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9. Juli 2009, 19:15 Uhr

Politiker fordern Aus für Krümmel

Trotz der von Vattenfall angekündigten Prüf-Offensive häufen sich die Forderungen nach einem endgültigen Aus für das AKW Krümmel. Nicht nur die SPD, allen voran Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, ist für die endgültige Schließung der Anlage. Auch aus der Union gibt es mittlerweile Kritik.

Krümmel, AKW

Viel Wirbel um das AKW Krümmel in Geesthacht: Der Betreiber Vattenfall hält an der Sicherheit der Anlage fest© Roland Magunia/DDP

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verlangt die endgültige Schließung des Atomkraftwerkes Krümmel. "Die wiederholten Pannen in Krümmel haben das Vertrauen vieler Menschen in die Atomenergie weiter erschüttert", sagte Steinmeier. Vattenfall habe seine "Bewährungsprobe" nicht genutzt. Dafür wollte sich am Donnerstagabend auch der Parteirat der Nord-SPD auf Vorschlag von Landeschef Ralf Stegner einsetzen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul warf Stegner Aktionismus und Populismus vor. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte einen rascheren Atomausstieg für alte Meiler direkt nach der Bundestagswahl. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte der "Passauer Neuen Presse": "Die Kernkraftwerke sind die bestüberwachten Anlagen in Deutschland."

Der Störfall hat aus Sicht von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) das Vertrauen in Stromversorgung durch Atomkraft stark erschüttert. "Gelingt es Vattenfall nicht, dieses Vertrauen wieder herzustellen, bin auch ich der Überzeugung, dass das Kraftwerk endgültig vom Netz gehen muss", sagte er der "Hamburger Morgenpost". Die grundsätzliche Position der CDU sei davon unberührt. Grünen-Bundestagsvize Bärbel Höhn sagte: "Es gibt starke Indizien, dass Vattenfall kein zuverlässiger Betreiber von Atomkraftwerken ist".

In Kiel forderte Grünen-Landeschefin Marlies Fritzen Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) auf, entsprechend seiner Ankündigung dafür zu sorgen, dass Krümmel stillgelegt wird. FDP-Fraktionsvize Heiner Garg äußerte sich ähnlich. Carstensen fehle aber dafür jede Regelungskompetenz. Auch Lars Harms vom SSW verlangte das Aus für Krümmel. Mit einer Forderung nach Stilllegung befasst sich an diesem Freitag auch die Ratsversammlung in Geesthacht. Dazu bringen die Grünen einen Dringlichkeitsantrag ein. Vattenfall soll aufgefordert werden, den Reaktor nicht wieder anzufahren.

Der Stromkonzern Vattenfall überprüft im Atomkraftwerk Krümmel nach der Trafo-Panne auch den Reaktor. Vattenfall Europe kündigte am Donnerstag an, alle 80.000 Brennstäbe des abgeschalteten Meilers zu untersuchen, weil mindestens ein Brennstab defekt sei. Vorstandschef Tuomo Hatakka entschuldigte sich nach dem Kurzschluss eines Transformators am Wochenende und kündigte eine umfassende Prüfung sämtlicher Abläufe an. Er hält aber an dem Meiler fest. "Krümmel ist sicher."

An diesem Freitag soll in Krümmel der Reaktordruckbehälter geöffnet werden, um nach dem beschädigten Brennstab zu suchen. "Wir gucken Brennstab für Brennstab an", sagte der Geschäftsführer der Nuklearsparte, Ernst Michael Züfle. Von den 80.000 Stäben seien möglicherweise "einige wenige" defekt. Ein solcher Schaden sei nicht bekannt gewesen, als das Kraftwerk vor gut zwei Wochen nach zweijähriger Pause ans Netz gegangen war. Hintergrund könnte ein Filterungsproblem im Wasserkreislauf sein. Mit dem Trafo-Kurzschluss habe dies vermutlich nichts direkt zu tun. Laut Vattenfall muss mit zwei bis drei defekten Brennstäben pro Jahr gerechnet werden.

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht davon aus, dass es sich um einen geringen Schaden ohne Gefahr für die Sicherheit handelt. GRS-Sprecher Sven Dokter sagte der Zeitung "Die Welt", größere Schäden an Brennstäben würden in der Regel während des laufenden Betriebs festgestellt, weil dann die Radioaktivität des Reaktorwassers schneller steige. Werde die Kontaminierung erst nach der Abschaltung erkannt, spreche das für kleinere Brennstab-Schäden. "Jetzt stehen alle Prozesse, technisch und organisatorisch, auf dem Prüfstand", sagte Vattenfall-Spitzenmanager Hatakka. Dazu sei ein interner Sonderermittler eingesetzt worden. Die Ereignisse hätten verständlicherweise zu Unruhe in der Bevölkerung geführt. "Ich kann mich dafür nur entschuldigen." Der Fall sei ein herber Rückschlag im Bemühen um mehr Vertrauen. Die Ursachen der Panne vom Wochenende sind noch nicht komplett geklärt.

Wann Krümmel wieder ans Netz geht, ist offen. Der Austausch zweier Transformatoren dauert Monate. "Es ist viel zu früh, jetzt über eine Wiederanfahrt zu reden", sagte Hatakka. Ein völliges Abschalten der 26 Jahre alten Anlage stehe nicht zur Debatte. Zweifel an der Zuverlässigkeit als Betreiber wies Vattenfall zurück. "Es gibt keinen Grund, wegen dieses Einzelfalls das Sicherheitssystem von Krümmel infrage zu stellen."

DPA/AFP
 
 
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