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Das sagt AfD-Politiker Roscher zum Zoff mit Christian Ulmen

Markus Roscher hatte auf Facebook beklagt, dass eine Berufsanfängerin wegen seiner AfD-Kandidatur nicht bei ihm arbeiten wollte, und dafür kräftig Kritik geerntet - auch von Filmstar Christian Ulmen. Dem stern erklärte der Anwalt sein Verhalten.

Christian Ulmen auf Twitter

Schauspieler Christian Ulmen hatte auf Twitter Stellung bezogen.

Der Fall sorgt in den sozialen Medien für immer mehr Wirbel: Der AfD-Politiker und Rechtsanwalt Markus Roscher hatte sich auf Facebook und Twitter darüber beschwert, dass eine Berufsanfängerin nicht bei ihm arbeiten wollte, weil er für die AfD kandidiert. Für sein Posting bekam er kräftigen Gegenwind. Auch der Schauspieler Christian Ulmen mischte sich ein und zollte der Rechtsanwältin Respekt. Gegenüber dem stern verteidigte Roscher sein Vorgehen nun.

Er habe sich sehr darüber geärgert, dass die Bewerberin abgesprungen sei, nur weil er sich für die AfD engagiere, rechtfertigte Roscher seine öffentliche Kritik an der jungen Frau, deren Namen er nicht nennt. Das sei ein Vertrauensbruch. Schließlich habe er einen Arbeitsvertrag vorbereitet und sich darauf eingestellt, dass die Anwältin bei ihm anfange.

Roscher macht gesellschaftlichen Druck verantwortlich

"Es geht um die gesellschaftliche Stigmatisierung einer demokratischen Partei", erklärte Roscher, und darum, dass Menschen sich aufgrund von gesellschaftlichem Druck genötigt fühlten, eine Stelle bei einem AfD-Politiker abzulehnen.

Auf die Frage, ob er selbst denn in der Anwaltskanzlei des Linken-Politikers Gregor Gysi oder des Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele eine Stelle annehmen würde, antwortete Roscher: "Nein. Aber ich würde mich dort erst gar nicht bewerben." Die abgesprungene Berufsanfängerin habe dagegen von seinem Engagement für die AfD gewusst. Sie hätten darüber gesprochen, erklärte er.

Eine Bestätigung der jungen Frau für das Gespräch gibt es nicht, da sie aufgrund ihrer Anonymität nicht befragt werden kann. Auf Twitter hatte Roscher allerdings den Eindruck erweckt, die Anwältin sei zunächst nicht über seine politische Tätigkeit informiert gewesen: Die Bemerkung eines Users: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, für jemanden zu arbeiten, der Ihre Auffassungen vertritt", wies er mit den Worten zurück: "... sollte man sich nicht vorher erkundigen, bei wem man sich bewirbt, zumal das Internet wirklich alles kundtut?"

Einem anderen User entgegnete Roscher, der auch schon für die FDP, die CDU, die Piratenpartei und den Bund Freier Bürger politisch aktiv war: "Sie würden sich also nicht vorher erkundigen, bei wem Sie sich bewerben, obwohl das überall im Internet steht?"

"Christian Ulmen surft auf der linken Welle"

Den Gegenwind, den ihm sein Posting in den sozialen Netzwerken eingebracht hat, und die Unterstützung für die Berufsanfängerin, kritisierte Roscher: "Ich halte es für diskussionswürdig, dass Leute Lobhudeleien erhalten dafür, dass sie sich weigern, bei jemandem zu arbeiten, der sich für die AfD engagiert", sagte er. Schauspieler Christian Ulmen warf er vor, dass er "auf der linken Welle surft" und "seine Fans und Groupies" mit seinen Kommentaren bediene.

In seinem Facebookposting hatte Roscher auch aus der Absage-E-Mail der Rechtsanwältin zitiert: "Ich möchte ganz ehrlich zu Ihnen sein, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mich als Berufsanfängerin eingestellt hätten und ich bin mir sicher, dass ich bei Ihnen auch jede Menge gelernt hätte, weil Sie jede Menge Erfahrung mit sich bringen und ein Top Anwalt sind. Allerdings kandidieren Sie jetzt im September für die AfD. Zwar interessiere ich mich nicht besonders für die Politik, nicht desto trotz teile ich aber auch nicht Ihre politische Meinung" (sic), schrieb ihm die Anwältin demnach.

Auf die Frage, warum er die junge Frau trotz ihres höflichen Tones, Respekts und ihrer Dankbarkeit ihm gegenüber öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt habe, sagte Roscher: "Ich habe sie überhaupt nicht bloßgestellt". Schließlich habe er ihren Namen nicht genannt. "Die Dame selber hat es in der Hand, ob sie anonym bleiben will".

Dass er mit seinem Posting eine Hasswelle ausgelöst hat und es für die Rechtsanwältin trotz ihrer Anonymität unangenehm sein könnte, im Internet zu lesen sie sei eine "Ratte", "als kleines Kind öfter hochgeworfen als aufgefangen" worden, eine "Kuh" und liebe vielleicht "Gewaltverbrechen, Lügereien, Vergewaltigungen, Kinderehen", stört Roscher offenbar nicht. Auf seinem Facebook-Konto lässt er derartige Beschimpfungen jedenfalls unkommentiert stehen.

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