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Grass erntet Lob vom Iran und der Friedensbewegung

Günter Grass' Gedicht über Israels Atompolitik schmiedet erstaunliche Allianzen. Sowohl der Iran als auch die deutsche Friedensbewegung bedanken sich bei dem Nobelpreisträger.

  Für sein Israel-kritisches Gedicht bekommt der Schriftsteller Günter Grass Unterstützung aus dem Iran und von der deutschen Friedensbewegung

Für sein Israel-kritisches Gedicht bekommt der Schriftsteller Günter Grass Unterstützung aus dem Iran und von der deutschen Friedensbewegung

Der Iran hat das Israel-kritische Gedicht des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass begrüßt. In einem von den iranischen Medien am Samstag zitierten Brief an den "bedeutenden Schriftsteller" lobte Vize-Kulturminister Dschawad Schamakdari den 84-Jährigen, er habe mit seinem Gedicht "die Wahrheit gesagt". Er hoffe, die Kritik werde "das eingeschlafene Gewissen des Westens aufwecken", schrieb Schamakdari weiter.

"Ich habe Ihr warnendes Gedicht gelesen, das auf so großartige Weise Ihre Menschlichkeit und Ihr Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringt", heißt es in dem Schreiben des stellvertretenden iranischen Kulturministers an Grass weiter. "Mit ihrer Feder allein können Schriftsteller Tragödien eher verhindern als Armeen."

Friedensbewegung bedankt sich bei Grass

Auch die deutsche Friedensbewegung hat Grass in Schutz genommen. Er habe mit seinem Text dazu beigetragen, das Bemühen um eine friedliche Lösung im Iran-Konflikt "wieder auf die Tagesordnung zu setzen". In Form eines Gedichtes nahm der Mitbegründer der Ostermärsche, Andreas Buro, für die Dachorganisation Kooperation für den Frieden am Samstag Stellung zu der Diskussion um das Grass-Gedicht "Was gesagt werden muss".

Buro schreibt: "Günter Grass hat vor Krieg gewarnt, Israel als eine Gefahr für den Weltfrieden bezeichnet. Wir hätten auch die USA, die Erfinderin der Achse des Bösen, genannt, aber auch die vielen arabischen und islamischen Staaten, die (...) aktuelle Konflikte anheizen. Deutschland, das in Konfliktzonen Waffen liefert."

Die Friedensbewegung fordere "zum großen Wettbewerb auf um eine friedliche Lösung, um einen Nichtangriffspakt zwischen den Kontrahenten" und auch um eine Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran. Das Gedicht schließt mit den Worten: "Deutschland könnte dazu beitragen. Günter Grass hat dazu beigetragen, diese Aufgabe wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Danke!"

Reich-Ranicki kritisiert Grass scharf

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat Grass für sein Gedicht derweil scharf angegriffen. Es sei "ein ekelhaftes Gedicht", das politisch und literarisch wertlos sei, sagte Reich-Ranicki der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Literatur- Nobelpreisträger stelle "die Welt auf den Kopf". "Der Iran will Israel auslöschen, das kündigt der Präsident immer wieder an, und Günter Grass dichtet das Gegenteil. Das ist eine Gemeinheit, so etwas zu publizieren", betonte Reich-Ranicki, der aus einer jüdischen Familie stammt.

Das Gedicht sei ein geplanter Schlag nicht nur gegen Israel, sondern gegen alle Juden. Reich-Ranicki betonte, Grass sei kein Antisemit, aber er spiele gezielt auf antisemitische Neigungen in Teilen der Bevölkerung an. Darum mache ihm das Gedicht auch Angst.

Grass präzisiert seine Kritik

Grass hatte mit seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" vor allem in Deutschland eine heftige Debatte ausgelöst. Darin wirft er Israel vor, mit seiner Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Insbesondere kritisierte Grass, dass sich die Atommacht Israel das Recht auf einen Erstschlag vorbehalte.

Inzwischen präzisierte der Schriftsteller, mit seiner Kritik habe er die Politik der gegenwärtigen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gemeint und nicht pauschal den Staat Israel. Den iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete Grass in seinem Gedicht als "Maulhelden".

Der Westen und Israel werfen dem Iran vor, heimlich am Bau von Nuklearwaffen zu arbeiten - Teheran weist dies zurück. Die offiziell nicht-erklärte Atommacht Israel, die sich von Teheran in seiner Existenz bedroht fühlt, erwägt seit Monaten einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen. Dies löst allgemein Besorgnis vor einem Krieg in der Region aus.

mlr/AFP/DPA/DPA
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