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Der schottische Herrscher von Niedersachsen

Christian Wulff hat sein Haus gut bestellt: David McAllister, seit Donnerstag neuer niedersächsischer Ministerpräsident, gilt seit Jahren als politisches Talent. Der CDU-Mann konnte es sich sogar erlauben, Angela Merkel abblitzen zu lassen.

Von Hans Peter Schütz

Kaum denkbar, dass es irgendwo in der Republik einen vergleichbaren Ministerpräsidenten gibt: Einen, der sich als CDU-Jüngling bei der Jungen Union mit Punkrock volldröhnen ließ. Einen CDU-Mann, der im Schottenrock seine Dunja geheiratet hat. Einen CDU-Vater, der bei seinen zwei Töchtern gerne die Windeln gewechselt hat. Und der etwas kann, was sein Amtsvorgänger Christian Wulff nie auch nur ansatzweise beherrscht hat: die "lüttje" Lage. Jenen trinkerischen Trapezakt, bei dem Pils und Schnaps in einer Aktion geschluckt werden müssen.

Absage für Merkel

Der Mann ist seit heute Ministerpräsident von Niedersachsen und trägt den ganz und gar nicht niedersächsischen Namen David McAllister. Geboren ist er 1971 in Berlin. Sein Vater war der Schotte James, der seine deutsche Liebe Mechthild beim Sprachunterricht für britische Soldaten kennen gelernt und geheiratet hatte. 1982 zog die Familie nach Bad Bederkesa, ein Nest in der Nähe von Cuxhaven, wo er 1989 Abitur machte.

Viele in der CDU bedauern heute sehr, dass dieser McAllister jetzt in Hannover sitzt und schwarz-gelb regiert. Besser wäre es doch gewesen, wenn er vor fünf Jahren das Angebot der CDU-Chefin Angela Merkel angenommen hätte, ihr Generalsekretär zu werden. Vermutlich stünde es heute besser um die Christenunion. Ronald Pofalla ist es dann - leider, leider murmeln viele in der Partei - geworden. Und niemand kennt auch nur einen flotten Spruch aus der Generalsekretärszeit des heutigen Kanzleramtschefs Pofalla.

"Lieber der Terrier von Wulff als der Mops von Schröder"

In Hannover dagegen amüsieren sie sich immer wieder über deftige McAllister-Anekdoten. Wie er einmal dem SPD-Chef Gabriel zu dessen Zeit als niedersächsischer SPD-Fraktionschef geantwortet hat, als der zu ihm sagte: "Sie führen sich auf wie das Hündchen von Ministerpräsident Wulff!" Da bellte McAllister hundegerecht zurück: "Lieber der Terrier von Wulff als der Mops von Schröder."

Ohne Zweifel hat McAllister es Christian Wulff sehr leicht gemacht, "sein" Niedersachsen zu verlassen und ins Schloss Bellevue in Berlin umzuziehen. Der "bringt alles mit, was ein guter Politiker braucht," sagte Wulff bereits vor zwei Jahren, als er ihm den CDU-Vorsitz des Landesverbands übergab. Kurzum, der sei "ein großes Talent für die Politik."

Wulffs Nachfolger passt gut in die Reihe der von ihm entdeckten und erfolgreich in die Politik geschleusten Nachwuchstalente. Ursula von der Leyen, ministerielle Senkrechtstarterin in Berlin, gehört dazu. Oder die Merkel-Vertraute Beate Baumann. McAllister selbst hat Talent und Leidenschaft für Politik schon als Jüngling entdeckt. "Beim Fußball, im Gymnasium - überall war ich ganz gut, aber nirgendwo ganz Spitze. Nur in der Politik funkte es sofort." Lieber ging er fortan zum CDU-Kreisparteitag als zu den Tischtennismeisterschaften im Landkreis.

Vollblutpolitiker seit dem 15. Geburtstag

"Ich bin bürgerlich, pragmatisch und praxisorientiert und insofern konservativ, als ich immer die FDP den Grünen vorziehen würde als Koalitionspartner," beschreibt McAllister seinen politischen Standort. Das ist ein Bekenntnis zu seinem Freund Philipp Rösler, früher FDP-Fraktionschef in Hannover und heute Gesundheitsminister in Berlin. Das schlägt aber auch die Türen zu den Grünen nicht zu - falls die zu Mehrheiten in Niedersachsen einmal gebraucht würden. Mit der Linkspartei hat er selbstredend nichts am Hut, auch wenn er die mittlerweile im Landtag aushalten muss. "Die sollen sich vom Acker machen," rät er den Linken, die sich auf die ganz harte Tour im Umgang mit McAllister einrichten müssen.

Wenn einer unter den Dreißigern in der Christenunion den Titel "Senkrechtstarter" verdient, dann McAllister. Mit 15 in der Jungen Union. Mit 17 ließ er sich die CDU-Mitgliedschaft von den Eltern schenken, weil sein Taschengeld für den Beitrag nicht gereicht hätte. Mit 27 im Landtag zu Hannover, natürlich als Jüngster. McAllister ist ein mitreißender Redner. Kann mit dem Maurer in der Kneipe ebenso gut wie mit dem Professor im Streitgespräch. Bierzelt und Akademie. Sein Vorbild war der verstorbene Wilfried Hasselmann, ohne den in Niedersachens CDU einst nichts gelaufen ist, was er zuvor nicht abgesegnet hatte. Vor dem einst auch Ministerpräsident Ernst Albrecht Männchen machen musste. Politik hat McAllister bereits in der Grundschule gemacht. Als er 1980 im Fernsehen Franz Josef Strauß gesehen hatte, hielt er anderntags in der Schule eine Rede im Strauß-Stil für die Union. Der Lehrer war baff und verunsichert. Er rief die Eltern an und wies warnend darauf hin, dass der Filius eine druckreife CDU/CSU-Rede gehalten habe. Die haben sich darüber nicht eine Sekunde gewundert.

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