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7. Juli 2010, 14:43 Uhr

Deutschland nimmt zwei Guantánamo-Häftlinge auf

Die Dauerdiskussion hat ein Ende: Deutschland wird zwei Häftlinge aus dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo aufnehmen. Zwei Bundesländer haben sich erbarmt.

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Guantanamo-Streit beendet: Innenminister Thomas de Maizière© Tim Brakemeier/DPA

Deutschland wird zwei ehemalige Insassen des US-Gefangenenlagers Guantánamo aufnehmen. Einer von ihnen solle nach Hamburg kommen, ein zweiter nach Rheinland-Pfalz, gab Innenminister Lothar de Maizière am Mittwoch in Berlin bekannt. Bei dem einen Häftling soll es sich einem Zeitungsbericht zufolge um einen Syrer handeln, bei dem anderen um einen Palästinenser aus dem Westjordanland, berichtete der "Kölner-Stadt-Anzeiger".

Der Entscheidung war eine mehrmonatige Prüfung vorangegangen, ob von den Männern eine Gefährdung der Sicherheit ausgehen könnte. "Wir werden keine Terroristen ins Land holen", sagte de Maiziere. Die Aufnahme eines dritten von den USA vorgeschlagenen Häftlings lehnte er ab. Dies gelte auch für die Zukunft: "Weitere Aufnahmen in Deutschland wird es nicht geben."

In zahlreichen Bundesländern hatte es in den vergangenen Monaten Vorbehalte gegen eine Aufnahme von Insassen des Gefangenenlagers gegeben, das die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in dem Militärstützpunkt auf Kuba eingerichtet hatten. Zeitweise wurden dort etwa 780 Menschen ohne rechtsstaatliches Verfahren gefangengehalten.

"Neue Lebenschance" in "einigen Wochen"

De Maiziere begründete die Entscheidung mit humanitären Aspekten, Sicherheitsinteressen Deutschlands und der Einschätzung des Gefangenenlagers an sich. Die Bundesregierung unterstütze damit die Bemühungen um eine Schließung des Lagers. Die USA hätten Ende vorigen Jahres um die Aufnahme von drei Männern aus Palästina und Syrien gebeten. Den Dritten habe er aus Sicherheitserwägungen abgelehnt.

Mit der Ankunft der beiden Araber in Deutschland sei in "einigen Wochen" zu rechnen, sagte de Maiziere. Details würden nicht veröffentlicht, da sie die Chance auf einen Neuanfang in einem nichtöffentlichen Umfeld haben sollten. "Ihnen wird eine neue Lebenschance eröffnet, ohne die Sicherheitsbelange der Bevölkerung zu tangieren", sagte de Maiziere. Beide hätten keinerlei Bezüge zu Deutschland und sprächen nur Arabisch.

Der Minister ließ durchblicken, dass der Bewegungsspielraum der Männer zunächst eingeschränkt werden könnte. Wichtiger als solche rechtlichen Fragen sei ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Beide seien gezeichnet durch Persönlichkeitsveränderungen durch die lange Haft. Gegen beide liegen laut de Maiziere weder in den USA, in ihren Herkunftsländern noch in Deutschland strafrechtlich relevante Vorwürfe vor.

Applaus von Amnesty und den Grünen

Amnesty International und die Grünen begrüßten die Entscheidung. "Die Bundesregierung hat das menschenverachtende 'System Guantanamo' oft und zurecht kritisiert", erklärte die Gefangenenhilfsorganisation. "Jetzt leistet auch Deutschland endlich einen Beitrag zum Ende dieses Menschenrechtsskandals." Die Männer seien von verschiedenen US-Behörden übereinstimmend als unschuldig und ungefährlich eingestuft worden.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, den Ex-Gefangenen müsse jetzt dringend geholfen werden, die durch Folter erlittenen Traumata aufzuarbeiten.

Laut Amnesty International befinden sich noch 181 Gefangene in Guantanamo, von denen mindestens 32 nicht in ihre Heimatländer zurückkehren könnten, weil ihnen dort politische Verfolgung, Gefängnis und Folter drohten.

ben/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Administrator (07.07.2010, 17:33 Uhr)
Liebe User,
da die Arguemtnation hier zunehmend unsachlich wird, schließen wir die Diskussion and ieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Johann58 (07.07.2010, 17:33 Uhr)
@chatahootchee (07.07.2010, 17:26 Uhr)
Gegenfrage; Warum?
chatahootchee (07.07.2010, 17:26 Uhr)
FRAGE:
Kommen die in den deutschen Knast?
nerventanz (07.07.2010, 17:13 Uhr)
Fast ganzes Deutschland asozial?
Wieso weigern sich viele Bundesländer jahrelang gefolterte, gedehmütigte Menschen aufzunehmen und sich an dem Schaden zu beteiligen, den sie selbst mitverursacht haben?

Dieses Terrorwahn ist echt einfach nur peinlich. Moderne Hexenjagd. "Du siehst anders aus! Ich hab Angst vor Dir! Du musst verbrannt werden!".

Und noch dazu in so eine unmenschliche Umgebung... dahin wurden auch deutsche Bürger übrigens verfrachtet. Und wenn sie aus Verzweiflung laut werden, weil sie überhaupt nirgendwo Unterstützung und genug Gehör in der Öffentlichkeit bekommen, dann werden sie auch noch hier verurteilt.

So sieht Deutschland aus. Einfach eine Schande ist das.
aeternitas (07.07.2010, 17:11 Uhr)
Wow, ganze ZWEI Gefangene
in einem Land mit über 80 Mio. Einwohnern! Großartige Leistung!

Die meisten kamen nach Guantanamo, weil sie verraten wurden. Schließlich gab es dafür ja KOPFGELD. So wurden plötzlich aus Taxifahrern, Handwerkern oder normalen Jugendlichen Terroristen und sie wurden interniert für nichts. Dann nach jahrelanger unmenschlicher Haft ohne Prozess können manche nirgendwo mehr hin. Und dann kommt Deutschland und verblüfft mit der humanitären Geste gleich zwei dieser bedauernswerten Gefangenen zu übernehmen. Wären die Gefangenen Eisbären oder andere angesagte Tiere, würde sich ganz Deutschland um sie reißen!!!
200 Gefangene wäre ein Wort! Aber 2 (!) und das auch noch feiern ist peinlich...
undueberhaupt (07.07.2010, 16:43 Uhr)
Was die Amis sich rausnehmen...
...eine Art Konzentrationslager errichten, unschuldige Leute dort unterbringen und foltern - das ist unmenschlich und pervers!
Amerika hat die Verantwortung dafür, alle wissen das, keiner tut was. Selbst 2 Jahre nach der Amtseinführung von Obama ist dieser nicht in der Lage Klarheit zu schaffen. Dieser Mann gehört vor den internationalen Gerichtshof, die Vereinigten Staten von Amerika geächtet, die Menschen in dem Lager sollten sofort frei kommen und in ein Land ihrer Wahl gebracht werden. Das sind wir diesen Leuten schuldig, alle Staaten die zugeschaut haben und diese Methoden der Amis gebilligt haben.
Bienban (07.07.2010, 16:36 Uhr)
Dank An Hamburg Und Rheinland-Pfalz
Zwei Bundesländer haben Humanität und Christentum bekundet und das ist wahrhaft nicht selbstverständlich in unserem mit Vorurteilen und immer mehr von Fremdenfeindlichkeit geprägten Land. Ein Beispiel für unsere Gesellschaft verbunden mit der Hoffnung, daß es diesen geschundenen Menschen gut ergehen möge und sie einigermaßen Frieden finden. Das diese Menschen nicht in den Folter-Land USA leben möchten ist nur allzu verständlich, ebenso das in ihren Heimatländern keine Sicherheit vorhanden ist bzw. ihre einstigen Verräter warten.
Alpenkraxler (07.07.2010, 16:35 Uhr)
Selbst denken
Ja wenn man mal wirklich gründlich darüber nachdenkt, warum diese Häftlinge bei uns aufgenommen werden sollen, dann zieht man sehr interessante Schlüsse. Wenn man noch in der Lage ist, kritisch zu denken und zu hinterfragen, versteht sich natürlich.
mantrid (07.07.2010, 16:21 Uhr)
Schlage Austausch vor
Können wir nicht noch ein paar mehr gegen unsere sogenannten Spitzenpoltiker eintauschen?. Damit könnten wir doch den inneren Frieden in diesen, unserem Lande sichern!
x-cube (07.07.2010, 16:15 Uhr)
@RDUKE7777777
100% Zustimmung.
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