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19. Mai 2008, 18:29 Uhr

Erneuter Kommunikations-GAU der SPD

Trotz Kritik aus ihrer Partei hat Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Berlin den Dalai Lama getroffen. In der SPD hat sie damit für mächtigen Ärger gesorgt. Nach einem angeblichen verbalen Ausbruch von Parteichef Kurt Beck versucht die SPD mal wieder, ein von ihr selbst entfachtes Feuer auszutreten. Von Marcus Müller

Der Dalai Lama und Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) trafen sich im berliner Edelhotel Adlon© Michael Gottschalk/DDP

Es sind 18 Kameras und viele, viele Journalisten im Kaminzimmer des Berliner Hotels "Adlon". Die Luft ist stickig in dem kleinen Raum und Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul lässt die Berichterstatter 20 Minuten warten. Dann kommt sie, liest gelegentlich etwas stockend einige diplomatische Floskeln von einem Blatt Papier ab und entschwindet sechs Minuten und drei Fragen später wieder. Das muss genügen zu ihrem Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter.

Der Dalai Lama habe sie in dem gut 30-minütigen Gespräch über die Lage in Tibet informiert, sagt Wieczorek-Zeul. Man habe über die kulturelle Autonomie geredet, es sei ein "sehr gutes" und "fruchtbares Gespräch" gewesen, bei dem es auch um den Dialog Chinas mit Vertretern des Dalai Lamas, um Menschenrechte und die Armut gegangen sei.

Die SPD-Granden fühlen sich düpiert

Soweit die Floskeln. Doch die Ministerin entkommt natürlich nicht der Frage nach den Querelen mit ihrem Genossen und SPD-Parteichef Kurt Beck. Der hatte ihr Treffen mit dem Dalai Lama kritisiert, auch weil er vorab nicht darüber informiert war. Außerdem sah es wie eine Attacke auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus, der den Tibeter ausdrücklich nicht treffen wollte, um die diplomatischen Beziehungen zu China nicht zu belasten. Die Union hatte der SPD daraufhin in den vergangenen Tagen vorgeworfen, das Thema Menschenrechte nicht ernst zu nehmen.

Zu allem Überfluss für die Sozialdemokraten hatte es auch noch Berichte darüber gegeben, dass Kanzlerin Angela Merkel das Treffen der Entwicklungshilfe-Ministerin mit dem Dalai Lama eingefädelt hat - an Steinmeier und Beck vorbei.

Die hohe Schule der Diplomatie

Das waren also im Groben die Umstände des Treffens von Wieczorek-Zeul mit dem Dalai Lama, und so kann sie wohl einfach ein leichtes Seufzen nicht unterdrücken, als sie nach Beck gefragt wird. Man solle doch bitteschön die "Fragen der Form beiseite lassen". Mit Beck habe sie inzwischen gesprochen, darüber wolle sie sich aber öffentlich nicht äußern, so Wieczorek-Zeul. Sprach's und entschwand mit Ihren leuchtend rot lackierten Fingernägeln. Keine weiteren Nachfragen.

Diesen Umgang mit dem Parteichef und seinen Äußerungen muss man als so etwas wie die ganz hohe Schule der Diplomatie bezeichnen. Oder den Versuch, etwas totzuschweigen. Denn Parteichef Beck hatte angeblich bei einem Wahlkampfauftritt in Lübeck nicht nur moniert, dass er nichts von Wieczorek-Zeuls Treffen mit dem Dalai Lama gewusst habe. Nach Angaben der Zeitung "Die Welt" soll er weiter gesagt haben, dass nach der öffentlichen Ankündigung des Treffens "der Scheiß ja nicht mehr rückgängig zu machen" gewesen sei.

Wenig überzeugende Versöhnungsgesten

Auf diese, angebliche, verbale Rüpelei ist Wieczorek-Zeuls Reaktion dann schon wieder gut erkennbar ein Zeichen der Entspannung. Und in der versuchte sich ein paar Stunden später auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Er möchte sich zu dem Thema nach dem Treffen von Partei-Vorstand und Präsidium nicht äußern. Jedenfalls nicht von sich aus, sondern erst auf Nachfrage. Und was sagt er? Dass er sich zu den "vermutlichen" Äußerungen Becks nicht äußern wolle. Dass es der Union bei dem Thema um parteitaktische Erwägungen und Instrumentalisierung gehe. Und dass die Politik von Außenminister Frank-Walter Steinmeier der behutsamen Annäherung zwischen China und dem Dalai Lama viel wichtiger sei. Außerdem: "Die SPD hat keine Belehrungen notwendig in Sachen Moral und Menschenrechte", so Heil.

Warum man aber nicht das eine tun und das andere nicht lassen kann, also einerseits sich fein diplomatisch mit China auseinandersetzen und andererseits auch mit dem Dalai Lama sprechen kann, das sagt Heil nicht. Vielmehr berichtet er aus den Spitzengremien der Partei, dass Wieczorek-Zeul bei der Sitzung des Präsidiums habe "anklingen lassen", dass sie die Linie des Bundesaußenministers unterstütze.

Ein unangemessener Parteienstreit

Das dürfte eine zumindest gewagte Interpretation der Haltung der "roten Heide" sein. Denn die so mit Spitznamen gerufene Wieczorek-Zeul hatte gut zwei Stunden davor ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie den Dalai Lama als Regierungsvertreterin getroffen habe. "Ich bin ja Mitglied der Bundesregierung", sagte sie nach dem gut halbstündigen Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter im Nobelhotel "Adlon" etwas verwundert. Zuvor hatte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Walter Kolbow, im ZDF-"Morgenmagazin" gesagt, die Ministerin treffe sich als Privatperson mit dem Dalai Lama.

Die Entwicklungshilfeministerin hatte bereits Ende vergangener Woche gesagt, dass sie die Aufregung um ihr Treffen mir dem Dalai Lama nicht verstehe. Der Parteienstreit um den Besuch werde weder den Menschen in der betroffenen Region gerecht, noch der Persönlichkeit des Dalai Lama. Lauter Protest aus ChinaMehrere CDU-Politiker hatten den 72-jährigen Dalai Lama in den vergangenen Tagen getroffen, darunter auch Bundestagspräsident Norbert Lammert. Allerdings war kein Regierungsmitglied darunter. China hatte gegen das Gespräch Wieczorek-Zeuls mit dem Tibeter laut protestiert.

Bereits nach einem Empfang von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Religionsoberhaupt im September im Kanzleramt war das Thema bereits einmal hochgekocht. Danach hatte es schwere diplomatische Verstimmungen zwischen China und Deutschland gegeben. Außenminister Steinmeier nimmt für sich in Anspruch, das Verhältnis beider Länder danach mühselig wieder in Ordnung gebracht zu haben.

"Nachholbedarf in öffentlicher Disziplin"

Nach diesem erneuten Kommunikations-GAU in der SPD räumte Generalsekretär Heil ein, dass einige in der Partei einen "Nachholbedarf in öffentlicher Disziplin" hätten. Die SPD müsse ihre "Orientierungsaufgabe" wahrnehmen, sagte er.

Vorexerzieren will die Parteiführung das offenbar an der Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler und der Frage, ob die Sozialdemokraten einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Es solle abgewartet werden, wie "der Herr Bundespräsident" sich selbst entscheide, sagte Heil. Dann erst werde sich die SPD äußern. Eigentlich ist das wohl nur ein frommer Wunsch, denn die Professorin Gesine Schwan ist ja längst von einigen Genossen als geeignete erneute SPD-Kandidatin genannt worden.

Von Marcus Müller
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Eisenbaer (21.05.2008, 22:34 Uhr)
Entwicklungshilfe-Ministerin
In welcher seiner Eigenschaften kritisiert Herr SPD-Vorsitzender Kurt Beck unsere Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)? Kritisiert er die Frau, die Partei-Genossin oder die Ministerin?

Ich für mein Teil gehe davon aus, dass unsere Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) den Dalai Lama empfing. Wie schon einige andere Kommentaren hier einfügten, kann Tibet jede Entwicklungshilfe sehr gut gebrauchen. Und damit meine ich auch (eine) moralische Hilfe.

Das mag nun Herrn Kurt Beck gefallen oder nicht, aber manchmal verlangt ein Amt eine andere Entscheidung, als es einem Parteivorsitzenden in den Kram passt. Und statt nun die Frau anzugreifen, sollte er besser politisch argumentieren. Aber "Erst Gehirn einschalten und dann reden" scheint dem Manne fremd zu sein. Aber mit populistischen Reden gewinnt Mann nur Stammtisch-Redeschlachten, nicht aber in der "Großen Politik".

Im Gegensatz zu "unserer" Ministerin scheint Herr Beck mir noch lange nicht reif zu sein für ein großes staatsmännisches Amt.
schnelldenker (20.05.2008, 16:17 Uhr)
chinesisches wunder...
Wenn ich nur halb so gut chinesisch könnte wie einige rotchinesen hier, dann würde ich auf den, leider fehlenden, unzensierten Internetseiten in chinesischer Reichweite auch gern meine Meinung mitteilen. Leider hindern mich nicht nur meine mangelnden Kenntnisse der chinesischen Sprache daran sondern es entstand bei mir der Eindruck, dass in Rotchina auf relevanter Ebene keiner wirklich eine andere Meinung hören will. Umgekehrt gilt das für roten Freunde der deutschen Sprache natürlich nicht. Die können nicht nur ganz gut unsere Sprache sondern sie dürfen und sollen sich hier auch damit äußern. Wie sonst soll man erfahren wie Chinesen denken.
Denn das was dann da zu lesen ist, ist doch recht aufschlußreich - oder?
Der Boom der chinesischen Gesellschaft findet in erster Linie im Portemonnaie statt. Was noch kommt ist die allgemeine Gier nach noch mehr. Aber das dann milliardenfach - das wird interessant zu beobachten :-)
Prost chinesisches Neujahr...
Frei_Talk (20.05.2008, 08:18 Uhr)
Gau? SPD? Deutsch....
ich lese heute morgen in der Presse etwas von einem Gau für die SPD, von zerrisenheit und Kriechen vor China...Und das alles wegen so einem Typ. Warum bitte schön? Der braucht nur in Deutschland mit seinem dämmlichen Grinsen aufzutauchen und schon haben wir einen Streit im Land. Ich würde das ja noch fast verstehen wenn ein wirklicher Masterplan dahinterstecken würde. Hat sich nicht mal jemand gefragt warum der Friseuerenfreund immer wieder kommt...Kann es vielleicht sein das er aufgrund seiner nicht bestreitbaren Intelligenz erkannt hat das die Deutschen schon immer für solche Heilsbringer sehr empfänglich waren. Oooh der bringt uns Erlösung, bommmmmmm, ooooh er kennt die Wahrheit...An solchen Tagen überlege ich mir ernsthaft auszuwandern. Ihr blöden Deutschen, mein Gott...Wann kapiert ihr es endlich......Seufz...Und noch was...Der Lächler ist Chef einer Religion...na na ein Schelm wer böses dabei denkt ...Deutsche!!!!....schallendesGelächter....
jetzt habe ich Religion gesagt auwei..jetzt kommz bestimmt wieder ein super schlauer aufgeklärter Sauberdeutscher und fängt mit den Christen und dem Pabst und nicht zu vergessen den Kreuzzügen an...Wetten..ich muss aufhören...man schreibt so schlecht wenn man lachen muss...
Hauck (20.05.2008, 07:52 Uhr)
Widerlich
Herr Beck, Ihre Arschkriecherei ist widerlich!
DerDa (20.05.2008, 07:05 Uhr)
eine Sicht
1. Das BRD sich so zum Arschkriecher macht ist ja öde, wer ist den China, die kopieren, kaufen lebenmittel auf und blasen sich auf, vor 20 jahren sind die doch alle noch mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, eine optische Anpassung and die Super westliche Elite heißt noch lange nicht das die das verinnerlicht haben siehe Raubkopien.Oh die Chinesen sind oder könnten säuerlich werden, und BRD kuscht, wo ist denn dein Rückgrat.
2. Der dalai Lama is auch nur n Mensch, und denn kann doch treffen wer will, auch wenn er ein politscher führer ist. was geht das China an, die solln mal den Ball flachhalten.
3. Die erdbebn katsstrophe in China, ist ja schon merkwürdig, das dies gerade jetzt passiert, evtl, ham die Chinese unterirdisch ne atom bombe gezündet, um so einen auf mitleid zu tun damit ander dinge in den hintergrund geratn. Oder das alle dalai lams's einen spirituellen schutz haben, und so geschützt sind , das der große meister obwohl die Bhuddisten ja keinen haben sich in form eines erdeben äußert.
3. ich möchte gern mal wissen was da hinter den vorhängen abgeht, aber eins ist klar BRD ist ein speichellecker von China, dafür dürfen wir mehr für den sprit zahlen, mehr für essen usw.
Danke, möge der große Meister uns allen den Mut geben, um dieses Politk pack, zu entfernen. Und uns zu vegitarieren machen denn dann hätten wir auch keinen Hunger, denn fleisch essen ist mit eine der größten sünden.
(schreibfehler dürfen gern nach China verkauft werden) oder kommt jetzt die Rechts schreibschutzgarde und schikt mir ein Knöllchen?
Ich habe fertisch !!!
Preussin (20.05.2008, 05:09 Uhr)
Dalai Lama
Als dieser Mann die geistliche und staatliche Macht in seiner Hand hatte , gab es von seinen Beauftragten die Prügelstrafe und das Augenausstechen ! Am 16. 05 08 , im ARD, veröffentlicht. Die Leute , die diesem Mann zujubeln , sollten ihn mal fragen , wie er den jetzt zu seiner damaligen Politik steht.Das was er veranlasste , fand ein Ende in den 50ger Jahren , als Tibet von China besetzt wurde. Was ist nun besser für die Tibeter !? Wenn man das immer vorher wüßte .
Sphinx_05 (20.05.2008, 04:33 Uhr)
Ein Hohn!
Ich kann inzwischen kein Verständnis mehr für politische Vorgehensweisen unserer Regierung aufbringen. Ein Dalai Lama (sinnbild des Friedens) darf nicht empfangen werden aus Angst vor politischen Differenzen mit einem offiziell kommunistischen Land China. Die Links-Partei wird in Deutschland allerdings nach Möglichkeit totgeschwiegen. Muß ich das verstehen???
Xiny2000 (20.05.2008, 00:49 Uhr)
Euer Heiliger, ich muss Sie schon wieder kritisieren
Lieber Dalai Lama, Sie machen schon wieder einen taktischen Fehler. Angesichts der Trauer und des Leidens der Erdbebenopfer in Sichuan, hätten Sie sich doch wirklich besser verhalten sollen. Wenn Sie keine Autonomie wollen, so ist China auch Ihr Land. Die Erdbebenopfer sind somit auch Ihre Landsleute, wobei das Epizentrum genua in Ihrem sogenannten "Big Tibet" liegt und sehr viele Opfer Tibeter sind.
Ich habe gerade im 3Sat Ihr Interview gesehen und kann leider keinen Eindruck gewinnen, dass diese Katastrophe Sie in irgend einer Art und Weise gerührt hätte. Sie sprachen wie ein Fremder, der einzige Kommentar war "scheußlich"(Übersetzung).
Sie hätten sich in der Tat etwas anders verhalten sollen. Hätten Sie an Ihre Anhängerschaft und in der deutschen Öffentlichkeit zu Spenden und mehr Solidarität appelliert, so hätten Sie einen dicken Pluspunkt sowohl bei der chinesischen Regierung, und vor allem beim chinesichen Volk gewonnen. Außerdem hätten alle Ihre Freunde und Anhänger im Westen Ihren guten Tat unterstützt. Sie hätten allen eine Freude machen können. Aber leider haben Sie diesen Chance wieder verspielt.
Verraten Sie mir doch bitte, was Sie wirklich wollen. Aus Ihren Reden und Ihren Taten kann ich leider keine einheitliche Strategien ableiten. Aber eins ist Sicher: Sie brauen die Unterstützung des chinesischen Volkes, viel viel dringender als die Unterstützung des deutschen Volkes. Ohne uns kommen Sie nicht weiter.
Dewerth (20.05.2008, 00:01 Uhr)
Kommunikationsgau? Schon wieder?
Wann war denn, bitte schön, der letzte, Stern-Schreiberling!!?? Und was die Reaktionen auf diesen Journalismus-Spekulatius betrifft: Wie so oft sind diese Kommentare dem Protokoll der Jahreshauptversammlung der Vollidioten entnommen.
sachsenwini (19.05.2008, 23:53 Uhr)
Berlin hatte sein Spektakel

Und seine Scheinheiligkeit hatte ein riesengroßes Publikum, dem er verkünden konnte, dass er zwar Tibet von den bösen Chinesen befreit haben möchte, dass China aber bitte unbedingt weiterhin das Land aufbauen und aus dem Mittelalter heraushelfen möge in dem er es verlassen hat.
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Das Volk hatte sein Volksfest, und während sich der chinesische Staat um die Opfer des Erdbebens bemüht, konnte unsere Verwicklungsministerin einen wirklichen Heiligen das Händchen halten.
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Das ist doch schon mal was.
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