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22. August 2008, 14:58 Uhr

Wolfgang Vogel ist tot

Der frühere DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel ist gestorben. Der Rechtsanwalt schlief im Alter von 82 Jahren in Schliersee in Oberbayern ein. Vogel hatte beste Beziehungen zur SED-Führung und auch zur Bundesregierung in Bonn und sorgte dafür, dass 33.000 Häftlinge aus DDR-Gefängnissen freigekauft werden konnten.

Hatte beste Kontakte in die Spitzen der BRD und der DDR: Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, hier in New York im Jahr 1978© Joel Landau/DPA

Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren in der Nähe von Schliersee in Oberbayern, wo er seinen Lebensabend verbracht hatte. Vogel war einer der wenigen Menschen, der in der Zeit des Kalten Krieges den Traum von der Freiheit verwirklichen konnten. Er war die letzte Hoffnung für viele Ausreisewillige aus der DDR und auch für einige Spione. Als Anwalt mit besten Beziehungen zur SED-Führung und auch zur Bundesregierung in Bonn verhandelte Vogel seit Anfang der 60er Jahre den Freikauf von 33.000 Häftlingen aus DDR-Gefängnissen und die Übersiedlung von mehr als 250.000 DDR-Bürgern in den Westen.

Ohne Vogel lief zwischen Deutschland Ost und West nur wenig in Fragen der Menschlichkeit. Nach eigener Erinnerung wirkte er auch in "150 Fällen beim Austausch von Agenten zwischen Ost und West" mit. Auch der über der damaligen Sowjetunion abgeschossene US-Pilot Gary Powers kam mit seiner Hilfe frei: Vogel führte für die Sowjetunion die Verhandlungen über die Freilassung ihres in den USA inhaftierten Top-Agenten Rudolf Abel. 1962 wurde Abel gegen Powers ausgetauscht.

Erleichterungen gegen harte D-Mark

Seit dem Mauerbau 1961 - zuletzt im Rang eines "persönlichen Beauftragten" des DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honeckers - versuchte Vogel die humanitären Probleme zwischen beiden deutschen Staaten zu lösen. Er handelte dabei nach der von der DDR-Regierung vorgegebenen Devise "Menschliche Erleichterungen gegen harte D-Mark". Pro Häftling zahlte die Bundesrepublik von 1977 an rund 96.000 Mark. 1985 wurde Vogel Professor an der SED-Kader-Hochschule für Recht und Verwaltung.

Nach der Wende kam der Anwalt selbst auf die Anklagebank. 1992 begannen Ermittlungen wegen des Verdachts der Erpressung. Der Vorwurf lautete, Vogel habe ausreisewillige DDR-Bürger unter Druck gesetzt, ihre Häuser an Günstlinge des SED-Regimes abzugeben. Ein Staatsanwalt sah in Vogel gar "den größten Menschenhändler unseres Jahrhunderts". Die Gerichte folgten dem nicht. Nach neunjähriger Verfahrensdauer sprach ihn der Bundesgerichtshof endgültig frei. Vogel selbst stand zu dem, was er tat: "Meine Wege waren nicht weiß und nicht schwarz. Sie mussten grau sein."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Georges13437 (25.08.2008, 12:08 Uhr)
Nicht gut so
Nur wer nicht von seiner Hilfe Nutzen gezogen hat, kann so einen Kurzkommentar abgeben. Vogel und Stange, beide haben mir sehr geholfen.
Er möge in Frieden ruhen.
MfGGeorges13437
UR63 (22.08.2008, 21:02 Uhr)
Gute Nachricht!
Mehr gibt es nicht zu sagen!
 
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