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11. August 2007, 16:49 Uhr

DDR-Führung befahl Erschießungen

Erstmals ist in den Stasi-Unterlagen ein bedingungsloser Schießbefehl gegen DDR-Flüchtlinge entdeckt worden. "Der Befehl fordert zum rücksichtslosen Gebrauch der Schusswaffe ohne Vorwarnung an der Grenze auf - auch "gegen Frauen und Kinder", sagte der Sprecher der Birthler-Behörde. Die DDR-Führung hatte stets behauptet, es habe keinen "Schießbefehl" gegeben.

DDR-Grenzposten tragen in Berlin den leblosen Körper von Peter Fechter weg, nachdem er zuvor bei einem Fluchtversuch von DDR-Volkspolizisten niedergeschossen worden war (Archivfoto vom 17.08.1962)© dpa/lbn/lah

Damit wurde ein Bericht der "Magdeburger Volksstimme" bestätigt. Die Aufarbeitung der Vorfälle an der DDR-Grenze erhalte damit eine neue Qualität, sagte der Sprecher. Bislang habe der Schusswaffengebrauch als letztes Mittel gegolten, um Flüchtlinge zu stoppen.

Im DDR-Grenzgesetz von 1982 sei die Anwendung der Schusswaffe als "äußerste Maßnahme der Gewaltanwendung" bezeichnet worden, sagte der Sprecher. Die DDR-Führung hatte stets behauptet, es habe keinen "Schießbefehl" gegeben. "Bisher fanden wir in Dienstanweisungen zwar Passagen, die den Schusswaffengebrauch als letztes Mittel einräumten", sagte Andreas Schulze, Sprecher der Birthler-Behörde. Aber zuvor hätten die Grenztruppen laut Befehl immer erst mehrfach und eindeutig vorwarnen müssen. "Sie mussten die Flüchtlinge zum Beispiel zum Anhalten auffordern und Warnschüsse in die Luft abgeben." Davon stehe in dem nun entdeckten Schießbefehl nichts.

"Geschichte der DDR noch längst nicht zu Ende erzählt"

Das in der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde gefundene Dokument befahl einer Spezialeinheit des DDR- Geheimdienstes, deren Angehörige als normale Grenzsoldaten getarnt waren, das sofortige Schießen auf flüchtende Grenzsoldaten, selbst wenn diese Frauen und Kinder mitnahmen, erklärte Schulze. Dies sei empörend. In der Berliner Dienstanweisung vom 1. Oktober 1973 heißt es: "Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zunutzegemacht haben."

Der Leiter der Magdeburger Außenstelle, Jörg Stoye, sprach in der Zeitung von einem "aufsehenerregenden und für die Erforschung sowie Aufarbeitung der Stasi-Geschichte höchst bedeutsamen Fund". Der Sprecher der Berliner Behörde unter Leitung von Marianne Birthler sieht in dem spektakulären Dokument auch einen Beleg für die dringend notwendige Fortsetzung der Aufarbeitung. "Es zeigt: Die Geschichte der DDR ist noch längst nicht zu Ende erzählt", sagte Schulze. Besonders für die Jugend sei es wichtig, die ganze Wahrheit zu erfahren. "Gerade, weil bis heute ehemalige Regime-Vertreter versuchen, die Geschichte im Nachhinein umzudeuten."

Die Angehörigen der von 1968 bis 1985 bestehenden Stasi-Einheit sollten die Flucht anderer Soldaten im Grenzbezirk Magdeburg verhindern. Der siebenseitige Befehl wurde in den Akten eines Unterfeldwebels gefunden, der von 1971 bis 1974 in den Grenztruppen der DDR eingesetzt war. Laut Zeitung war der Stasi-Spitzel ein speziell ausgebildeter Einzelkämpfer, der die "Fahnenflucht" seiner Kameraden verhindern sollte. Allein von 1971 bis 1974 seien dem Bericht zufolge 144 Soldaten in den Westen geflohen. Insgesamt seien es mehr als 2800 gewesen. Allein an der Berliner Mauer starben 133 DDR-Flüchtlinge.

DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
VoKo (12.08.2007, 16:18 Uhr)
Die Sensation hat sich in Luft aufgelöst
Jetzt, nachdem bekannt ist, dass das gleiche zum "Schießbefehl" ernannte Dokument eines unteren Befehlsgebers vor 10 Jahren bereits in einem Buch dokumentiert wurde, allerdings ohne diese erbärmliche Marktschreierei, frage ich mich wer nach 40 Jahren "Kalten Krieg" und nach 17 Jahren "Wiedervereinigung" überhaupt die Verantwortung für die Opfer auf beiden Seiten übernehmen will, wo nur noch "Dokumente" hochgespielt werden, um die Daseinsberechtigung nachzuweisen, Lüge und Heuchelei von den "Bewahrern" der Opfer natürlich nur auf DDR-Seite, nicht mehr zu überbieten sind. Als Erich Honecker vor gut 20 Jahren in Bonn mit allen Ehren eines Staatsoberhaupts empfangen wurde, waren wir schon weiter mit der deutsch-deutschen Verständigung. Wohin soll das noch führen mit "Deutschland-einig Vaterland?", wenn diese "Kalten Krieger" weiterhin das Land beherrschen ?
mupfeline (12.08.2007, 10:05 Uhr)
@arina
Aus welchem Nest kommst du gekrochen. Und was haben deine wirren Zeilen mit dem Thema zu tun?
Jedenfalls ist das Zeugs dass du rauchst, eindeutig zu stark.
Diaula (12.08.2007, 09:20 Uhr)
Dies ist nicht "der" Schiessbefehl
Sondern es ist ein Schiessbefehl auf fahnenflüchtige Soldaten, also Deserteure.
So wie jetzt unisono (Stern, Spiegel, WELT, SZ) verallgemeinernd darüber berichtet wird, das ist schon fast bösartiges Verhalten.
VoKo (12.08.2007, 09:04 Uhr)
Wo ist hier ein "Schießbefehl" ?
Der veröffentlichte Satz "Zögern Sie nicht...", der nun endlich den sehnlichst gesuchten und prompt zum 13. August gefundenen "Schießbefehl" beweisen soll, ergibt mit dem (kaum veröffentlichten vorstehenden Satz)ein ganz anderes Bild. Hier wird der Einzelkämpfer auf die aus vorangegangen Vorfällen bewiesene "Gefährlichkeit" und "Hinterhältigkeit" eines (auch bewaffneten) Fahnenflüchtigen, der auch Frauen und Kinder benutzt, um seine Ziele durchzusetzen, instruiert. Der Satz zur Anwendung der Schusswaffe, was militärisch bedeutet: entsprechend der Situation "Warnschüsse abgeben", "liquidieren=handlungsunfähig machen", "Abwehr eines Angriffs auf die eigene Person", ist kein Befehl zum "Töten" und es geht auch nicht um das "gezielte Töten" von Frauen und Kinder, was jetzt emotionsgeladen suggeriert wird. Wo steht davon etwas in einer "Befehlssprache"?
Hier ist nichts enthalten, was die Begriffe "Schießbefehl", "Lizenz zum Töten" usw. rechtfertigt, es sei denn man will den heutigen "finalen Rettungsschuss" gleichermaßen interpretieren.
mramorak (12.08.2007, 08:32 Uhr)
Allgemein bekannt!
Seit der Wiedervereinigung werden wir von den interesierten Kreisen an der Nase herumgeführt. Und daran beteiligt waren nicht nur die Linken! auch der Herr Genscher wollte nich von Wieder-Vereinigung sprechen, er hat einmal seine Übersetzerin (ins Englische) unterbrochen, als sie reunification sagte, hat er sie "verbessert" und sagte unification. Die Wiedervereinigung war also nich der Wunsch aller deutscher Politiker. Ohne Kohl, ob das jemand gerne hört oder nicht, wären wir höchstwahrscheinlich heute noch geteilt, und die "DDR" wäre heut mit Weißrussland zu vergleichen. Und die Kommunisten im Osten und ihre Sympathisanten im Westen, hätten in aller Ruhe diese Akten verschwinden lassen können. Ich fürchte, dass mehr Leute im Westen Angst haben als im Osten - wenn man überhaupt noch von Angst reden Kann. Denn die Menschen wurden verunsichert im Westen und die im Osten waren noch nie sicher. Es wundert mich auch nicht mehr, dass soviele unserer Politiker, aller Parteien, sich so wohl fühlen in den Diktaturen. Die Bereiche dieser Gewaltherrscher scheinen so eine Art Wohlfühl-Zone, besonders für unseren Aussenminister, zu sein. Und die meisten unserer Politiker halten sich gerne in befreundeten Ländern der "DDR" auf. Die Memschen gehen üblicherweise in Gebiete, in denen sie sich wohl fühlen. Wir sind heute schon mehr "DDR" als BRD!
Inselgraf (12.08.2007, 00:21 Uhr)
Wer hat je gezweifelt
das es einen Schießbefahl gab? In Westdeutschland niemand und deshalb fragen sich alle, wo die Todesschützen und ihre Auftraggeber geblieben sind und warum sie immer noch geschützt werden. Denn was anderes ist das nicht oder hat da jemand die Finger im Spiel und hat diese Regierung manipuliert, das gerade eine ehemalige Ossi Kanzlerin wurde.Da weiß man scheinbar, das sie nur im Ausland etwas gelten will, aber im Inland regieren scheinbar andere und nicht nur die Lobbysten in Brüssel.Warum gab es eigentlich eine Erfassungstelle in Salzgitter, wenn die Daten heute nicht ausgewertet werden, sondern sogar noch verhindert wird, statt aufzuklären. Darauf haben die Deutschen ein Recht.
arina (12.08.2007, 00:03 Uhr)
Ha-ha, cover agents von Stasi sind überall!
Und wir leben in der Zeit des postsowjetischen KGB-Revanschismus! Steht im 'How to Avoid a New Cold War' auf www.time.com - Putin sagt, 'der Zerfall der Sowjetunion war 'the greatest desaster of the 20th century''. Jetzt haben wir im Rahmen des desaster recovery eine DDRlerin an der Macht des kapitalistischen Feindes (wie aus dem Artikel hervorgeht, waren die Sowjets&Co. schon immer auf die physische Vernichtung des Feindes oder Verräters ausgerichtet - also viel Glück noch).
Sonst machen wir im Rahmen der Feindsvernichtung ein Destabilisierungsprogramm in Deutschland. Seit Jahren. Steht in der Infobroschüre 'Bundesnachrichtendienst', Seite 17, kann man anfordern über www.bundesnachrichtendienst.de.
Und - was haben wir denn da! Kinderbordelle! Ein Superdruckmittel - 'mach was ich will, sonst fliegst du auf'!
Ich weiß nicht, ob ich euch alle hassen soll oder ob ihr einfach noch zu doof seid. Ich meine, ich mußte mich auch zuerst reindenken in dieses KGB-Menschenverwaltungssystem.
Übrigends, die 'Piratennest Rostock' - Affäre, beschrieben in GEO, Juni 2007, ist auch so eine Blüte - Seehofer&Backhaus decken russische Raubschiffe, sie fischen in isländischen Gewässern, die EU wird den Deutschen böse, Putin freut sich.
Ansonsten will er alle vernichten, also ist es eigentlich egal, wo man lebt - er schrieb im TV 'Ich bin ein Demokrat. Der einzige auf dieser Welt. Niemand versteht mich.' Das heißt, 'Ich bin ein Antichrist und bring euch alle eh um, bloß daß ihr das noch nicht verstanden habt'. Er hat ja ein Trauma, der Arme. Über Polonium und Litvinenko kann man auch im Time nachlesen, 'The Spy Who Knew too Much' - er war ein anti-corruption detective, ein russischer Nationalheld. Meine Schwiegermutter sagt, 'der war ein Spion, und, glaub mir, da gelten andere Gesetze'. Dafür hasse ich sie. Andererseits wurde ihr dieser Schwachsinn von der deutschen Presse vermittelt. Sie weiß also nicht, daß Polonium in einem Reaktor produziert wird, daß es davon jährlich nur 100g gibt, 90% - aus Rußland.
Mein letztes Wort: er wird sich mit euch sowieso nie anfreunden, weil ihr Verräter und Feinde seid - DDR Verräter, Wessis Feinde.
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