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19. Juli 2008, 14:23 Uhr

"Mehr Netto für alle"

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein läutete auf dem CSU-Parteitag die heiße Phase des Wahlkampfs ein. Da durfen die üblichen Versprechen nicht fehlen: "Mehr Netto für alle, das geht neben der Konsolidierung des Haushalts", so Beckstein. Huber knöpfte sich derweil SPD-Vize Steinmeier vor.

Der CSU-Parteivorsitzende Erwin Huber (l.) und Ministerpräsident Günther Beckstein demonstrieren Einigkeit© Alexandra Beier/Reuters

Ministerpräsident Günther Beckstein schwor die CSU vor rund 1000 Delegierten auf die heiße Wahlkampfphase ein. Das Ziel seien 50 Prozent bei der Bayern-Wahl am 28. September "plus ein entscheidendes x, nicht eine Zitterpartie". Der Parteitag billigte das Wahlprogramm und damit das Steuerkonzept. Der bayerische Regierungschef erklärte sich und CSU-Chef Erwin Huber zum Traumduo: "Das ist eine traumhafte Zusammenarbeit, besser kann"s nicht werden." Die Zusammenarbeit werde weiter so gut bleiben, weil beide nur gemeinsam Erfolg hätten.

Beckstein forderte die CDU auf, das Steuerkonzept der CSU zu übernehmen. "Die Union ist gut beraten, der CSU nachzufolgen", sagte der Ministerpräsident zu Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU). Beckstein ging in seiner Rede nicht direkt auf die umstrittene Forderung nach einer Rückkehr zur Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer ein. Er sagte aber: "Mehr Netto für alle, das geht neben der Konsolidierung des Haushalts."

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel lehnt eine Rückkehr zur alten Pendlerpauschale derzeit ab. Sie warnt vor Steuerentlastung auf Pump und will zunächst ein Verfassungsgerichtsurteil abwarten. Merkel hatte der CSU am Freitag aber geschmeichelt und gesagt, das Steuerkonzept gehe in die richtige Richtung.

Huber greift Steinmeier an

CSU-Chef Erwin Huber hat Außenminister und SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier wegen seines Umgangs mit der Linkspartei scharf angegriffen. "Ich höre nichts von diesem Möchtegern-Kandidat, dass er sich beispielsweise wehrt gegen die Annäherung an die Linken", warf der bayerische Politiker dem Koalitionspartner vor. Die SPD will über ihren Kanzlerkandidaten erst nach der bayerischen Landtagswahl im Herbst entscheiden. Wegen der schlechten Umfragewerte für SPD-Chef Kurt Beck gilt es als wahrscheinlich, dass der weitaus beliebtere Außenminister Steinmeier ins Rennen gegen CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel geht. "Da erwarte ich von jemandem, der Kanzlerkandidat werden will, eine klare Aussage, wie man es hält mit den Kommunisten", sagte CSU-Parteichef Huber auf dem Parteitag in Nürnberg.

Huber sagte, die große Koalition habe im Bund zwar einige Erfolge erzielt. Seit dem Linksruck der Sozialdemokraten im Herbst vergangenen Jahres sei mit der SPD aber "keine berechenbare, keine belastbare, keine vernünftige Politik" mehr zu machen. "Mit dieser SPD ist kein Staat mehr zu machen." Die CSU werde alles daran setzen, dass die Union ab 2009 in Berlin ohne Sozialdemokraten weiterregieren könne.

Schwerpunkt Bildungspolitik

Die CSU sieht laut Beckstein Bildung als Schwerpunkt ihrer Politik: "Bayern ist Bildungsland Nummer eins (in Deutschland)." Die Kinder in Bayern seien besser ausgebildet als jedes andere Kind in Deutschland. "Erst wenn der letzte Sozi sagt, das kann nicht bestritten werden, sind wir an einem guten Ziel." Im Herbst sollten mehr als 2000 neue Lehrer eingestellt werden. Beckstein forderte erneut die Abschiebung gewalttätiger Ausländer und sprach außerdem von einer "Leitkultur". Er machte sich auch für eine gute ärztliche Versorgung auf dem Land und für EU-Hilfen an Milchbauern stark.

Heftig attackierte Beckstein SPD und Grüne. Seinem SPD- Herausforderer Franz Maget warf er Großsprecherei vor, einer schwarz- grünen Zusammenarbeit erteilte er eine Absage. Anti-autoritäre Erziehung, die Einführung islamischer Feiertage und "Multikulti" seien "Geschwafel" der Grünen. Vor Beginn seiner Rede bekräftigte er den Anspruch der CSU, auch in Zukunft allein regieren zu wollen. Wenn es irgendeine beliebige Koalition gebe, "dann wäre der Einfluss von Bayern schnell auf das Maß eines normalen Bindestrich-Landes heruntergesunken".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
nightmare_online (22.07.2008, 09:03 Uhr)
Münchhausen-Syndrom
CDU und CSU haben bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD in 2005 noch gefordert, die Pendlerpauschale komplett abzuschaffen. Die CSU hat noch im Juni gegen einen Antrag der FDP im Bundestag gestimmt, der die Wiedereinführung der Pauschale ab dem ersten km forderte.
Die Kerls sind so glaubwürdig wie Baron Münchhausen. Irgendwie scheint mir, wäre eine BILD-Kampagne angemessen. Genau wie in Hessen. Nur wäre niemand mehr verwundert wie ich, wenn diese Kampagne käme. Warum wohl?
ecomoc4u (21.07.2008, 23:25 Uhr)
normalerweise sind alte und unterbelichtet
menschen eher konservativ. und wenn eine bayrische partei, diebisch, auf dem niveau von drückerkolonnen um stimmen wirbt, zeigt dieses auch den einfluss der katholiken, deren haupt hobby, sündenerlass gegen bargeld war und ist.
PEFRA (21.07.2008, 10:19 Uhr)
Organisiertes Versprechen
Viele glauben am Ende ihre Lügen selber, wenn sie sie nur oft genug wiederholt haben. Gar nichts wird besser, im Gegenteil, die hohen Herrschaften leben doch wie die Maden im Speck. Die Wahlversprechen von heute sind die Steuern von morgen.
Die Meisten kämpfen doch verbissen auf verlogenem Posten.
Noch nie war man der Politik hier in Deutschland so überdrüssig. Man kann nur hoffen, dass sich viele Wähler 2009 endlich einmal nur ein bischen mit Politik beschäftigen, als sich immer nur "Vera am Nachmittag" anzuschauen.
fladdy36 (21.07.2008, 00:50 Uhr)
hallo??? wahl in Bayern
ist doch keine bundestagswahl.... das was hier im artikel beschrieben wurde, was die csu alles so machen will, ist alles bundespolitik und hat mit landtagswahlen aber null komma gar nix zu tun. klar mehr netto für alle klingt als wahlwerbung gut: wenn es denn durch eine mehrheit im BUNDESTAG durchgehen könnte.... die jungs machen wahlkampf für BAYERN und sonst nix! alles nur leeres geschwafel... aber das kennt man ja auch aus berlin :-X
SethusCalvisius (20.07.2008, 21:42 Uhr)
Gerechtigkeit
Auch wenn die Forderung der CSU nach Wiedereinführung der Pendlerpauschale eng mit dem Wahlkampf zusammenhängt, ist sie doch im Kern richtig. Solange Gut- und Besserverdiener mit subventionierten Dienstwagen durch die Gegend fahren, ist nicht einzusehen, warum der einfache Arbeiter seine Fahrt zur Arbeit komplett selbst bezahlen muss. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und nicht abhängig von einem noch ausstehenden Urteil.
Ermatrans (20.07.2008, 13:30 Uhr)
"Mehr Netto für alle" ist reine Heuchelei
Beckstein und Huber geht es keinesfalls um das Wohler der Bürger, sondern um den Erhalt ihrer erputschten Pöstchen und der CSU um den Erhalt der absoluten Mehrheit. Dazu will die CSU ganz grundsätzlich will die CSU unter dem Deckmantel "Steuerkonzept" die kinderfreundlichen Spendablen und Steuersenker vortäuschen und wenn irgendmöglich dabei die Anwälte des kleinen Mannes vorheucheln, wobei der Heuchelei-Pegel bis zur Landtagswahl immer weiter aufgedreht werden soll. Um die Anwälte des kleinen Mannes möglichs intensiv vorheucheln zu können, wird mit weit aufgerissenem Munde in der Regel der politische Gegner öffentlich als Behinderer bzw. Verhinderer von volksnaher Politik angeklagt.
Die CSU hat selbst maßgeblich und hier insbesondere Huber, die alte Pendlerpauschale mit abgeschafft. Es geht der CSU jetzt auch keinesfalls um die Wiedereinführung, sondern lediglich um das tägliche Vorheucheln der Anwälte des kleinen Mannes damit. Was mit der Pendletpauschale passiert, hängt auch überhaupt nicht von der Heuchelei der cSU ab, sondern zunächst rein vom Urteil und Begründung des Bundesverfassungsgerichtes. Wird die jetzige Regelung als verfassungswidrig beurteilt, müssen die Finanzämter die Pendlerpauschale sowoeso nach der alten Regelung, also ab dem 1. km, weiter bezahlen. Im anderen Fall, also bei nicht vorliegender Verfassungswidrigkeit, kann die Politik eine Ersatzlösung bestimmen oder alles so lassen, wie es jetzt ist. Es ist aber völlig unsinnig, wie von der schwerstverheuchelten CSU gefordert, bereits vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes eine Änderung vorzunehmen.
Man muss wissen: Es gibt nur eine Partei, die sich durch das Vorheucheln der Anwälte des kleinen Mannes befriedigt und das ist die CSU.
knilch_59 (20.07.2008, 00:48 Uhr)
@gmathol - Du nervst!
Hör endlich auf mit dieser blödsinnigen Behauptung von wegen über 50% der Haushaltes / der Steuereinnahmen seien für Militärausgaben, pder liefere einen Beleg.
.
Diese idiotischen Verschwörungstheorien kommen wohl daher, dasd Du Deine Socken kiffst - schnapp Dir praech_the_the_gospel und german_by_nature und wandert aus!
gmathol (19.07.2008, 23:54 Uhr)
Leicht zu verwirklichen!
Rueckfuehrung des ausuefernden Militaerhaushaltes von derzeit 53% des Steueraufkommens auf ein gesundes Mass von 3%.
Abschaffung der Wehrpflicht. Neuschaffung einer Berufsarmee nur dann wenn in einem Referendum 99% der Bundesbuerger dafuer stimmen und damit auch wieder zur Kasse gebeten werden muessen.
Wie wird es enden: die Bequemen werden wieder mal fuer die "Real-Polit-Clowns" stimmen und hoffen das sie die Armut diesmal wieder nicht erwischt.
ukiduki (19.07.2008, 23:03 Uhr)
ist doch egal...
... was hier im forum gelabert wird. entscheiden tun die wähler und die sind in der masse dumm und leicht steuerbar und mögen sogar das merkel. das will uns der stern zumindestens beibringen (oder -biegen). es können doch noch erinnerungen an alte schandtaten aufgefrischt werden, im moment der wahl ist es egal.
knilch_59 (19.07.2008, 22:26 Uhr)
Dummschwätzer
Mehr Netto für alle = mehr Schulden für die nächste Generation. Wenn diese unerträglichen Heuchler aus der CSU sich nicht auf Kosten anderer profilieren wollten, dann könnten sie bei sich zu Hause anfangen. Man könnte ja z.B. die Landessteuern senken, um mehr Netto für alle zu schaffen: Grundsteuer halbieren oder abschaffen entlastet unmittelbar alle, die in Bayern wohnen und wäre ganz einfach durchzusetzen. Um den ach so arg gebeutelten bayrischen Autofahrer auf seinem langen und entbehrungsreichen Weg auf die Arbeit finanziell zu entlasten, könnte man – aus Landesmitteln – einen Teil der Kfz-Steuer zurückerstatten, schließlich fließt die Steuer ja auch dem Bundesland zu. Oder man könnte die Lernmittelfreiheit einführen, oder …. Aber was machen diese widerlichen Festzeltakrobaten: Lügen, von der eigenen Unfähigkeit ablenken, diffamieren – Huber und Beckstein ist jedes legale und illegale Mittel recht, um an der Macht zu bleiben. Die absolute Herrschaft der CSU ist überlebensnotwendig! So, wie von München aus die Demokratie mit Füßen getreten wird, muss man Angst davor haben, in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss einmal nicht die Mehrheit zu haben. Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn die Aneinanderreihung von Fehlversagen tatsächlich „amtlich festgestellt“ wäre.
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