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16. Mai 2009, 13:40 Uhr

FDP bleibt trotz Krise bei Steuerplänen

Was ist das beste Konjunkturprogramm? Die Abwrackprämie? Investitionen in den Straßenbau? Die FDP meint: massive Steuersenkungen. Kanzlerin Merkel sieht das prinzipiell ähnlich - auf einen Zeitpunkt will sie sich aber nicht festlegen.

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Parteichef Guido Westerwelle schwört die Partei auf einen Steuerwahlkampf ein© David Hecker/DDP

Die FDP verspricht den Bürgern für den Fall eines Wahlsiegs trotz der Wirtschaftskrise massive Steuersenkungen. "Gerade jetzt ist eine Steuerstrukturreform das beste Konjunkturprogramm, das man machen kann", betonte Generalsekretär Dirk Niebel in der Debatte über das Wahlprogramm beim FDP-Parteitag in Hannover. Ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem würde auch der Schwarzarbeit den Boden entziehen, die in Deutschland ein Volumen von 350 Milliarden Euro erreicht habe. Allein durch diese zusätzlichen Einnahmen lasse sich die von der FDP geplante Steuerreform finanzieren.

Der Bundesregierung warf Niebel völliges Versagen in der Steuerpolitik vor. Der Aufschwung sei nicht bei den Menschen angekommen. "Ein einziger hat kassiert, und das war (Finanzminister) Peer Steinbrück", kritisierte er mit Verweis auf die Steuererhöhung der Großen Koalition. Steinbrück habe die zusätzlichen Milliardeneinnahmen aber verzockt und werde dazu nun auch noch Milliarden Euro neuer Schulden anhäufen.

Union will sich bei Steuerplänen nicht auf Zeitpunkt festlegen

Die Liberalen stellen sich damit gegen den Wunschkoalitionspartner CDU/CSU. Die Spitzen der Union wollen sich angesichts der erwarteten Steuerausfälle von mehr als 300 Milliarden Euro in der kommenden Wahlperiode nicht auf einen Zeitpunkt für eine Steuerstrukturreform festlegen. Laut "Spiegel" vereinbarten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer, im gemeinsamen Wahlprogramm, das Ende Juni vorgestellt wird, keinen festen Termin für eine Steuersenkung zu nennen.

Merkel unterstrich aber ebenfalls - allerdings ein paar hundert Kilometer vom Parteitag in Hannover entfernt - die prinzipielle Bedeutung von Steuersenkungen als Mittel gegen die Wirtschaftskrise. Nur mit Investitionen in die Zukunft und mit Entlastungen gelinge der Weg aus der für Deutschland schlimmsten Krise in den vergangenen 60 Jahren, sagte sie bei der Eröffnung des CDU-Europawahlkampfs in Aachen. "Entlastung, Zukunftsinvestition und solide Haushaltsführung gehören für uns zusammen. Das ist der Dreiklang, mit dem wir Wachstum schaffen und aus der Krise herauskommen."

Union: Steuersenkungen nach Höhepunkt der Krise

Die FDP geht wie in den Jahren zuvor davon aus, dass sie die mehr als 30 Milliarden Euro Entlastung über die Ankurbelung von Privatkonsum und Investitionstätigkeit der Unternehmen aufbringen kann. Hinzu kommt ein Subventionsabbau in einem Umfang von 10 Milliarden Euro.

Die Unionsspitze will dem Bericht zufolge Steuersenkungen erst dann ins Auge fassen, wenn die Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt überschritten hat. Merkel habe im Parteipräsidium am vergangenen Montag gesagt, vor Mitte der Legislaturperiode werde es vermutlich keinen Spielraum für niedrigere Steuern geben. Seehofer habe Wert darauf gelegt, schnelle Steuersenkungen nicht auszuschließen.

Harte Kritik der FDP an Merkel

Mit scharfer Kritik bedachte der FDP-Generalsekretär auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Früher dachte ich, sie wolle Kanzlerin werden, um etwas zu bewegen. Mittlerweile befürchte ich, sie wollte Kanzlerin werden, um es zu sein", sagte Niebel. Dennoch wolle die FDP eine bürgerliche Regierung der Mitte bilden. Weil die Union aber auch für andere Bündnisse offen sei, garantiere nur die Wahl der FDP ein Ende der großen Koalition und gebe einem Linksbündnis keine Chance.

Die FDP geht mit dem zentralen Versprechen in den Wahlkampf, die Bürger um bis zu 35 Milliarden zu entlasten. Sie will dazu einen Stufentarif mit Sätzen von zehn, 25 und 35 Prozent einführen. Der Wunschpartner Union ist in der Frage von Steuersenkungen allerdings noch uneins. Von der Stärke der Union wird wohl auch abhängen, ob eine schwarz-gelbe Regierung nach der Wahl überhaupt möglich ist.

FDP weiter im Umfragehoch

Die FDP selbst hat in den vergangenen Monaten mit Umfrage-Rekorden von bis zu 18 Prozent wie keine andere Partei von der Finanzkrise profitiert. Derzeit liegen die Liberalen bei etwa 14 Prozent und damit immer noch deutlich über ihrem Ergebnis von 9,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2005.

Parteichef Guido Westerwelle hatte zu Beginn des Parteitags am Freitag eine feste Koalitionsaussage vermieden und auch eine Ampel-Koalition nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Programmatische Übereinstimmungen mit SPD und Grünen sieht er derzeit allerdings nicht. Zum Abschluss des Parteitags am Sonntag wollen die Liberalen ihr Wahlprogramm verabschieden.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
utospatz (18.05.2009, 21:53 Uhr)
In Berlin sollte man eigentlich
eine Abwrackprämie für überflüssige Politiker ins Kalkül fassen.
Der überwiegende Anteil von Politikern hätte das vorletzte Spargelstechen nicht überlebt!
Armleuchter bleibt Armleuchter, wenn denen die Toilettenfrau hinterherhechtet, um Papier nachzureichen, sind die doch aufgeschmissen. Oder sie haben einen privaten Service-Dienst, der darüber wacht, dass keiner dießer Deppen in die Hosen macht!(in der BRD ist fast jede Regierung eine Ansammlung von Deppen) Ist aber schön zuzusehn!
Aquarius2 (17.05.2009, 12:13 Uhr)
Die Zahl der Wähler
gibt der FDP natürlich keine Legitimation zur Regierung.
Die von der FDP vertretenen Minderheiten erwarten jedoch selbstverständlich, dass ihre Interessen in einer Regierung vertreten werden.
Verrückte Welt ... .
Demokratie.
satyrffm (17.05.2009, 12:04 Uhr)
Wenn man das Ziel Steuersenkungen
überhaupt nicht hat, kann man es auch nicht erreichen. Schlecht für die Bürger. Wenn man das Ziel hat, aber keine Zeitpunkte definiert, hat man zwar ein gutes Ziel, aber ohne Zeitplan schlecht zu überprüfen. Immerhin besser ein gutes Zielohne Zeitplan (/der muss ganz schnell difiniert werden, Frau Merkel), als definitiv allen Bürgern aus Mangel an Perspektiven und Ideen Schlechtes zumuten zu wollen.
sedanon (17.05.2009, 11:01 Uhr)
Wer ernsthaft in Betracht zieht,
die Clowns der FDP zu wählen, sollte sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.
Oder sollte der deutsche Wähler wirklich derart dämlich sein und den offensichtlichen Stuß der FDP für bare Münze nehmen ?
romeodelta (17.05.2009, 10:10 Uhr)
Steuersenkungen?
gestern wurde ganz leise sogar über eine Mehrwertsteuererhöhung berichtet. Was, denkt Ihr, steht uns bevor? - trotz FDP!
AST61 (17.05.2009, 01:25 Uhr)
der hat eigentlich recht...
aber er ist einer von den "Etablierten"
Was soll man denen noch glauben?
kalaehne (16.05.2009, 23:19 Uhr)
Mindereinnahmen mit Steuersenkungen ausgleichen,...
..Wir wollen mitregieren, sagt Westerwelle. Mit Steuersenkungen , insbesondere für den Mittelstand. Auf derartige Ideen können eigentlich nur Vertreter / innen internationaler Heuschrecken kommen...Zudem, durchgerechnet soll das neue Steuer - System der FDP sein ! Geschehen ist dieses bestenfalls vor der von einer langen Reihe von Unternehmen, Unternehmern und deren Managern , auch des Mittelstandes , verursachten Wirtschaftskrise. Geschehen wohl auch vor der aktuellen Steuerschätzung Mai 2009, die in den nächsten Jahren weit über 300 Milliarden Euro Mindereinnahmen bei Steuern prognostiziert .... So sollte keine Partei auf Stimmenfang gehen, die ernst genommen werden will... Diplomkaufmann Juergen Kalaehne BGM a. D.
rheinelbe (16.05.2009, 22:42 Uhr)
TOTAL LIBERAL
"Im liberalen Sinne ist liberal nicht nur liberal, sondern liberal" hieß es einst in einem bekannten Sketch von Loriot.
Die FDP-Freiheit meint nur die Freiheit der Reichen, also einer kleinen Minderheit.
Das liberale Bürgerrecht ist Reichenrecht. Das ist die Freiheit zu zocken.
Das Ergebnis ist bekannt.
Die Schreckensbilanz wird nach der Bundestagswahl gezogen.
Die Arbeitslosen haben übrigens das Recht, frei von der Arbeit zu sein!
"Im Verhältnis des Starken zu dem Schwachen versklavt die Freiheit, während das Gesetz befreit."
Rousseau
Genau darin liegt die Aufgabe und die Berechtigung eines modernen und freien, demokratischen Staates.
Westerle.Merkwelle (16.05.2009, 20:32 Uhr)
Maßlose Selbstbedienungsmentalität
Die FDP will das Steuersystem vereinfachen. Das Motto lautet dabei "Mehr Netto vom Brutto". Aber tatsächlich geht es der FDP um die weitere Reduzierung der Steuern für die Reichen. Das Resultat sind weitere Defizite im Staatshaushalt, was wiederum bestens dafür taugt, die Sozialausgaben weiter zu reduzieren, da dafür ja kein Geld mehr da ist.
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Stoppt diese Scharlatane! Keine Stimme dieser Klientelpartei!
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Westerwelle und seine ewig gestrige FDP stehen für die Freiheit des Kapitals und des Marktes - alle anderen Sonntagsreden sind Kosmetik.
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Ihre Doktrinen finden sich allerdings auch in anderen Parteien, weshalb diese alle um die Senkung der Spitzensteuersätze und die Zerschlagung des Sozialstaates wetteifern.
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Die alten Theorien des Liberalismus, die im 19. Jahrhundert Hunger und Elend über Millionen von Europäern brachten, wurden von den Westerwelles , Schröders und Biedenkopfs dieser Republik aus den Mottenkisten geholt und als moderne, adäquate Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung dargestellt.
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Nicht mehr der Mensch, sondern der Gewinn steht im Mittelpunkt politischen Handelns.
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Die neoliberale Politik der letzten 20-30 Jahre hat ihren Ausgangspunkt in der Chikagoer Schule von Milton Friedman in den USA. Naomi Klein(naomiklein.org), eine anerkannte kanadische Journalistin, beschreibt in ihrem Buch "Die Schockstrategie" sehr präzise und gut recherchiert die Zusammenhänge zwischen dem sozialen Kahlschlag, dem Abbau von Grundrechten, den Folterregimen dieser Welt und dem Liberalismus.
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Ich kann dieses Buch nur allen empfehlen, die verstehen wollen, warum und wie alle Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte unsere Republik zurück ins 19. Jahrhundert führen wollten bzw. wollen. Danach weiß man, wen man nicht mehr wählen sollte.
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# Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1 (10. September 2007)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3100396111
# ISBN-13: 978-3100396112
warumdennnicht (16.05.2009, 19:25 Uhr)
Die FDP fordert also ...
der Staat soll sich aus dem Markt heraushalten und die Menschen privat versichern. Toll!
Warum sind dann in den Jahren, in denen die FDP mit an der Regierung war, die Subventionen für bestimmte Wirtschaftszweige noch und nöcher gestiegen, ebenso für Wirtschaftsinstitute und natürlich die Beihilfen für die Parteien. Da hat sich die FDP aber richtig zurückgehalten aus dem Markt, also jedenfalls aus den Teilen des Marktes der keine Wählerstimmen brachte.
Und was da an Subventionen geflossen ist noch ehe Miliarden an Rettungsschirmen hinzukamen, das hat sich dermaßen summiert, da kommen die Konjunkturpakete fürs Fußvolk eher als die legendären Peanuts daher. Natürlich hat die FDP um diese Subventionen zu erwirtschaften zusammen mit Kohl auch gleich den Höchststeuersatz gesenkt. Irgendwo muss das Geld ja herkommen und der Markt regelt alles!!!
Und wo sind all die Finanzgenies vorher gewesen, die nun das Wahlprogramm der FDP aus dem Hut zaubern? Sind das nicht die selben Experten, die als Aufsicht in den Landesbanken saßen?
Oder hat die FDP bei Professor vegefranz abgeschrieben?
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