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5. Mai 2008, 07:40 Uhr

Gegenwind aus Berlin lässt Bayern kalt

Für das 28 Milliarden Euro schwere Steuersenkungskonzept der CSU hagelt es aus der SPD Kritik. Sie spricht von "populistischen Forderungen". Und selbst die CDU ist skeptisch. Doch die CSU-Spitze zeigt sich optimistisch, mit der Schwesterpartei eine gemeinsame Linie zu finden.

Verteidigen ihr Steuerkonzept als notwendige Entlastung: Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (l., CSU) und sein Finanzminister, CSU-Chef Erwin Huber© Tobias Hase/DPA

Trotz heftigen Gegenwinds aus Berlin rechnet die CSU-Spitze mit einem Erfolg ihres milliardenschweres Konzepts zur Steuersenkung. Parteichef Erwin Huber und seine Vorstandskollegen betonten einmütig, die geforderte Entlastung der Bürger um 28 Milliarden Euro werde die Konsolidierung der Staatsfinanzen nicht gefährden. "Wir bremsen den Marsch in den Steuerstaat", sagte Huber vor der CSU-Vorstandssitzung in München.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, glauben, die CDU werde sich dem CSU-Vorschlag annähern. Das geplante CDU-Konzept werde mit den CSU-Vorstellungen "weitgehend kompatibel" sein, sagte Beckstein. "Die CDU wird positiv reagieren", betonte Ramsauer. Huber sagte, bis 2012 würden die Steuereinnahmen nach Expertenmeinung um 100 Milliarden Euro wachsen. Davon wolle die CSU den Bürgern ein Drittel zurückgeben. "Das ist soziale Steuerpolitik." CSU-Vize Horst Seehofer sagte: "Hauptprofiteur des Wirtschaftswachstums ist der Staat." Es sei "überfällig", den Bürgern einen Teil wieder zurückzugeben.

Die CSU will Bürger und mittelständische Unternehmen von 2009 an in drei Stufen steuerlich entlasten. So soll die alte Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an wieder eingeführt, der steuerliche Grundfreibetrag für Eltern und Kinder deutlich erhöht und der Mindeststeuersatz von 15 auf 12 Prozent gesenkt werden. Das Konzept enthält keine konkrete Gegenfinanzierung durch Ausgabenkürzungen. Es setzt vielmehr auf steigende Steuereinnahmen, aus denen auch die Verbesserungen für die Bürger bezahlt werden sollen.

SPD kritisiert "populistische Forderungen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatten angesichts der schwierigen Haushaltslage für 2009 und des geplanten Abbaus der Neuverschuldung Steuersenkungen bereits früher abgelehnt. Steinbrück rief die CSU deshalb auf, wieder zum Konsolidierungskurs von SPD und CDU zurückzukehren. "Die CSU verspricht den Menschen diese Reform nur, um ihre schlechten Umfragewerte zu verbessern", kritisierte der Bundesfinanzminister in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Nicht einmal die bayerischen Kassen seien so gefüllt, um das bezahlen zu können. Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider warf der CSU vor, sie gefährde mit ihren "populistischen Forderungen" die große Koalition.

Auf große Skepsis stößt das Konzept auch in der Schwesterpartei CDU. "Nach meiner Einschätzung dürfen wir den Weg von Haushaltskonsolidierung nicht verlassen", sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Steuermehreinnahmen müssten in den kommenden Jahren dazu dienen, alte Schulden abzubauen. Ähnlich äußerte sich auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU): "Erst muss der Weg aus der Schuldenfalle unumkehrbar erreicht sein, dann kann man über Programme zur Steuersenkung reden", sagte er der "SZ". Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) zeigte sich offen, verwies aber auf die Kosten: "Ich denke, dass die CDU/CSU beide für eine Politik aus einem Guss stehen. Dazu interessiert mich vor allem auch die Finanzierung." Die CDU müsse sich bis zur Bundestagswahl 2009 darauf konzentrieren, den Spitzensteuersatz unter 40 Prozent zu senken und Sozialbeiträge unter 40 Prozent zu halten.

Haderthauer wettet auf Umsetzung

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer zeigte sich trotz Kritik aus SPD und CDU überzeugt, dass das Steuerkonzept ihrer Partei umgesetzt wird. Da würde sie "jede Menge wetten", sagte Haderthauer im ZDF-Morgenmagazin und betonte: "Wir müssen insgesamt entlasten und nicht immer auf Kosten einer anderen Gruppe." Und genau dies sei auch der Charme des CSU-Plans, der voll im Trend der Zeit liege. Von den Konsolidierungserfolgen der letzten Zeit müsse den Bürgern auch ein Teil wieder zurückgegeben werden, betonte Haderthauer. Die Kritik der Schwesterpartei wies sie zurück: "Wir sind eine eigenständige Partei." Und auch die CDU wolle schließlich ein Konzept mit den gleichen Zielen vorlegen, nämlich vor allem die Arbeitnehmer, die Mittelschicht und die Familien entlasten.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, begrüßte die CSU-Pläne dagegen. "Vom Volumen her ist das CSU-Konzept ein erster richtiger Schritt, er wird auf Dauer jedoch nicht ausreichen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Ihm fehle eine Maßnahme gegen heimliche Steuererhöhungen durch die kalte Progression. "Der Steuertarif sollte auf Räder gestellt werden, damit er sich automatisch an die Einkommens- und Inflationsentwicklung anpasst." Auch die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale sei richtig. Däke wies auf die steigenden Steuereinnahmen des Staates hin und sagte: "Die Entlastungen sind finanzierbar, ohne das Ziel der Haushaltskonsolidierung aus den Augen zu verlieren."

Auch Alt-Bundespräsident Roman Herzog sprach sich für Steuersenkungen aus. "Der Staat sollte den Menschen mehr Netto vom Brutto geben", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Entlastungen bei der Lohnsteuer seien zugleich ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Altersarmut.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Gore (05.05.2008, 13:13 Uhr)
Sparen
wir sparen uns die hälfte der Mitglieder des Bundestages deren Abfindungen u. Pensionen und das Geld ist gegenfinanziert !
seelenflieger (05.05.2008, 11:40 Uhr)
CSU-Tohuwabohu
Hallo, ich bin es noch einmal! Wie kann man nur so blauäugig sein! Die CSU will ohne Gegenfinanzierung (!) eine Steuersenkungsrunde einläuten und zwar mit Hilfe eines prognostizierten (!) höheren Steueraufkommens in den kommenden Jahren. Hallo? Bereits seit 2005 ist das Steueraufkommen sukzessive jedes Jahr gestiegen - und noch immer können wir in Deutschland nur von einem soliden (!) ausgeglichenen Haushalt träumen, von Steuersenkungen keine Rede. Vielleicht sollten die CSU-Häuptlinge mal eine Vorlesung zur Einführung in die Volkswirtschaftslehre besuchen und sich über den sog. 'Konjunkturzyklus' informieren.
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Deshalb meine Prognose: Das CSU-Tohuwabohu zeigt Erfolg bei den Bauern (im übertragenen Sinne jetzt gemeint), die CSU kann wieder die absolute Mehrheit für sich in Bayern gewinnen, die Reform- und Konzeptlosigkeit in Bayern/Deutschland geht weiter, nächstes bzw. übernächstes Jahr treten wir dann konsequenterweise in eine Phase des Abschwungs ein, und dann heißt es "tut uns Leid, aber in dieser Rezession können wir natürlich nicht die Steuern senken". Inzwischen hat die CSU aber doch klammheimlich einige Gegenfinanzierungsmaßnahmen installiert, die natürlich weiter bestehen bleiben werden. Und somit steht der Bürger dann noch schlechter da als vorher. So, meine Herrschaften, sieht CSU/CDU-Politik aus!
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Bitte, lasst mich glauben, dass Menschen klüger werden. Bei Kohl hat es doch auch geklappt. Seinem Wahlkampfslogan "der Umschwung ist da" hat doch 1998 auch niemand mehr geglaubt. Und was ist eigentlich aus der Ausländer-Gewalt-Debatte in Hessen nach der Wahl geworden? Kräht da noch irgendein Hahn danach? Es ist reines Tohuwabohu, was die CSU dieser Tage betreibt!
flashback02 (05.05.2008, 11:35 Uhr)
Jetzt läuft die CSU der Linken hinterher...
...und schleimt sich beim dummen Michel kurz vor der Wahl mal so richtig ein. Keine Rede von Neuverschuldung, Gegenfinanzierung oder billigem Populismus. Ach und scheinbar denken tatsächlich einige vollkommen Gutgläubige, die Zeche zahlen Superreiche oder die Wirtschaft. Bei soviel Dummheit wundert mich wirklich überhaupt nichts mehr...
nightmare_online (05.05.2008, 11:15 Uhr)
Na da können wir ja froh sein ...
das nicht die Linke, oder gar Lafontaine selbst diesen vorschlag gemacht haben. Sonst hätten wir uns wieder wochenlang Politiker aller Couleur anhören müssen, die den "Populismus", den "Marsch in den Schuldenstaat", die "fehlende Solidität" etc. pp. des Vorschlages geisseln.
Wochenlang hätte uns die Springer-Presse mit Interviews der Herren Sinn, Hundt etc. beglückt, die den Untergang des Vaterlandes an die Wand malen, wenn der Vorschlag Realität würde.
So ist es dann - ungeachtet völlig fehlender Gegenfinanzierung - ein begrüßenswerter Vorschlag (Däke), Herzog, der sich vor wenigen Tagen noch - Stichwort Rentnerdemokratie - um Kopf und Kragen geredet hat, ist ebenfalls dafür.
Da haben wir nochmal richtig Glück gehabt ...
Dusty_Crossing (05.05.2008, 10:34 Uhr)
Schuldenabbau mag ja notwendig sein
Ich sehe allerdings nicht ein, warum ich als Durchschnittsverbraucher ohne besondere Reichtümer derjenige sein soll, der die Zeche bezahlt. Die Top-Verdiener bekommen den Hals nicht voll genug und sacken immer mehr ein. Da finde ich das Angebot der CSU gerade richtig, dass auch die Mitte der Gesellschaft wieder etwas entlastet werden soll. Insofern kann ich die Pläne zur Steuersenkung nur unterstützen!
kaisergarten (05.05.2008, 10:25 Uhr)
Steuergeschenk… oder ein MUSS?
Gestern haben sich noch ach so viele über die McKinsey Studie und die kommende Verarmung der Mittelschicht aufgeregt. Die Medien selbst heizen immer gerne Klassenkampfrethorik und ähnliches an. Wenn die PDS (oder Linkspartei) das Paradies auf Erden verspricht wird nie über die Unfinanzierbarkeit dieser Pläne gesprochen. Es ist Fakt, dass die derzeitige Pendlerpauschale verfassungswidrig ist und angepasst werden muss. Es ist auch Fakt, dass die Mittelschicht alles (das Überleben der Unter-, wie die Bequemlichkeiten der Oberschicht) in Deutschland finanziert. Die Rentenerhöhung kostet uns in Zukunft viel mehr, ist aber schon kein Thema mehr. Klar ist die Steuersenkung Wahlkampf – aber was ist bei unserer Politik nicht Wahlkampf? Wir haben derzeit Steuerüberschüsse, aber wo wird das Geld den reingesteckt? In Bildung oder gar Schuldenabbau? Wenn es so wäre SUPER. Statt dessen wird Geld verschwendet (Sinnlose Infrastrukturprojekte im Osten, Marine vor der israelischen Küste um den Waffenschmuggel der Hamas zu unterbinden (????), etc., etc….). Ich finde Medien und Politik sollten sich schon fragen ob der Bürger nicht von dieser abormalen Steuerlast befreit werden kann. Vergesst nicht, nächstes Jahr steigen die Krankenkassenbeiträge im Schnitt um 2% (Auf 15% für alle, nach oben aber nicht begrenzt). Klar ist das ein populistischer Vorschlag – trotzdem ist Steuersenkung doch allgemeiner Wählerwunsch. Steuersenkung auf Kosten von Verschuldung ist falsch, aber auf Kosten von Einstellung sinnloser Projekte ja. Außerdem ist eines eh klar, wenn in spätestens zwei Jahren die Konjunkturflaute Deutschland erreicht, ist es eh wieder Zeit für eine Steuererhöhung.
Hannes73 (05.05.2008, 09:53 Uhr)
Es geht tatsächlich!
Es geht tatsächlich! Natürlich dürfen die Staatsschulden nicht weiter anwachsen, aber die jährlich zunehmenden Steuereinnahmen lassen auch ohne eine weitere Staatsverschuldung so eine Steuersenkung zu.
Wir Bürger sollten nicht ständig die Argumente unserer Regierungen und der vermeintlich so klugen Medien kritiklos übernehmen, auch wenn sie oberflächlich betrachtet richtig zu sein scheinen. Wenn wir dem Staat die ständig steigenden Steuereinnahmen kritiklos überlassen, dann wird er nie zur Sparsamkeit gelangen. Er wird ständig neue und weltweite Finanzierungs-Aufgaben finden, und so wird letztlich unsere eigene Leistungsfähigkeit immer schwächer.
Es muss mehr Geld beim Bürger bleiben damit er seine Leistungskraft und die Verwirklichung seiner Ideen auch verwirklichen kann. Am Ende wird das dann auch wieder die Steuereinnahmen des Staates fördern. Eine stark geschröpfte Gesellschaft hingegen wird am Ende vor lauter Schwäche kaum noch Werte und Ideen produzieren, und auf dem Wege dorthin sind wir bei der jetztigen Steuerpolitik schon.
seelenflieger (05.05.2008, 09:29 Uhr)
Richtige Antworten
Wenn die CSU jetzt kurz vor der Wahl die Steuern senken möchte, dann stellt sich die Frage, wer denn in den letzten Jahren massiv die Steuern und Abgaben erhöht hat. Richtige Antwort: die CSU. Und wem haben die Mehrbelastungen durch Büchergeld (wieder abgeschafft), G8 (Überforderung der Schüler), Studiengebühren und MwSt-Erhöhung (auf Bundesebene) besonders belastet? Richtige Antwort: jungen Menschen und Familien. Wer bis heute noch nicht begriffen hat, dass die CSU kein tragfähiges Konzept für die Zukunft Bayerns hat und die jetzt versprochenen Steuersenkungen nach der Wahl auf irgendeine andere Weise (hmm, wer ist besonders im Visier dieser Partei? Richtige Antwort: junge Menschen und Familien) wieder hereingeholt werden (müssen), dem ist beileibe nicht mehr zu helfen. Und falls jetzt jemand noch glaubt, dass die CSU ein Fels in Brandung wäre in Sachen Pendlerpauschale, dem sei gesagt, dass die Gerichte im Begriff sind die augenblickliche Regelung sowieso zu kippen. Und wer hat die Pendlerpauschale in der heutigen Form eingeführt? Richtige Antwort: ...
-Dagegen- (05.05.2008, 09:23 Uhr)
Richtiger Schritt!
Ich bin wahrlich kein CSU-Fan,- aber es kann nicht länger angehen, daß allein der Normalbürger hier die Zeche bezahlt während den Superreichen und Unternehmen Milliarden geschenkt werden.
whismerh2 (05.05.2008, 09:16 Uhr)
Bleibe skeptisch
Erstens will ich ja mal anmerken
wie es überhaupt ein Kritik seitens der Herrn Steugelderverschwender und Verprasser überhaupt geben kann.
Sich selber immer schön die Taschen vollmachen und den Mittelstand mit
immer mehr und unnötigen Belastungen systematisch ausbluten lassen.
Zweitens da die CSU sich momentan
in Sachen Umfragewerten auf Höhenflug befinden, ich diesen Freibiergesichtern eh nichts glaube, halte ich das wie üblich für plumpe
Wahlkampftatik.
Ich geben meinem Vorrdenern Recht
das wir Schulden abbauen sollten, anstatt uns ewig nur mit Zinsen zu belasten.
Aber dann bitte alle, und nicht wieder nur die brave Mittelschicht
un der Rest Eierschaukler&co macht sich einen feinen Lenz.
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