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Zentis hat Wulffs Filmball-Besuch gesponsert

In der Debatte um bezahlte Übernachtungen von Christian Wulff gibt es neue Vorwürfe. Wulff hat sich einen Besuch des Deutschen Filmballs 2010 vom Marmeladen-Konzern Zentis finanzieren lassen.

In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff machte die Münchner "Abendzeitung" einen weiteren Fall bekannt. Demnach hat sich Wulff eine Reise zum Deutschen Filmball 2010 in München vom Marmeladen-Konzern Zentis samt Übernachtung im Bayerischen Hof finanzieren lassen. Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigte den Filmball-Besuch am Donnerstag auf Anfrage. Die Bezahlung der Übernachtung sei im Einklang mit den neuen Durchführungsregelungen zum niedersächsischen Ministergesetz gewesen. Danach konnten die einladenden Gastgeber Reise- und Übernachtungskosten für Regierungsmitglieder übernehmen, "sofern ausgeschlossen war, dass die Annahme einer unentgeltlichen Leistung das betreffende Regierungsmitglied in der Erfüllung seiner Amtsaufgaben beeinflusst oder behindert".

Der Anwalt bestätigte auch Angaben der "Abendzeitung", dass der damalige Ministerpräsident wenige Wochen zuvor als Redner bei der Jahresabschlusskonferenz des Unternehmens aufgetreten sei. Wulff habe am 10.12.2009 in einem Hotel in den Niederlanden vor der Jahresabschlusskonferenz einen Vortrag gehalten über Fragen der Lebensmittelwirtschaft. "Er hat die Führung der Zentis-Gruppe anlässlich dieses Termins überzeugen können, die zentrale Führungstagung des folgenden Jahres in Wolfsburg durchzuführen", teilte der Anwalt mit.

Derweil wollen die Ermittler nach der Durchsuchung von Privaträumen des früheren Wulff-Sprechers Olaf Glaeseker die sichergestellten Computerdateien und Dokumente auswerten. Gegen den 50-jährigen Glaeseker wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Die Fahnder verschafften sich auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt, der zu Wulffs Ministerpräsidentenzeit enge Kontakte zur Staatskanzlei gehabt haben soll und der Bestechung Glaesekers verdächtigt wird. Glaeseker wird verdächtigt, Durchführung und Finanzierung der von Schmidt ausgerichteten Veranstaltungsreihe Nord-Süd-Dialog gefällig gefördert und im Gegenzug kostenlose Urlaube in Feriendomizilen von Schmidt verbracht zu haben. Glaesekers Anwalt kündigte an, die Vorwürfe nach Akteneinsicht zu entkräften.

Untersuchungsausschuss zur Wulff-Affäre

Unterdessen steht im niedersächsischen Landtag am Freitag erneut der umstrittene Hauskredit des damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff im Fokus. In einer ersten Beratung wollen sich die Abgeordneten über die von der Linken geforderte Einsetzung eines Untersuchungsausschusses verständigen. Eine Abstimmung ist aber erst für Februar geplant. Die nötige Stimmenzahl für eine Einsetzung eines solchen Ausschusses ist nicht sicher.

Wulff hatte Glaeseker als Sprecher ins Präsidialamt mitgenommen, ihn mitten in seiner Kreditaffäre vor Weihnachten aber entlassen, ohne Gründe anzugeben. Wulff steht seit Mitte Dezember wegen eines günstigen Hauskredits, wegen Urlauben bei vermögenden Freunden und wegen seines Umgangs mit den Medien in der Kritik.

kave/DPA/DPA

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