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2. Oktober 2008, 13:43 Uhr

Stoibers Handlanger

Nach seinem Sturz habe Edmund Stoiber der "blanke Hass" auf seine Nachfolger getrieben, sagt ein intimer Kenner der CSU. Aber alleine hätte er Beckstein und Huber nicht stürzen können. Es ging nur, weil der neue designierte Vorsitzende Horst Seehofer die Intrige meisterhaft mitspielte. Eine Analyse von Hans Peter Schütz

Träumte schon lange vom CSU-Vorsitz: Horst Seehofer© Johannes Simon/Getty Images

Die Schuldzuweisungen sind eindeutig. Edmund Stoibers Drahtzieherrolle im CSU-Chaos sei "diabolisch" gewesen. Einen blindwütigen Rachfeldzug gegen seine Nachfolger Günther Beckstein und Erwin Huber habe er inszeniert. "Der einzige Schuldige an dem Desaster", schimpft Gerold Tandler, einst enger Weggefährte Stoibers in der CSU.

Was viele bei dieser rigorosen Schuldzuweisung verdrängen, die jetzt in der CSU über Stoiber als den "Mephisto aus Wolfratshausen" herziehen: Ohne den Handlanger Horst Seehofer wäre Stoibers Rachfeldzug gegen das Duo Huber/Beckstein nie möglich gewesen. Er war Mittäter, letztlich sogar der bessere Intrigant als Stoiber.

Seehofers Traumjob

Seit langem wollte Seehofer seinen Traumjob erobern, den CSU-Vorsitz. Als Stoiber Anfang 2007 in die Krise geriet, sah er das mit Wohlgefallen, wie ein intimer Kenner der obersten CSU-Führung schildert. Seehofer sei klar gewesen, dass er selbst den Sprung an die Spitze nicht schaffen würde, so lange Stoiber CSU-Chef und Ministerpräsident war. Bliebe Stoiber im Amt, würde er bald zu alt für dessen Nachfolge sein. Also ließ Seehofer Günther Beckstein und Erwin Huber entzückt gewähren, als die den Sturz Stoibers im Wildbad Kreuth betrieben. Sich selbst positionierte er dezent als Verteidiger Stoibers und zeigte bedenkliche Miene zu den Aktionen von Huber und Beck. Sein heimliches Kalkül: Wenn Stoiber endlich weg ist, werde ich den Sprung an die CSU-Spitze an Huber vorbei schon schaffen. Schließlich schätze ihn die CSU-Basis sehr als den besten Stellvertreter Stoibers und den ungleich brillanteren Redner.

Kaum hatten Huber und Beckstein Stoiber erledigt, betrieb Seehofer in der Kulisse die Intrige gegen sie. Stoiber gegenüber ließ er Entsetzen erkennen, wie dessen Sturz hemmungslos schnell vollzogen worden sei. Die neue CSU-Spitze soll er als Pygmäen geschäht haben, die viel zu alt sind, und als Provinzpolitiker, denen jede Statur fürs entscheidende politische Geschäft in Berlin fehle. Damals auch schon 58 Jahre alt, vertrat er in den Monaten vor der Neuwahl des CSU-Vorsitzenden im Herbst 2007 den Standpunkt, Huber und Beckstein könnten schon wegen ihres Alters kein Team für die Zukunft sein. "Die können es doch einfach nicht," lästerte er immer wieder. Schon gar nicht seien sie der Strategie Angela Merkels gewachsen. Die wolle die CSU doch zur Regionalpartei erniedrigen.

"Der glatte Hass"

Seehofers Pech war, dass er zum falschen Zeitpunkt von der Affäre um seine außereheliche Beziehung erwischt wurde, die auch dazu beitrug, dass er die Kampfabstimmung um den CSU-Vorsitz gegen Huber klar verlor. Danach verbündete er sich offen ganz eng mit Stoiber, versöhnte sich mit seinem bisherigen Intimfeind Markus Söder, der Stoibers engster Mitarbeiter als CSU-Generalsekretär gewesen war. Den zum CSU-Ehrenvorsitzenden abgeschobenen Stoiber trieb zu diesem Zeitpunkt "endgültig der blanke Hass um auf die beiden, die ihn gestürzt hatten", wie ein Kenner der Intrige die Situation in den Monaten vor der Bayern-Wahl beschreibt. Stoiber habe, so sagt ein Mitglied des CSU-Präsidiums, von seinen Mitstreitern "den Kadavergehorsam gefordert, mit dem er die Partei in den Untergang getrieben hat." Von dem Nürnberger Söder habe er die Stimme gegen den Nürnberger Beckstein verlangt. Und noch immer wünsche er sich Söder als neuen Fraktionschef in München. Die Devise Stoibers war: Die beiden, die mich beerbt haben, die müssen weg. Sein wichtigster Gehilfe dabei: Seehofer.

Beim Blick auf den politischen Lebensweg Seehofers ist die Partnerschaft mit Stoiber bemerkenswert. Denn Seehofer verdankte seine Karriere ausschließlich Theo Waigel. Dem Mann, den Stoiber nach zehn Amtsjahren als CSU-Chef mit Details über dessen Liaison mit der Skirennläuferin Irene Epple, heute Waigels Frau, 1999 intrigant gestürzt hatte. Kaum saß Seehofer 1980 im Bundestag, hatte Waigel ihn als großes Nachwuchstalent gefördert, ihn zum Staatssekretär beim Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm gemacht und schließlich ins Amt des Gesundheitsministers der Regierung Kohl bugsiert. Während seiner Waigel-Zeit war Seehofer ein erklärter Stoiber-Gegner, der immer wieder forderte, Waigel müsse den Ministerpräsidenten an die Kandare eines Waigel-treuen CSU-Generalsekretärs legen. In der CSU erinnern sich auch viele daran, wie Stoiber wieder einmal im Wildbad Kreuth die CSU zusammenbrüllte und Seehofer den Wutausbruch verachtungsvoll immer wieder mit "reiner Populismus" kommentierte.

"Ein reiner Narzisst"

"Dass er dann einige Jahre später diesem Stoiber mit dem Satz geschmeichelt hat, er sei größer als Strauß, das drückt schon ein Stück Charakterlosigkeit aus", sagt ein erfahrener CSU-Mann. Und unter die heutige Beziehung zwischen Seehofer und Stoiber sagt ein anderer: "Ich verstehe nicht, wie Stoiber sich mit dem Mann wieder verbünden konnte, der vor einem Jahr seinen Sturz sich wünschte." Und schon gar nicht verstehen diese Kritiker, wie Seehofer immer wieder sagen kann: "Diese CSU ist mein Leben." Die Wahrheit sei doch: "Der ist ein reiner Narzisst."

Eine Analyse von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
trosantafe (04.10.2008, 20:08 Uhr)
Wieder mal cool
Das war wieder mal cool, HPS! Weiter so
Ihr Alfred Siercke
DrMunzert (04.10.2008, 12:45 Uhr)
Lieber Stoibers Versprecher als Becksteins Verbrecher
Becksteins Leichenkeller, absolut beweisbar:
http://www.findefux.de/forum/read.php?84,10158,10158#msg-10158
rugero (03.10.2008, 06:50 Uhr)
40 Jahre sind einfach zu lang
Da sitzen sie nun und können nicht fassen, daß der Wähler irgendwann die nase voll hatte von der selbstgefälligen Clique der CSU-Granden. Sie hatten ihre Pfründe als gottgegeben betrachtet und sich selbst als politisch unsterblich. Nun gibt es Endzeitstimmung - Hauen und stechen ums Überleben in einer CSU-Zukunft, die sie sich gerade kaputt machen.
Neue Gesichter gibt es nicht, die de, Laden mit einem frischen Wind neues Leben einhauchen könnten, denn die Egomanen lassen natürlich höchstens Kofferträger an ihrer Seite zu.
drelanger (02.10.2008, 21:57 Uhr)
CSU Machtkampf
Ich hoffe, dass dieser Glücksritter (Seehofer), Nachfolger von Herrn Beckstein wird.
Ein besserer Totengräber für die CSU ist kaum vorzustellen.
H.P.Schulz, hat diesen bemerkenswerten Artikel geschrieben, er gehört zum Besten, was man derzeit zum Politikgeschehen lesen kann.
E.Langer
Metaphysik (02.10.2008, 21:29 Uhr)
Die Raucherstimmen kommen nicht ..
.. zurück, bevor das Nichtraucherschutzgesetz der Lebenswirklichkeit angepaßt wird ..! Da ist es egal, wer welchen Posten bekleidet. Hoffe, daß die FDP ihr Wahlversprechen hält ..
Reality (02.10.2008, 21:20 Uhr)
Wenn jetzt die CSU noch so blöd ist...
und auf Seehofer setzt, dann können sie ihren Club gleich zu machen.
Ein Politiker der kein Rückgrat hat und heute dies und morgen jenes sagt, hat gerade noch in der CSU gefehlt.
Nein Seehofer der Oberlobbyist, ist keine gute Wahl.
Trotzdem ist es interessant wie er Wiedererstanden, nachdem er bereits in der Versenkung verschwunden war, seit bekanntwerden seiner spähten Vaterschaft, und es offensichtlich verstanden hat, seiner Frau diese Affäre mit der von ihm schwangeren Berliner-Freundin verkaufen konnte, schließlich wurde er und seine Frau wenig später zu sehen, wie sie vertraut, demonstrativ Händchenhaltend - sich in der Öffentlichkeit, natürlich nicht ohne die Presse davon in Unkenntnis zu lassen, zeigten.
Was ihn das wohl gekostet hat ?
Ich meine jetzt nicht an Worten sondern welche anderen Zugeständnisse ihm seine Frau wohl abverlangte ?
Solch ein Mann an Bayerns Spitze ?
Nein, das kann es doch wirklich nicht sein.!
Es muß doch noch was besseres im Hintergrund da sein.!
Salzsteuer (02.10.2008, 19:38 Uhr)
Es wurde höchste Zeit
das die CSU einmal ihr wahres, schmutziges Gesicht zeigt.
knilch_59 (02.10.2008, 19:26 Uhr)
Schütz, diesmal geht es zu weit!
Unglaublicher Schwachsinn, den Sie da verzapfen. Gerold Tandler als Kronzeuge? Der würde von einer Intrige nichts merken, der weiß noch nicht mal, was das ist – mein Goldfisch nämlich auch nicht, und der ist bestimmt schlauer!
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Verschwörungstheoretiker aller Welt, vereinigt Euch. Strauß probt mit Elvis in Area 51 für seinen Comeback-Auftritt und Beckstein ist zugleich Sohn und Vater von Darth Vader!
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Nach Ihrer verquasten Logik müßte Seehofer hat von langer Hand geplant haben, Bayern der CSU zu entreißen, damit er sich die CSU einverleiben kann. Und bei den nächsten Wahlen – 2013 - ist er ja erst 64 und hätte damit die optimale Ausgangsposition für einen triumphalen Wahlerfolg.
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Sehr geehrter Herr Schütz, sollte es bei Ihnen an der Tür läuten und nette Menschen in weißen Kitteln Sie bitten, mal eben in eine Jacke zu schlüpfen, deren Ärmel Ihnen reichlich lang vorkommen, dann wollen diese Leute Ihnen helfen. Vertrauen Sie ihnen, denn sie wissen, was sie tun. Das ist besser für Sie als nochmal an eine Tastatur zu kommen, jedenfalls nicht ohne Therapie!
Myrddin (02.10.2008, 17:07 Uhr)
Nicht Stoiber hat die CSU abgewählt...
...und auch Seehofer nicht, sondern die bayerischen Wähler. Die "Watschn" des Souveräns war längst vor der Wahl stillschweigend ausgemacht, und das war keine "Rache für Stoiber". Hier auf dem Dorf, wo 2003 noch fast 80% für die CSU gestimmt hatten, ist sie jetzt auf unter 50% abgestürzt - über 30% und weit über Landesdurchschnitt.
Die Hauptgründe sind ausufernde Vetternwirtschaft und Korruption bei gleichzeitigem Ausbluten und Bevormunden der Gemeinden und Kommunen.
Seehofer wird weder in FJS's noch in Stoibers Fußstapfen treten können. Die Zeiten sind endgültig vorbei. An der notorisch blassen und blass gehaltenen Bayern-SPD vorbei sind ihm ernstzunehmende, dabei bodenständige und publikumswirksame Gegner erwachsen, die die Zeichen der Zeit besser erkannt haben als er: Aiwanger, Pauli, Daxenberger...
Allesamt moderner und zukunftstauglicher als ein typischer gelernter CSU-Intrigant.
erichmonika (02.10.2008, 16:33 Uhr)
Der Machtkampf der CSU offenbart die ganze Inhaltslosigkeit der Partei
Feind, Todfeind, Parteifreund. Das Bild, dass die CSU abgibt spiegelt diesen alten Witz wieder. Es geht ihnen um nix anderes als um Macht. Wenn dann auch noch Gefühle wie Hass hinzukommen, dann zeigt das die ganze Dekadenz diese sog. christlichen Partei. Da erinnert man sich an die Dame dieser Leute, als die SPD ihre Führungprobleme auch nicht gerade elegant löste.
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