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Seehofer sammelt Sex-Material über Parteifreunde

Der CSU-Schmutzkrieg um die Macht wird jetzt richtig dreckig. Er habe einige Briefe von ehemaligen Geliebten von CSU-Politikern, offenbarte Horst Seehofer dem stern. Seehofer, selber unter Druck wegen seiner Langzeit-Affäre, sagte drohend: "Ich weiß viel."

Von Hans-Peter Schütz

Seit heute weiß die CSU, dass der Machtkampf um den CSU-Vorsitz noch viel schmuddeliger werden könnte, als er bisher schon war. In den Mittelpunkt rückt die Frage: Wer hat Horst Seehofers Verhältnis mit seiner Berliner Geliebten Anette F. durchgestochen, die in wenigen Wochen ein Kind von ihm zur Welt bringen wird?

"Ich weiß, wer es war"

In der neuen Ausgabe des stern lässt sich Seehofer mit dem drohenden Satz zitieren: "Ich weiß, wer es war, und ich habe dafür gesorgt, dass er weiß, dass ich es weiß." Und der Agrarminister macht keinen Hehl daraus, dass ihm reichlich Briefe zugehen, in denen ihm von ehemaligen Geliebten von CSU-Politikern kompromittierendes Material angeboten wird.

"Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material", sagt er - und das klingt ziemlich drohend. Besuchern seines Büros hat er zum Beispiel den Brief einer jungen enttäuschten Frau, der ehemaligen Geliebten eines Parteifreundes, gezeigt, in dem ihm angeboten wird, ihn mit weiteren Details über das Liebesleben des Mannes zu versorgen, der die Seehofer-Affäre durchgestochen hat. Offensichtlich sammelt Seehofer aber nicht nur Material über den von ihm nicht namentlich genannten "Durchstecher" seiner eigenen Affäre, sondern auch über andere aus der CSU-Führung.

Seehofer will zu den Härtesten gehören

Der stern schreibt nach Gesprächen mit Seehofer: "Er sieht sich bestätigt in seinem von Erfahrung gesättigten Glauben, dass Politik im Grunde ein großes Ganovenstück ist, eine Welt von Halbverbrechern, in der nut die härtesten überleben. Und er will weiter zu den Härtesten gehören."

Seehofer erzählt weiter, noch heute habe er die entsetzten Blicke von Erwin Huber und Günther Beckstein in der internen Sitzung vor Augen, in der er erklärte, er werde den "Durchmarsch" für die ausgekungelte Neubesetzung von Regierungs- und Parteichef nicht akzeptieren. In der CSU, so Seehofer weiter, hätten einige versucht, ihn im Moment seiner "Handlungsunfähigkeit" auszutricksen wie einen Politlehrling der Jungen Union. Jetzt aber guckten sie blöd. "Der medizinische Ausdruck dafür wäre wohl: Schock", sagt Seehofer dem stern zufolge.

Erneut lässt Seehofer offen, in welcher Beziehung er zurzeit zu seiner Ehefrau steht. Keine Bestätigung gibt er dafür, dass ihr Auftreten bei der jüngsten Konferenz der EU-Agrarminister in Mainz ein Versöhungssignal sei, wie dies verschiedentlich in den Medien interpretiert wurde.

Über seine Beziehung zu seiner jungen Geliebten sagt Seehofer: "Das war keine Hallodri-Geschichte, das war was Ernsthaftes. Er selbst gibt sich ganz gelassen: "Ich habe nicht das Gefühl, in einem besonderen Stress oder in einer besonderen Ausnahmesituation zu sein." An der Basis begegneten ihm die Leute "ganz normal". Sogar der Bischof von Eichstätt, mit dem er vor einpaar Wochen bei einem offiziellen Anlass zusammen stand, habe ihn nicht auf die Affäre angesprochen.

In der CSU wird die neueste Phase im Kampf um den CSU-Vorsitz mit Entsetzen zur Kenntnis genommen. Dagegen seien, so heißt es, selbst die einstigen Eskapaden von Franz Josef Strauß "Kinkerlitzchen" gewesen. Bislang verfolgte man in der Münchner Staatskanzlei den Schmutzkrieg mit Gelassenheit. Die Umfragewerte der CSU, so wurde betont, lägen derzeit zwischen 54 und 56 Prozent. Dies sei im Vergleich zu den CDU-Werten ein hervorragendes Ergebnis. Dennoch hofft man, dass nicht noch weitere Zuspitzungen im Machtkampf erfolgen.

Huber hält sich zurück

Positiv wird in der CSU-Spitze bewertet, dass sich Huber bisher nicht provozieren ließ. Seehofers Konkurrent weilte diese Woche in Berlin zu Hintergrundgesprächen mit Journalisten. Dabei zeigte er sich davon überzeugt, dass er die Abstimmung auf dem CSU-Parteitag im Dezember gewinnen werde. Noch immer hat es den Anschein, dass Ministerpräsident Stoiber, wie ursprünglich einmal geplant, auf einen Nachfolger Seehofer hofft. Aber selbst aus der Staatskanzlei ist inzwischen der Satz zu hören: "Wir wagen keine Prognose mehr über den Ausgang."

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