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"Manche sind aus geringeren Gründen zurückgetreten"

Verteidigungsminister de Maizière verstrickt sich in Widersprüche zum Drohnen-Debakel. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Ude über Wortklauberei, verbrannte Millionen und einen Untersuchungsausschuss.

Herr Ude, das Drohnen-Debakel des Verteidigungsministers beherrscht die Schlagzeilen. Muss Thomas de Maizière zurücktreten?
Persönlich habe ich eine sehr positive Meinung von de Maizière, weil ich ihn als Förderer und Freund der Münchner Olympia-Bewerbung erleben durfte. Aber er hat sich bei der Drohnen-Beschaffung in massive Widersprüche verwickelt. Und die müssen aufgeklärt werden. 600 Millionen Euro zu versenken ist keine lässliche Sünde, sondern ein schockierender Vorgang. Es sind Minister schon aus geringeren Gründen zurückgetreten.

Sollte die SPD nicht sofort einen Untersuchungsausschuss fordern?
Dafür ist es noch zu früh. Aber der Verteidigungsminister muss dringend die Widersprüche aufklären, in die er sich verwickelt hat. Das wird ja auch bis in die Reihen der CDU gefordert. Gelingt ihm das nicht, brauchen wir einen Untersuchungsausschuss.

Glauben Sie, dass de Maizière gelogen hat, um sich aus der Affäre zu winden?
Ich würde niemandem eine Lüge vorwerfen, ohne präzise zu wissen, dass er genau das getan hat. Aber seine Aussagen sind nicht miteinander vereinbar, um es freundlich zu formulieren. Ich würde ihm raten, es nun nicht mit Wortklauberei zu versuchen, mit Formulierungen wie "fehlerhafte Fehlentscheidung" und "fehlerfreie Fehlentscheidung". Solche Wortspiele werden ihn nicht retten.

Spielt die Affäre eine Rolle im bayerischen Landtagswahlkampf? Kann die SPD davon wahlpolitisch profitieren?
Das ist kein bayerisches, sondern ein gesamtdeutsches Thema. Die Menschen sehen mit wachsendem Zorn, welche Beträge im Verteidigungshaushalt verheizt werden. Es ist ja nicht das erste Projekt dieses Ministeriums, bei dem hunderte von Millionen Euro im Kamin landen - ohne den geringsten Nutzen für die Wehrfähigkeit der Bundesrepublik. Diese Nachlässigkeit im politisch-militärischen-industriellen Komplex, dieser schlamperte Umgang mit unvorstellbar großen Geldsummen, empört die Menschen. Und die Wähler, auch in Bayern könnten sich daher schon etwas dabei denken, dass die letzten drei Verteidigungsminister Christdemokraten waren. Ich hoffe es zumindest.

Hans Peter Schütz

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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