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7. November 2009, 19:11 Uhr
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PKW-Maut? Das war der Poltergeist!

Armer Dr. Peter Ramsauer! Wurde von einem Poltergeist mit der PKW-Maut übertölpelt. Und Merkel von GM. Guttenberg passiert so was nicht. Zeit für den Abwasch. Von Jan Rosenkranz

Abwasch, Ramsauer, PKW-Maut

Muss Ramsauer die Ghostbusters rufen?

Es muss an dieser Stelle erstmals und exklusiv folgender Verdacht geäußert werden: Im Bundesverkehrsministerium, Invalidenstraße 44, Berlin-Mitte, herrscht ein Poltergeist. Er herrscht dort schon länger, legislaturübergreifend und also demokratisch in keiner Weise legitimiert. Er sorgt dafür, dass noch jeder, der das schwere Los gezogen hat, Minister unter ihm zu werden, binnen kurzer Zeit als Depp gilt.

Dr. Peter Ramsauer hat das Pech, Verkehrsminister geworden zu sein. Vielleicht hat er es nicht bemerkt. Hat den Poltergeist mit der guten Fee verwechselt, die im Auswärtigen Amt umherschwebt und umgehend dafür sorgen wird, dass sogar Guido Westerwelle auf ewig papstähnliche Popularitätswerte genießen darf. Kinderspiel. Als erstes macht sie Deutschland atomwaffenfrei und versöhnt damit die letzten friedensbewegten Grünen-Wähler mit der FDP. Der Rest kommt später.

Dr. Peter Ramsauer hat es aber mit dem Poltergeist zu tun. Bereits in dieser Woche hat er sich gemeldet. Es kann nur er gewesen sein. Wer denn sonst? Dr. Peter Ramsauer weiß schließlich, dass die Kanzlerin die Pkw-Maut verabscheut, dass die Maut darum im Koalitionsvertrag mit keinem Wort erwähnt ist und dass es darum ziemlich heikel wäre, in dieser Woche per Interview mal eben anzukündigen: "Wir wollen, dass das Straßennetz stärker durch die Nutzer finanziert wird. Die Lkw-Maut war ein Anfang." Zack, und schon hatte der Minister sein erstes Problem, nein, seine ersten Probleme: ein mediales, eines mit der Opposition, eines mit der Autolobby und das größte mit dem Kanzleramt.

"Nicht auf der Tagesordnung"

Dr. Peter Ramsauer blieb am anderen Tag nichts weiter übrig, als den Schaden zu begrenzen, verkleidet in dürre Worte. "Nicht auf der Tagesordnung" und so. Doch da hatte der Poltergeist längst verkündet, eine Kommission werde eingesetzt, die sich des Themas ganz grundsätzlich annehmen solle. Es kann nur er gewesen sein, der Poltergeist. Dr. Peter Ramsauer weiß, dass im Koalitionsvertrag schon sechs Kommissionen plus 84 Prüfaufträge vereinbart worden sind.

Dr. Peter Ramsauer kannte die allgemeine Kommentarlage, zu der ein Satz ganz wunderbar gepasst hätte: "Ich verstehe jeden Autofahrer gut, der sagt: In Deutschland ist Krieg." So ein ähnlicher hat in dieser Woche für allerhand Furore gesorgt. Aber der stammt ja von Guttenberg, diesem Tausendsassa, neuerdings Verteidigungsminister. Und der meinte die Soldaten und Afghanistan. An den sollte sich der Ramsauer halten. Aus dem wird mal was. Was ganz Großes. Da manövrierte sein Vorgänger Jung bis zur sprachlichen Verrenkung um das böse K-Wort herum, als ginge es beim Sterben um Semantik. Kaum ist der junge Baron in Amt und Würden, spricht er aus, was ist - und wird als Held gefeiert. So um 1914 dürfte es zuletzt vorgekommen sein, dass jemand so viel Beifall erhalten hat für eine an sich betrübliche Nachricht: Wir sind im Krieg!

Hoffentlich muss Guttenberg diesen Satz nicht sobald über das deutsch-amerikanische Verhältnis sagen. Man macht sich schon Sorgen. Wie schnell doch grenzenlose Liebe in unbändige Wut umschlagen kann! Eben noch schmilzt die Kanzlerin vor Dankbarkeit für Luftbrücke, deutsche Einheit und den ganzen Rest vor dem US-Kongress fast vollständig dahin. Kaum dass sie wieder im Flieger hockt, wird bekannt, dass die Amis Opel nun doch behalten wollen und Jürgen Rüttgers, der Arbeiterführer von der Ruhr, im Nebenjob Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, muss mal wieder das "hässliche Gesicht des Turbokapitalismus" bemühen. Kein Mensch kann heute sagen, wo das einmal endet.

Vielleicht meldet sich demnächst der Poltergeist aus der Invalidenstraße mit folgendem Vorschlag zu Wort: Es muss ja keine Maut für alle geben. Nur für Autos amerikanischer Hersteller. Dr. Peter Ramsauer hätte wieder allerhand zu tun.

Von Jan Rosenkranz
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Gisella (08.11.2009, 12:24 Uhr)
einer
wie Tiefensee ist endlich weg vom Fenster-der nächste Dr.- Ramsauer tritt direkt ins Fettnäpfchen. alles zum wohle des Volkes.
pitiplatsch (08.11.2009, 07:54 Uhr)
Irgendjemand muß doch mehr
Netto vom Brutto haben oder ? wir Sklaven nicht, aber die Lobbyisten die Energie und Bankenmafia natürlich auch die hochintelligenten Lobbyistenabhängigen und hörigen Politiker oder ? Ich würde vorschlagen Maut für Rollstuhlfahrer für Kinderwagen Fahrradfahrer und Fußgänger die nen Spazierstock haben, alles ausschöpfen liebe Kriegskanzlerin der Krieg und das Bombadieren von Kindern muß ja finanziert werden oder ??
VolkerRockel (08.11.2009, 07:21 Uhr)
Sehen wir es doch einmal so....
..völlig wertfrei, parteiübegreifend und ohne jeden Hintergedanken: In Deutschland ist vieles im Sinne der Nachvollziehbarkeit und des Schutzes für den Bürger geregelt und in Vorschriften oder Gesetzen festgelegt.- Insbesondere gilt für viele Berufe, dass der, der einen bestimmten Beruf ausüben will, eine Befähigung nachweisen muss, die nur über das Ablegen einer Prüfung erlangt werden kann. Für viele Tätigkeiten ist zumindest ein Sachkundenachweis erforderlich.

Das ist gut so, weil: wer würde sich gerne einem Richter anvertrauen wollen, der eigentlich Bäcker ist; wer würde sich gerne von einem Chirurgen operieren lassen, der eigentlich Heilpraktiker ist; wer käme auf die Idee sich in eine Flugzeug zu setzen, dessen Pilot eigentlich Lokomotivführer ist?


Indem ich darüber nachdenke, stellt sich mir eine Frage: Welche Befähigung muss denn eigentlich ein Bürger nachweisen um sich Politiker nennen zu können oder um, sagen wir mal, Abgeordnete(r), Minister(in), Ministerpräsident(in) oder Bundeskanzler(in) zu werden?

Artikel 38, Abs. 2 des Grundgesetzes gibt Auskunft: ?Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.? und Abs. 3 ?Das Nähere bestimmt ein Bundesgesetz.?, das war?s! - Die weitere Recherche bestätigt: Letztendlich kann in Deutschland (mit wenigen Ausnahmen) jeder ein politisches Mandat ausüben oder ein politische Amt bekleiden,- sprich zum Politiker werden!

Ich bin nun doch etwas erstaunt: Kein Befähigungsnachweis, keine Prüfung, noch nicht einmal die Sachkunde muss nachgewiesen werden, um ein politisches Mandat zu erhalten oder ein politische Amt zu bekleiden!- D.h., wir vertrauen uns also als Bürgern Politiker an, die in keiner Weise nachweisen müssen, dass sie überhaupt als Politiker befähigt sind!


Ist das nun gut oder schlecht?- Sagen wir mal so: Sowohl als auch! Wenn wir den Anspruch haben demokratisch legitimierte Volksvertreter in diesem Lande zu haben,- ja; wenn wir den Anspruch haben, Politiker zu haben die nach Fähigkeit, Begabung, Wissen, sozialer Kompetenz und Erfahrung gute Politik für diese Land machen können,- nein!


Insoweit wird deutlich, dass wir hier in Deutschland einem Paradoxum begegnen. Auf der einen Seite wollen wir, dass jeder ein politisches Mandat erhalten oder eine politische Funktion ausüben kann, auf der anderen Seite erheben wir den Anspruch an eine gute Politik, die sicherlich nicht unabhängig von der Person gesehen werden kann, die ein politisches Mandat ausübt oder ein politische Amt bekleidet!- Ohne Zweifel, ein interessanter, schwerlich aufzulösender Widerspruch!?


Ich stelle für mich abschließend fest: Jede Zeit hat ihre Politiker; mal sind es herausragende, mal weniger auffällige!- Und insoweit ist müssen wir uns wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass mittelmäßige Politiker auch nur mittelmäßiger Politik können...
flyingfree (08.11.2009, 01:28 Uhr)
@oppenwehe
Und was ist mit mir? Ich muss nun auch damit leben, obwohl ich sie nicht gewählt habe.

@alle
Superberg hat nicht Krieg gesagt. Er sagte:
"In Teilen Afghanistans herrschen fraglos kriegsähnlichr Zustände."
Am Schlingerkurs um das K-Wort hat sich überhaupt nichts geändert.
oppenwehe (07.11.2009, 22:54 Uhr)
PKW-Maut
Ach, ist das goldig. Die Aufregung ist groß, und plötzlich hat niemand diese Bande gewählt.

Leute, Ihr wolltet es so. Jetzt lebt damit.
havit (07.11.2009, 22:10 Uhr)
@Inlinen
man muss bei dieser Sache einmal verstehen, dass sich Guttenberg am Anfang seiner Ministertätigkeit befand. Man muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich unsere Schwarz-Rote Regierung viel leichter getan hätte auf die Worte von zu Guttenberg zu hören, als er eine geordnete Insolvenz für Opel angeregt hat. Dieser Vorschlag wäre für Deutschland und Opel das einzig richtige gewesen, und Guttenberg hätte das von Ihnen als total schwachsinnige Papier nicht herausgeben müssen. Man muss Guttenberg nicht mögen, aber da hatte er vollkommen recht.
Inlinen (07.11.2009, 19:19 Uhr)
Guttenberg
Wenn H. Guttenberg morgen sagen würde das es übermorgen regnet und es träfe ein würde er vom Stern wieder bejubelt werden.
Jeder normal denkende Mensch in Deutschland weiß das wir in Afganistan Krieg führen, ohne irgend eine Kriegserklärung. Nur wenn H. Guttenberg von "Kriegsänlichen Zuständen" redet ,macht der Stern daraus ein weltbewegendes Ereignis.
Zur Erinnerung aus dem Hause Gutenberg kam auch mal ein total schwachsinniges Papier. Da war er noch Wirtschaftsminister.
Will hier der Stern den zukünftigen Bundeskanzler hochschreiben wie schon mal F. Merkel hofiert wurde?
Mir wird schlecht.
havit (07.11.2009, 18:45 Uhr)
Wusste gar nicht,
dass der Ramsauer auch einen Dr.-Titel hat. Braucht man den, um Politiker zu werden? Spass beiseite, aber haben unsere neuen Knalltüten namens Politiker nichts anderes zu tun wie mit Sätzen herumzuschmeissen, von deren Wirkung sie irgendwann eingeholt werden. Ramsauer, sie vertreten Deutschland und nicht Bayern. Sie sind Verkehrsminister und nicht mehr Landesgruppenchef eines Schützenvereins namens CSU. Erste Abmahnung, beim nächsten Tritt ins Fettnäpfchen, nicht Fettnapf, ab in den bayrischen Wald zum ??????. Klartext von zu Guttenberg, der endlich die Mauer des Schweigens einreisst und Worte findet, die jeder versteht, auch ausserhalb Bayerns.
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