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14. Oktober 2009, 19:20 Uhr

Der Koalitionsvertrag ist Seehofers Schicksal

Was hat Horst Seehofer getönt vor der Wahl - doch dann kam das Wahldebakel der CSU. Nun muss er sich in den Koalitionsverhandlungen selbst retten. Denn in seiner Partei scharren einige schon mit den Hufen. Von Gabriele Rettner-Halder und Hans Peter Schütz

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Angeschlagen: CSU-Chef Horst Seehofer bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin© Axel Schmidt/DDP

Das gab es noch nie in der Berliner Polit-Szene. Dass ein CSU-Ortsvorsitzender in aller Munde ist. Keiner weiß, wie er heißt. Niemand weiß, wo sein Dorf Wieseth genau liegt. Irgendwo in Mittelfranken, irgendwo zwischen Lölldorf und Forndorf.

Aber alle rund um die Tische, an denen der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP derzeit ausgehandelt wird, wissen, was der CSU-Ortsvorsitzende Kurt Taubmann dem CSU-Chef Horst Seehofer dieser Tage geschrieben hat: "Sie dürfen mich beim Wort nehmen", habe Seehofer vor CSU-Funktionären im November vergangenen Jahres gesagt, "und daran messen: wenn ich ein schlechteres Ergebnis erziele als Herr Beckstein bei der Landtagswahl 2008 hatte, so werde ich als Parteivorsitzender und als Ministerpräsident zurücktreten."

Genau das war der Fall. Beckstein hatte 43,4 Prozent geholt, Seehofer rutschte bei der Bundestagswahl noch tiefer - 42,5 Prozent. Eine Blamage für den CSU-Chef.

Noch ein weiteres Papierstück kursiert. Darin steht, die CSU werde "ihre überproportionierte bundespolitische Bedeutung komplett einbüßen. Die CSU wird zu einer Regionalpartei werden." Die CSU erlebe derzeit eine "tiefe Demütigung" und hänge am Gängelband des Guido Westerwelle. Das hat Philipp Wolff Christoph Freiherr von Brandenstein nach der Bundestagswahl geschrieben. Mit Sicherheit ein CSU-Kenner, denn er war einst enger Mitarbeiter des neuen CSU-Stars Karl-Theodor zu Guttenberg und strategischer Berater in der CSU-Landesleitung in München. Er wurde gefeuert, als herauskam, dass er als 16-Jähriger auf einer Party einst den Hitlergruß gezeigt hatte. Als CSU-Kenner gilt er dennoch weiterhin.

Bayerische Ränke

Zwei Schriftstücke, über die gerne geplaudert wird, wenn die Koalitionäre zur menschlichen Erleichterung eilen oder sich beim politischen Plädoyer der anderen Seite langweilen. Wie angeschlagen ist Seehofer? Droht ihm ein Machtkampf mit zu Guttenberg, den der "Spiegel" zum Wochenanfang mit dem griffigen Titel "Adel vernichtet" verkauft hat? Stimmt es, wie andernorts spekuliert wird, dass Bayerns Umweltminister Markus Söder sich mit dem von ihm einst befeindeten CSU-Bundeswirtschaftsminister verbündet habe, um Seehofer zu kippen?

Verabredet sei, dass Söder CSU-Ministerpräsident wird, zu Guttenberg CSU-Parteichef. CSU-intern wird das massiv bestritten. Dafür aber wird der Spott gerne zitiert, den Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos seinem Intimfeind serviert hat: Seehofer müsse gut aufpassen, dass die Zahl derer nicht zunehme, "die an seinen außerirdischen Fähigkeiten zweifeln".

Alarmstimmung beim Thema Grippe

Weitergeflüstert wird auch der Satz "Seehofer sieht aus wie mit Medikamenten gedopt - ist er wieder krank?" Hintergrund: Am vergangenen Samstag war Seehofer als Festredner auf dem 67. Bayerischen Ärztetag in Ingolstadt angekündigt gewesen. Kurzfristig kippte er den Termin, per SMS. Die Ärzte, die gekommen waren, um näheres über die Koalitionsgespräche in Sachen Gesundheitsfonds zu erfahren, reagierten mit höhnischem "Oooh." Als es später hieß, der CSU-Chef sei sehr wohl beim Arzt gewesen, aber bei seinem eigenen, und der habe ihm wegen einer Grippe Bettruhe verordnet, kam erst recht Alarmstimmung auf. Die schwere Herzmuskelerkrankung, an der er vor Jahren fast gestorben wäre, hatte Seehofer wegen einer verschleppten Grippe heimgesucht.

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