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23. September 2007, 10:47 Uhr

Wie Treffen China irritierte

Ein - als "privater Gedankenaustausch" - umschriebenes Treffen Angela Merkels mit dem Dalai Lama hat in China heftige Irritationen ausgelöst. Während Diplomaten und Wirtschaftsvertreter vor den Folgen bangen, gibt es auch Zustimmung für die unbeirrbare Kanzlerin.

Ein Gruß vom Dalai Lama, dem spirituellen Oberhaupt der Tibeter© Alex Grimm/Reuters

Plötzlich ist das Misstrauen in Chinas Führung wieder da, plötzlich dürfen Internetnutzer in Online-Foren Kanzlerin Angela Merkel wieder persönlich - etwa als "Hexe" - angreifen, ohne dass der Zensor die Attacke sofort streicht. Gebetsmühlenartig wiederholt die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, Jiang Yu, den chinesischen Widerstand gegen das erste Treffen eines deutschen Regierungschefs mit dem Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter.

Protest heftiger als erwartet

Der Protest schien zunächst nicht so heftig wie erwartet. Doch die Warnung, dass die Beziehungen Peking-Berlin Schaden nehmen könnten, ließ deutsche Diplomaten und Wirtschaftsvertreter bangen, was nach dem - offiziell als "privater Gedankenaustausch" beschriebenen - Sonntagsempfang im Kanzleramt noch kommen mag. Ein ebenfalls für diesen Sonntag in München geplanter deutsch-chinesischer "Rechtsstaatsdialog" wurde von chinesischer Seite kurzfristig abgesagt. Als Grund für die Absage des zweitägigen Symposiums - unter anderem mit Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und chinesischen Regierungsvertretern - wurden "technische Gründe" genannt.

Die Kanzlerin spiele "mit dem Feuer", befand ein Teilnehmer in einem Online-Forum, in dem auch nicht zitierfähige, beleidigende Angriffe zu finden sind. "Sie versteht das heutige China nicht." Und es war auch ein Aufruf zu lesen, vor der deutschen Botschaft in Peking gegen das Treffen zu demonstrieren. Es schien nicht der erste zu sein, da der Autor den Zensor ausdrücklich bat, seinen "positiven und patriotischen" Appell bitte nicht wieder zu streichen.

Für Chinesen gehört Tibet ihnen. Punktum

Nach Jahrzehnten der Propaganda und patriotischen Erziehung, dass "Tibet seit alter Zeit schon Teil Chinas gewesen ist", haben die meisten Chinesen - vom einfachen Volk bis zu Intellektuellen - wenig Verständnis für den Dalai Lama oder die magische Anziehungskraft, die Tibet und sein Buddhismus auf viele Menschen im Westen ausüben. Nach der Machtübernahme 1949 in Peking und der Invasion der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatten die Kommunisten das größte Hochland der Erde in die Volksrepublik einverleibt. Es wurde zerteilt, anderen Provinzen zugeschlagen und die übrig gebliebene Hälfte des alten Tibets 1965 als autonome Region angegliedert.

Nach einem Volksaufstand flüchteten der Dalai Lama und sein Gefolge 1959 nach Indien. Jahrzehnte der Zerstörung des religiösen Lebens, der Klöster und Traditionen durch die Kommunisten, die Armee oder die eifernden roten Garden während der Kulturrevolution fanden erst mit der Reform- und Öffnungspolitik seit Ende der 70er Jahre langsam ein Ende. Doch regiert Peking bis heute mit harter Hand und unterdrückt jedes Aufbegehren der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft.

Sogar Botschafter musste zum Rapport

Wie heikel das Thema bleibt, demonstriert die Tatsache, dass sofort nach der Ankündigung des Treffens in Berlin der deutsche Botschafter Michael Schäfer ins chinesische Außenministerium "gebeten" wurde - wie es in Berlin hieß, um nicht "einbestellt" sagen zu müssen. Immerhin wurde ihm keine formelle Protestnote überreicht. Doch forderte das Außenministerium ebenso unmissverständlich wie vergeblich, "im Interesse der deutsch-chinesischen Beziehungen" von dem Treffen abzusehen.

Dass Merkel jetzt auch noch die Forderung des Dalai Lama nach religiöser und kultureller Autonomie auf ihre Fahnen schreibt, verstärkt noch ihre Botschaft an Pekings Führer, den Dialog mit den Exil-Tibetern endlich auch ernsthaft zu führen. Viele Chinesen wie der einflussreiche frühere Botschafter in Berlin, Mei Zhaorong, der Merkel wegen ihrer DDR-Vergangenheit und der vielleicht daraus folgenden besonderen Einsicht in diktatorische Systeme kritisch beäugt, dürften sich in ihrem Misstrauen nur bestätigt fühlen.

Kanlerin spricht deutliche Sprache

Dass die Kanzlerin bei Menschenrechtsverletzungen, Produktpiraterie oder Technologieklau eine deutlichere Sprache als ihr Vorgänger Gerhard Schröder spricht, hat seit Beginn ihrer Amtszeit schon für Irritationen gesorgt. Doch Regierungschef Wen Jiabao machte aus der Not eine Tugend und begrüßte, dass die Kanzlerin "direkt zur Sache kommt". Ganz bewusst zog er einen Schlussstrich unter die interne Debatte über die Kanzlerin, um die Beziehungen zum wichtigsten Partner in Europa zu pflegen. Doch sendet Merkel mit dem Empfang des Dalai Lama nun die Botschaft aus, dass dafür von chinesischer Seite politisch mehr gefordert wird.

Unterstützung in ihrem Kurs bekommt Merkel dabei von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bekommen. Er stärkte seiner Kanzlerin gegen die chinesische Kritik am Empfang des Dalai Lama den Rücken. Es sei gut, dass sich die Kanzlerin "nicht hat beirren lassen", sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende der "Bild am Sonntag". Koch lobte, dass "Menschenrechtsfragen für Angela Merkel einen so hohen Stellenwert haben und sie in aller Welt Klartext redet und danach handelt".

Andreas Landwehr/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
Nobilitatis (26.09.2007, 11:08 Uhr)
@ Genosse Oetker3x3
Was ist denn das für eine seltsame Propaganda? Der gute, weil "stabile" Chinese schützt Deutschland vor den Forderungen nach Entwicklungshilfe? Wir hier finden Selbstbestimmung immer noch prima. Und die Chinesen sollen ruhig wieder nach Hause gehen. Dann wird Tibet vielleicht schlagartig "überlebensfähig". War es nämlich vorher. Bevor die Chinesen kamen.Und andere Länder, die von den Chinesen beglückt wurden, fühlen sich auch besser ohne die - Vietnam z.B., und auf die Kopierweltmacht China können wir schon ganz verzichten. Wir glauben nämlich, dass eine Weltmacht Verantwortung zeigen muss. Ob Indien instabil ist, wird die Geschichte zeigen. Die sind wenigstens Demokraten, deren Staatlichkeit ist legitim. Mann-Oh-Mann, dass die Chinesen immer glauben, wenn sie mit dem Finger auf Andere zeigen, sehen sie selber besser aus! Seid doch mal Vorbild, z.B. beim Umweltschutz!
042020 (25.09.2007, 20:08 Uhr)
@Mr.Tran alias Oetker333
die Indianer Reservationen sind
selbstandig, die US regierung oder auch die Staats regierung hat da nichts zu sagen. eigene Polizei usw.deswegen findest man
in vielen Spielkasinos, das in nicht alles Staaten in der US erlaubt ist. Nun Herr Vu, wir amis
mussen nur die Chinesen nicht mehr
unsere technical sachen klauen lassen dan geht es gleich bergab im
reich der mitte. Glaube du warst noch nie in der US, es ist nicht so schlim wie es die meisten deutschen immer sagen. ware es so schlim, warum kommen jedes Jahr 800.000
legal und ca. 500.000 illegal zu
uns, muss doch etwas gut sein.
ja die schlangen sind lang fur Visas
an den US botschaften in Beijing und Hanoi/Saigon sorry HO HO City.
nun glaube wir haben etwas uber das wir uns schon unterhalten konnen ?
auch bist eingeladen bei mir in Texas, ein bischen warm meist von
Mai bis Okt. und das benzin ist z.zt.$2.48 die Gallon (3.8 ltr)
so noch schone zeit beim Oktoberfest
prosit.
PS BB33 in Vietnam war auch nicht schlecht ?
Oetker333 (25.09.2007, 19:32 Uhr)
Der Amerikaner
will natürlich das sein späterer Erzfeind Nr.1 gleich in Misskredit gebracht wird. Wieso gibt eigentlich die USA nicht den Indianern die Unabhängigkeit? Ein unabhängiges Tibet wäre nicht überlebensfähig! Sie würden von Entwicklungshilfe leben und somit Deutschland in die Taschen greifen. Und was würde mit den Millionen Chinesen passieren die jetzt in Tibet wohnen? Außerdem kann niemand bestreiten das China eine Weltmacht ist und bleiben wird imgegensatz zu dem instabilen Indien. Die Amis würden sich nicht trauen gegen China Krieg zu führen!
eribel (24.09.2007, 18:53 Uhr)
Für ein freies Tibet..
@gmathol
Tibet ist nicht China und das hat mit Romantik nichts zu tun.
Jedes Land hat das Recht auf Selbstbestimmung .
Sicherlich war Tibet kein Shangri-la das gibt aber den Chinesen noch lange kein Recht das tibetische Volk und seine Kultur auszurotten.
Nobilitatis (24.09.2007, 17:17 Uhr)
@Laolu (müsste das nicht la Ola heißen?)
- Fehlende Argumente bezog sich auf songhua.
- Volksrepublik heißt ja nun eigentlich dass das Volk regiert, also deren Meinung irgendwie zählt. Dass das Wort schon anderweitig missbraucht wird ist kein Argument.
- Minoritäten sind "erfasst"? Na, genau das meine ich. Ihr Territorium wird besetzt, sie haben keine Rechte sich selbst zu regieren, und der Chinese (ein kommunistischer Funktionär) bestimmt. Was gut für sie ist, oder so ähnlich. Das chinesische Territorium findet die Grenze dort, wo sich die Völker noch verteidigen konnten.
- Sie bestimmen aber nicht über Andere. Jedenfalls nicht hier. Und von hiesigen Wählern habe ich noch nicht gehört, dass sie etwas gegen das Prinzip "leben und leben lassen" einzuwenden haben.
- Wenn China, aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen, seine religiösen Autoritäten (z.B. auch Papst und Kardinäle) als troublemaker ansieht, dann hat China das Recht, mit diesen nicht zu sprechen. Punkt. Auch wenn es uns extrem seltsam vorkommt, wenn ein Staat die Religionsführer aussucht. Der Rest der Welt genießt seine Meinungsfreiheit und spricht miteinander. Sogar der Präsident des Iran mit den USA. Obwohl die ganz bestimmt nicht einer Meinung sind.
- China hat neben Tibet noch eine Reihe anderer Gebiete okkupiert.
- Taiwan ist sicher nicht das Modell eines freien Staates. Aber es ist ein souveräner Staat. Ich sehe keinen vernünftigen Grund, diesen nicht anzuerkennen. Die DDR war diplomatisch anerkannt, als sie mit der BRD fusionierte, auf eigenen Wunsch.
Hass auf alles Chinesische? Da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Es gibt immer beide Seiten. Aber wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Ich denke, wenn China seiner Verantwortung gerecht wird, würde das in der Welt anerkannt. Bei uns ist Kritik erwünscht, weil Kritik helfen kann, Probleme zu erkennen.
042020 (24.09.2007, 15:37 Uhr)
@LaoLu
abgesehen von deinem (not to smart)
"obligatorischen Nazivergleich"
nun weil Minoritaten ein hobby von mir ist, ich kenne in China 58,
du sprichst von 56. doch moglich da meine information vom National
Geographic mag. kommt das hier mal ein fehler vorgekommen ist.confirm this if you have time.
042020 (24.09.2007, 15:17 Uhr)
@gmothol
versuche doch mal das Buch
"Tears of Blood" by Mary Craig
(a cry for tibet) zu finden und lesen.ISBN 1-58243-025-X
deine aussagen uber Tibet fruher
sind schon zutreffend, doch verblassen zu dem was von den Chiesen gemacht wurde.
@Songhua, wo ich lebe darf man sagen was man will. doch glaube alles hast nicht richtig mitbekommen, wen auch dein Deutsch viel besser ist wie meines.
gemeint war das personnliche freiheit under Adolf und in China
gleich ist -keine-
doch erinnere mich auch noch an einen
ganz hohen Chinesen (in China) der
mir mal sagte (nach ein paar Bier)
Mao und Hitler same same ?
wie der insidechina bin ich auch mit einer Chinesin verheirated
(bald 20 Jahre) hier kann ich nur sagen, das beste das ich schon immer gemacht habe.
doch ist sie sehr froh nicht mehr
in China zu sein, geht nicht mal mehr auf besuch hin.
braucht das auch nicht, genugt nach Calif. zu gehen und man denkt man ist in China/
LaoLu (24.09.2007, 14:56 Uhr)
Gut, mit "&Co" fühle ich mich angesprochen
Fehlende Argumente? Ich sehe meinen ursprünglichen Beitrag (24.09. 01:56) als für dieses Forum ungewöhnlich sachlich an.
Pauschale Beschimpfungen kommen von anderer Seite.
Das mit den 56 Minoritäten haben Sie nicht verstanden.
Die sind nicht zwangsweise eingemeindet, es handelt sich dabei um andere Volksgruppen als die Han.
Die sind erfaßt, anerkannt, und haben Vorrechte, sind z.B. von den Beschränkungen der Ein-Kind-Ehe ausgenommen.
Was ich besser finde als "leben und leben lassen" (und das klappt in D ja auch nicht so ganz, oder?)
Womit wir bei Punkt 3 Ihrer Liste wären. Der DL wird von China als troublemaker angesehen.
Darüber kann man anderer Meinung sein, aber die Chinesen sehen das so.
Und – wie las ich heute so treffend: jeder Mensch muß sich im täglichen Leben überlegen, WAS er WEM WIE sagt.
Das gilt auch im Verhältnis zwischen zwei Staaten.
Zu Punkt 4: Ich habe sachlich dargelegt, warum China – meiner Meinung nach - seine Tibetpolitik nicht ändern wird. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Und last not least Punkt 5: Ja, China hat jede Menge Probleme, um die es sich kümmern muß, und um die es sich auch kümmert.
Darüber berichtet die deutsche Presse jedoch eher nicht, eine Reportage über im Olympiavorfeld vertriebene Hutongbewohner macht viel mehr her.
Was mißfällt Ihnen an der Bezeichnung Volksrepublik? So haben seinerzeit alle Kommunisten ihre Staaten genannt. Na gut, das mit dem Kommunismus muß man nicht mehr ganz so eng sehen, aber deshalb gleich das ganze Land umbenennen???
Und Taiwan ist eine Insel im Pazifik, auf der es eine politische Partei mit dem Namen Kuomintang gibt. Vielleicht sollten Sie sich mal schlau machen, was da war.
Ich gehe jetzt ins Bett.
Nobilitatis (24.09.2007, 13:16 Uhr)
@songhua & Co.
Da sind Ihnen aber schnell die Argumente ausgegangen! Glauben Sie, dass die Deutschen sich eines Anderen besinnen, wenn man sie nur genug beschimpft?
1) China hat SEHR viele Probleme. Und die fehlende Freiheit, egal ob bei den zwangseingemeindeten Minderheiten oder dem eigenen rechtlosen Volk ist eine Hauptursache dafür.
2) Bei uns in den freien Ländern gilt: Leben und leben lassen. Als anerkanntes Prinzip. Trotz einiger Verletzungen des Prinzips und gerade für Minderheiten.
3) Was ist eigentlich so schlimm daran, mit dem Dalai-Lama zu reden?
4) Oder einem okkupierten Volk die Freiheit zurückzugeben? Ja, richtig, wenn man damit erst anfängt, dann wollen die anderen das auch ...
5) Nicht zu vergessen, Umweltschutz, Rechtsschutz, Soziales ...
Ganz schön absurd, sich "Volks"Republik zu nennen.
Letztes Stichwort: Taiwan
gmathol (24.09.2007, 12:02 Uhr)
Tolle Aktion Frau Merkel!
Leider ist Ihnen entgangen das in Deutschland die Nettolöhne auf ein 20-Jahrestief gesunken sind.
Zu Tibet. Was die Grossgrundbesitzer und die Moenchskultur den Tibetern zur Zeit als der jetztige Dalai Lama noch im Potala weilte, hat diesen ueberhaupt nicht interessiert. Auch die Strafen die man an halb verhungerten Tibetern wegen Nahrungsdiebstahl seitens der Moenche ausuebte war drastisch: abschlagen der Glieder. Folter und Auspeitschung waren in Tibet alltaeglich.
Hier wird viel romantisiert.
Auch andere asiatische Religionen wie z. B. der Buddhismus in Thailand erlauben die Hinrichtung von Menschen.
Informieren geht ueber romantisieren.
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