Schwarz-Gelb will die Konjunktur stützen - und schenkt Hotelbesitzern eine Mehrwertsteuersenkung. Gilt die auch für Puffs? Und warum werden Babywindeln nicht billiger? Ein Gespräch mit CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.
CDU, CSU und FDP haben das im Koalitionsvertrag verankert, weil CSU und FDP dies im Wahlprogramm stehen hatten. Sie wollten im Bereich Mehrwertsteuer ein Signal setzen, in einem Bereich, der besonders unter Wettbewerbsdruck steht, nämlich im Hotelgewerbe. Was man im Wahlkampf verspricht, muss man halten.
Das müssen die Gastronomen entscheiden. Entweder geben sie die Steuersenkung weiter an ihre Kunden oder sie nutzen sie, um neue Investitionen zu finanzieren und dadurch Übernachtungen in den Hotels wieder attraktiver zu machen.
Sie können mit den neuen finanziellen Spielträumen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Dass sie dennoch nicht auf das niedrigere Preisniveau von osteuropäischen Nachbarländern gehen können, ist klar.
Wenn man solche Steuerregelungen macht, gibt es immer den einen oder anderen Fall, wo es vielleicht nicht notwendig wäre. Aber es findet schließlich auch ein Rückfluss an den Staat in Form von Steuern statt. Das muss man dagegen rechnen.
Es gibt kein politisches Projekt, bei dem nicht irgendwer irgendwas dagegen setzt. Aber durch das Dagegen sein, wird man noch lange nicht zum Experten. Wir müssen doch das Ganze sehen: Hier geht es um einen lohn- und arbeitsintensiven Bereich, der dringend entlastet werden musste. Wir haben viele Wachstumschancen im Hotelbereich, die müssen gefördert werden. Die fachlichen Wertungen waren da sehr einseitig.
Das kann ich mir nicht vorstellen. Die haben doch alle zugestimmt in den Ausschüssen und bereits vorher in den Wahlprogrammen. Die FDP-Finanzpolitiker riefen vor der Wahl besonders laut nach diesem Schritt. Und den Koalitionsvertrag haben sie auch alle abgesegnet.
Wir wollten die Sache so einfach wie möglich machen. Wer sich irgendwo einmietet, um zu übernachten, der zahlt nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer. Egal ob er auf einer weichen Hotelmatratze oder einer harten im Camper liegt. Die Dauercamper zahlen keine Übernachtung, sondern Miete, und dafür gibt es keinen Mehrwertsteuerrabatt.
Es gibt keinen Steuervorteil für Bordelle. Ich weiß nicht, woher dieses Gerücht kommt. Wenn ich es richtig weiß aus der Literatur, geht es dort in erster Linie nicht um die Übernachtung, sondern um Vergnügungen. Machen sie sich keine Sorge: Wir werden das nicht steuerlich erleichtern.
Wir werden das im Gesetz so sauber formulieren, dass diese Begünstigung nicht drinsteht.
Sie haben Recht. Die Steuersätze im Bereich der Mehrwertsteuer sind leider sehr unlogisch. Geplant ist seit langem, eine Gesamtrevision vorzunehmen.
Bei dieser Revision benötigt man ein erhebliches Entlastungspotential. Dafür fehlt derzeit das Geld. Deshalb sagen wir: Wo es am meisten drückt, wird entlastet wie in der Hotellerie. Das Windel-Problem können wir im Augenblick aus finanziellen Gründen über die Mehrwertsteuer nicht lösen, behalten es aber im Blick.
Das ist doch kein Problem. Wenn sie im Supermarkt einkaufen, bekommen sie es ebenfalls mit unterschiedlichen Sätzen der Mehrwertsteuer zu tun. Das stört doch die Kunden nicht.
Als neuer Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag habe ich derzeit wenig Zeit in den Bergen zu wandern. Leider! Wenn ich eine Bergbahn finde, rufe ich sie sofort an.
Die Bundesregierung kauft überhaupt nichts und niemand. Sie hat wie auch die Ministerpräsidenten ihre gesamtstaatliche Verantwortung...
...und daher muss dafür gesorgt werden, dass dieses Mehrwertsteuer-Entlastungsgesetz möglichst konsequent umgesetzt wird. Da stecken Wachstumsimpulse auch für Länder wie Schleswig-Holstein drin, die ihnen dann zugute kommen. Ministerpräsidenten sind als Mitglieder des Bundesrats Mitglieder eines Bundesorgans. Dort wird Politik für ganz Deutschland gemacht.
Das war zwar zu lesen, ich weiß aber nicht, ob er das gesagt hat. Ich bin sicher, am Ende wird auch Peter Harry Carstensen, ich kenne ihn sehr gut, seiner Verantwortung gerecht werden und der Bundesrepublik helfen, aus der Wirtschaftskrise heraus zu kommen.