein besseres Bild als das des aufgescheuchten Hühnerhaufens zu vermitteln. Es gab nicht wenige Wähler, die das auch honoriert haben. Jetzt droht ein wichtiger psychologischer Garant des Erfolgs leichtfertig verspielt zu werden. Der CSU droht die SDPisierung, in der sich vermeintliche „Lager“ gegeneinander verschanzen und nur auf die nächste Gelegenheit zur Intrige warten. Was in der SPD die Seeheimer, Netzwerker und die Linken sind, drohen in der CSU die Bundespolitiker, Ober- und Niederbayern zu werden.
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Politischer Führer, egal ob CSU-Vorsitzender oder Ministerpräsident, wird man nur durch die Macht, die einem andere verleihen. Wenn die das nur scheinbar tun, sitzt man nur auf dem Posten, der zum Präsentierteller für die Heckenschützen aus den eigenen Reihen wird (Nur wer voll hinter einem steht, kann demjenigen so richtig das Messer ins Kreuz rammen). So erging es Beck in der Bundes-SPD, und das gleiche Schicksal droht dem nächsten MinPräs.
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Zurück zur Verhaltensforschung: Im Rudel hat sich eine polizentrische Führung in Krisenzeiten noch nie bewährt, da braucht es DAS Alphatier: Wer sollte das sein, wenn nicht Seehofer? Gerade jetzt würde ein Ministerpräsident „von Seehofers Gnaden“ derart geschwächt anfangen, dass sein Ende schon absehbar ist. Und man sollte es Seehofer auch gar nicht erlauben, sich die Rosinen rauszupicken. Entweder, er dreht in Bayern das ganz große Rad und macht beides, oder er bleibt in Berlin und gibt den Grüß-August für die Milchbauern!
DasBertl (01.10.2008, 16:39 Uhr)
Pauli 4 President
DAS wär mal ein Neuanfang... dumm nur das sie dafür in der falschen Partei ist. Nein mal ernsthaft. WEN haben die in der CSU denn der wirklich einen Neuanfang machen könnte? Seehofer? Der MACHT schon Bundespolitik seit den 1980ern also ein altes Eisen. Goppel? Die Witzfigur die nichtmal dem Huber Erwin das Wasser reichen könnte, was schon was heissen will?! Am ende vielleicht noch Markus Söder, dem Wasserträger für Edi? Ich lach mich schlapp. Dann nehmts doch gleich die Haderthauer die hat grad nicht all zu viel zu tun. Oder man nimmt jemanden aus der Jungen Union, die FW wollten ja schließlich "frischen Wind" ins Parlament bringen. Seht es ein Ihr habt niemanden. Die andern allerdings auch nicht. Naja Okay, wenn sich die anderen Parteien zusammenschließen würden könnte man ja den UDE fragen ob er MP werden will. Hm... oder man nimmt Olli Kahn "Da lach ich mich tot"
maindelfin (01.10.2008, 16:26 Uhr)
vom Regen in die Traufe
Es ist nach so einem Wahlergebnis nur logisch, dass auch Beckstein gehen muss. Auch wenn er besser war als ääääh äääh Edmund. Die Oberbayern mit den größten Verlusten haben halt jetzt die Chance gesehen, einen evangelischen Franken als Ministerpräsidenten endlich loszuwerden. Aber: Mit Seehofer kommt Bayern vom Regen in die Traufe!!! Machtgeiler Typ und Stur wie ein Esel, selbst wenn ihm bewiesen wird, dass er im Unrecht ist. Einmal eine Meinung - und basta! Er hat auch eine eindeutige Meinung zum Anbau mit Gentechnik. Kommt halt nur drauf an, wo er sich gerade aufhält. In Berlin ist er dafür. In Bayern dagegen. Goppel bringt sich als möglicher MP ins Gespräch. Einfach nur lachhaft!! Der Fasching beginnt erst am 11.11. Herr Goppel!!! Und dieser unsägliche Georg Schmid hat noch nicht einmal begriffen, dass er die Stimmenverluste mindestens zu einem Drittel mitverantwortet, durch das von ihm so sehr gewollte Rauchverbot!!!!
Drei wesentliche Gründe für die Wahlschlappe sind nämlich: 1. Finanzkatastrophe bei der LB etc.
2. Bildungssystem G8 und 3. das undurchdachte Rauchverbot.
Würden sich die Verantwortlichen mal in die Restaurants und Lokale bemühen oder auf der Straße einfach mal auf Gespräche der Leute achten, so würden sie schnell merken, ob ihre Politik richtig oder irgendwie falsch läuft. Der Denkzettel, den der Wähler der CSU verpasst hat, geht schon in Ordnung. Er muss aber außer dem Austausch der gesamten Führungsriege (also auch Hermann und Schmid) auch ein Umdenken in der politischen Arbeit bedeuten.
Neuanfang ja, aber nicht mit Seehofer und Konsorten.
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